{"id":2262,"date":"2009-12-30T22:32:39","date_gmt":"2009-12-30T20:32:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=2262"},"modified":"2009-12-30T22:32:39","modified_gmt":"2009-12-30T20:32:39","slug":"ein-%e2%80%9ehauch-von-denunziatorischem-eifer%e2%80%9c-%e2%80%93-nachrichtenmagazin-%e2%80%9ezuerst%e2%80%9d-spaltet-deutschlands-rechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2009\/12\/30\/ein-%e2%80%9ehauch-von-denunziatorischem-eifer%e2%80%9c-%e2%80%93-nachrichtenmagazin-%e2%80%9ezuerst%e2%80%9d-spaltet-deutschlands-rechte_2262","title":{"rendered":"Ein \u201eHauch von denunziatorischem Eifer\u201c \u2013 Nachrichtenmagazin \u201eZuerst!\u201d spaltet Deutschlands Rechte"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Dezember 2009 kam die erste Nummer des k\u00fcnftig monatlich erscheinenden Nachrichtenmagazins \u201eZuerst!\u201c (01\/2010) auf den Markt. Es \u00fcberfl\u00fcgelt mit einer Auflage von 86.000 St\u00fcck und etwa 10.000 Verkaufsstellen die Breitenwirkung aller relevanten Publikationsorgane von rechts \u2013 und f\u00fchrt genau dort wie auf Knopfdruck zu heftigen Abgrenzungsritualen.<!--more--><\/p>\n<p>Am Beginn des publizistischen Gro\u00dfangriffs des rechten Verlegers Dietmar Munier stand der Aufkauf des politischen Monatsheftchens \u201eNation&amp;Europa\u201c, von dem in j\u00fcngerer Vergangenheit keine politisch oder intellektuell entscheidenden Debatten mehr ausgegangen waren. Aus dessen Abonnenten sollte ein Kundenstamm f\u00fcr das neue verlegerische Produkt mit dem Namen \u201eZuerst!\u201d generiert werden. Das Ziel ist so ambitioniert wie risikoreich zugleich: \u201eZuerst!\u201d will \u2013 darin sind sich Chefredakteur G\u00fcnther Deschner (Autor f\u00fcr JF und \u201eWelt\u201c) und Verleger Dietmar Munier einig \u2013 so etablierten Magazinen wie \u201eSpiegel\u201c, \u201eStern\u201c und \u201eFocus\u201c Konkurrenz machen \u2013 nur eben von rechts und auf diese Weise \u201eden eigenen deutschen Interessen\u201c eine publizistische Heimat mit Breitenwirkung geben.<\/p>\n<p>Und diese Zielstellung ist mit der ersten Ausgabe, die sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig der Banken- und Finanzkrise widmet, erstaunlich gut erf\u00fcllt: Die Aufmachung orientiert sich sinnf\u00e4llig an der der Konkurrenzprodukte, das Lektorat ist tadellos, die Bildredaktion solide, die Schreibe durchaus gef\u00e4llig. Und auch die Autoren und Interviewpartner machen einen \u2013 in Sachen \u201eRechtsextremismus\u201c \u2013 unangreifbaren Eindruck: So stellt sich der ehemalige Sozialdemokrat und regelm\u00e4\u00dfige Autor der Wochenzeitung \u201eJunge Freiheit\u201c (JF), Prof. Dr. Wilhelm Hankel, einem Interview zur Finanzkrise, Deutschlandfunk-Moderator J\u00fcrgen Liminski kommentiert die aktuelle Familienpolitik, der ehemalige Vorsitzende Richter am Landgericht Hamburg und heutige JF-Autor G\u00fcnter Bertram steht Deschner Rede und Antwort in Sachen \u201eJ\u00fcrgen Rieger gegen den \u00a7 130\u201c und Thomas Paulwitz, JF-Autor und Leiter der Monatszeitschrift \u201eDeutsche Sprachwelt\u201c, hilft in einem Interview zu begr\u00fcnden, warum man mit Bio-Produkten die deutsche Sprache retten kann. Harald Neubauer hingegen, der ehemalige Chef von &#8222;Nation&amp;Europa&#8220;, durfte in der aktuellen Ausgabe offenbar nur noch einen einzigen Kommentar beisteuern und scheint auf&#8217;s publizistische Abstellgleis geschoben.<\/p>\n<p>Bei soviel publizistischer Gediegenheit f\u00e4llt es zun\u00e4chst schwer zu verstehen, warum ausgerechnet dieses Monatsmagazin bereits zu Beginn seiner Karriere schwere Zerw\u00fcrfnisse in der rechten Szene offenbart. Den Anfang machte dabei Munier selbst, der in einem Interview mit &#8222;gesamtrechts&#8220; auf die JF und ihren Herausgeber Dieter Stein mit allen verbalen Mitteln einschlug. Der Grund: Am Hohenzollerndamm hatte man tats\u00e4chlich <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=4152&amp;Itemid=618\">auf eine ganzseitige Anzeige von \u201eZuerst!