{"id":16589,"date":"2014-07-01T07:30:11","date_gmt":"2014-07-01T05:30:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=16589"},"modified":"2014-07-01T14:44:17","modified_gmt":"2014-07-01T12:44:17","slug":"rechtsrock-open-air-in-nienhagen-wir-hassen-diesen-staat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2014\/07\/01\/rechtsrock-open-air-in-nienhagen-wir-hassen-diesen-staat_16589","title":{"rendered":"Rechtsrock-Open Air in Nienhagen: \u201eWir hassen diesen Staat &#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_16608\" aria-describedby=\"caption-attachment-16608\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/06\/Malina-Dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16608 \" alt=\"Malina attackiert Journalisten\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/06\/Malina-Dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/06\/Malina-Dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/06\/Malina-Dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16608\" class=\"wp-caption-text\">Rechtsrockveranstalter Oliver Malina behindert Journalisten. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\u201eWir sind dieses Jahr hier und wir werden auch n\u00e4ch<span style=\"line-height: 1.5em\">stes Jahr hier sein! \u2026 Wie viel sind wir hier: \u00dcber Tausend!\u201c \u2013 Es klang wie eine Drohung, als am Samstagabend beim Rechtsrock-Open Air \u201eThis one\u2019s for the Skinheads Vol. 3\u201c in Nienhagen (Sachsen-Anhalt) der Veranstalter Oliver Malina auf die B\u00fchne kletterte und das Mikro in die Hand nahm. Die knapp 1.300 aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz, Italien und Osteuropa angereisten Neonazis johlten begeistert. \u201eDer Staat allgemein und nat\u00fcrlich die Knechte, wollten mit allen Mitteln heute das Ganze untersagen. Wirklich mit allen Mittel. So &#8211; haben sie aber nicht geschafft!\u201c, triumphierte der Neonazi.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em\"><b>Verbot gescheitert<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em\">Es ist bereits das vierte Mal, dass Oliver Malina, der aus Niedersachsen stammt und seit einiger Zeit hier im Ort wohnt, in Nienhagen ein gro\u00dfes Rechtsrockevent organisiert. Doch langsam regt sich auch in dem kleinen Dorf mit seinen 380 Einwohner\/innen immer mehr der Widerstand gegen die Neonazis. In diesem Jahr hatte die Initiative \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c und der DGB ein Stra\u00dfenfest und eine Demonstration auf dem einzigen Zufahrtsweg zum privaten Konzertgel\u00e4nde, einer ehemaligen Hopfendarre, angemeldet. Daraufhin verbot die Gemeinde das Konzert aus Sicherheitsgr\u00fcnden, denn die \u00f6ffentliche Versammlung der Initiative genie\u00dfe einen h\u00f6heren Grundrechtsschutz. Das sah das Verwaltungsgericht allerdings anders: \u201eDas geplante Skinheadkonzert sei neben kommerziellen Interessen auch von der Meinungskundgabe gepr\u00e4gt. Es handele sich damit ebenfalls um eine \u00f6ffentliche Versammlung im Sinne des Versammlungsgesetzes. Die Voraussetzungen f\u00fcr ein Verbot des Konzertes nach den versammlungsrechtlichen Regelungen seien nicht erf\u00fcllt\u201c, hei\u00dft es in einer Pressemitteilung des \u00a0Magdeburger Gerichts.\u00a0<\/span>Auch das von der Gemeinde angerufene Verwaltungsgericht sah das \u00e4hnlich. Laut dem OVG Magdeburg spreche einiges daf\u00fcr, dass es sich bei dem \u201estreitgegenst\u00e4ndlichen Skinheadkonzert um eine Versammlung im Sinne des Art. 8 GG handele, da solche Konzerte der rechtsextremen Szene als Propagandamittel und Kontaktb\u00f6rse\u201c dienten. Die Veranstaltung und der Besuch solcher Konzerte diene auch der \u201eBest\u00e4rkung und Zur-Schau-Stellung rechtsextremistischer Gesinnung\u201c und damit sei das Konzert als \u00f6ffentliche Versammlung zu behandeln.\u00a0Doch auch versammlungsrechtliche Auflagen, wie ein Ende der Veranstaltung um 22:00 Uhr, kassierte das Gericht wieder ein.\u00a0Und so musste das B\u00fcndnis \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c mit ihrem Stra\u00dfenfest den Neonazis weichen.