{"id":2485,"date":"2010-01-26T16:42:43","date_gmt":"2010-01-26T14:42:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=2485"},"modified":"2010-01-26T16:42:43","modified_gmt":"2010-01-26T14:42:43","slug":"die-kritische-theorie-frisst-ihre-kinder-antisemitismusforscher-wolfgang-benz-ist-plotzlich-selbst-ein-antisemit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2010\/01\/26\/die-kritische-theorie-frisst-ihre-kinder-antisemitismusforscher-wolfgang-benz-ist-plotzlich-selbst-ein-antisemit_2485","title":{"rendered":"Die &#8222;Kritische Theorie&#8220; frisst ihre Kinder &#8211; Antisemitismusforscher Wolfgang Benz ist pl\u00f6tzlich selbst ein Antisemit"},"content":{"rendered":"<p>Man wei\u00df kaum, was in Deutschland schlimmer ist: ob als Schwerverbrecher oder als Antisemit zu gelten. Letzteres ist nun ausgerechnet dem Leiter des &#8222;Zentrum f\u00fcr Antisemitismusforschung&#8220; (ZfA) der TU Berlin, Prof. Dr. Wolfgang Benz, geschehen. Bei genauerem Hinsehen erweist er sich jedoch lediglich als das konsequente Opfer der inneren Widerspr\u00fcche der &#8222;Kritischen Theorie&#8220;. <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/plugins\/editors\/jce\/tiny_mce\/plugins\/article\/img\/trans.gif\" alt=\"Read More\" \/> <!--more--><\/p>\n<p>Horkheimer und Adorno hatten bereits w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs im Exil den &#8222;Fall Auschwitz&#8220; mit ihrem Hauptwerk &#8222;Dialektik der Aufkl\u00e4rung&#8220; (1944) aufgrund seiner historisch beispiellosen Ausma\u00dfe zum Zentrum ihres theoretischen Schaffens erhoben. Fortan galt beiden die Arbeit daran, dass &#8222;Auschwitz nicht noch einmal sei&#8220; (Adorno), als der kategorische Imperativ der postaufkl\u00e4rerischen Epoche. Da &#8222;im Zivilisationsprinzip selbst die Barbarei angelegt&#8220; und die Wiederholung von Auschwitz somit jederzeit m\u00f6glich sei, k\u00f6nne und d\u00fcrfe sich das gesamte theoretische wie praktische Schaffen nach Auschwitz diesem Imperativ nicht mehr entziehen.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen dieses moralischen Impulses, der weit \u00fcber die Anh\u00e4nger der &#8222;Kritischen Theorie&#8220; im eigentlichen Sinne hinaus gesellschaftliche Wirkm\u00e4chtigkeit erreichte, sind ihrerseits h\u00f6chst dialektisch. Zun\u00e4chst erkl\u00e4rt sich hieraus die best\u00e4ndige Suche nach direkten Reinkarnationen des &#8222;F\u00fchrers&#8220;. Stets m\u00fcssen sich professionell d\u00fcnkende Nazij\u00e4ger hinter der Camouflage einer &#8222;politischen Mimikry&#8220; den &#8222;heimlichen Adolf&#8220; freilegen. Der Blick daf\u00fcr, dass die Fratze des Rechtsextremismus auch ganz andere Gesichter annehmen kann, geht so allerdings verloren. Und dann l\u00f6st der von Horkheimer und Adorno formulierte Imperativ eine universelle Dynamik aus, dessen Opfer nun ausgerechnet der deutsche Antisemitismusforscher Nr. 1 geworden ist. Denn selbstverst\u00e4ndlich bezogen Horkheimer und Adorno ihren Appell nie engherzig auf Juden. Es ging also nie &#8222;nur&#8220; darum, einen weiteren Holocaust gegen Juden, sondern fortan jegliche in der Moderne schlummernden Formen menschlicher Barbarei zu verhindern.<\/p>\n<p>Diesen Imperativ nimmt Wolfgang Benz offenbar ernst. Bereits im Dezember <a id=\"1466\" href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=1466\">2008<\/a> veranstaltete das ZfA eine Tagung mit dem Titel &#8222;Feindbild Muslim \u2014 Feindbild Jude&#8220;. Die Veranstalter wollten seinerzeit der Frage nachgehen, ob die Funktionsmechanismen des Antisemitismus &#8222;paradigmatisch&#8220; auch f\u00fcr die Islamfeindlichkeit sein k\u00f6nnten. Der Widerspruch lie\u00df nicht lange auf sich warten und ging seinerzeit u.a. von <a href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=1466\">Clemens Heni und Henryk M. Broder<\/a> aus; Unterst\u00fctzung hingegen erhielt Benz von <a href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=1466\">Micha Brumlik<\/a>.