{"id":27474,"date":"2018-11-02T11:40:48","date_gmt":"2018-11-02T10:40:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=27474"},"modified":"2018-11-02T13:10:52","modified_gmt":"2018-11-02T12:10:52","slug":"der-kurze-weg-vom-zweifler-zum-neonazi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2018\/11\/02\/der-kurze-weg-vom-zweifler-zum-neonazi_27474","title":{"rendered":"Der kurze Weg vom Zweifler zum Neonazi"},"content":{"rendered":"<p><b>So wird aus Verschw\u00f6rungsglauben Vernichtungswahn: Einst war Alfred S. ein Linker. Dann verfiel er kruden Theorien. Heute macht der Holocaustleugner vom Starnberger See bei M\u00fcnchen Nazipropaganda, sogar vor Gericht.<br \/>\n<\/b><\/p>\n<p><em>Von Sebastian Lipp<\/em><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_27476\" aria-describedby=\"caption-attachment-27476\" style=\"width: 990px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-27476 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/20180702-Muenchen-Prozess-Geschwister-S-pixel.jpg\" alt=\"Rechtsextremismus: Mit dem HItlergru\u00df begr\u00fc\u00dft Alfred S. am 2. Juli 2018 seine breit grinsende Schwester im Verhandlungssaal am Landgericht M\u00fcnchen.\" width=\"990\" height=\"660\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/20180702-Muenchen-Prozess-Geschwister-S-pixel.jpg 990w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/20180702-Muenchen-Prozess-Geschwister-S-pixel-620x413.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/20180702-Muenchen-Prozess-Geschwister-S-pixel-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 990px) 100vw, 990px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27476\" class=\"wp-caption-text\">Mit dem Hitlergru\u00df begr\u00fc\u00dft Alfred S. am 2. Juli 2018 seine Schwester im Verhandlungssaal am Landgericht M\u00fcnchen.\u00a0\u00a9 <a href=\"https:\/\/www.annewild.de\/\">Anne Wild<\/a><\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Alfred S. hebt seinen Arm zum Hitlergru\u00df, als er seine Schwester und Mitangeklagte im Gerichtssaal am M\u00fcnchner Landgericht begr\u00fc\u00dft. Niemand greift ein. Er wirft seinen Unterst\u00fctzern im Publikum einen triumphierenden Blick zu, dann senkt Alfred S. den Arm wieder. Seit der Prozess gegen ihn Anfang Juli begann, macht der 63-J\u00e4hrige auf diese Weise unmissverst\u00e4ndlich klar, wof\u00fcr er heute steht.<\/p>\n<p>Alfred S. war nicht immer so. Einst stand er gr\u00fcnen und linken Ideen nahe. Zu dem linken Intellektuellen Noam Chomsky sah er auf, bezeichnete ihn sogar als seinen Guru. Doch dann begann der Deutschkanadier, sich mit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 in den USA zu besch\u00e4ftigen. In wenigen Jahren wurde aus einem Zweifler ein Radikaler, aus einem ehemaligen Anh\u00e4nger der Gr\u00fcnen ein Rechtsextremist und Holocaustleugner.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Alfred S. wuchs als eines von vier Geschwistern in Kanada auf, wohin seine Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg ausgewandert waren. Schon als junger Mann verlie\u00df Alfred S. Kanada, um die Welt zu bereisen. Als Rucksacktourist zog er einige Jahre durch Afrika und Europa. Ende der Siebzigerjahre, &#8222;nachdem ich viel unterwegs war, kam die Erkenntnis, dass ich langsam was Gescheites mit meinem Leben anfangen sollte&#8220;, sagte er vor Gericht.<\/p>\n<p><strong>Ein b\u00fcrgerliches Leben<\/strong><\/p>\n<p>Mit Mitte 20 bewarb sich Alfred S. beim Technologiekonzern IBM in M\u00fcnchen. Er wurde eingestellt und lie\u00df sich in Tutzing nieder. &#8222;Ich f\u00fchlte mich nicht als Deutscher. Damals ich f\u00fchlte mich als Kanadier&#8220;, sagt Alfred S. heute. Dennoch lie\u00df er sich nach einigen Jahren einb\u00fcrgern. Den kanadischen Pass behielt er. Als Elektroingenieur machte der 63-J\u00e4hrige Karriere bei IBM und sagt von sich selbst, er habe sich ein ansehnliches Verm\u00f6gen erwirtschaftet. Das habe ihm erm\u00f6glicht, teure Hobbys zu finanzieren. Alfred S. ist leidenschaftlicher Segler und Drachenflieger.