{"id":19413,"date":"2015-05-22T11:16:13","date_gmt":"2015-05-22T09:16:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=19413"},"modified":"2015-05-23T10:15:55","modified_gmt":"2015-05-23T08:15:55","slug":"gedenken-an-von-neonazi-ermordete-polizisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2015\/05\/22\/gedenken-an-von-neonazi-ermordete-polizisten_19413","title":{"rendered":"Gedenken an von Neonazi ermordete Polizisten"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_19414\" aria-describedby=\"caption-attachment-19414\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2015\/05\/8-format14-e1432286087296.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-19414\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2015\/05\/8-format14-e1432286087296.jpg\" alt=\"Die Polizisten Yvonne Hachtkemper, Thomas Goretzky (Mitte) und Matthias Larisch von Woitowitz werden im Juni 2000 von dem Rechtsextremisten Michael Berger erschossen \u00a9dpa\" width=\"580\" height=\"278\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-19414\" class=\"wp-caption-text\">Die Polizisten Yvonne Hachtkemper, Thomas Goretzky (Mitte) und Matthias Larisch von Woitowitz wurden im Juni 2000 erschossen \u00a9dpa<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Vor 15 Jahren wurden in Dortmund drei Polizisten von dem Neonazi Michael Berger erschossen. Bis heute werden die Ermordeten nicht von der Bundesregierung als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt. Jetzt will eine Initiative mit einer Kundgebung an die Toten erinnern.<!--more--><\/p>\n<p>Wir dokumentieren den Kundgebungs-Aufruf:<\/p>\n<p><em>Am Sonntag, den 14. Juni 2015 wollen wir an Thomas Goretzki, Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch erinnern, die vor 15 Jahren in Dortmund-Brackel und Waltrop von dem Rechtsradikalen Michael Berger erschossen wurden. Wie Thomas Schulz, der von einem Dortmunder Nazi am 28. M\u00e4rz 2005 an der U-Bahn Station Kampstra\u00dfe erstochen, und Mehmet Kubatsik, der am 6. April 2006 von dem rechtsradikalen Netzwerk NSU in seinem Kiosk in der Dortmunder Mallinckrodtstra\u00dfe erschossen wurde, wurden die drei jungen PolizeibeamtInnen Opfer der steigenden rassistischen und faschistischen Mobilisierung und gewaltt\u00e4tigen Raumnahme in der Stadt Dortmund.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Die Morde im Jahr 2000<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Am Mittwoch den 14. Juni 2000 entdeckten kurz vor 10.00 Uhr der 35-j\u00e4hriger Polizeikommissar Thomas Goretzky und die 25-j\u00e4hrige Polizeimeisterin Nicole Hartmann aus ihrem Streifenwagen heraus einen Autofahrer, der sich offensichtlich nicht angeschnallt hatte. Die Beamten gaben dem Fahrer des BMW durch Zeichen zu Verstehen, dass er anhalten solle. Stattdessen gab dieser Gas und floh. Die Beamten verfolgten ihn. Im Unteren Graffweg in Dortmund-Brackel kamen beide Fahrzeuge zu Stehen. Als Thomas Goretzky ausstieg, er\u00f6ffnete der Fahrer des Fluchtfahrzeugs das Feuer. Thomas Goretzky wurde in Brust und Kopf getroffen. Seine Kollegin versuchte sich aus dem Auto zu retten und erhielt einen Steckschuss in den Oberschenkel.<\/em><\/p>\n<p><em>Daraufhin floh der Fahrer in seinem BMW. Durch die Sch\u00fcsse alarmierte Nachbarn eilten herbei und versuchten Erste Hilfe zu leisten. Diese kam aber f\u00fcr den zweifachen Familienvater Thomas Goretzky zu sp\u00e4t. Die schwer verletzte 25-j\u00e4hrigen Nicole Hartmann schaffte es noch an die Leitstelle den Mord an ihrem Kollegen durchzugeben. Eine Gro\u00dffahndung wurde ausgel\u00f6st.