\u00a0Statt auf dem Zufahrtsweg zum Konzertgel\u00e4nde fand das Fest nun mitten im Dorf statt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16619\" aria-describedby=\"caption-attachment-16619\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2245-dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16619 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2245-dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2245-dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2245-dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16619\" class=\"wp-caption-text\">Neonazis warten auf den Einlass. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>300 protestierten gegen das Konzert<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts der hunderte durch den Ort laufenden Neonazis herrschte eine gewisse Fassungslosigkeit bei vielen der fast 300 Demonstrant\/innen, die sich am Samstagnachmittag hier versammelt hatten, um gegen das Rechtsrockfestival zu protestieren. Insbesondere das Urteil des Oberverwaltungsgerichts stie\u00df auf Unverst\u00e4ndnis. \u201eDas war f\u00fcr uns ein Schlag ins Gesicht. Das ist eine kommerzielle Veranstaltung mit Eintrittskasse und keine Versammlung nach Versammlungsgesetz\u201c, sagte Hans-Christian Anders, Sprecher des B\u00fcrgerb\u00fcndnis \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c. Viel wurde diskutiert an diesem Tag: M\u00fcssen solche Konzerte toleriert werden? Sind auch die Beh\u00f6rden machtlos oder sind sie einfach nicht\u00a0willens\u00a0solche Konzerte zu verhindern? H\u00e4tte die Verwaltung bessere\u00a0Argumente\u00a0f\u00fcr das Verbot sammeln m\u00fcssen?\u00a0Muss\u00a0auch das Land hier mehr\u00a0Engagement\u00a0zeigen und sowohl diejenigen besser unterst\u00fctzen, die sich gegen die Rechtsrockkonzerte engagieren als auch den Kommunen rechtlich einen besseren Beistand bieten? Oder muss der zivilgesellschaftliche Protest weiter gehen und wie in Dresden oder Jena\u00a0auf Blockaden gesetzt werden?<br \/>\nErfreut war man bei der Initiative \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c dar\u00fcber, dass in diesem Jahr deutlich mehr Menschen gekommen waren, um ein Zeichen gegen das Rechtsrockspektakel zu setzen.\u00a0Als die ersten Neonazis durchs Dorf marschierten, stellte man sich mit einem Transparent an die Stra\u00dfe: \u201eGegen das Vergessen, dass Faschismus ein Verbrechen bleibt!\u201c<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16634\" aria-describedby=\"caption-attachment-16634\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2444-dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16634 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2444-dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2444-dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2444-dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16634\" class=\"wp-caption-text\">Eindeutige Botschaften auf den T-Shirts der Konzertbesucher\/innen. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Serienm\u00f6rder und \u201eNS Spirit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die nur zum Teil abgeklebten T\u00e4towierungen und die Aufdrucke auf den Shirt\u2019s der anreisenden Neonazis machten deren Gesinnung deutlich: \u201eI love NS\u201c, \u201e1933\u201c, \u201eDeutschland Heilig Vaterland\u201c, \u201eNS Spirit 1933-01-30\u201c, \u201eMasterrace\u201c, aber auch \u201eKosovo is Serbia\u201c und Abzeichen der griechischen Neonazipartei \u201eGoldene Morgenr\u00f6te\u201c waren dort neben den Logos diverser Szene-Bands zu sehen. Auch eine gruselige Anspielung auf den Hannoveraner Serienm\u00f6rder Fritz Haarmann, der 1925 hingerichtet wurde, weil er mehrere Jungen zerst\u00fcckelt haben soll und au\u00dferdem des sexuellen Missbrauchs an Kindern verd\u00e4chtigt wurde, prangte auf dem Shirt eines Besuchers: \u201eWarte, warte nur ein Weilchen &#8230; Metzgerei Haarmann &#8230; Alles ohne Kopp\u201c war dort neben der Abbildung eines blutigen Schlachterbeils zu lesen.\u00a0Ein merkw\u00fcrdiger Kontrast zu den \u00fcblichen \u201eTodesstrafe f\u00fcr Kindersch\u00e4nder\u201c-Shirts, die ebenfalls zur Schau getragen wurden.