{"id":2404,"date":"2011-06-30T19:15:37","date_gmt":"2011-06-30T17:15:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/sport-blog\/?p=2404"},"modified":"2011-07-01T00:04:37","modified_gmt":"2011-06-30T22:04:37","slug":"deutschland-nigeria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/sport-blog\/2011\/06\/30\/deutschland-nigeria_2404","title":{"rendered":"Deutschland &#8211; Nigeria 1:0"},"content":{"rendered":"<p><em>Schlussbemerkungen<\/em>:<\/p>\n<p>Wenn es noch einen Beweis bedurft hatte, dass Frauenfu\u00dfball eben so ist, wie Fu\u00dfball manchmal ist: Bitte, das zweite WM-Spiel des deutschen Teams hat ihn geliefert \u2013 welch ein Kampf, zeitweilig welch ein Krampf, vor allem: Welch ein unfaires Spiel.<\/p>\n<p>Das Team von Sylvia Neid kann sich nach dem knappen Sieg gegen Nigeria \u00e4rgern und freuen.<\/p>\n<p>\u00c4rgerlich waren die vielen Ungenauigkeiten, besonders bei den entscheidenden P\u00e4ssen. In keiner Phase des Spiels konnten die Frauen die Partie kontrollieren. Hektik und die vielen Fouls der Nigerianerinnen bestimmten den Spielverlauf. Wenn Melanie Behringer nach der Verletzung f\u00fcr weitere WM-Spiele ausfallen sollte, w\u00e4re das zudem eine Schw\u00e4chung der ersten Elf.<\/p>\n<p>Freuen \u00fcber den WM-Abend d\u00fcrften sich trotz der schwachen sportlichen Leistung die Organisatoren des Turniers. Noch kein WM-Spiel war ruppiger, keines spannender, als diese Partie. Wenn es bis hierher ein Drehbuch f\u00fcr den WM-Verlauf aus deutscher Sicht gegeben h\u00e4tte, h\u00e4tte seine Geschichte zu diesem Spiel gepasst: WM-Viertelfinale fr\u00fchzeitig erreicht, aber langweilig war es nicht.<\/p>\n<p>Die Rolle der Verliererin geh\u00f6rte auch an diesem Abend Birgit Prinz. Die in der Vergangenheit beste deutsche Spielerin w\u00fctete nach ihrer Auswechslung und starrte lange entt\u00e4uscht in die Nacht. Sie spielte erneut schw\u00e4cher als die junge St\u00fcrmerin Alexandra Popp. Die Bundestrainerin wird lange mit sich ringen m\u00fcssen, bevor sie Birgit Prinz erneut von Anfang an aufs Feld schickt.<\/p>\n<p>Apropos ringen: Annike Krahn l\u00e4chelte nicht mehr, als sie nach dem Schlusspfiff ihr Fazit zog. Sie sagte: &#8222;Das eine oder andere hatte nichts mehr mit Fu\u00dfball zu tun, sondern mir Ringkampf&#8220;. Wie wahr. Ansehnlich war es dennoch.<\/p>\n<p>Reportagen der WM-Reporter aus dem Stadion und von der mysteri\u00f6sen Fanmeile in Sinsheim folgen morgen.<\/p>\n<p><strong>Abpfiff:<\/strong> Deutschland gewinnt 1:0 und steht im Viertelfinale der WM.<\/p>\n<p><strong>92&#8242;<\/strong> Alexandra Popp windet sich nach einem Foul auf dem Boden. Die Bundestrainerin mit Tunnelblick. Szenen, bei denen ich mich bem\u00fchen muss, keine Kriegssprachbilder aufzuschreiben.<\/p>\n<p><strong>89&#8242; <\/strong>Spannende Schlussminuten. Und: Darf man(n) das sagen: Tolle Pippi-Langstrumpf-Z\u00f6pfe der einen nigerianischen Spielerin mit dem athletischen K\u00f6rper.<\/p>\n<p><strong>87&#8242; <\/strong>Der gewollte Star dieser WM, Bajramaj, kommt f\u00fcr Okoyino da Mbabi, dem werdenden Star dieser WM ins Spiel.<\/p>\n<p><strong>83&#8242;<\/strong> Wer war noch gleich diese Fatmire Bajramaj? Die haben wir doppelt f\u00fcrs Panini-Album. Wer hat was zum Tauschen?