{"id":11186,"date":"2013-01-25T14:10:01","date_gmt":"2013-01-25T13:10:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=11186"},"modified":"2017-03-02T13:28:11","modified_gmt":"2017-03-02T12:28:11","slug":"anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186","title":{"rendered":"Anti-Antifa N\u00fcrnberg: Bedrohungen, Angriffe, Anschl\u00e4ge"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_11203\" aria-describedby=\"caption-attachment-11203\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/bild\" rel=\"attachment wp-att-11203\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-11203\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Bild.jpg\" alt=\"Schriftzug der &quot;Anti- Antifa N\u00fcrnberg&quot; (AAN) \u00a9 Screenshot \/TM\" width=\"540\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Bild.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Bild-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11203\" class=\"wp-caption-text\">Schriftzug der &#8222;Anti- Antifa N\u00fcrnberg&#8220; (AAN) \u00a9 Screenshot<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Seit dem 26. November 2011 setzen mittelfr\u00e4nkische Neonazis ihre Serie von Anschl\u00e4gen auf das Eigentum von Nazigegner in Mittelfranken fort. Betroffen sind vornehmlich Autos, Wohnh\u00e4user und Infol\u00e4den.\u00a0Anschl\u00e4ge und k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe seitens der Neonazis sind in Nordbayern keine Seltenheit. Hinter der &#8222;Feindaufkl\u00e4rung&#8220; steckt eine konspirativ arbeitende Gruppe: Die Anti-Antifa N\u00fcrnberg<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>Der St\u00f6rungsmelder dokumentiert die Anschl\u00e4ge in einer Chronologie von 2011\/2012:<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>In F\u00fcrth wird am 26. November 2011 ein Brandanschlag auf das Auto einer antifaschistischen Familie ver\u00fcbt. Der Sachschaden betr\u00e4gt weit \u00fcber 10.000\u20ac.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>Am 28. November greifen Neonazis in Wei\u00dfenburg das Jugendzentrum (JUZ) und einzelne Nazigegner an und versuchen ein Transparent mit der Aufschrift \u00bbNie wieder Faschismus\u00ab in Brand zu stecken.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>Am 10. Dezember greifen Rechte erneut das JUZ Wei\u00dfenburg an und brechen die Jalousien auf.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>Am 14. Dezember 2011 schmei\u00dfen Unbekannte die Scheiben des linken Stadtteilladen Komm e.V. in N\u00fcrnberg ein. Es entsteht ein Sachschaden von rund 5000\u20ac.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>30. Dezember 2011: Unbekannte zerstechen die Autoreifen des ehemaligen Sprechers des B\u00fcrgerforum Gr\u00e4fenberg und zerschlagen die Fensterscheiben und sch\u00fctten Butters\u00e4ure in den Briefkasten des Gesch\u00e4digten.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>In der Silvesternacht greifen 20 Neonazis das linksalternative Lokal \u201eSt\u00f6rtebecker\u201c in Ansbach an. Anschlie\u00dfend attackieren sie Kneipenbesucher mit CS-Gas.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>Am 9. Januar 2012 zerstechen Unbekannte die Reifen am Auto einer antifaschistischen Familie. Die Besitzerin des Wagens ist die Sprecherin des F\u00fcrther B\u00fcndnis gegen Rechts.<\/p>\n<p><strong>&#8211; <\/strong>In der Nacht vom 18. Auf den 19.02.2012 greifen Unbekannte in F\u00fcrth den Infoladen Benario an, indem sie den Rollo aufbrechen und einen Stein durch die Fensterscheibe werfen. Der Angriff findet nur wenige Stunden nach \u00a0einem neonazistischen Aufmarsch in F\u00fcrth statt.<\/p>\n<p>Alleine in F\u00fcrth entstand seit 2007 ein Sachschaden von \u00fcber 45.000 Euro durch rechte Gewalt. Viele Betroffene wurden auf der mittlerweile abgeschalteten Internetseite der \u201eAnti-Antifa N\u00fcrnberg\u201c (AAN) mit Name, Bild und Adresse ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><strong>Die Geschichte der Anti-Antifa <\/strong><\/p>\n<p>1972 wurde der Begriff \u201eAnti-Antifaschismus\u201c das erste Mal in der rechtsextremen Zeitung \u201eNation Europa\u201c verwendet. Ziel war es, die b\u00fcrgerliche Rechte und die extreme Rechte dazu zu bewegen, sich von der moralischen Tabuisierung des Faschismus zu l\u00f6sen, da der Begriff \u201eFaschismus\u201c immer mehr zum Synonym f\u00fcr Terror wurde. Wenige Jahre zuvor hatte vor allem die 68er-Bewegung die Verbrechen ihrer Vorfahren offensiv thematisiert und forderte \u00f6ffentlichkeitswirksam deren Aufarbeitung. Das Jahr 1969 bedeutete f\u00fcr die b\u00fcrgerliche und extreme deutsche Rechte zudem eine enorme politische Niederlage. Die NPD verpasste den Einzug in den Bundestag, rechte Parteien waren nicht an der Regierung beteiligt und der von der Rechten als \u201eVaterlandsverr\u00e4ter\u201c diffamierte Sozialdemokrat Willy Brandt wurde Bundeskanzler.