<\/p>\n<p><strong>\u201eBruderschaften\u201c und \u201eHate Crews\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon im letzten Jahr fielen insbesondere die Anh\u00e4nger diverser neonazistischer \u201eBruderschaften\u201c auf, die sich sonst \u00a0in der \u00d6ffentlichkeit eher bedeckt halten: Embleme der \u201eHammerskins&#8220; waren ebenso zu sehen, wie die \u201e28\u201c als Code f\u00fcr das in Deutschland verbotene Rechtsrocknetzwerk \u201eBlood &amp; Honour\u201c oder die gekreuzten Handgranaten der \u201eArischen Bruderschaft\u201c. Daneben waren jede Menge Symbole regionaler \u201eBruderschaften\u201c und subkultureller \u201eCrews\u201c zu sehen, wie die \u201eHate Crew Nordbaden\u201c, die \u201eHardcore Crew Uslar\u201c, die \u201eBruderschaft L\u00fcbeck\u201c, die \u201eBunker 16 Deerns Crew Niedersachsen\u201c oder die \u201eSkins Uelzen\u201c.\u00a0Die ebenfalls anwesenden Mitglieder der \u201e<a title=\"Wikipedia: &quot;Brigade 8&quot;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Brigade_8\" target=\"_blank\">Brigade 8<\/a>\u201c hatten ihre Kutten diesmal allerdings im Schrank gelassen. Nach den Medienberichten der letzten Zeit und der Erw\u00e4hnung in diversen Verfassungsschutzberichten ist man offensichtlich darauf bedacht nicht weiter aufzufallen.\u00a0<span style=\"line-height: 1.5em\">Neben den reinen Rechtsrock-Szeneg\u00e4ngern war auch \u201ePolitprominenz&#8220; anwesend. So z.B. Andy Knape, Bundesvorsitzender der NPD-Jugendorganisation JN und Mitglied des NPD-Parteivorstandes, oder der Hildesheimer Neonazi Dieter\u00a0<\/span>Riefling, der als eine der F\u00fchrungsfiguren der norddeutschen Neonaziszene gilt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16620\" aria-describedby=\"caption-attachment-16620\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2787-dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16620 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2787-dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2787-dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2787-dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16620\" class=\"wp-caption-text\">Knapp 1.300 Neonazis waren nach Nienhagen gekommen. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><strong><span style=\"line-height: 1.5em\">Kritik am Innenminister\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em\">Vor Ort beim Stra\u00dfenfest gegen Rechts war auch der Innenminister von Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU). Er war zuvor in die Kritik geraten, weil das Land nach Meinung der Nienhagener Initiative zu wenig gegen Rechtsrockkonzerte unternehme. \u201eNachdem andere Bundesl\u00e4nder zuletzt rigider gegen neonazistische Konzerte vorgegangen sind, weichen manche Konzertveranstalter nach Sachsen-Anhalt aus\u201c stellt auch der Verein \u201eMiteinander e.V. \u2013 Netzwerk f\u00fcr Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt\u201c fest. Allein 2013 z\u00e4hlte der Verein 33 rechte Konzerte im Bundesland &#8211; Tendenz steigend. Im benachbarten Niedersachsen dagegen soll nach Beh\u00f6rdenangaben im letzten Jahr nur ein Rechtsrock-Konzert stattgefunden haben. Zwei weitere geplante Konzerte seien dort verhindert worden.<br \/>\nSachsen-Anhalts Innenminister Stahlknecht hatte diesmal angek\u00fcndigt, dass die Polizei sofort eingreifen w\u00fcrde, wenn vom Konzert Straftaten ausgehen oder wenn verbotene Lieder gespielt werden. Man habe eigens einen Beamten aus Brandenburg hinzugezogen, der verbotene Lieder erkennen k\u00f6nne. Offensichtlich fehlt es auch in Sachsen-Anhalt bisher an geschulten Polizeibeamten, die sich mit den Bands und ihren oftmals indizierten und verbotenen \u00a0Rechtsrockliedern \u00fcberhaupt auskennen. Zudem werden \u00a0die Lieder ausl\u00e4ndischer Bands eher selten indiziert, dabei sind deren Texte oftmals deutlich gewaltverherrlichender, als die der deutschen Neonazi, die f\u00fcr CD-Ver\u00f6ffentlichungen ihre Texte vorab anwaltlich pr\u00fcfen lassen.