{"id":23479,"date":"2017-04-17T15:17:33","date_gmt":"2017-04-17T13:17:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=23479"},"modified":"2017-04-20T16:59:10","modified_gmt":"2017-04-20T14:59:10","slug":"900-polizei-fuer-11-neonazis-in-koeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2017\/04\/17\/900-polizei-fuer-11-neonazis-in-koeln_23479","title":{"rendered":"900 Polizisten f\u00fcr 11 Neonazis in K\u00f6ln"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_23486\" aria-describedby=\"caption-attachment-23486\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23486\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17972346_1453744794683773_8272584584037723240_o-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17972346_1453744794683773_8272584584037723240_o-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17972346_1453744794683773_8272584584037723240_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17972346_1453744794683773_8272584584037723240_o.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23486\" class=\"wp-caption-text\">Die Gegendemonstranten wurden von der Stra\u00dfe geschoben \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Eine Woche vor dem AfD-Bundesparteitag im K\u00f6lner Maritim kam es zu einem der peinlichsten Events in der Geschichte K\u00f6lns: 11 \u2013 in Worten: elf \u2013 militante Rechtsextremisten mit teils einschl\u00e4gigem Vorstrafenregister liefen ab dem Bahnhof S\u00fcd grinsend und feixend durch den Stadtteil K\u00f6ln-S\u00fclz. Abgeschirmt wurden sie durch ein Gro\u00dfaufgebot von 900 Polizisten, zwei Wasserwerfern, einem R\u00e4umpanzer, einem permanent in der Luft kreisenden Polizeihubschrauber, Polizeihundestaffeln und mehreren Polizeipferden. Obwohl bei den Kooperationsgespr\u00e4chen mit dem B\u00fcndnis gegen Rechts auf die geringe Zahl der zu erwartenden Nazis hingewiesen worden war, lie\u00df die Polizei sich nicht von ihrer Machtdemonstration abhalten.<!--more--><\/p>\n<p><em>Text: Susanne M\u00fcller, Bilder: Hartmut Schneider<\/em><\/p>\n<p>Personell war es die Fortsetzung der K\u00f6ln-Deutzer Neonazidemo vom 14. Januar diesen Jahres, bei der sich mehrere Redner von der Kleinspartei Die Rechte \u00f6ffentlich und unbeanstandet als Nationalsozialisten bekannt hatten. Seinerzeit kamen die 110 Rechtsradikalen nur 600 Meter weit, diesmal lie\u00df die Polizei die elf Nazis die gesamte, zwei Kilometer lange Wegstrecke laufen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23485\" aria-describedby=\"caption-attachment-23485\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23485\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17971949_1453745341350385_593247428754877784_o-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17971949_1453745341350385_593247428754877784_o-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17971949_1453745341350385_593247428754877784_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17971949_1453745341350385_593247428754877784_o.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23485\" class=\"wp-caption-text\">Die Polizei zeigte St\u00e4rke \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Veranstalter waren, wie am 14.1., die vorbestraften K\u00f6lner Neonazis Paul Breuer und Jan Fartas. Eigentliches Angriffsziel ihres unter der \u00dcberschrift \u201eLinker Intoleranz entgegen treten\u201c angek\u00fcndigten wirren Demotextes war das 300 Meter vom S\u00fcdbahnhof an der Luxemburger Stra\u00dfe gelegene Autonome Zentrum. Im AZ hatte Fartas vor sechs Jahren selbst noch verkehrt, war dort jedoch wegen seines gewaltt\u00e4tigen Auftretens und seines zelebrierten Antisemitismus nicht gut angekommen. Daraufhin beschloss der stets unterkomplex auftretende, seine antisemitischen Drohungen genie\u00dfende Fartas, ein rechtsextremer Aktivist zu werden, der \u201eseine Gegner\u201c durch Gewaltakte einzusch\u00fcchtern versucht. Immerhin: Seinen Ruf als gef\u00e4hrlicher Gewaltt\u00e4ter hat Fartas gefestigt.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23484\" aria-describedby=\"caption-attachment-23484\" style=\"width: 220px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-23484\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17966647_1453747434683509_5265139573997271001_o-220x220.jpg\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"220\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23484\" class=\"wp-caption-text\">Aufmarsch-Anmelder Jan Fartas \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der 45-j\u00e4hrige Paul Breuer ist K\u00f6lns langgedientester bekennender Nationalsozialist. Breuer galt viele Jahre lang im w\u00f6rtlichen Sinne als die \u201erechte Hand\u201c des schm\u00e4chtigen, fr\u00fcher in peinlichen Nazi-Lederklamotten auftretenden Axel Reitz; er arbeitete bereits als etwa 20-J\u00e4hriger eng mit dem Hamburger Neonazikader Christian Worch sowie dem 1991 an Aids verstorbenen Michael K\u00fchnen zusammen und war an den inzwischen aufgel\u00f6sten bzw. verbotenen Neonazigruppen \u201eKampfbund deutscher Sozialisten\u201c und \u201eKameradschaft Walter Spangenberg\u201c ma\u00dfgeblich beteiligt. 2005 war Breuer Herausgeber einer Gedenkschrift f\u00fcr K\u00fchnen. Anlass f\u00fcr naheliegende Spekulationen bietet, dass auf einer von Fartas betriebenen nationalsozialistischen K\u00f6lner Facebookseite unl\u00e4ngst wieder Bezug auf Michael K\u00fchnen genommen wurde.<\/p>\n<p>Als Kampfredner inszenierte sich auf der \u201eDemonstration\u201c &#8211; wie bereits im Januar &#8211; , der Hildesheimer Johannes Welge. Der 30-j\u00e4hrige angehende Jurist und Vater war Kreisvorsitzender der Minipartei Die Rechte, flog Ende 2016 jedoch sogar aus dieser militanten Gruppierung wieder heraus. Auf der Facebookseite seines Kreisverbandes wurde Ende 2016 die Frage gepostet, warum in den eigenen Reihen \u201eimmer noch Leute geduldet\u201c w\u00fcrden, die \u201echarakterlich, von ihren Handlungen her und auch schon von ihrem miesen Auftreten her unserer Weltanschauung v\u00f6llig widersprechen.