\u201d und damit auf Einnahmen in H\u00f6he von 4.992 Euro verzichtet<\/a>. Munier lie\u00df dies keinesfalls unbeeindruckt. Er holte zum \u00f6ffentlichen Schlagabtausch aus: \u201e(Seufzt) Ach, die JF. Die findet sich selbst inzwischen so etabliert, da\u00df sie eine bezahlte (!) Werbeanzeige von uns (&#8230;) abgelehnt hat.\u201c Der politische Kurs des JF-Chefredakteurs, so Munier, und die Meinung der Leser seiner Zeitung w\u00fcrden inzwischen ohnehin weit auseinander klaffen: \u201eViele spenden neben der JF auch f\u00fcr die DVU, die REPs oder die NPD oder haben irgendwann mal f\u00fcr eine Rechtspartei kandidiert. Mit Steins Steckenpferden haben die wenig am Hute.\u201c<\/p>\n<p>Nach dieser Entgleisung war es kein geringerer als G\u00f6tz Kubitschek, der Stein \u2013 <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=4115&amp;Itemid=618\">ihn in der Vergangenheit zwar ebenfalls von rechts kritisiert habend<\/a> \u2013 nun vor Munier in Schutz nahm. Letzterer wolle doch nur \u201eseine eigene Militaria- und Devotionalienklientel um jene Teile von rechts von der Mitte erg\u00e4nzen, die sich nicht f\u00fcr Panzer und Reichsparteitage interessieren (&#8230;) (<em>Zuerst!<\/em> ist, M.B.) jedenfalls etwas, das wir nicht brauchen. Sehr schade.\u201c Kubitschek hatte damit eines der aufwendigsten publizistischen Projekte der deutschen Rechten fr\u00fchzeitig in ungew\u00f6hnlich unvers\u00f6hnlichem Ton endg\u00fcltig abgeschrieben. Das sahen auch zahlreiche Kommentatoren der Erkl\u00e4rung Kubitscheks so. Er wolle sich doch nur ein Konkurrenzprodukt zu seiner <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=itemlist&amp;task=tag&amp;tag=Sezession&amp;Itemid=618\">\u201eSezession\u201c<\/a> vom Halse halten \u2013 lautete ein mehrfach vorgetragener Vorwurf. Er h\u00e4tte besser daran getan, \u201eauf den Inhalt des Magazins\u201c abzustellen und sich den \u201eHauch von denunziatorischem Eifer\u201c in seinen Ausf\u00fchrungen zu sparen \u2013 meinte ein anderer, sich nicht dem rechten Lager zurechnender Kommentator. Ein gewisser \u201eM.L.\u201c wies schlie\u00dflich darauf hin, dass \u201eunterm Strich\u201c die erste Ausgabe des Nachrichtenmagazins von rechts \u201etrotz aller Bef\u00fcrchtungen von Stein auch nicht \u201arechter\u2019, ja nicht einmal weniger gem\u00e4\u00dfigt (ist, M.B.) als die JF\u201c.<\/p>\n<p>Und dieses Argument trifft den Nagel auf den Kopf. Dass man es bei \u201eZuerst!\u201d mit einer durch und durch rechten Publikation zu tun hat, kann dabei selbst dem unaufmerksamsten Leser kaum verborgen bleiben, so penetrant zahlreich sind Reportagen und Artikelchen vertreten, in denen \u00fcber \u201eUnrecht an Deutschen\u201c und seine \u201efiesen Ausl\u00e4nder\u201c gejammert wird \u2013 und die b\u00f6se etablierte Politik, die in diesem Gemenge handfest mitmische. Doch das alles weicht in Tonfall und Aufmachung kaum von dem ab, was man sonst auch in der JF finden kann. Mit einer kleinen Ausnahme: Nat\u00fcrlich konnte es sich der Verleger Munier nicht nehmen lassen, hier und da f\u00fcr die B\u00fccher seiner Verlage \u201eArndt\u201c und \u201ePour le M\u00e9rite\u201c zu werben. Am Rande einer Reportage \u00fcber Volksabstimmungen der Bev\u00f6lkerung des Saarlandes \u00fcber den Verbleib des Gebietes im Deutschen Reich und der Bundesrepublik Deutschland wird der geneigte Leser selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber die Existenz von B\u00fcchern mit den Titeln \u201eStalingrad. Die gro\u00dfe Kriegswende\u201c oder \u201eMoskau 1941. Entscheidungsschlacht im Osten\u201c in Kenntnis gesetzt. Doch das alles kommt \u2013 im Verh\u00e4ltnis zu den restlichen 83 Seiten des vierfarbigen Hochglanzmagazins \u2013 regelrecht dezent daher. Das f\u00e4llt auch rechten Kritikern sofort ins Auge: \u201eDie Artikelauswahl ist breit gef\u00e4chert, die Werbung f\u00fcr die einschl\u00e4gigen Verlage ist mit Bedacht gew\u00e4hlt (hier hatte ich einen tieferen Griff in die Mottenkiste des Dritten Reiches bef\u00fcrchtet.)