<\/p>\n<p>Vor wenigen Tagen nun hat Benz in einem Beitrag in der Tageszeitung <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/837\/499119\/text\/\" target=\"_blank\">&#8222;S\u00fcddeutsche Zeitung&#8220; (SZ)<\/a> erneut die These aufgestellt, dass es gerade als Antisemitismusforscher seine Pflicht sei, nach Struktur\u00e4hnlichkeiten oder -identit\u00e4ten in Diskriminierungsvorg\u00e4ngen Ausschau zu halten: &#8222;Es ist ein Gebot der Wissenschaft, die Erkenntnisse, die aus der Analyse des antisemitischen Ressentiments gewonnen wurden, paradigmatisch zu nutzen.&#8220; F\u00fcr Benz lassen sich im &#8222;Feindbild Islam&#8220; genau an zwei Stellen derartige Struktur\u00e4hnlichkeiten finden. Zun\u00e4chst sei hier wie im Antisemistismus der Mechanismus der falschen &#8222;Verallgemeinerung&#8220; am Werk. Sodann mische sich dieser au\u00dferdem mit negativen wie fiktiven Ger\u00fcchten \u00fcber die Betroffenen.<\/p>\n<p>Nun sollte man erwarten, dass Benz&#8216; Thesen &#8211; kurz nachdem sich halb Europa \u00fcber die Schweizer Volksabstimmung \u00fcber das Minarett-Verbot in Rage geschrieben und geredet hat &#8211; mit einem gewissen Wohlwollen und Verst\u00e4ndnis aufgenommen werden. Doch das glatte Gegenteil ist der Fall. Offenbar bringt die Tatsache, dass Benz seine Thesen erneut an prominenter Stelle ge\u00e4u\u00dfert hat, seine Kritiker erst richtig zum Kochen. Daher wird eine sch\u00e4rfere Gangart eingelegt. Auf dem nach eigenen Angaben gr\u00f6\u00dften j\u00fcdischen online-Magazin in deutscher Sprache hagalil.com verunglimpft Ulrich W. Sahm die Thesen Benz&#8216;\u00a0 als <a href=\"http:\/\/www.hagalil.com\/archiv\/2010\/01\/18\/benz\/\" target=\"_blank\">&#8222;ungeheuerliche, geradezu antisemitische Hetze&#8220;<\/a>. Der Rechtsextremismusforscher Clemens Heni will Benz des &#8222;sekund\u00e4ren Antisemitismus&#8220; \u00fcberf\u00fchren und der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/debatte\/article5828140\/Sind-Muslime-die-Juden-von-heute.html\" target=\"_blank\">Berufspolemiker Henryk M. Broder<\/a> h\u00e4lt ihn in Sachen Judentum einfach f\u00fcr v\u00f6llig ahnungslos. Denn der Unterschied zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie sei ja gerade der, dass Ersterer blo\u00df &#8222;auf hysterischen \u00c4ngsten, Erfindungen, Projektionen und Neidgef\u00fchlen&#8220; beruhe, w\u00e4hrend die Islamkritik &#8222;eine reale Basis&#8220; habe, &#8222;die jedes Vorurteil \u00fcber die dem Islam innewohnende Toleranz in ein gefestigtes Urteil&#8220; verwandle &#8211; eine These, f\u00fcr die Broder nun auch Unterst\u00fctzung vom deutsch-j\u00fcdischen <a href=\"http:\/\/media.ndr.de\/download\/podcasts\/podcast4076\/AU-20100122-1314-4101.mp3\" target=\"_blank\">Historiker Michael Wolffsohn<\/a> erhalten hat.