<\/p>\n<p><strong>80&#8242;<\/strong> Die Phase, in der die P\u00e4sse nicht mehr ankommen. Kim Kulig kann besser spielen.<\/p>\n<p><strong>75&#8242;<\/strong> Inka Grinks mit einem Gewaltschuss. Den h\u00e4tte nur Oliver Kahn festgehalten. Ich sag Mal: Gutes Spiel!<\/p>\n<p><strong>71&#8242;<\/strong> Der ARD-Kommentator: &#8222;Deutschland holzt zur\u00fcck&#8220;. Meine Freundin kann nicht mehr hinschauen, und unser Kollege Fritsch, der eigentlich von der Fanmeile in Sinsheim berichten wollte, ist verschwunden. Noch 15 Minuten, ohohohoh.<\/p>\n<p><strong>65&#8242;<\/strong> Felix glaubt, das die Schiedsrichterin gekauft sei. (Ja, nur von wem denn?) Ich glaube, die Frauen aus Nigeria haben etwas zu bef\u00fcrchten, wenn sie heute rausfliegen.<\/p>\n<p><strong>60&#8242;<\/strong> Erster Viertelstundecheck der zweiten Halbzeit: Das deutsche Team schafft es nicht, das Spiel zu beruhigen. Die Nigerianerinnen k\u00e4mpfen mit allen Mitteln und Tritten. Eine Minute nachdem Birgit Prinz das Feld verlassen hatte, fiel das Tor. Fu\u00dfball kann ein gemeines Spiel sein.<\/p>\n<p><strong>53&#8242;<\/strong> <strong>Tor f\u00fcr Deutschland<\/strong>, Simone Laudehr, draufgehalten wie Nichtsgutes. 1:0.<\/p>\n<p><strong>50&#8242;<\/strong> Das ungef\u00e4hr 34. harte Foul und die erste gelbe Karte f\u00fcr Nigeria.<\/p>\n<p><strong>48&#8242;<\/strong> Die M\u00e4nner aus Nigeria haben im vergangenen Sommer eine miserable WM in S\u00fcdafrika gespielt. Die Frauen spielen so zornig, als m\u00fcssten sie es nun besser machen.<\/p>\n<p>Vom DFB hei\u00dft es, Melanie Behringer habe eine Au\u00dfenbandverletzung im rechten Sprunggelenk. Von mark777 hei\u00dft es im Zusammenhang mit diesem Fu\u00dfballspiel, Frauen sind heute nicht mehr bindungsf\u00e4hig. Kein leichter Abend.<\/p>\n<p><strong>Halbzeit, 0:0:<\/strong> Pfiffe gegen Deutschland. Fouls, die an Uli Borowka erinnern und ein schnelles, zerfahrenes Spiel. Die erste Halbzeit ist das Beste, was dem Turnier passieren kann. Nach einem dr\u00e4ngenden Start der deutschen Frauen haben die Nigerianerinnen viele \u00fcberrascht.<\/p>\n<p><strong>43&#8242;<\/strong> I-Biffy, der Dede ist es wohl nicht. Aber wenn es so weiter geht, gibt es heute auch Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><strong>38&#8242; <\/strong>Ein Foul wie ein b\u00f6ser Karate-Tritt: Babett Peters Knie wird zum Opfer nigerianischer Kampfeswut. Wow, jetzt ist Gift im Spiel.<\/p>\n<p><strong>34&#8242;<\/strong> Der Kollege Spiller beobachtet im Stadion: Birgit Prinz versucht einen Fallr\u00fcckzieher. Ambitioniert, wo derzeit nicht mal der Rest klappt.<\/p>\n<p><strong>31&#8242; <\/strong>Fatmire Bajramaj macht sich warm, weil sich Melanie Behringer verletzt hat. War das ein Pferdekuss? Alexandra Popp im Spiel.<\/p>\n<p><strong>27&#8242;<\/strong> Nigeria jetzt mit Vorteilen, weil den DFB-Frauen die Ruhe fehlt. Es gibt ja Verschw\u00f6rungstheoretikerinnen, die sagen, Deutschlands Frauen spielen mit Absicht schlechter als sie k\u00f6nnten, damit diese WM spannend bleibt. So wie Sylvia Neid eben schimpfte, kann es nicht gespielt sein. Sah aus, als gibt es einen J\u00fcrgen Klopp in ihr.