\u201c<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23483\" aria-describedby=\"caption-attachment-23483\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23483\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17966592_1453747108016875_8099207016001441044_o-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17966592_1453747108016875_8099207016001441044_o-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17966592_1453747108016875_8099207016001441044_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17966592_1453747108016875_8099207016001441044_o.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23483\" class=\"wp-caption-text\">Die Polizei war mit einem Gro\u00dfaufgebot im Einsatz \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Im April diesen Jahres wurde Johannes Welge wegen einer \u201edie W\u00fcrde der Opfer verletzenden\u201c Billigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verurteilt, weil er die Waffen-SS als eine Armee darstellte, die Unterdr\u00fcckte befreit habe. Vor Gericht verwies Welge darauf, dass sein Opa auch \u201ein der Waffen-SS gewesen\u201c sei. Im liberalen K\u00f6ln durfte Welge, von der Polizei unbeanstandet, in seinen wirren Redebeitr\u00e4gen ank\u00fcndigen, dass sie als erstes \u201edie BRD abschaffen\u201c w\u00fcrden, wenn es denn so weit sei. Dann fragte er unter Gel\u00e4chter seiner Gesinnungsgenossen, auf ihre vorherige K\u00f6lner Nazikundgebung anspielend, wen die Presse denn heute erwartet h\u00e4tte &#8211; etwa \u201eorthodoxe Juden\u201c?<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23482\" aria-describedby=\"caption-attachment-23482\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23482\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17917112_1453744384683814_5534228350593410805_o-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17917112_1453744384683814_5534228350593410805_o-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17917112_1453744384683814_5534228350593410805_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17917112_1453744384683814_5534228350593410805_o.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23482\" class=\"wp-caption-text\">ZWei Kilometer durften die Neonazis im Regen laufen \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Nach 200 Meter stie\u00dfen die elf Demonstranten, von einem massiven Polizeiaufgebot abgeschirmt, auf 250 Gegendemonstranten. Ein B\u00f6ller explodierte. Ob der B\u00f6ller von den Nazis oder von einem linken Gegendemonstranten geworfen wurde l\u00e4sst ein auf Facebook ver\u00f6ffentlichter Film als ungekl\u00e4rt erscheinen. Drei Minuten sp\u00e4ter, die Nazigruppe war schon vorbei, kam er zu einem massiveren Einsatz von Pfefferspray. Ein Demonstrant in der ersten Reihe wurde gew\u00fcrgt. Der Polizeieinsatz wirkte vollst\u00e4ndig unangemessen und anlasslos. Ein Teil der linken Gegendemonstranten ging anschlie\u00dfend zum Konzert vor das Autonomen Zentrum, wo unter anderem die Berliner Punkband ZSK aus Solidarit\u00e4t spielte.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23480\" aria-describedby=\"caption-attachment-23480\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23480\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17880538_1453746454683607_3715310736018015690_o-620x413.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17880538_1453746454683607_3715310736018015690_o-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17880538_1453746454683607_3715310736018015690_o-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17880538_1453746454683607_3715310736018015690_o.jpg 992w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23480\" class=\"wp-caption-text\">Auf Polizeipferde kamen zum Einsatz \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>F\u00fcr den AfD-Parteitag kommende Woche in K\u00f6ln, zu dem mindestens 50.000 Gegendemonstranten erwartet werden, l\u00e4sst die groteste Inszenierung nichts Gutes Erwarten. Durchaus nicht Wenige erinnern sich voller Wehmut an den fr\u00fcheren K\u00f6lner Polizeipr\u00e4sidenten Wolfgang Albers. Albers war wenigstens noch ein politisch denkender Mensch, der zwischen extremen, gewaltsuchenden Rechten und linken Gegendemonstranten zu differenzieren vermochte.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_23481\" aria-describedby=\"caption-attachment-23481\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-23481\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17884230_1453744231350496_1654951305000058634_n-620x620.jpg\" alt=\"\" width=\"620\" height=\"620\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17884230_1453744231350496_1654951305000058634_n-620x620.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17884230_1453744231350496_1654951305000058634_n-220x220.jpg 220w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17884230_1453744231350496_1654951305000058634_n-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2017\/04\/17884230_1453744231350496_1654951305000058634_n.jpg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-23481\" class=\"wp-caption-text\">Nur 11 Rechstextreme waren erschienen \u00a9 Hartmut Schneider<\/figcaption><\/figure><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Woche vor dem AfD-Bundesparteitag im K\u00f6lner Maritim kam es zu einem der peinlichsten Events in der Geschichte K\u00f6lns: 11 \u2013 in Worten: elf \u2013 militante Rechtsextremisten mit teils einschl\u00e4gigem Vorstrafenregister liefen ab dem Bahnhof S\u00fcd grinsend und feixend durch den Stadtteil K\u00f6ln-S\u00fclz. 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