<\/em><\/p>\n<p><em>Kurze Zeit sp\u00e4ter standen in Waltrop die 34-j\u00e4hrige Yvonne Hachtkemper und der 35-j\u00e4hrige Matthias Larisch-von-Woitowitz aus Datteln mit einem Streifenwagen auf dem Randstreifen an der Kreuzung Unterlipper Stra\u00dfe\/Ecke Borker Stra\u00dfe. Es ist nicht bekannt, ob sie schon von der Fahndung wussten, als der BMW neben ihnen zu stehen kam. Obwohl die Ampel \u201egr\u00fcn\u201c zeigte, hielt der Fahrer des BMW an und gab aus dem Inneren drei gezielte Sch\u00fcsse auf sie ab. Yvonne Hachtkemper, die gerade aus dem Erziehungsurlaub gekommen war, wurde von zwei Kopfsch\u00fcssen getroffen. Matthias Larisch-von-Woitowitz, der zusammen mit seiner Frau ein Kind erwartete, erlitt einen Sch\u00e4deldurchschuss.<\/em><\/p>\n<p><em>Am sp\u00e4ten Nachmittag entdeckte ein Passant das Fluchtfahrzeug auf einem Feldweg in einem Olfener Waldst\u00fcck. Die anr\u00fcckenden Spezialisten fanden den Fahrer tot auf. Er soll sich mit einem Kopfschuss selbst get\u00f6tet haben. Es handelte sich um den 31-j\u00e4hrigen Nazi Michael Berger aus Dortmund-K\u00f6rne.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Michael Berger und die rechtsradikale Szene Dortmunds<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>In dem Fahrzeug von Michael Berger fand die Polizei mehrere Handfeuer- und andere Waffen. Bei mehreren Hausdurchsuchung entdeckten die Polizisten zwei Langwaffen, sieben Handfeuerwaffen, eine Splitterhandgranate, Munition, Messer und Sprengstoff. Ein Waffenarsenal, das ausreichte um eine komplette Kleingruppe auszur\u00fcsten. Schnell wurde klar, dass der 31-j\u00e4hrige Michael Berger zur rechtsradikalen Szene Dortmunds geh\u00f6rte. Man fand einen Mitgliedsausweis der DVU, entdeckte Verbindungen zu den Republikanern, der NPD und schlie\u00dflich zu Siegfried Borchardt und der \u201eKameradschaft Dortmund\u201c. In dem Olfener W\u00e4ldchen soll er sich mit Gleichgesinnten zu Schie\u00df\u00fcbungen getroffen haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Dortmunder Kameradschaft feierte die Morde mit einem Flugblatt und Aufklebern auf denen stand: \u201eBerger war ein Freund von uns. 3:1 f\u00fcr Deutschland. KS Dortmund\u201c. Auf Grund dessen fand bei dem 23j\u00e4hrigen Nazi Michael Krick in Dortmund-Kley eine Hausdurchsuchung statt und Aufkleber und Flugbl\u00e4tter gleichen Inhalts wurden beschlagnahmt. Des weiteren wurde die von B\u00fcrgerInnen eingerichtete Trauerst\u00e4tte f\u00fcr die BeamtInnen in Brackel gesch\u00e4ndet. Und unweit an einer Mauer die S\u00e4tze \u201eSchei\u00df Bullen! Krepieren sollen sie alle! Elendig!\u201c geschrieben. Schon in der Nacht zum Donnerstag spr\u00fchten Unbekannte in einem vier Meter langen und ein Meter hohen Schriftzug \u201e3 weniger\u201c an die Hiltruper Polizeiwache. Und vor Bergers Wohnsitz wurden Blumen abgelegt.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Polizeiliche Ermittlungen und Staatsr\u00e4son<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>All dieser Informationen und Umst\u00e4nde zum Trotz erkl\u00e4rten die ermittelnden Beh\u00f6rden den T\u00e4ter zu einen depressiven Waffensammler, der aus Angst vor dem F\u00fchrerscheinentzug die drei BeamtInnen erschoss. Trotz massiver Kritik, expliziten Verweisen auf die anti-demokratische Einstellungen und neonazistische Organisierung des M\u00f6rders wurde seitens des Staats eine politische Motivation der Tat kategorisch ausgeschlossen und bis heute gilt f\u00fcr die NRW-Regierung als Motiv eine angebliche Verdeckungsabsicht. So hie\u00df es im November 2011 vom Innenministerium NRW auf eine kleine Anfrage im Landtag: \u201e&#8230; da der Genannte \u2013 obwohl mehrfach einschl\u00e4gig vorbestraft \u2013 den PKW ohne Fahrerlaubnis