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Strategie Hase und Igel – Warum die NPD bei den Wahlen in Hessen und Niedersachsen ein Debakel erlebte.

 

Die Ziele waren hoch gesteckt: In Niedersachsen rechnete sich die NPD ein Wählerpotenzial von bis zu 11 Prozent aus. Die Hälfte davon wollte man bei der gestrigen Landtagswahl mindestens auf sich vereinigen. Geworden sind es nur schlappe 1,5 Prozent in Hessen verfehlte man mit 0,9 Prozent gar die 1 Prozent-Marke. Indes ist dieser Vorgang leicht erklärbar.

Im Unterschied zum Osten, wo die NPD mit aggressiv-populistischen Kampagnen in das Wählerlager von SPD und Linkspartei einzubrechen und so genannte „Modernisierungsverlierer“ für sich zu gewinnen beabsichtigt, war das Vorgehen in Niedersachsen deutlich anders. Der ehemalige Waldorflehrer und NPD-Spitzenkandidat, Andreas Molau, gab sich gediegen, bürgerlich und alles andere als post-sozialistisch. Sein Ziel: in die konservativen Wählerschichten der CDU vorzudringen. Doch daraus wurde nichts, weil die CDU mit Ministerpräsident Christian Wulff einen Kandidaten vorweisen konnte, der gesetzte Bürgerlichkeit derzeit wie kein anderer deutscher CDU-Politiker verköpert. Molau erschien da nur als eine billige Kopie des eigentlichen Orginals; eine zwielichtige Kopie noch dazu, da auch Molau vor einem Wahlbündnis mit gewaltbereiten Neonazis nicht zurück schreckte. Besonders bitter: Er musste als NPD-Spitzenkandidat in seinem eigenen Wahlkreis weniger Erststimmen hinnehmen als seine eigene Partei dort an Zweitstimmen erhielt.

Anders die Lage in Hessen: Dort wurde die nicht gerade als Aushängeschild bekannte Spitzenkandidatin Doris Zutt in der Außenwahrnehmung ganz vom NPD-Landesvorsitzenden Marcel Wöll in den Schatten gestellt, der selbst nur auf Platz 3 der NPD-Landesliste kandidierte. Wöll verkörpert den für die NPD typischen militanten Ausländerfeind und National-Sozialisten, für den es bisweilen zwar im Osten der Republik Zustimmung gibt, der jedoch in Westdeutschland kaum auf Wählerunterstützung hoffen kann. Peinliche Wahlkampfhöhepunkte wie das berühmte „Zwergenvideo„, dessen Ausstrahlung übereifrige Fernsehredakteure zugunsten der NPD auch noch verhindern wollten, trugen ebenfalls wenig zu seiner „Popularität“ bei.

Im Zentrum der Strategie der Hessen-NPD stand so auch eine vom Schweizer Rechtspopulisten Christoph Blocher abgekupferte Kampagne gegen kriminelle Ausländer. Hiermit konnten Wöll und Co. so lange auf mögliche Erfolge hoffen, bis der amtierende Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Thema „Ausländerkriminalität“ für sich entdeckte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war klar, dass Koch hiermit zwar das Land spalten, aber den rechten Rand auf Seiten der CDU einbinden würde.

Andreas Molau und Marcel Wöll haben so gesehen beide in Christian Wulff und Roland Koch ihren jeweiligen Meister gefunden – und verloren.

michael-schaefer
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