<\/p>\n<p>Ein gutb\u00fcrgerliches Leben unter vielen. Doch dann kam ein Einschnitt, der mit diesem Leben eigentlich zun\u00e4chst nicht viel zu tun hatte. Terroristen steuerten Flugzeuge in das World Trade Center in New York und das Verteidigungsministerium in Washington. Tausende Menschen starben. Alfred S. wollte wissen, wie es dazu kommen konnte.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Nur Fragen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Am Anfang habe er &#8222;nur Fragen gestellt&#8220;, sagt Alfred S. vor Gericht. Doch befriedigende Antworten will er nicht erhalten haben. Dann stie\u00df er auf Verschw\u00f6rungstheorien, die sich um den 11. September 2001 ranken. In solchen Theorien meinte Alfred S. jene Antworten zu finden, nach denen er gesucht hatte.\u00a0Je mehr er sich in die Theorien vertiefte, desto mehr verengte sich alles auf eine einzige Antwort: &#8222;Es sind die Juden gewesen.&#8220; Das wiederholt Alfred S. bis heute immer wieder.<\/p>\n<p>Alfred S. deckte sich mit sogenannter Enth\u00fcllungsliteratur zum 11. September ein und versuchte, sein Umfeld von seinen Theorien zu \u00fcberzeugen. Nie verlie\u00df er das Haus, ohne entsprechende Flugbl\u00e4tter mitzunehmen. Als Erstes zog er seine Schwester Monika in seinen Bann, die er regelm\u00e4\u00dfig in Kanada besuchte. &#8222;Monika hat es gleich begriffen und die richtigen Fragen gestellt.&#8220; Damals engagierte sie sich in der Gr\u00fcnen Partei Kanadas, an deren Gr\u00fcndung sie beteiligt gewesen sein will, und kandidierte mehrfach f\u00fcr \u00f6ffentliche \u00c4mter. Nachdem sie auch innerhalb der Partei mit massiv antisemitischen Positionen auffiel, wurde ihre Mitgliedschaft beendet.<\/p>\n<p><strong>Erste Videos<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 2014 ver\u00f6ffentlichte Alfred S. sein erstes Video auf YouTube. So wollte er noch mehr Menschen erreichen. In dem mehr als einst\u00fcndigen Clip zeichnet er eine Verschw\u00f6rungstheorie, nach der &#8222;zionistische Juden&#8220; f\u00fcr die Anschl\u00e4ge verantwortlich seien. Zudem relativiert Alfred S. die nationalsozialistische Terrorherrschaft, indem er sie mit dem &#8222;faschistischen Polizeistaat&#8220; Israel gleichsetzt. Allerdings scheint er sich damals noch nicht sicher gewesen zu sein, wie er das Naziregime bewerten sollte. Er habe &#8222;noch geglaubt, der Nationalsozialismus und Adolf Hitler seien b\u00f6se&#8220;. So sagt er es selbst aus, so geht es auch aus dem Video hervor.<\/p>\n<p>Nur ein halbes Jahr sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte Alfred S. den n\u00e4chsten Clip. Nun behauptete er, der Holocaust sei eine Erfindung &#8222;der Juden&#8220;. Im Naziduktus sprach er schon kurz darauf in einem dritten Video davon, dass &#8222;der Parasit&#8220;, also die Juden, die Menschheit &#8222;versklavt&#8220; h\u00e4tte. In weiteren Videos breitete Alfred S. seine antisemitische Weltsicht weiter aus, nach der &#8222;der Jude&#8220; f\u00fcr eine allumfassende Verschw\u00f6rung verantwortlich sei, um die &#8222;wei\u00dfe Rasse zu vernichten&#8220;. Die Hippiebewegung, Migration, Mondlandung, Kalter Krieg, Kennedy-Mord, der 11. September \u2013 im ganzen Weltgeschehen glaubte Alfred S. ein Komplott gegen &#8222;seine Rasse&#8220; zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>Rasante Radikalisierung<\/strong><\/p>\n<p>So wurde der Verschw\u00f6rungsglauben um den 11. September der sogenannten Truther-Szene f\u00fcr Alfred S. der Einstieg in eine rasante Radikalisierung zum Neonazi. Diese Weltsicht will Alfred S. um jeden Preis weitergeben. Zuerst zog er einen Teil seines Umfelds in seinen Bann, dann er\u00f6ffneten ihm seine Videos Zugriff auf ein breiteres Publikum. Er produzierte die Clips auf Deutsch und Englisch. Sp\u00e4ter lie\u00df er Videos mit russischen Untertiteln versehen. Auch seine Schwester trat in manchen der Videos auf und leugnete den Holocaust.<\/p>\n<p>In der rechtsextremen Szene machte sich Alfred S. im Laufe der Jahre einen Namen und trat als Referent und Kundgebungsredner bei rechtsradikalen Demonstrationen auf. Zum Beispiel im vergangenen Jahr am Mahnmal des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Feld des Jammers bei Bretzenheim in Rheinland-Pfalz. Die Einrichtung war Teil der sogenannten Rheinwiesenlager, in denen die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg Kriegsgefangene untergebracht hatten.