<\/p>\n<p>Das also soll der Unterschied sein: W\u00e4hrend Antisemiten keinerlei Kontakt zum Planeten Erde aufwiesen, st\u00fcnden die Islamkritiker mit beiden Beinen in der Realit\u00e4t des islamistischen Terrorismus. Wenn Broder allerdings meint, Benz &#8222;Ahnungslosigkeit&#8220; im Hinblick auf das Judentum attestieren zu m\u00fcssen, so wird er dieses Kompliment schlie\u00dflich f\u00fcr sich selbst mit Blick auf den nationalsozialistischen Antisemitismus akzeptieren m\u00fcssen. Denn auch die NS-Ideologie lebte keinesfalls ausschlie\u00dflich und nicht einmal in erster Linie von mittelalterlich verb\u00fcrgten Abstrusit\u00e4ten wie der These von den &#8222;Brunnenvergiftern&#8220; oder &#8222;rituellen Kindst\u00f6tern&#8220;. Ganz im Gegenteil: Der nationalsozialistische Antisemitismus bediente sich bei der Konstruktion seines Weltbildes umgekehrt vielmehr verschiedener Erfahrungen, die er allerdings &#8211; und das ist eben das E ntscheidende &#8211; in abstruser und unzul\u00e4ssiger Weise im Rahmen einer S\u00fcndenbocktheorie verallgemeinerte. Hierzu z\u00e4hlte zum Beispiel, dass &#8222;Juden&#8220; im Betrieb des modernen Finanzkapitalismus ebenso eine relevante Rolle spielten wie in den F\u00fchrungsetagen des russischen Bolschewismus &#8211; eine Tatsache, die im Jahre 1919 selbst vom Revolution\u00e4r Kurt Eisner in den &#8222;Neuen J\u00fcdischen Monatsheften&#8220; noch stolz hervorgehoben wurde. Im Jahr 1941 schrieb hierzu der Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels: &#8222;Man suchte bei uns den Eindruck zu erwecken, als seien sich die j\u00fcdischen Bolschewiken in Moskau und die j\u00fcdischen Plutokraten in London und in Washington spinnefeind.&#8220; In Wahrheit, so Goebbels, k\u00e4me aber in beiden stets nur ein und derselbe plutokratische &#8222;Jude&#8220; mit seiner &#8222;j\u00fcdischen Chuzbe&#8220; zum Vorschein.<\/p>\n<p>Nun wird Broder freilich mit Recht darauf verweisen k\u00f6nnen, dass das Sprengstoffattentat eines Islamisten eine deutlich greifbarere und objektivere Bedrohung ist als der &#8222;j\u00fcdische Finanzkapitalist&#8220; oder der &#8222;j\u00fcdische Bolschewist&#8220;. Allerdings kommt das eben ganz auf den eigenen politischen Standpunkt an. Denn aus Sicht eines <a href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=4256\" target=\"_blank\">Kommunisten<\/a> ist der Finanzkapitalismus keine Kleinigkeit, sondern der wesentliche Motor der Verelendung der proletarischen Massen. Und ein b\u00fcrgerlicher Demokrat oder Nationalist wird im Bolschewismus keinesfalls eine ebenso berechtigte politische Position wie seine eigene, sondern die unmittelbare Bedrohung des gesamten Abendlandes erblicken; und man darf gelegentlich daran erinnern, dass der russische Bolschewismus immerhin direkt in Terror und Massenmorde f\u00fchrte. Bei der These, der Antisemitismus sei ohne &#8222;reale Basis&#8220; und daher reine Halluzination, w\u00e4hrend sich der Anti-Islamismus durch ein paar durchgeknallte Sprengstoffattent\u00e4ter rechtfertige, kommt es eben ganz darauf an, <em>wessen<\/em> Realit\u00e4t wir in den Blick nehmen.<\/p>\n<p>Und so erweist sich als das Kernproblem der Debatte eben ausgerechnet jenes, das Benz &#8211; ganz dem Imperativ der &#8222;Kritischen Theorie&#8220; verpflichtet &#8211; unter dem Begriff der &#8222;Verallgemeinerung&#8220; gefasst hatte und bei dem er Struktur\u00e4hnlichkeiten zwischen dem Antisemitismus und der Islamophobie erblicken wollte. Auch der Antisemitismus ist im Kern durch eine Kollektivschuldthese, also das Inhaftungnehmen aller Mitglieder einer Gruppe f\u00fcr die Taten Einzelner, wesentlich charakterisiert. Mag sein, dass Broder weder im Spekulieren an der B\u00f6rse noch im Mitmischen beim Bolschewismus eine &#8222;Tat&#8220; in dem hier gemeinten Sinne erblicken kann, aber dieses interpretationsabh\u00e4ngige Werturteil h\u00e4ngt eben vor allem vom eigenen politischen Standpunkt ab. Freilich erkl\u00e4rt dies alles nicht, warum sich nationalsozialistische Antikapitalisten mit &#8222;arischen&#8220; Kapitalisten weitaus nachsichtiger zeigten als mit ihren &#8222;j\u00fcdischen&#8220; Kollegen &#8211; und genau hierin besteht ein bleibender Unterschied zwischen dem nationalsozialistischen Rassenantisemitismus und der Islamophobie. Und dennoch liegt dem Antisemitismus wie der Islamophobie eine unzul\u00e4ssige Verallgemeinerung zugrunde, die Benz getreu dem Motto &#8222;Wehret den Anf\u00e4ngen!