<\/p>\n<p>In dieser Zeit des Linksrucks radikalisierten sich die neonazistische Rechte und gr\u00fcndete eine \u201eIllegale NSDAP\u201c. Ihr Hauptschwerpunkt lag im Aktionismus gegen den politischen Gegner und Wehrsport\u00fcbungen. Die anschlie\u00dfenden Aktionen richteten sich gegen Migranten, Juden, Linke und Gewerkschafter. Es kam zu \u00dcbergriffen auf Infost\u00e4nde, Schmieraktionen und St\u00f6rungen von Veranstaltungen. Die militant agierenden Neonazis der \u201eIllegalen NSDAP\u201c legten sehr viel Wert auf eine milit\u00e4rische Ausbildung und Bewaffnung, die ihnen die mittelfr\u00e4nkische \u201eWehrsportgruppe Hoffmann\u201c (Benannt nach ihrem Gr\u00fcnder Karl- Heinz Hoffmann, 1973) bot. Bis 1975, als im September in Wiesbaden die &#8222;NSDAP\/Auslands- und Aufbauorganisation&#8220; (NSDAP\/AO) gegr\u00fcndet wurde, hatten sich die Gruppen vernetzt und strukturiert. Ziel der NSDAP\/AO war und ist es, weltweit (illegales) neonazistisches Propagandamaterial zu verbreiten.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11190\" aria-describedby=\"caption-attachment-11190\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/angegriffenes-auto-2009cindymedia-2\" rel=\"attachment wp-att-11190\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-11190 \" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Angegriffenes-Auto-2009cindymedia1-300x249.jpg\" alt=\"Angegriffenes Auto 2009 \u00a9 Indymedia\" width=\"210\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Angegriffenes-Auto-2009cindymedia1-300x249.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Angegriffenes-Auto-2009cindymedia1.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11190\" class=\"wp-caption-text\">Angegriffenes Auto 2009<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>In der konspirativen Gruppe waren etliche Neonazikader aus Deutschland und \u00d6sterreich wie Christian Worch, Michael K\u00fchnen Berthold Dinter und Gottfried K\u00fcssel organisiert. Ein weiteres Ziel der NSDAP\/AO war es, eine gesellschaftliche Tabuisierung des Nationalsozialismus zu \u00fcberwinden und rechtsextreme Positionen in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Um dieses Bestreben zu erlangen, wurde in der Tradition der \u201eSchutzstaffel\u201c (SS) und der \u201eSturmabteilung\u201c (SA) der \u201eAnti- Antifaschismus\u201c praktiziert.<\/p>\n<p><strong>Verfassungsschutz-Agent als rechter Observierer<\/strong><\/p>\n<p>Als Vorl\u00e4ufer der heutigen \u201eAnti-Antifa\u201c Strukturen kann aber das 1985 von Christian Malcoci gegr\u00fcndete \u201eReferat f\u00fcr Sicherheit\u201c (RfS) gesehen werden, dem etliche f\u00fchrende Nazikader angeh\u00f6rten. Das RfS war wiederum eine der zahlreichen Unterorganisationen des \u201eKomitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers\u201c (KAH) welches von Michael K\u00fchnen ins Leben gerufen und dazu genutzt wurde, Jugendliche anzuwerben und zu indoktrinieren. Ziel des RfS war es, eine aktive, bundesweit strukturierte, sog. \u201eFeindaufkl\u00e4rung\u201c zu betreiben. Ebenfalls als Vorl\u00e4ufer f\u00fcr die \u201eAnti-Antifa\u201c kann die 1988 gegr\u00fcndete \u201eAntikommunistische Aktion\u201c (Antikom) gesehen werden. Der Kronacher Kai Dalek \u00fcbernahm ab 1991 die Leitung der Antikom. Kai Dalek profilierte sich im N\u00fcrnberger Raum als \u201eAnti- Antifa\u201c-Aktivist, der Veranstaltungen von politischen Gegnern beobachtete und fotografierte.