<\/p>\n<p><strong>Vernichtungswahn<\/strong><\/p>\n<p>Rund drei Jahre nach dem ersten Video zeigt diese Rede, dass Alfred S. nun den Vernichtungswahn der Nationalsozialisten verinnerlicht hatte. &#8222;Heute sind wir hier versammelt, um unseren Ahnen zu gedenken, um zu trauern und sie zu ehren&#8220;, begann Alfred S. seine Rede. Auch sein Vater sei in den &#8222;Todeslagern&#8220; inhaftiert gewesen, habe aber fliehen k\u00f6nnen, bevor er nach Kanada auswanderte.<\/p>\n<p>Heute, so fuhr Alfred S. fort, w\u00fcrden die Deutschen &#8222;mit ekelhafter Gr\u00e4uelpropaganda dazu gebracht, am Boden zu kriechen&#8220;, und deutete den Zweiten Weltkrieg zum &#8222;V\u00f6lkermord&#8220; an den Deutschen um. Um &#8222;Europa zu knechten&#8220;, h\u00e4tte man zuerst die Deutschen als &#8222;Herz&#8220; der &#8222;europ\u00e4ischen V\u00f6lker&#8220; &#8222;ausl\u00f6schen&#8220; m\u00fcssen. &#8222;Denn sie stehen dem Monster, das die Welt beherrschen will, im Wege&#8220;, sagte Alfred S. Gemeint sind wie immer &#8222;die Juden&#8220;. Dagegen beschwor er einen apokalyptischen Endkampf der &#8222;wei\u00dfen Rasse&#8220;, der &#8222;auf Leben und Tod&#8220; zu f\u00fchren sei. Am Ende hob er den rechten Arm zum Hitlergru\u00df.<\/p>\n<p><strong>Hausdurchsuchungen<\/strong><\/p>\n<p>Die Polizei zeichnete den Auftritt auf und \u00fcbergab das Video an die Staatsanwaltschaft, die ein Verfahren wegen des Hitlergru\u00dfes einleitete. B&#8217;nai Brith Canada, eine j\u00fcdische B\u00fcrgerrechtsorganisation, entdeckte Alfred S.&#8216; Videos im Netz und \u00fcbergab den deutschen Beh\u00f6rden Informationen zu den Urhebern. Alfred S. sieht darin abermals ein Beispiel f\u00fcr den von ihm ersonnen Komplott der Juden gegen die Welt. Die j\u00fcdische Organisation, die er als Geheimdienst bezeichnet, habe &#8222;der Staatsanwaltschaft den Befehl erteilt, mich auszuschalten&#8220;, behauptete er sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Auch aus dem privaten Umfeld von Alfred S. gingen Anzeigen ein. Daraufhin durchsuchte die Polizei seine Wohnung und nahm die Ger\u00e4te mit, mit denen der Elektrotechniker seine Videos produziert hatte. Schlie\u00dflich klagte die Staatsanwaltschaft die Geschwister S. wegen Volksverhetzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor dem Landgericht M\u00fcnchen II an. Doch der notorische Holocaustleugner lie\u00df sich nicht beirren. Er r\u00fcstete sich wieder aus und provozierte mit weiteren Onlinevideos erneut einen Polizeieinsatz.<\/p>\n<p>Im Januar besuchte Monika S. ihren Bruder in Deutschland. Die Beh\u00f6rden nutzten die Gelegenheit und verhafteten die Kanadierin.<\/p>\n<p><strong>Drohungen gegen Richter<\/strong><\/p>\n<p>Die rechtsradikale Szene reagierte. In N\u00fcrnberg versammelten sich \u00fcber 200 Demonstranten zu einem Solidarit\u00e4tsmarsch f\u00fcr Monika S. und weitere teils inhaftierte Holocaustleugner \u2013 wenige Tage bevor der Gerichtsprozess gegen Alfred und Monika S. beginnen sollte. Auch Alfred S. trat dort als Redner auf. Er drohte, die Richter w\u00fcrden &#8222;h\u00e4ngen am Hals bis zum Tode, wenn sie uns hier schuldig sprechen&#8220;. Weiter sagte der Deutschkanadier, in den USA w\u00fcrden die Stimmen immer lauter, die sagten, dass &#8222;Zeit sei, die Juden auszurotten&#8220;.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_27480\" aria-describedby=\"caption-attachment-27480\" style=\"width: 1109px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-27480 size-full\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/Screenshot-Alfred-S.jpg\" alt=\"Rechtsextremismus: Wenige Tage vor Prozessbeginn drohte S., die Richter w\u00fcrden \u201eh\u00e4ngen am Hals bis zum Tode, wenn sie uns hier schuldig sprechen.