\u201c \u2013 hei\u00dft es hierzu im Blog der \u201eSezession\u201c.<\/p>\n<p>Auch in der Rechten wird also zunehmend dar\u00fcber diskutiert, <em>wo<\/em> jemand schreibt und nicht <em>was<\/em>: \u201eWas sagen die Thomas Paulwitz, Wilhelm Hankel und J\u00fcrgen Liminski zu dieser Positionierung (Muniers &#8211; siehe Zitat weiter oben, M.B.)? Alle drei sind im Interview oder sogar als Schreiber im ersten <em>Zuerst!<\/em> vertreten und doch vor allem seit langem der JF gewogen und verbunden (&#8230;)\u201c, fragt G\u00f6tz Kubitschek in den Cyberspace und hat damit ohne Zweifel zugleich das eigentliche Konkurrenzverh\u00e4ltnis offengelegt. Gerade in Zeiten des Internet verliert eine Wochenzeitung Jahr um Jahr an Aktualit\u00e4t. Informationen werden heutzutage in Echtzeit aufgenommen und verdaut. Dies kann die JF nur wettmachen, indem sie ihrem Publikum gr\u00fcndliche Zeitgeistanalysen und Reportagen vorlegt \u2013 eine Produktpalette, bei der es zumindest tendenziell zu \u00dcberschneidungen mit \u201eZuerst!\u201c kommen kann. Gerade die wohl auf Deschners Einfluss und Renomm\u00e9 zur\u00fcckzuf\u00fchrende \u00dcberschneidung von JF- und \u201eZuerst!\u201c-Autoren d\u00fcrfte Stein daher ein erheblicher Dorn im Auge sein \u2013 nicht zuletzt, weil damit auch dessen politische Abgrenzungsstrategie nach rechts zu implodieren droht.<\/p>\n<p>Dieter Stein ist stolz darauf, dass sich die Leser der JF \u00fcberdurchschnittlich aus einem sozial gehobenen und akademisch gebildeten rechten Milieu speisen. Ein Nachrichtenmagazin hingegen, das sich an Bahnhofskiosken ebenso behaupten soll wie im Zeitschriftenfachgesch\u00e4ft, muss intellektuell und politisch anders vorgehen. Auch hieraus erkl\u00e4rt sich \u2013 neben der Mitarbeit G\u00fcnther Deschners und Manuel Ochsenreiters sowie weiterer konservativer Autoren \u2013 der eher gem\u00e4\u00dfigte Kurs des zutiefst parteiischen Blattes, den Deschner salomonisch als \u201eim Zweifelsfall jedenfalls nicht links\u201c umschreibt. Dass dies nicht nur geschieht, um nicht auf den mit dem Magazin verbundenen erheblichen Kosten sitzen zu bleiben, sondern auch, um in aller Behutsamkeit weitere NS-Nostalgiker f\u00fcr die B\u00fccher der eigenen Verlage zu gewinnen, kann kaum \u00fcberraschen. &#8222;Zuerst!&#8220; ist also in Sachen Professionalit\u00e4t und Ausrichtung eine nicht zu untersch\u00e4tzende &#8222;Bereicherung&#8220; der publizistischen Landschaft von rechts \u2013 gerade <em>weil<\/em> das Nachrichtenmagazin so gem\u00e4\u00dfigt daherkommt und sein Verleger dennoch keine Fragen \u00fcber seine eigene politische Verortung offen gelassen hat. Spannend bleibt daher nur die Frage, ob und wie lange sich konservative Rechte zu diesem Zwecke instrumentalisieren lassen wollen. Munier jedenfalls sieht selbst dann keinen Grund auf &#8222;romantische Stauffenberg-Verehrer&#8220; zu verzichten, &#8222;wenn sie vielleicht nur f\u00fcr eine Etappe des Weges hilfreich sind.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=4184\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/er-logo.gif\" border=\"0\" alt=\"ER\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" width=\"50\" align=\"left\" \/><\/a><br \/>\nweitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=4184\">http:\/\/www.endstation-rechts.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits im Dezember 2009 kam die erste Nummer des k\u00fcnftig monatlich erscheinenden Nachrichtenmagazins \u201eZuerst!\u201c (01\/2010) auf den Markt. 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