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist bekannt, dass Dalek jahrelang f\u00fcr etliche Landes\u00e4mter des Inlandsgeheimdienstes \u201eVerfassungsschutz\u201c (VS) in der linken und rechten Szene als V-Mann eingesetzt wurde. F\u00fcr bundesweite Schlagzeilen sorgte 1993 die Ver\u00f6ffentlichung der Anti-Antifa Zeitschrift \u201eDer Einblick &#8211; Die nationalistische Widerstandszeitschrift gegen zunehmenden Rotfront- und Anarchoterror\u201c. In dieser wurden \u00fcber 250 Antifaschisten, Gewerkschafter, Journalisten sowie linke- und alternative Treffpunkte mit Namen und Adressen genannt. Im Vorwort sprachen die Macher von einer \u201eAusschaltung des politischen Gegners\u201c, denen sie \u201eunruhige N\u00e4chte bescheren\u201c wollten. Die Bundesanwaltschaft nahm die Ermittlungen auf und lies im Rahmen des Verfahrens Michael Petri und Sascha Chaves-Ramos verhaften. Diese waren die Betreiber des \u201eNationalen Infotelefons\u201c(NIT) und riefen vor der Ver\u00f6ffentlichung des \u201eEinblicks\u201c dazu auf, Informationen \u00fcber Nazigegner zu sammeln.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11192\" aria-describedby=\"caption-attachment-11192\" style=\"width: 150px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/brandanschlag-auf-das-auto-einer-linken-familie-2011-cindymedia\" rel=\"attachment wp-att-11192\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-11192\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Brandanschlag-auf-das-Auto-einer-linken-Familie-2011-cindymedia-150x150.jpg\" alt=\"Brandanschlag auf das Auto einer linken Familie 2011 \u00a9 Indymedia\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11192\" class=\"wp-caption-text\">Brandanschlag auf das Auto einer Familie 2011<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Als die beiden nach einem Tag entlassen wurden, intervenierten linke Aktivisten und ver\u00f6ffentlichten Stefane Cumic, einen f\u00fchrenden Aktivisten der \u201eGesinnungsgemeinschaft der neuen Front\u201c (GdNF) und Anti-Antifa-Akteur, der daraufhin festgenommen wurde. Er sagte gegen\u00fcber den Ermittlungsbeh\u00f6rden umfangreich aus und gab an, dass Norman Kempken (damals R\u00fcsselsheim, heute N\u00fcrnberg) einen Gro\u00dfteil der Adressen sammelte. Kempken war auch presserechtlich Verantwortlich f\u00fcr den \u201eEinblick\u201c. Im Nahhinein wurde trotz umfangreicher Aussagen der Tatvorwurf der \u201eBildung einer kriminellen Vereinigung\u201c fallen gelassen, Fragen zum Organisierungsgrad wurden w\u00e4hrend des Prozesses nicht gestellt und selbst der Richter stellte vers\u00e4umte Ermittlungen im Bezug auf die Hinterm\u00e4nner fest. Somit blieb damals \u201eAnti-Antifa\u201c als Struktur oder als Strategie der faschistischen Bewegung unangetastet.<\/p>\n<p><strong>Die Anti- Antifa Arbeit in Franken<\/strong><\/p>\n<p>1993 wurde auf einem Treffen des rechtsextremen \u201eFrankenrats\u201c die Gr\u00fcndung einer \u201eAnti-Antifa\u201c-Gruppe beschlossen, an der Rechte jeder Couleur beteiligt sein sollten. Der Frankenrat galt als F\u00fchrungsgruppe des \u201eDeutschen Freundeskreises Franken\u201c (DFF). In diesem waren f\u00fchrende Mitglieder verschiedener Naziorganisationen organisiert, u.a. J\u00fcrgen Schwab (N\u00fcrnberg, Ex-NPD, Ex-REP, Sache des Volkes, Freies Netz S\u00fcd, Bund Frankenland), Kai Dalek, Uwe Meenen (Berlin, NPD, Bund Frankenland) und Falco Sch\u00fcssler. Ebenfalls wurde die Zeitung \u201eJunges Franken\u201c ins Leben gerufen, in der etliche Kommunalpolitiker, Antifaschisten und Rechtsanw\u00e4lte unter der Rubrik \u201eAusl\u00e4nderfreundlichster Mitb\u00fcrger Frankens\u201c mit detaillierten Angaben \u00fcber politisches und privates Umfeld, ver\u00f6ffentlicht wurden. Zu dieser Zeit versuchte sich auch die Aktivistin des \u201eNationalen Blocks\u201c (NB), Silke W., in das \u201eAntifaschistische Bildungs-, Informations- und Dokumentationszentrum\u201c (Abidoz) in N\u00fcrnberg einzuschleichen. Interessiert hat sie sich fast ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Herkunft des Archivmaterials. Als ihr erfundener Lebenslauf und ihr rechter Hintergrund aufflogen, verschwand sie.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11191\" aria-describedby=\"caption-attachment-11191\" style=\"width: 270px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/anti-antifa-transparent-2-v-r-martin-wiese-c-timo-mueller\" rel=\"attachment wp-att-11191\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11191\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Anti-Antifa-Transparent-2.-v.-r.-Martin-Wiese-c-timo-mueller-300x191.jpg\" alt=\"Anti-Antifa Transparent (2. v. r. Martin Wiese) \u00a9 Timo Mueller\" width=\"270\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Anti-Antifa-Transparent-2.