<\/p>\n<p><strong>17&#8242;<\/strong> Erster Viertelstundecheck: Deutschland \u00fcberlegen, etwas ungenaues Passspiel. Okoyino da Mbabi spielt wild. Birgit Prinz ist stets bem\u00fcht.<\/p>\n<p><strong>12&#8242;<\/strong> Ab jetzt keine Mann-Frau-Vergleiche mehr. Kim Kulig kommt besser ins Spiel; erst guter Zweikampf in der Defensive, dann ein guter Distanzschuss. <span style=\"text-decoration: line-through;\">Sie k\u00f6nnte der Bastian Schweinsteiger dieser WM werden.<\/span><\/p>\n<p><strong>9&#8242;<\/strong> Ein wenig erinnert mich die Sache mit der deutschen Nationalelf an die ersten Dates mit meiner Freundin. Vor dem ersten Treffen war da sehr viel Neugier, Vorfreude und ein wenig Angst, dass es doch nicht so sch\u00f6n werden k\u00f6nnte. Doch nach dem Sieg im Er\u00f6ffnungsspiel gegen Kanada war das Verlangen geweckt. Das war temporeicher, ansehnlicher Fu\u00dfball. Ob es passt, mit ihr und mir, das entschied sich erst nach der zweiten Verabredung. Sieht so aus, als ob die deutschen Fu\u00dfballerinnen heute Fu\u00dfballdeutschland erneut begeistern k\u00f6nnen. Geht flott los, schnelles Spiel&#8230;<\/p>\n<p><strong>2&#8242;<\/strong> 98prozentige Chance zum 1:0 f\u00fcr Simone Laudehr, die 80 Zentimeter vor der Torh\u00fcterin eben diese anschie\u00dft. Ein Gl\u00fcck noch kein Tor. Soll doch spannend bleiben.<\/p>\n<p><strong>1&#8242;<\/strong> Auf geht es, noch 90 Minuten bis zum Einzug ins Viertelfinale. Mein Tipp: 4:1<\/p>\n<p><strong>20:42 Uhr<\/strong> Der Moment des obligatorischen oder nicht obligatorischen Mitsingens (stehen Sie bei der Hymne auf, Zuhause von der Couch, drau\u00dfen im Garten, im Stadion oder im Bett?). Der Kollege Christian Spiller ist einer von 48.837 Zuschauern im Stadion und twittert sich warm. Ich zitiere: <em>&#8222;Borsti&#8220;, &#8222;Palle&#8220; und &#8222;BillySGE&#8220; sind \u00fcbrigens auch da. <a title=\"#zaunfahnenobwohlesgarkeinenzaungibt\" rel=\"nofollow\" href=\"http:\/\/twitter.com\/#%21\/search?q=%23zaunfahnenobwohlesgarkeinenzaungibt\">#zaunfahnenobwohlesgarkeinenzaungibt<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>20:40 Uhr<\/strong> Da, die Nummer vier der Nigerianerinnen: Perpetua Nkwocha. Wenn eine heute im Trikot der Gr\u00fcnen was rei\u00dft, dann diese Frau, das habe ich mir zumindest so sagen lassen. \u00dcber Birgit Prinz reden sie in diesem Land alle. Meine These: Sie ist nicht schlechter geworden, fast alle anderen Nationalspielerinnen sind nur technisch besser geworden.<\/p>\n<p><strong>20:30 Uhr<\/strong> Eben noch einen Kollegen im Redaktionsaufzug getroffen. Es sagte, er habe bisher noch kein WM-Spiel gesehen. Er traue sich nicht, nach allem was man so h\u00f6rt. So schlimm ist es ja nun auch nicht.