\u201c (Screenshot, Youtube)\" width=\"1109\" height=\"607\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/Screenshot-Alfred-S.jpg 1109w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/Screenshot-Alfred-S-620x339.jpg 620w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/Screenshot-Alfred-S-768x420.jpg 768w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2018\/10\/Screenshot-Alfred-S-1024x560.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1109px) 100vw, 1109px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-27480\" class=\"wp-caption-text\">Wenige Tage vor Prozessbeginn drohte S., die Richter w\u00fcrden &#8222;h\u00e4ngen am Hals bis zum Tode, wenn sie uns hier schuldig sprechen&#8220;. (Screenshot, Youtube)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Am ersten Gerichtstag, die Richter hatten den Prozess noch nicht er\u00f6ffnet, hob Alfred S. abermals zu einer solchen Rede an und zeigte den Hitlergru\u00df. Er stilisierte sich selbst als M\u00e4rtyrer, der der &#8222;Wahrheit&#8220; ans Licht helfe, und nannte das Gericht &#8222;Inquisition&#8220;. Im Stile der Reichsb\u00fcrger stellte er sich selbst &#8222;als Angeh\u00f6rigen des Deutschen Reiches au\u00dferhalb der Gerichtsbarkeit der BRD&#8220; dar. Der Gerichtssaal sei f\u00fcr ihn eine &#8222;B\u00fchne&#8220;, um seiner &#8222;Wahrheit&#8220; zum Durchbruch zu verhelfen.<\/p>\n<p>Mehr als vier Monate lang befasste sich das Gericht mit der Ideologie von Alfred S., h\u00f6rte immer wieder stundenlange Erkl\u00e4rungen des Angeklagten an. Mehrfach ermahnte ihn der Richter, dass er auch im Prozess nicht berechtigt sei, weitere Straftaten zu begehen. Doch davon lie\u00df sich Alfred S. nicht beirren und leugnete auch im Prozess immer wieder den Holocaust.<\/p>\n<p>Ende Oktober fiel nun das Urteil gegen das Geschwisterpaar. Alfred S. wurde zu drei Jahren und zwei Monaten Gef\u00e4ngnis verurteilt. Weitere Verfahren laufen bereits. Seine 59-j\u00e4hrige Schwester hat die zehnmonatige Strafe f\u00fcr ihre Beteiligung an manchen der Videos in Untersuchungshaft schon abgesessen.<\/p>\n<p><strong>Ein neuer Star der radikalen Szene<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Es hat uns fast den Magen umgedreht, wenn wir diesen rassistischen und antisemitischen \u00c4u\u00dferungen folgen mussten&#8220;, begr\u00fcndete der Vorsitzende Richter das noch nicht rechtskr\u00e4ftige Urteil.\u00a0Die Angeklagten seien &#8222;vom Hass zerfressen&#8220;, ihre Propaganda sei &#8222;rassistischer Dreck&#8220; und eine &#8222;Bedrohung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Frieden&#8220;.<\/p>\n<p>Doch auch wenn Alfred S. nun erst einmal ins Gef\u00e4ngnis muss, wird seine Propaganda weiter wirken. Denn die organisierte rechtsradikale Szene ist l\u00e4ngst auf ihn aufmerksam geworden. Alfred S. wird vom Szeneanwalt Frank Miksch verteidigt, f\u00fcr seine Schwester setzte sich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfram_Nahrath\">Rechtsanwalt Wolfram Nahrath<\/a> ein. Nahrath war einst Bundesf\u00fchrer der verbotenen Wiking-Jugend. Mehrfach mischte sich der wegen seiner Aktivit\u00e4ten als &#8222;Volkslehrer&#8220; gek\u00fcndigte Grundschullehrer Nikolai N. unter das Prozesspublikum. Er hat eine Entwicklung hinter sich, die Parallelen zu der von Alfred S. aufweist. Am Tag der Urteilsverk\u00fcndung nahm schlie\u00dflich auch Karl-Heinz Statzberger auf den Besucherb\u00e4nken Platz. Der M\u00fcnchner Neonazikader stand unter anderem wegen seiner Verwicklung in die Planung eines Sprengstoffanschlags auf die Grundsteinlegung des j\u00fcdischen Kulturzentrums in M\u00fcnchen vor Gericht. <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/30562e7ca1164f09add43285d7548d44\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>So wird aus Verschw\u00f6rungsglauben Vernichtungswahn: Einst war Alfred S. ein Linker. Dann verfiel er kruden Theorien. Heute macht der Holocaustleugner vom Starnberger See bei M\u00fcnchen Nazipropaganda, sogar vor Gericht. Von Sebastian Lipp Alfred S. hebt seinen Arm zum Hitlergru\u00df, als er seine Schwester und Mitangeklagte im Gerichtssaal am M\u00fcnchner Landgericht begr\u00fc\u00dft. Niemand greift ein. 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