-v.-r.-Martin-Wiese-c-timo-mueller-300x191.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Anti-Antifa-Transparent-2.-v.-r.-Martin-Wiese-c-timo-mueller.jpg 944w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11191\" class=\"wp-caption-text\">Anti-Antifa Transparent (2. v. r. Martin Wiese) \u00a9 Jonas Miller<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>1996 versuchten regionale Aktivisten des \u201eFreiheitlichen Volksblocks\u201c (FVB) einen Kirchweihburschenverein in Ziegelstein zu unterwandern. Der Unterwanderungsversuch endete mit einem Ausschluss von elf Kirchweihburschen. Der FVB war zu dieser Zeit die aktivste Neonazikameradschaft in N\u00fcrnberg.<br \/>\nNachdem der FVB nicht mehr existent war, setzte sich die Anti-Antifa Arbeit vor allem aus Aktivisten der freien Kameradschaftsszene zusammen. Die \u201eSkinheads N\u00fcrnberg\u201c (sp\u00e4ter \u201eNationalisten N\u00fcrnberg\u201c) ver\u00f6ffentlichten eine Publikation mit dem Namen \u201eLandser\u201c (angelehnt an die Bezeichnung eines Wehrmachtssoldaten) die insgesamt acht Mal erschien. Presserechtlich verantwortlich f\u00fcr die Zeitschrift war zuerst Andreas K. (N\u00fcrnberg), sp\u00e4ter dann Matthias Fischer (F\u00fcrth). In der dritten Ausgabe des \u201eLandser\u201c wurde dann zum ersten Mal ein Anti-Antifa Bericht unter der \u00dcberschrift \u201eRote Zonen in N\u00fcrnberg\u201c ver\u00f6ffentlicht. In diesem werteten die Verfasser \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Informationen \u00fcber linke N\u00fcrnberger Infol\u00e4den und Parteib\u00fcros aus. Als Autorengruppe trat damals die \u201eAnti-Antifa Franken\u201c auf. In dieser Ausgabe wurde auch \u201eder freie Mitarbeiter Norman K.\u201c gegr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>In den weiteren Ausgaben ver\u00f6ffentlichten sie einen Bericht \u00fcber die Auseinandersetzungen zwischen linken und rechten Jugendlichen an einem N\u00fcrnberger Gymnasium. Im Zuge dessen auch eine eine engagierte Lehrerin mit Name und Bild im Landser ver\u00f6ffentlicht wurde. Im Vorfeld zu diesem Bericht tauchte ein jugendlicher Neonazi in einem Jugencaf\u00e9 der Antifa auf, der sich als Mitarbeiter einer Sch\u00fclerzeitung ausgab und Infos sammelte. Sp\u00e4ter wurde er enttarnt und gab an, nicht auf eigene Faust gehandelt zu haben, sondern von der Anti-Antifa geschickt worden zu sein.<\/p>\n<p><strong>Kontakte nach Oberbayern<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11194\" aria-describedby=\"caption-attachment-11194\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/ein-typischer-aan-artikel-verpixel-screenshot-ctm\" rel=\"attachment wp-att-11194\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-11194\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Ein-typischer-AAN-Artikel-verpixel-screenshot-ctm-233x300.jpg\" alt=\"Ein typischer AAN Artikel (verpixel) \u00a9 Screenshot TM\" width=\"233\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Ein-typischer-AAN-Artikel-verpixel-screenshot-ctm-233x300.jpg 233w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Ein-typischer-AAN-Artikel-verpixel-screenshot-ctm.jpg 700w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11194\" class=\"wp-caption-text\">Ein typischer AAN Artikel (verpixel) \u00a9 Screenshot JM<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ebenfalls versuchten sich die Aktivisten der \u201eAnti-Antifa\u201c als Prozessbeobachter und berichteten in einem Artikel \u00fcber einen Prozess gegen N\u00fcrnberger Linksuatonome. Im Jahr 2001 erschien die vorerst letzte Ausgabe des \u201eLandser\u201c und Andreas K. trat eine mehrj\u00e4hrige Haftstrafe an. Die Anti-Antifa Aktivit\u00e4ten fielen damit aber nicht ab, sondern wurden im Rahmen der \u201eFr\u00e4nkischen Aktionsfront\u201c (FAF) fortgef\u00fchrt.