<\/span><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16632\" aria-describedby=\"caption-attachment-16632\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2747-dokurechts1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16632 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2747-dokurechts1.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2747-dokurechts1.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2747-dokurechts1-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16632\" class=\"wp-caption-text\">Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>\u201eWir hassen diesen Staat &#8230;\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie auch das Publikum waren die auftretenden Bands international gemischt. Als erstes traten \u201eAbtrimo\u201c aus Hamburg auf. Die putschten die Menge gleich mit entsprechenden Parolen auf: \u201eWir hassen dieses System &#8230; Wir hassen diesen Staat\u201c. Die Band bedauerte, dass man nicht das ganzer Repertoire spielen k\u00f6nne, da ein Teil des Lieder von der Bundespr\u00fcfstelle indiziert wurden. Aus Italien waren \u201eGeste Bellica\u201c angereist. Die Bandmitglieder sind Anh\u00e4nger der &#8222;Veneto Fronte Skinheads\u201c aus Norditalien. Diese gilt als Teil der \u201eBlood &amp; Honour\u201c-Struktur in Italien. Die Band trat beispielsweise im letzten Jahr beim \u201eIan Stuart Memorial Konzert\u201c in England auf. Dort trug der Schlagzeuger auf der B\u00fchne ein T-Shirt von \u201eBlood &amp; Honour\u201c. Sowohl bei den Konzerten der \u201eVeneto Fronte Skinheads\u201c als auch bei den allj\u00e4hrlichen \u201eIan Stuart Memorials\u201c in England sind die Neonazis von \u201eHonour &amp; Pride Deutschland\u201c regelm\u00e4\u00dfige G\u00e4ste. Auch \u201eFaustrecht\u201c aus dem Allg\u00e4u sind verwoben mit dem in Deutschland verbotenen Rechtsrocknetzwerk. Ein Teil der Bandmitglieder war bis zum Verbot im Jahr 2000 bei \u201eBlood &amp; Honour\u201c aktiv. Die Band galt zudem als \u201eHausband\u201c der 1996 verbotenen \u201eSkinheads Allg\u00e4u\u201c. Auch bei dieser Band stehen viele Lieder auf dem Index oder sind verboten. Das gleiche gilt f\u00fcr die ebenfalls auftretenden Band \u201eKraft durch Froide\u201c (KDF), die mit Unterbrechungen und Umbesetzungen schon seit Anfang der 80er Jahren existiert. An der Gitarre stand hier Ren\u00e9 Schulze aus K\u00f6then, der sonst sowohl mit den Bands \u201eLast Riot\u201c und \u201eOpen Violence\u201c, aber auch als Solok\u00fcnstler \u201eSchulzeskin\u201c auftritt. Weiter auf dem Programm stand &#8222;Kommando Skin&#8220; und \u201eI.C.1\u201c, ein gemeinsames Projekt des S\u00e4ngers der britischen \u201eBlood &amp; Honour\u201c-Band \u201eRazors Edge\u201c und den Musikern der deutschen Band \u201eCarpe Diem\u201c. \u201eI.C.1\u201c steht f\u00fcr den \u201eIdentity Code\u201c der britischen Polizei f\u00fcr einen Verd\u00e4chtigen \u201ewei\u00dfen, nordeurop\u00e4ischen \/ nordamerikanischen Typs\u201c. Etwas aus der Reihe fiel die schwedische Band \u201ePitbullfarm\u201c mit ihrem Psychobilly-Punkrocksound, deren Mitglieder mit Irokesenschnitt und Psychobilly-Flat auch optisch hervorstachen. Allerdings waren auch unter den Besuchern des Konzertes vereinzelt Nazipunks zu sehen. \u201ePitbullfarm\u201c, deren Frontmann Jocke Karlsson\u00a0fr\u00fcher bei der swedischen Rechtsrockband \u201ePluton Svea\u201c sang, \u00a0versteht sich selbst als \u201eunpolitische Band\u201c: Man spiele nicht auf \u201epolitischen Gigs, egal ob rechts oder links\u201c hei\u00dft es auf einer Seite der Band. Probleme vor hunderten von Neonazis aufzutreten hat man allerdings offensichtlich nicht. Den Abend zuvor verbrachten die Musiker der Band in trauter Runde mit Anh\u00e4ngern der neonazistischen Partei \u201eDie Rechte\u201c in einer Kneipe im Rotlichtmilieu von Braunschweig (Niedersachsen).<br \/>\nAuch die vorgeblich unpolitischen Lieder von \u201ePitbullfarm\u201c sind voller gewaltt\u00e4tiger Vernichtungsphantasien: \u201eIch werde dein Gesicht zermatschen und deinen Kopf zerbrechen. Du wirst tot in meinem Bett enden. Der Geruch von Blut macht mich verr\u00fcckt. Ich werde wieder und wieder auf dich einstechen. Ich m\u00f6chte foltern. Ich m\u00f6chte t\u00f6ten. Ich schlitz deine Kehle auf, was f\u00fcr ein Nervenkitzel\u201c singt Jocke Karlsson im Lied \u201eDie Tired\u201c\u00a0auf englisch.