gef\u00fchrt hatte und sich au\u00dferdem in seinem Wagen und in seiner Wohnung mehrere Schusswaffen befanden, f\u00fcr deren Besitz er keine Erlaubnis hatte. Anhaltspunkte f\u00fcr eine politische Tatmotivation im Sinne der Definition &#8222;Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t&#8220; lagen nicht vor. Vermutungen in den Medien \u00fcber einen Zusammenhang zwischen der Tat und Hinweisen auf Aktivit\u00e4ten des Genannten in der &#8222;rechten Szene&#8220; lie\u00dfen sich nicht verifizieren. Das Verfahren wurde aufgrund des Todes des B. eingestellt.\u201c (Drucksache 15\/1866)<\/em><\/p>\n<p><em>Die gleiche Entpolitisierung verlief in dem 2005 gef\u00fchrten Prozess gegen Sven Kahlin, den rechtsradikalen M\u00f6rder von Thomas Schulz. Hier befand das Gericht, dass \u201eDer Angeklagte hat sich durch das festgestellte Verhalten des Totschlags gem\u00e4\u00df \u00a7 212 StGB schuldig gemacht. Die Kammer ist der Auffassung, dass Mordmerkmale im Sinne des \u00a7 211 StGB nicht vorliegen. Es l\u00e4sst sich nicht feststellen, dass der Angeklagte aus niedrigen Beweggr\u00fcnden gehandelt hat. Die Tatsache, dass der Angeklagte Punker als &#8222;Zecken&#8220; bezeichnet, l\u00e4sst einen solchen R\u00fcckschluss nach Auffassung der Kammer nicht zu.\u201c (Aktenzeichen: 14 (I) K 3\/05)<\/em><\/p>\n<p><em>So wurde in beiden Ermittlungs-, bzw. Strafverfahren weder die Gewalttat an sich, noch der politische Hintergrund gew\u00fcrdigt und bis heute gelten die vier Ermordeten offiziell nicht als Opfer rechter Gewalt. Was solch eine offizielle und \u00f6ffentliche Negierung der Tatmotive, Hintergr\u00fcnde und Verantwortlichkeiten f\u00fcr die ehedem traumatisierten Angeh\u00f6rigen hei\u00dfen muss, kann man nur erahnen. Die gesellschaftliche Signalwirkung war katastrophal. Es wurde nicht klargestellt, dass die Wurzeln der Taten in der hasserf\u00fcllten politischen Ideologie des Nationalsozialismus liegen. Dass die Pflege und Verbreitung dieser Ideologie verantwortlich ist f\u00fcr die Haltung und Motivation der T\u00e4ter. Die T\u00e4ter wurden individualisiert und psychologisiert, die Morde aus ihrem sozialen und politischen Kontext und Wertesystem heraus gel\u00f6st. Statt klar Verantwortlichkeiten zu benennen, wurden diese kaschiert und versteckt. Und statt an Hand dieser Gewalttaten die Gefahr des Rechtsradikalismus offenzulegen und die Notwendigkeit der Bek\u00e4mpfung dieser antidemokratischen Einstellungen zu verdeutlichen, nutzten die Beh\u00f6rden ihre Definitionsmacht um zu vertuschen und zu verharmlosen.<\/em><\/p>\n<p><em>Am 4. April 2006 wurde der Familienvater Mehmet Kubasik in der Dortmunder Mallinckrodtstra\u00dfe in seinem Kiosk von Mitgliedern des rechts-terroristischen Netzwerks \u201eNationalsozialistischer Untergrund\u201c (NSU) erschossen. Die polizeilichen Beh\u00f6rden ermittelten im Anschluss nicht gegen rechte Zusammenh\u00e4nge. Statt dessen verd\u00e4chtigten sie das Opfer und seine Angeh\u00f6rigen der unterschiedlichsten Vergehen und Delikte und stigmatisierten sie als verd\u00e4chtiges \u201eausl\u00e4ndisches Milieu\u201c. Sie stilisierten die Opfer zu T\u00e4tern und verl\u00e4ngerten so die rechte Gewalt und den rassistischen Ausschluss von MigrantInnen aus der deutschen Gesellschaft. Erst mit der Selbst-Enttarnung des NSU Ende 2011 fielen diese polizeilichen Konstrukte in sich zusammen. Und die Angeh\u00f6rigen der neun vom NSU ermordeten Menschen waren mit einem Mal doch Opfer rassistischer Gewalt und kein kriminelles Ausl\u00e4ndermilieu.