<br \/>\nDie FAF war bis zu ihrem Verbot im Januar 2004 (Verbotsgrund: \u201eWesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus\u201c) die aktivste Neonazigruppe in Mittelfranken. Vertreten wurde die FAF vor Gericht von dem rechten Anwalt Frank Miksch (F\u00fcrth). Als f\u00fchrende Aktivisten galten Matthias Fischer, Christian Wilke (N\u00fcrnberg, Ex-NPD) und Norbert K. (N\u00fcrnberg). Das Ziel der FAF war es \u201eWiderstand gegen die herrschenden antinationalen Zust\u00e4nde innerhalb des BRD Regimes zu leisten\u201c. Welche Aggressivit\u00e4t und Entschlossenheit die FAF verk\u00f6rperte wurde im Abschlusssatz ihres Konzeptes deutlich. \u201eWer leben will, der k\u00e4mpfe also, und wer nicht streiten will in dieser Welt des ewigen Ringens, verdient das Leben nicht\u201c. Das Zitat stammt von Adolf Hitler. In einigen Ausgaben sind Aktivisten auch vermummt und teilweise bewaffnet abgebildet.<br \/>\n\u00dcber gute Kontakte verf\u00fcgte die FAF auch zur \u201eKameradschaft S\u00fcd &#8211; Aktionsb\u00fcro S\u00fcddeutschland\u201c. In dieser geh\u00f6rte der Rechtsterrorist Martin Wiese (Reichersdorf) zu den f\u00fchrenden Aktivisten, der mit seinen Mitt\u00e4tern Karl-Heinz Statzberger (Markt Schwaben) und Thomas Schatt (M\u00fcnchen) einen Bombenanschlag auf die Grundsteinlegung des j\u00fcdischen Gemeindezentrums plante. Alle drei sind mittlerweile im \u201eFreien Netz S\u00fcd\u201c (FNS) aktiv und \u00fcbernehmen auch darin f\u00fchrende Rollen.<br \/>\nAuf der Internetseite \u201edie Kommenden\u201c, auf der die FAF eine Unterseite hatte, wurden s\u00e4mtliche Anti-Antifa Artikel aus dem \u201eLandser\u201c ver\u00f6ffentlicht. Zudem kann man die damalige Internetpr\u00e4senz als Vorl\u00e4ufer der sp\u00e4teren Internetseite der \u201eAnti-Antifa N\u00fcrnberg\u201c (AAN) bezeichnen. Einige der Artikel und das Grundsatzpapier der AAN wurden schon auf der FAF Seite publiziert. In den Artikeln wurde sich damit ger\u00fchmt, dass ein \u201eEntglasungskommando\u201c, benannt nach einem verstorbenen NPD- Mitarbeiter aus N\u00fcrnberg, die Scheiben eines N\u00fcrnberger Infoladens einschmiss, oder die \u201eAnti-Antifa\u201c in Erlangen einen \u201eLinksextremisten geoutet\u201c hat. Ebenso wurden Artikel von bundesweiten \u201eAnti-Antifa\u201c- Aktionen, wie dem Brandanschlag auf einen linken Infoladen in Trier, hochgeladen. In der Rubrik \u201eAntifa-Infos\u201c wurde dazu aufgefordert \u201elinke\/antifaschistische Internetseiten\u201c und andere Informationen weiter zu geben.<\/p>\n<p>Nachdem Gewerkschafter auf der Seite der \u201edie Kommenden\u201c ver\u00f6ffentlicht und diffamiert wurden, wehrten sich die Betroffenen juristisch dagegen und die Seite wurde durch die Jugendschutzeinrichtung der Bundesl\u00e4nder &#8222;jugendschutz.net&#8220; und die Initiative \u201eInternationales Netzwerk gegen Rassismus im Internet\u201c (INACH) vom Netz genommen. Doch auch das formelle Verbot der FAF und die Abschaltung von \u201edie Kommenden\u201c lie\u00dfen die Strukturen in Franken, aus denen sich Anti-Antifa als eine rechtsextreme Strategie und Struktur speiste, unangetastet.<\/p>\n<p><strong>Die Anti-Antifa N\u00fcrnberg und das Freie Netz S\u00fcd (FNS)<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11195\" aria-describedby=\"caption-attachment-11195\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/fns-fuhrungsaktivist-matthias-fischer-rechts-neben-thomas-wulff-c-timo-mueller\" rel=\"attachment wp-att-11195\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11195 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Matthias-Fischer-rechts-neben-Thomas-Wulff-c-Timo-Mueller-300x210.jpg\" alt=\"FNS-F\u00fchrungsaktivist Matthias Fischer (rechts) neben Thomas Wulff \u00a9 TM\" width=\"300\" height=\"210\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Matthias-Fischer-rechts-neben-Thomas-Wulff-c-Timo-Mueller-300x210.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Matthias-Fischer-rechts-neben-Thomas-Wulff-c-Timo-Mueller-1024x716.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Matthias-Fischer-rechts-neben-Thomas-Wulff-c-Timo-Mueller.jpg 1434w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11195\" class=\"wp-caption-text\">FNS-F\u00fchrungsaktivist Matthias Fischer (rechts) neben Thomas Wulff \u00a9 Miller<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Kurz darauf ging die Homepage der \u201eAnti-Antifa \u2013 Infos zu linksextremistischen Bestrebungen und antifaschistischer Gewalt\u201c online, welche als bundesweite Internetplattform gedacht war. Die Anti-Antifa N\u00fcrnberg (AAN) war in den ganzen Jahren des Bestehens der Seite allerdings die einzige Gruppe, die eigene Rechercheberichte ver\u00f6ffentlichte. Verwaltet wurde die Seite vom amerikanischen Neonazi und f\u00fchrenden Kopf der NSDAP\/AO, Gary Lauck, der den deutschen Anti-Antifa-Aktivisten den Kontakt zur \u201eD\u00e4nischen Nationalsozialistischen Bewegung\u201c (DNSB) herstellte. Die Postfachadresse des DNSB diente schon dem \u201eEinblick\u201c als Kontaktadresse.