<\/p>\n<p>Die Aufstellungen:<\/p>\n<p><strong>Deutschland:<\/strong> Angerer &#8211; Bresonik, Krahn, Bartusiak, Peter, Laudehr, Kulig, Garefrekes, Prinz, Behringer, Okoyino da Mbabi<\/p>\n<p><strong>Nigeria:<\/strong> Dede &#8211; Ikidi , Ohale , Ebi , Ukaonu &#8211; Michael , Chikwelu &#8211; Mbachu , Orji &#8211; Nkwocha &#8211; Oparanozie<\/p>\n<p><em>Vorbemerkungen<\/em><\/p>\n<p>Deutschland gegen Nigeria: Es ist nur ein Fu\u00dfballspiel. Jaja, schon   klar. Weil es bei dieser WM doch auch immer um den   Mann-und-Frau-Vergleich geht, etwas vorweg: Ich bin ein Mann! Auch ich   habe <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2011-06\/frauenfussball-wm-angst-reporter\" target=\"_self\">die Angst<\/a> in mir. Ich kann die Aufstellung der deutschen <span style=\"text-decoration: line-through;\">Mannschaft<\/span> Elf nicht auswendig aufsagen, aber neben mir liegt das   Panini-Sammelheft mit vielen Namen und Fakten. Kritisieren Sie meinen   Frauenfu\u00dfballsachverstand, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2011-06\/frauen-wm-fussball-2011-emanzipation-frauen-hass?commentstart=273#cid-1421405\" target=\"_self\">nennen Sie mich Alice Schwarzer:<\/a> Ich blogge heute und schaue mir das Spiel bis zum Ende an.<\/p>\n<p>Die sportliche Ausgangssituation ist eindeutig: Deutschland ist der Favorit, in jedem WM-Spiel, in diesem sowieso. Sylvia Neid wird wohl trotz des offensichtlichen Sturm-Problems &#8211; <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2011-06\/nationalmannschaft-sturm-mbabi-prinz\" target=\"_self\">es gibt zu viele gute St\u00fcrmerinnen<\/a> &#8211; nicht die besten Angreiferinnen aufstellen, sondern Birgit Prinz statt Alexandra Popp spielen lassen. Alte Verdienste werden honoriert. &#8222;Hacke, Spitze, 4-2-3&#8220;-1 titelten die Kollegen vom <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/sport\/deutschlands-taktik-gegen-nigeria\/4339480.html\" target=\"_self\">Tagesspiegel<\/a> heute. Soll hei\u00dfen: Das taktische System der DFB-Elf ist klar und gut, gegen Nigeria soll es nun auch noch sch\u00f6ner aussehen. Weniger lange hohe Bolzp\u00e4sse, mehr genaues Kurzpassspiel.<\/p>\n<p>Die Frauen aus Nigeria haben im ersten WM-Spiel gegen Frankreich entt\u00e4uscht. Sie m\u00fcssen gewinnen, um nicht zum xten-Mal in der Vorrunde einer WM rauszufliegen. Um es in einer Floskel zu sagen: Die Frauen stehen mit dem R\u00fccken zur Wand; ganz am Ende die Trainerin, die sich gestern noch <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/2011-06\/nigeria-uche-fifa-lesben\" target=\"_blank\">mit meinem Kollegen Christian Spiller traf, um ihre Hetze gegen lesbische Spielerinnen nicht zu wiederholen<\/a>.<\/p>\n<p>20:45 Uhr ert\u00f6nt der Anpfiff. Wenn Sie nichts verpassen wollen, \u00f6ffnen Sie <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/sport\/frauenfussball-wm-live#\/live\" target=\"_blank\">den Live-Ticker<\/a> in einem neuen Tab. An dieser Stelle werden ab 20:30 Uhr die Bilder der ARD verfolgt und die <a href=\"http:\/\/twitter.com\/#!\/zeitonlinesport\" target=\"_blank\">Tweets<\/a> der Kollegen Spiller (im Stadion) und Fritsch (Auf der Fanmeile in Sinsheim, im Ernst) gesammelt. Dazu wird gebloggt<em>. Kommentieren Sie mit.<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schlussbemerkungen: Wenn es noch einen Beweis bedurft hatte, dass Frauenfu\u00dfball eben so ist, wie Fu\u00dfball manchmal ist: Bitte, das zweite WM-Spiel des deutschen Teams hat ihn geliefert \u2013 welch ein Kampf, zeitweilig welch ein Krampf, vor allem: Welch ein unfaires Spiel. 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