<\/em><\/p>\n<p><em>In Folge dieses bundesweiten Ermittlungs-Gaus vernichteten diverse Beh\u00f6rden ihre Aktenbest\u00e4nde und wuschen ihre H\u00e4nde in Unschuld. Dieser geheimdienstliche und polizeiliche Offenbarungseid und die sich anh\u00e4ufenden Skandale lassen viele Menschen in Deutschland an dem Verfolgungswillen gegen\u00fcber rechtsradikalen und rassistischen Straftaten, an der demokratischen Haltung und der Verfassungstreue der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden zweifeln. Das es f\u00fcr diese Beh\u00f6rden anscheinend zu einer folgenlosen Abwicklung ihres \u201eNSU-Komplexes\u201c kommt erbost viele Bundesb\u00fcrger immer mehr.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Offene Fragen &#8211; so aktuell wie damals<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Wie in den F\u00e4llen des NSU wurde auch bei den drei Morden an den PolizistInnen im Jahr 2000 den Spuren in die rechtsradikale Szene nicht nachgegangen. Schon damals wurden Stimmen laut, die den T\u00e4ter zu den bewaffneten Neonazi-Strukturen um \u201eBlood and Honour\u201c und \u201eCombat 18\u201c einordneten. Der Tod des T\u00e4ters half bei der Schlie\u00dfung der Akten und der Definition der Morde als unpolitische Taten.<\/em><\/p>\n<p><em>In den folgenden Jahren tauchten immer wieder neue Verdachtsmomente rechts-terroristischer Bestrebungen in und um Dortmund auf. Sei es die Entwicklung um die Rechtsrockband \u201eOidoxie\u201c, die Aktivit\u00e4ten des Neonazis und Verfassungsschutzagenten Sebastian Seemann, dem Briefkontakt seines Dortmunder Kameraden Robin Schmiemann mit der Angeklagten Beate Zsch\u00e4pe aus dem NSU-Prozess oder den zahlreichen Besuchen von \u201eBlood and Honour\u201c und \u201eCombat 18\u201c Aktivisten aus Belgien und Holland in Dortmund-Dorstfeld. F\u00fcr die NRW-Ermittlungsbeh\u00f6rden waren dies keine hinreichenden Anl\u00e4sse die Ermittlungen zu den Morden an den drei PolizistInnen erneut aufzunehmen. Erst 15 Jahre sp\u00e4ter, anl\u00e4sslich des NSU-Untersuchungsausschusses in D\u00fcsseldorf wird erneut dar\u00fcber nachgedacht, ob Michael Berger nicht doch ein Mitglied einer terroristischen Zelle war.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Dortmund, die Stadt von BVB und U-Turm<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>In all den letzten Jahren mussten viele DortmunderInnen schmerzhaft feststellen, dass sie angesichts der stetig steigenden rechtsradikalen Angriffe von den verantwortlichen Institutionen in dieser Stadt allein gelassen werden. Das sie au\u00dfer vollmundigen Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden nichts von der Stadt, ihrer Administration und Beh\u00f6rden zu erwarten haben. Im Gegenteil, bet\u00e4tigen sie sich als aktive DemokratInnen und AntifaschistInnen au\u00dferhalb der von der Stadt verordneten Symbolpolitik gelten sie als diejenigen, die provozieren, Recht und Ordnung st\u00f6ren und generell als verd\u00e4chtig. Und so werden sie von der Polizeif\u00fchrung und der Justiz als Deliquenten behandelt. Mit einem Wort: Das Feindbild der Stadt Dortmund ist der Antifaschismus. Dieser st\u00e4dtische Duktus macht auch vor den eigenen Partei- und Ratsmitglieder nicht halt. Ein Vorgang den man bestens an den Geschehnisse um das gewaltt\u00e4tige Auftreten der Partei \u201eDie Rechte\u201c am Abend der Kommunalwahlen im Mai 2014 vor dem Dortmunder Rathaus und der juristischen Verfolgung der demokratischen Stadtabgeordneten nachvollziehen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Entwicklung macht auch vor PolizistInnen nicht halt, die es mit Verfassungstreue und demokratischen Grundhaltung ernst meinen. Sie werden von ihren eigenen Beh\u00f6rden sogar zweifach hintergangen. Zum Einen wird ihnen wider ihrer \u00dcberzeugung