<br \/>\nIn den Jahren 2006 bis 2008 wurden \u00fcber vierzig Rechercheberichte auf der Seite der \u201eAnti-Antifa N\u00fcrnberg\u201c (AAN) hochgeladen. Der AAN werden heute s\u00e4mtliche f\u00fchrende Personen der mittelfr\u00e4nkischen Neonaziszene zugerechnet, die nach dem Austritt f\u00fchrender JN- und NPD Funktion\u00e4re aus der NPD, nun im bayernweit agierenden Neonazidachverband \u201eFreies Netz S\u00fcd\u201c (FNS) aktiv sind. In der Neonaziszene kursiert auch Merchandise der Anti-Antifa N\u00fcrnberg wie \u201eAAN Schl\u00fcsselb\u00e4nder\u201c und \u201eAAN T-Shirts\u201c, die an den Infost\u00e4nden auf Demonstrationen, Konzerten und Kundgebungen verkauft werden. experten vermuten dahinter die Strategie, Jugendliche f\u00fcr die konspirative Anti-Antifa-Arbeit zu begesitern und an sich zu binden. Zus\u00e4tzlich soll durch den Vertrieb des Merchandise auch der Bekanntheitsgrad der AAN gesteigert werden. F\u00fchrende Aktivisten wie Sascha Rudisch (F\u00fcrth), Lutz Passon (Niedermirsberg) und Matthias Fischer (F\u00fcrth) tragen ebenfalls den Merchandise und treten so als Vorbilder auf.<\/p>\n<p>In den Jahren 2004-2009 ver\u00fcbten die Neonazis etliche Anschl\u00e4ge auf Wohnungen, H\u00e4user und Autos von Nazigegnern in F\u00fcrth, N\u00fcrnberg und Gr\u00e4fenberg. Die betroffenen Nazigegner wurden allesamt vorher im Internet auf der Seite mit Name, Bild und Adresse ver\u00f6ffentlicht. In einem Fall bespritzen Rechtsextreme auf einer Fl\u00e4che von 14 Quadratmetern das Wohnhaus einer antifaschistischen Familie aus F\u00fcrth mit schwarzem Lack. In einem anderen Fall drangen tags\u00fcber mehrere Neonazis in das Wohnhaus einer anderen antifaschistischen Familie aus F\u00fcrth ein und bespr\u00fchten deren Eingangst\u00fcren mit neonazistischen Parolen. Zus\u00e4tzlich wurden mehrere Autos zerst\u00f6rt (Scheiben eingeschmissen, Reifen zerstochen und mit Farbe bespr\u00fcht) und Gewerkschaftb\u00fcros des DGB und der GEW angegriffen. Die Ver\u00f6ffentlichungen auf der Seite der AAN hatten vor allem das Ziel, die Betroffenen einzusch\u00fcchtern.<\/p>\n<p>Anhand der Ver\u00f6ffentlichungen ist festzustellen, dass ein gro\u00dfer qualitativer Unterschied zwischen den einzelnen Berichten besteht, bei denen ein teilweise relativ hohes sprachliches Niveau auffiel. Die AAN professionalisierte sich also mit zunehmender Zeit. In den Jahren 2007-2009 h\u00e4uften sich die Anschl\u00e4ge massiv, was von einer steigenden Gewaltbereitschaft der Neonazis zeugt. Auffallend ist, dass einige Anschl\u00e4ge nach bestimmten Aktionen begangen wurden. Nachdem beispielsweise im N\u00fcrnberger Stadtrat \u00fcber den Antrag der Linken Liste diskutiert wurde,\u00a0 dem FNS-Aktivisten Sebastian Schmaus und BIA-Stadtrat das Misstrauen auszusprechen, wird das Haus einer antifaschistischen Familie aus N\u00fcrnberg mit braunen Farbbeuteln beschmissen. Teile der Familie waren vorher auf der Internetplattform der AAN ver\u00f6ffentlicht worden.<\/p>\n<p>Bei den Stadtratswahlen 2008 in F\u00fcrth versucht die NPD mit ihrem Spitzenkandidaten Matthias Fischer ins Rathaus einzuziehen. Nachdem sie es nicht schafften, die 385 ben\u00f6tigten Unterschriften zu sammeln, die sie dazu berechtigt h\u00e4tte, an den Wahlen teilzunehmen, griffen Neonazis das Haus einer antifaschistisch aktiven Familie in F\u00fcrth an.<br \/>\nZwischenzeitlich ver\u00f6ffentlichten Nazigegner einen &#8222;<em>Skandal, der auf die zusammenarbeit zwischen der Polizei und Nazis hinweist<\/em>&#8222;: Polizeibeamte griffen bei Ermittlungen gegen Linke Globalisierungsgegner auf Material der Anti-Antifa zur\u00fcck. In diesem Zusammenhang wurde auch bekannt, dass die Polizei bereits 2003 intern wegen dem Verdacht ermittelte, dass Inhalte von Polizeidatenbanken an Rechte weitergegeben wurden. Es stand der Verdacht einer wechselseitigen Zusammenarbeit von Polizisten und der Anti-Antifa im Raum. In einem Strategiepapier der Anti-Antifa schrieben hei\u00dft es, dass man auf Informationen von Beh\u00f6rden zur\u00fcckgreifen solle. In einem anderen Papier steht, man soll \u201eprivate Kontakte zu Polizisten, Justiz- und Finanzbeamten und st\u00e4dtischen Angestellten\u201c nutzen um an Informationen zu gelangen.