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16622\" aria-describedby=\"caption-attachment-16622\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2111-dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16622 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2111-dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2111-dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2111-dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16622\" class=\"wp-caption-text\">Emblem der Hammerskins. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong><span style=\"line-height: 1.5em\">Attacken gegen Journalisten<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em\">Laut Polizei sei das Konzert ohne Zwischenf\u00e4lle \u00fcber die B\u00fchne gegangen. Journalist\/innen und der Verein \u201eMiteinander e.V.\u201c sprachen dagegen von Beleidigungen und Attacken auf Medienverter\/innen durch die Besucher des Rechtsrock-Open Airs. Auch der Konzertveranstalter Oliver Malina wurde handgreiflich und versuchte einen Fotografen daran zu hindern das Konzert zu fotografieren. In der Kritik stand auch das Verhalten der Polizei. \u201eWie im vergangenen Jahr wurden Pressefotografen von anreisenden Neonazis bedroht und t\u00e4tlich angegriffen. Journalisten wurden mit F\u00e4kalien beworfen und gewaltt\u00e4tig an ihrer Arbeit gehindert, ohne dass die Polizei gegen die Angreifer einschritt\u201c, so der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von \u201eMiteinander e.V.\u201c Pascal Begrich: \u201eDar\u00fcber hinaus fanden keine konsequenten Kontrollen der Konzertbesucher hinsichtlich des \u00f6ffentlichen Zeigens verfassungswidriger Symbole statt\u201c. Der \u201eneonazistische und gewaltt\u00e4tige Charakter des Skinhead-Festivals in Nienhagen\u201c habe sich erneut best\u00e4tigt, doch wieder einmal \u201esahen Polizei und Ordnungsbeh\u00f6rden sich nicht in der Lage, der rechtsextremen Veranstaltung konsequent zu begegnen\u201c, beklagte der Verein.<\/span><\/p>\n<p><strong>Freiwilige Helfer und Gesch\u00e4ftsbeziehungen<\/strong><\/p>\n<p>Auch in diesem Jahr konnte sich Oliver Malina bei der Organisation und Durchf\u00fchrung des Konzertes auf die Aktivisten von \u201eHonour &amp; Pride Deutschland\u201c und zahlreiche weitere Helferinnen und Helfer verlassen. Viele davon kamen aus Niedersachsen. Auch Erbsensuppe aus der Gulaschkanone und Verkaufsst\u00e4nde diverser Szenevers\u00e4nde gab es auf dem mit einem Bretterzaun abgesperrten Gel\u00e4nde. Dort hatte auch ein Sanit\u00e4tszug des Roten Kreuzes sein Zelt aufgeschlagen. Am Eingang sorgte ein Sicherheitsdienst daf\u00fcr, dass nur Besucher mit Eintrittskarte auf das Gel\u00e4nde kamen. Wie im letzten Jahr hatte Oliver Malina daf\u00fcr die Firma \u201eIncognito Security\u201c aus Blankenburg engagiert. Deren Personal war schon vom Erscheinungsbild samt Szene-Tattoos teilweise kaum von den anwesenden Neonazis zu unterscheiden. Und offensichtlich hatten einige Mitarbeiter\/innen auch Gefallen an den auftretenden Bands.\u00a0Ein Ordner, der im letzten Jahr als Mitarbeiter von \u201eIncognito Security&#8220; im Einsatz war, trug diesmal gleich selbst ein rotes Shirt mit der Aufschrift \u201eHonour &amp; Pride\u201c und dem Symbol einer Handgranate. F\u00fcr die B\u00fchne und den richtigen Sound der Rechtsrock-Bands sorgte die Firma \u201eModus Veranstaltungstechnik\u201c aus S\u00f6mmerda. Als Referenzen nennt die Firma auf ihrer Homepage zahlreiche Feste, Messen, Konzerte, sowie den \u201eSachsen-Anhalt Tag&#8220;. Auch f\u00fcr \u00a0bekannte Firmen und f\u00fcr die Th\u00fcringer Staatskanzlei und Landesregierung sei man t\u00e4tig.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16621\" aria-describedby=\"caption-attachment-16621\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2055-dokurechts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16621 \" alt=\"28.06.2014, Nienhagen\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2055-dokurechts.jpg\" width=\"540\" height=\"242\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2055-dokurechts.