nahegelegt und befohlen gegen AntifaschistInnen vorzugehen. Zum anderen werden sie angewiesen Antidemokraten und Nazis sozialen Raum zu gew\u00e4hren und politische Handlungsfelder zu erm\u00f6glichen. Die Argumentation der Beh\u00f6rdenspitzen sind dabei so formal, wie fadenscheinig und falsch. Im Namen der Demokratie soll man den Feinden der Demokratie Raum gew\u00e4hren, den aktiven Demokraten und Antifaschisten den Widerstand dagegen erschweren und verwehren. Denn als intolerant und anti-demokratisch gelten diejenigen, die demokratische Rechte verteidigen wollen. So werden die B\u00fcrgerInnen (die mit und die ohne Uniformen) nicht nur von den Nazis, sondern auch von den eigenen Beh\u00f6rden eingesch\u00fcchtert. Die Demokratie wird untergraben, ausgeh\u00f6hlt und auf dem Altar der \u201eOrdnungspolitik\u201c geopfert.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>\u201eEin Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen &#8230;\u201c (Todesfuge, Paul Celan)<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Wie sich diese Haltung im Juristen-Deutsch liest l\u00e4sst sich gut an dem Richterspruch zum Aufmarsch der Partei \u201eDie Rechte\u201c vom 28. M\u00e4rz diesen Jahres nachvollziehen. Der provokante Aufmarsch war von der Rechtsradikalen inszeniert worden, um das antifaschistische Gedenken an den ermordeten Thomas Schulz zu konterkarieren. Am 17. M\u00e4rz 2015 befand das Gelsenkirchener Verwaltungsgericht: \u201cAllein der Umstand des \u00f6ffentlichen Auftretens neonazistischer Gruppierungen und die Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts in \u00f6ffentlichen Versammlungen und Aufz\u00fcgen soweit sie die Strafbarkeitsschwelle nicht \u00fcberschreiten, f\u00fchrt nicht dazu, dass eine Versammlung vom Schutzbereich des Art. 8 GG ausgeschlossen werden k\u00f6nnte.\u201c (Aktenzeichen 14 L 543\/15) Mit anderen Worten, f\u00fcr diese Richter in Gelsenkirchen gibt es bereits wieder sch\u00fctzenswertes nationalsozialistisches Auftreten und \u00c4u\u00dferungen.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Quintessenz dieses Vorgehens ist die Ausbreitung und Raumnahme gewaltt\u00e4tiger Nazis in dieser Stadt. Dazu z\u00e4hlen auch die drei Morde an den drei jungen PolizistInnen im Jahr 2000. Rechtsradikale Morde, die von den Beh\u00f6rden als rein kriminelle Straftaten kaschiert werden. Was f\u00fcr ein Affront f\u00fcr die PolizistInnen, die ihre Arbeit gut machen wollen und diese im Sinne der Verfassung, mit einer demokratischen Grundhaltung nachgehen. Was f\u00fcr ein Affront gegen alle DemokratInnen und AntifaschistInnen.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wollen am Sonntag den 14. Juni 2015 in Dortmund-Brackel an die jungen PolizistInnen erinnern. Sie geh\u00f6ren in das antifaschistische Gedenken genau so eingebettet wie Thomas Schulz und Mehmet Kubasik. Dabei wollen wir unsere Kritik an dem beh\u00f6rdlichen Vorgehen aber nicht vergessen.<\/em><\/p>\n<p><em>In diesem Sinne sind alle herzlich eingeladen sich an der Veranstaltung zu beteiligen.<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Treff: Mahnmal f\u00fcr die deportierten J\u00fcdInnen, Brackeler Hellweg 137<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong>Wann: So., 14. Juni 2015, 14.00 Uhr<br \/>\nKontakt: <span style=\"font-size: small\">info@geschichtswerkstatt-dortmund.de<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor 15 Jahren wurden in Dortmund drei Polizisten von dem Neonazi Michael Berger erschossen. Bis heute werden die Ermordeten nicht von der Bundesregierung als Todesopfer rechter Gewalt anerkannt. 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