&#8220; bereits in einem fr\u00fchen Stadium und nicht erst nach einer historischen Eskalation eind\u00e4mmen will. Es mag also sein, dass Muslime Attent\u00e4ter sind, doch dies rechtfertigt nicht die Schlussfolgerung, dass alle Muslime Attent\u00e4ter sind. Und genau um diese falsche und vorschnelle Verallgemeinerung geht es Benz: &#8222;Die unterschwellig bis grobschl\u00e4chtig praktizierte Diffamierung der Muslime als Gruppe durch so genannte &#8218;Islamkritiker&#8216; hat historische Parallelen. Derzeit wird der Islam gedanklich mit Extremismus und Terror verbunden, wodurch alle Angeh\u00f6rigen der islamischen Religion und Kultur mit einem Feindbild belegt und diskriminiert werden sollen.&#8220;<\/p>\n<p>Wer so argumentiert, muss dabei \u00fcbrigens keinesfalls bestreiten, dass &#8222;der Jude&#8220; im nationalsozialistischen Rassenantisemitismus auf einer nicht-empirischen Ebene f\u00fcr schuldig befunden wurde und daher, egal was er tat oder dachte, seinem &#8222;Schicksal&#8220; einfach nicht entrinnen konnte. Denn Benz unterscheidet<em> in der Sache<\/em> ja selbst zwischen Islamkritik und Islamophobie, auch wenn er diese Unterscheidung in einem aktuellen <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2010\/0125\/feuilleton\/0004\/index.html\" target=\"_blank\">Interview mit der &#8222;Berliner Zeitung&#8220;<\/a> <em>auf der Wortebene<\/em> zur\u00fcckgewiesen hat. Die Islamophobie ist dabei &#8211; eben im Unterschied zur Islamkritik &#8211; genau wie der Antisemitismus dadurch gekennzeichnet, dass ein nicht-empirisches Terror-Wesen <em>aller<\/em> Muslime unterstellt wird. Jedwede Tendenz zur &#8222;Zivilisierung&#8220; muss demnach als taktisch motivierte Anpassungsleistung an den westlichen Zeitgeist erscheinen, um sich im g\u00fcnstigsten Augenblick erst recht in die Luft zu jagen.<\/p>\n<p>Doch bei genauerer Lekt\u00fcre wird auch deutlich, worum es eigentlich zu gehen scheint: um einen drohenden &#8222;Paradigmenwechsel&#8220;. So f\u00fchrt Broder aus: &#8222;Sehr in Mode sind derzeit Arbeiten \u00fcber &#8218;Antisemitismus und Islamophobie&#8216;, deren Verfasser aufrichtig versichern, sie w\u00fcrden das eine mit dem anderen nicht gleichsetzen, sondern nur vergleichen. Und Vergleiche anzustellen sei eine wissenschaftlich bew\u00e4hrte und zul\u00e4ssige Methode.<\/p>\n<p><!-- avj: the text for relevant search contains now the content from title and intro field \t\t\t  if article field relevantArticleSearchTakeOnlyTitle is set the text for search  \t\t\t  only contains the content from title field  --> <!-- avj: For test case (vmware) a list of Articles is set (testID), but only if section parameter \t\t\t  production is false. This is needed because no article id returned from Neofonie is \t\t\t  in vmware and the list where always empty -->Das stimmt. Grunds\u00e4tzlich kann man alles mit allem vergleichen. Die Wehrmacht mit der Heilsarmee, einen Bikini mit einer Burka und die GEZ mit der Camorra.&#8220; Broder erkl\u00e4rt damit den Vergleich theoretisch zwar f\u00fcr zul\u00e4ssig, aber im Grunde doch f\u00fcr moralisch illegitim. Anders l\u00e4sst sich ja kaum erkl\u00e4ren, dass er einen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie f\u00fcr ebenso absurd h\u00e4lt wie den zwischen der GEZ und der Camorra.