<\/p>\n<p><strong>Anti-Antifa vor Gericht<\/strong><\/p>\n<p>Im Januar 2010 standen die beiden Anti-Antifa-Aktivisten Michael Reinhardt (F\u00fcrth) und Sebastian Schmaus vor Gericht. Sie wurden angezeigt, weil einige Bilder auf der Seite der AAN von ihnen erstellt wurden. Bei den Hausdurchsuchungen fanden die Ermittler auf dem Computern der beiden mehrere Portraitbilder von Linksautonomen und Nazigegnern. Nachdem die Angeklagten sich in der ersten Instanz lediglich \u00fcber ihre Anw\u00e4lte Frank Miksch (F\u00fcrth) und Stefan B\u00f6hmer (Erlangen) verteidigen liesen und zu 2000\u20ac (Michael Reinhradt) und 6400\u20ac (Sebastian Schmaus) Geldstrafe verurteilt wurden, legten diese Berufung gegen das Urteil ein. In der zweiten Instanz gestanden die Angeklagten, die Fotos erstellt und dann an die Kontaktadresse der AAN geschickt zu haben. Ein Staatschutzbeamter der N\u00fcrnberger Polizei gibt an, dass im Terminkalender von Schmaus und Reinhardt immer wieder als Termin \u201eDicker\u201c eingetragen war. Laut polizeilichen Erkenntnissen ist dies ein Pseudonym f\u00fcr den \u201eAnti-Antifa\u201c-Kader und FNS-F\u00fchrungsaktivisten Norman Kempken (N\u00fcrnberg).<br \/>\nNicht nur in Franken setzt sich der \u201eAnti-Antifa\u201c-Aktivistenstamm aus f\u00fchrenden Mitgliedern der regionalen Szene zusammen. In Mittelfranken stechen aber vor allem der BIA-Stadtrat Sebastian Schmaus, Michael Reinhardt (F\u00fcrth), Norman Kempken (N\u00fcrnberg), Matthias Fischer (F\u00fcrth), Lutz Passon (Niedermirsberg) und Kai-Andres Zimmermann (F\u00fcrth) als Aktivisten der Anti-Antifa heraus. Alle genannten haben F\u00fchrungsrollen im FNS inne und treten auf\u00a0 rechten Demonstrationen als Ordner, Organisator oder Redner auf. Auch weniger bekannte Aktivisten wie Daniel H. (Lauf), Christoph P. (F\u00fcrth), Rene G. (N\u00fcrnberg), Marc P. (F\u00fcrth) und Stefan M. (N\u00fcrnberg) fungieren als rechtsextreme Datensammler.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11196\" aria-describedby=\"caption-attachment-11196\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/anti-antifa-aktivisten-bei-einer-linken-kundgebung-2011-v-l-n-r-kai-zimmermann-marc-p-sebastian-schmaus-michael-reinhardt-c-timo-mueller\" rel=\"attachment wp-att-11196\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11196 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/Anti-Antifa-Aktivisten-bei-einer-linken-Kundgebung-2011-v.l.n.r.-Kai-Zimmermann-Marc-P.-Sebastian-Schmaus-Michael-Reinhardt-c-timo-mueller-300x198.jpg\" alt=\"Anti-Antifa Aktivisten bei einer linken Kundgebung 2011 v.l.n.r. Kai Zimmermann, Marc P. 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Sebastian Schmaus, Michael Reinhardt \u00a9 Miller<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Seit Ende 2011 h\u00e4ufen sich die neonazistischen Anschl\u00e4ge in der mittelfr\u00e4nkischen Region erneut. Kurz nach der Haftentlassung des FNS-Kaders Matthias Fischer werden erneut Autos, H\u00e4user und Infol\u00e4den angegriffen. Den qualitativen H\u00f6hepunkt der rechten Gewalt stellt dabei der Brandanschlag auf das Auto einer Familie aus F\u00fcrth dar, die sich gegen Rechts engagiert.<\/p>\n<p>Mittlerweile werden die \u201eAnti-Antifa\u201c Berichte auf der Seite des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c (FNS) ver\u00f6ffentlicht. Gekennzeichnet sind diese Artikel mit einem Foto, welches ein Schl\u00fcsselband mit dem Schriftzug \u201eAnti Antifa\u201c zeigt. Dasselbe Logo verwendete die AAN auch als Motiv f\u00fcr Aufkleber, die f\u00fcr die Seite werben sollten. Bei den Berichten ver\u00f6ffentlichen die Neonazis dabei aber nur Menschen mit Name und Foto, von denen sie ausgehen, dass diese Personen des \u00f6ffentlichen Interesses sind. Von anderen wird der Nachname nicht ausgeschrieben.<\/p>\n<p><strong>Verfassungsschutz, Anti-Antifa und der NSU<\/strong><\/p>\n<p>Als Autor einiger Bilder ist \u201eKai Zimmermann\u201c angegeben. Dieser fungiert auf Demonstrationen immer wieder als Filmer von Gegendemonstranten. Videobilder und Fotos dieser Demonstrationen erscheinen wenige Tage sp\u00e4ter dann auch auf der Internetseite des FNS. Auch auf bundesweiten Neonazidemonstrationen agieren die N\u00fcrnberger Neonazis Fotografen und Filmer.