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2014\/07\/IMG_2055-dokurechts-300x134.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-16621\" class=\"wp-caption-text\">Protest gegen Neonazi-Konzert. Foto: <a title=\"Flickr: DokuRechts\" href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/dokurechts\/sets\/\" target=\"_blank\">DokuRechts<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><strong>Sorge um Jugendliche <\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas Menschenbild, das auf den Konzerten propagiert wird, ist erschreckend\u201c, sagte Hans-Christian Anders gegen\u00fcber der Presse. Er macht sich auch Sorgen\u00a0um die Jugendlichen im Ort, die den Neonazis oft eher interessiert als ablehnend begegnen. Manche Eltern sympathisierten durchaus mit den Neonazis oder profitieren durch die Vermietung von Ferienwohnungen und Zimmern. Auch der Vermieter der Hopfendarre, Horst Slominski, kommt aus den Ort. Er hatte im letzten Jahr versprochen diese nicht mehr an Oliver Malina zu vermieten, wenn die Mehrheit des Ortes dagegen sei. An einer B\u00fcrgerbefragung\u00a0beteiligten sich daraufhin von 326 Wahl\u00adbe\u00adrech\u00adtig\u00adten an die 200 Einwohner\/innen. 160 davon stimmten gegen wei\u00adte\u00adre Neo\u00adna\u00adzi\u00adkon\u00adzer\u00adte. Doch Slominski vermiete schlie\u00dflich doch wieder an Oliver Malina, nachdem dieser damit gescheitert war an anderen Orten einen geeigneten Konzertort zu finden.\u00a0Oliver Malina, der urspr\u00fcnglich aus Salzgitter stammt und dort erst die \u201eKameradschaft Salzgitter\u201c dann \u201eHonour &amp; Pride Niedersachsen\u201c anf\u00fchrte, wohnt mit seiner Familie in einem der gr\u00f6\u00dften und auff\u00e4lligsten Geb\u00e4ude mitten im Dorf. Der Schwiegervater, ein Tiefbaunternehmer, ist ein alteingesessener Nienhagener. Aus dem Weg gehen kann man sich hier kaum. Und manch Nienhagener sieht das Problem weniger in den Neonazis als in der Initiative \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c die f\u00fcr Unruhe sorge.<\/p>\n<p><strong>\u201e\u00a0&#8230; und wir werden auch n\u00e4chstes Jahr hier sein!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Man kann schon jetzt davon ausgehen, dass Oliver Malina seine Drohung war machen wird und auch f\u00fcr das kommende Jahr hier ein gro\u00dfes ein Rechtsrockevent plant. Ob die Beh\u00f6rden bis dahin Wege und M\u00f6glichkeiten finden werden das Ganze zu verhindern wird sich zeigen.\u00a0Der zivilgesellschaftliche Widerstand und das antifaschistische Engagement der Initiative \u201eNienhagen Rechtsrockfrei\u201c und ihrer Unterst\u00fctzer\/innen wird jedenfalls weiter n\u00f6tig sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir sind dieses Jahr hier und wir werden auch n\u00e4chstes Jahr hier sein! \u2026 Wie viel sind wir hier: \u00dcber Tausend!\u201c \u2013 Es klang wie eine Drohung, als am Samstagabend beim Rechtsrock-Open Air \u201eThis one\u2019s for the Skinheads Vol. 3\u201c in Nienhagen (Sachsen-Anhalt) der Veranstalter Oliver Malina auf die B\u00fchne kletterte und das Mikro in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":411,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1515,1457],"tags":[32011,8168,32009,32010,1765,39412],"class_list":["post-16589","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesweit","category-sachsen-anhalt","tag-honour-pride","tag-konzert","tag-nienhagen","tag-oliver-malina","tag-rechtsrock","tag-sachsen-anhalt"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Rechtsrock-Open Air in Nienhagen: \u201eWir hassen diesen Staat ...\u201c - St\u00f6rungsmelder<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2014\/07\/01\/rechtsrock-open-air-in-nienhagen-wir-hassen-diesen-staat_16589\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Rechtsrock-Open Air in Nienhagen: \u201eWir hassen diesen Staat ...\u201c - St\u00f6rungsmelder\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"\u201eWir sind dieses Jahr hier und wir werden auch n\u00e4chstes Jahr hier sein! 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