<\/p>\n<p>Mit dieser gekonnten Polemik zeigt Broder jedoch vor allem, dass ihm letztlich das Wesen der Wissenschaft fremd ist. Denn der Vergleich ist nicht irgendein, sondern DAS Instrument der Wissenschaft schlechthin. Erkenntnis, das wusste schon Aristoteles, besteht letztlich in nichts anderem als dem Festhalten von Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Genau darum geht es im menschlichen Erkennen: festzustellen, welche Erkenntnisobjekte \u00dcbereinstimmungen und welche Unterschiede aufweisen &#8211; und im Hinblick worauf. Und diese Frage kann man nicht beantworten, ohne zuvor verglichen zu haben. Benz hat daher ganz Recht damit, es auch weiterhin als &#8222;Aufgabe des Wissenschaftlers&#8220; zu begreifen, &#8222;zu vergleichen, wo man vergleichen muss&#8220;.<\/p>\n<p>Das gilt \u00fcbrigens selbst f\u00fcr die Shoah und deren &#8222;Singularit\u00e4t&#8220;. Wer es f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt, Auschwitz mit Blick auf die Singularit\u00e4t mit anderen Genoziden zu vergleichen, offenbart damit vor allem, dass er nicht verstanden hat, was er selbst tut, wenn er derartiges denkt. Denn woher sollte man denn wissen, dass Auschwitz ein historisch einzigartiges Ereignis ist, OHNE die Shoah zuvor mit anderen Genoziden verglichen und eben Nicht-Identit\u00e4t festgestellt zu haben? Und genau darum scheint es am Ende zu gehen: um das Problem der Singularit\u00e4t. Anders jedenfalls sind Broders Angriffe in der <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/die-welt\/debatte\/article5828140\/Sind-Muslime-die-Juden-von-heute.html\" target=\"_blank\">&#8222;Welt&#8220;<\/a> kaum zu erkl\u00e4ren. &#8222;Praktisch l\u00e4uft der Vergleich &#8211; ausgesprochen oder insinuiert &#8211; darauf hinaus, dass die Muslime die Juden von heute sind&#8220;, wirft er Benz vor. <a href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=4347\" target=\"_blank\">Broder scheint damit im &#8222;Judenhass eine ganz einmalige Form vorurteilsbeladenen, fremdenfeindlichen Verhaltens&#8220; (Micha Brumlik) zu sehen und f\u00fcr diesen einen singul\u00e4ren Status zu beanspruchen.<\/a> Dies tut er nicht expressis verbis, aber anders l\u00e4sst sich seine Argumentation kaum verstehen, da es ja sonst auch gar keinen Anlass zur Aufregung g\u00e4be. Sekundiert wird ihm dabei auf der &#8222;Achse des Guten&#8220; j\u00fcngst erneut von Clemens Heni, der bereits in der Feststellung struktureller \u00c4hnlichkeiten eine &#8222;Gleichsetzung&#8220; entdecken will. Das ZfA betreibe eine &#8222;Relativierung des Holocaust&#8220; und sei somit letztlich f\u00fcr eine &#8222;infame Derealisierung jedes einzelnen Tages des Nationalsozialismus seit dem 30. Januar 1933&#8220; verantwortlich. Ursache dieser moralischen wie wissenschaftlichen Verfehlung sei dabei die \u00dcbertretung des Gebots der &#8222;Unvergleichbarkeit&#8220;.<\/p>\n<p>Doch einer solchen Positionierung wird man, abgesehen von ihren inh\u00e4renten Widerspr\u00fcchen, nach wie vor den Anspruch der &#8222;Kritischen Theorie&#8220; entgegenhalten m\u00fcssen. Wenn es nach Auschwitz unsere Pflicht ist, eine m\u00f6gliche Wiederholung der blanken Barbarei zu verhindern, so wird man kaum begr\u00fcnden k\u00f6nnen, dass Horkheimer und Adorno damit nicht auf alle Menschen, sondern allein auf Juden abgezielt h\u00e4tten. Eine solche universelle Position wird bspw. auch vom ehemaligen Chef der Knesset, <a href=\"http:\/\/endstation-rechts.de\/index.php?option=com_k2&amp;view=item&amp;id=4171\">Avraham Burg<\/a>, vehement vertreten, der j\u00fcngst mit der israelischen Gesellschaft hart ins Gericht ging: &#8222;Was uns anbelangt, leben wir auf dem Auschwitz-Planeten. Alles ist Shoah, und alles wird auf ihren Waagschalen gewogen. Die Lichtstrahlen, die Israel erreichen, werden im Prisma der Krematorien gebrochen. Wenn es anderen passiert, ziehen wir zum n\u00e4chsten Planeten, auf dem kein Platz ist f\u00fcr das Leid anderer und keine Genozide, Gr\u00e4ueltaten und Holocausts au\u00dfer unseren eigenen existieren.