<br \/>\nIn den letzten Jahren kam es auch immer wieder zu Versuchen der Anti-Antifa, verdeckt bei linken und gewerkschaftlichen Veranstaltungen zu spionieren. Dabei profilierten sich Aktivisten wie J\u00fcrgen Schwab (N\u00fcrnberg), Martin A. (Straubing), Fred B. (N\u00fcrnberg) und Sebastian Schmaus.Teilweise wird aber auch ganz offen agiert. Bei einer globalisierungskritischen Demonstration in F\u00fcrth fotografierten Kai Zimmermann und Christoph P. die Demonstrationsteilnehmer. Bei einem \u00f6ffentlich beworbenen Infostand einer migrantischen Gruppierung in F\u00fcrth (Juni 2012) waren wieder Zimmermann und P. anwesend und versuchten die linken Aktivisten zu fotografieren.<br \/>\nAnfang 2012 schlich sich Norman Kempken beim N\u00fcrnberger &#8222;Institut f\u00fcr sozialwissenschaftliche Forscheung, Bildung und Beratung&#8220; auf, dass sich mit Bildung und Aufkl\u00e4rung \u00fcber die rechte Szene besch\u00e4ftigt. Laut Birgit Maier, Leiterin des Instituts,\u00a0 wurde der Rechtsextremist schnell erkannt und zur Rede gestellt. Maier und andere Mitarbeiter des Instituts wurden in j\u00fcngster Vergangenheit auf der Internetseite des FNS mit Namen und Foto diffamiert. Nazigegner gehen davon aus, dass dies eine Aussp\u00e4h-Aktion f\u00fcr einen weiteren \u00dcbergriff war.<br \/>\nSzeneintern prahlen die Aktivisten der AAN mit ihren begangenen Anschl\u00e4gen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11193\" aria-describedby=\"caption-attachment-11193\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2013\/01\/25\/anti-antifa-nurnberg-bedrohungen-angriffe-anschlage_11186\/fns-fuhrungsaktivist-norman-kempken-mitte-c-timo-mueller\" rel=\"attachment wp-att-11193\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-11193 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Norman-Kempken-Mitte-c-Timo-Mueller-300x198.jpg\" alt=\"FNS-F\u00fchrungsaktivist Norman Kempken (Mitte) \u00a9 Timo Mueller\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Norman-Kempken-Mitte-c-Timo-Mueller-300x198.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2013\/01\/FNS-F\u00fchrungsaktivist-Norman-Kempken-Mitte-c-Timo-Mueller.jpg 640w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-11193\" class=\"wp-caption-text\">FNS-F\u00fchrungsaktivist Norman Kempken (Mitte) \u00a9 Miller<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Dabei existiert keine klandestin arbeitende Untergrundstruktur der AAN. Die Anschl\u00e4ge werden nach Informationen aus der rechten Szene von den bekannten Repr\u00e4sentanten der \u201eAnti-Antifa\u201c ver\u00fcbt.<br \/>\nDie Polizei konnte bislang bei keinem einzigen Anschlag der letzten Jahre einen Ermittlungserfolg vorweisen. Laut bayerischen Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sei auch nicht bekannt, wer hinter der AAN steckt, obwohl Nazigegner seit Jahren auf die Aktivisten der AAN hinweisen.<br \/>\nUngekl\u00e4rt bleibt auch die Rolle von Verfassungsschutz und Polizei bei der inzwischen fast zwei Jahrzehnte existierenden Anti-Antifa Arbeit in Franken.\u00a0 Von F\u00e4llen des offensichtlichen Informationsaustauschs zwischen Neonazis und Polizisten bis zur Rolle von Verfassungsschutzagenten wie Didier Magnien und Kai Dalek. Beide unterst\u00fctzen in der rechten Szene die Anti-Antifa-Aktivit\u00e4ten und bauten die Strukturen teilweise auf. Nach Bekanntwerden der Verstrickungen staatlicher Beh\u00f6rden in die Struktur und das Umfeld des NSU muss die M\u00f6glichkeit, dass in Franken nicht nur einf\u00e4ltige Neonazis isoliert agieren, in Betracht gezogen und offensiv thematisiert werden. Zumal der NSU \u2013 die gef\u00e4hrlichste rechtsterroristische Nazistruktur der letzten Jahrzehnte \u2013 jedenfalls gute Kontakte nach Franken hatte \u2013 ungekl\u00e4rt ist noch zu wem. Auf der Telefonliste des mutma\u00dflichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos waren zumindest zwei N\u00fcrnberger Adressen und Telefonnummern genannt: Die von der ehemaligen Kneipe \u201eTiroler H\u00f6he\u201c und die von Matthias Fischer, dem f\u00fchrenden FNS-Aktivisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 26. November 2011 setzen mittelfr\u00e4nkische Neonazis ihre Serie von Anschl\u00e4gen auf das Eigentum von Nazigegner in Mittelfranken fort. 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