&#8220; Mit Blick auf die Shoah und ihre universellen Konsequenzen spricht er die Mahnung aus: &#8222;Das ist uns Juden in Deutschland passiert und kann irgendwo und irgendwie in jedem Land passieren.&#8220; Und genau das war es auch, was Horkheimer und Adorno \u00fcber die Ambivalenz der Moderne zum Ausdruck bringen wollten: Die Barbarei lauert. \u00dcberall!<\/p>\n<p>L\u00e4ngst wird in der Auseinandersetzung nicht mehr nur und ausschlie\u00dflich mit sachlichen Argumenten ein Meinungsstreit ausgetragen. &#8222;Tats\u00e4chlich erfahre ich keine fachliche Kritik und bekomme wissenschaftlich sehr viel Zuspruch. Aber als Person schl\u00e4gt mir ein ganz unglaublicher Hass entgegen&#8220;, \u00e4u\u00dfert sich Benz fast resigniert in einem aktuellen <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/archiv\/.bin\/dump.fcgi\/2010\/0125\/feuilleton\/0004\/index.html\" target=\"_blank\">Interview mit der &#8222;Berliner Zeitung&#8220;<\/a>. Er soll nicht mehr nur in der Sache widerlegt, sondern als &#8222;Hetzer&#8220; (hagalil) und &#8222;sekund\u00e4rer Antisemit&#8220; (Achse des Guten) mundtot gemacht werden. Ein weiterer Tiefpunkt in dieser Auseinandersetzung ist dabei der Versuch Clemens Henis, Benz zu einem Nazi ehrenhalber zu stempeln, weil dessen akademischer Lehrer Karl Bosl einst in das NS-System verstrickt war.<\/p>\n<p>Benz erweist sich damit letztlich als das Opfer der Kollision der &#8222;Kritischen Theorie&#8220; mit einer ins Quasi-Metaphysische gewendeten Singularit\u00e4tsthese, die diese allerdings selbst auf den Plan gerufen hat. Adorno formulierte noch im Sp\u00e4twerk &#8222;Negative Dialektik&#8220; (1966), dass Hitler der gesamten Menschheit einen &#8222;neuen kategorischen Imperativ&#8220; aufgezwungen habe, n\u00e4mlich &#8222;ihr Denken und Handeln so einzurichten, da\u00df Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts \u00c4hnliches geschehe.&#8220; Diesen ausdr\u00fccklich ins Universelle ausgreifenden Imperativ (&#8222;nichts \u00c4hnliches (!) geschehe&#8220;) diskursiv zu behandeln, w\u00e4re nach Adorno allerdings &#8222;Frevel&#8220;: Denn &#8222;an ihm l\u00e4\u00dft leibhaft das Moment des Hinzutretenden am Sittlichen sich f\u00fchlen.&#8220; Er verlieh &#8222;seinem&#8220; Imperativ damit den Status des Unber\u00fchrbaren und k\u00fcsste so selbst die Geister wach, in deren dialektischem Widerstreite nun die &#8222;Kritische Theorie&#8220; ihre Kinder frisst.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=4303\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/er-logo.gif\" border=\"0\" alt=\"ER\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" width=\"50\" align=\"left\" \/><\/a><br \/>\nweitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=4303\">http:\/\/www.endstation-rechts.de<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/7f67111a5d184dfea6df3f8d0a1a1942\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man wei\u00df kaum, was in Deutschland schlimmer ist: ob als Schwerverbrecher oder als Antisemit zu gelten. 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