{"id":3035,"date":"2010-04-12T21:06:37","date_gmt":"2010-04-12T19:06:37","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=3035"},"modified":"2011-06-13T08:48:54","modified_gmt":"2011-06-13T06:48:54","slug":"vom-tontaubenschiesen-wie-gotz-kubitschek-versucht-die-frontlinien-zu-verschieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2010\/04\/12\/vom-tontaubenschiesen-wie-gotz-kubitschek-versucht-die-frontlinien-zu-verschieben_3035","title":{"rendered":"Vom Tontaubenschie\u00dfen: Wie G\u00f6tz Kubitschek versucht, die Frontlinien zu verschieben"},"content":{"rendered":"<p>Am 8. M\u00e4rz 2010 rieben sich einige verwundert die Augen: Prompt als die Nachricht die Runde gemacht hatte, dass Erich Vad zum General bef\u00f6rdert werden soll, wies G\u00f6tz Kubitschek im Netztagebuch der \u201eSezession&#8220; auf die Tatsache hin, dass eben dieser zu den ersten Autoren der eigenen Zeitschrift geh\u00f6rte. Ein wenig sah es danach aus, als ob er die Antifa-Arbeit zumindest im Bereich \u201eRecherche&#8220; nun selbst \u00fcbernehmen wollte.<!--more--><\/p>\n<p>Fraglich war angesichts dieses so wohlfeil pr\u00e4sentierten H\u00e4ppchens auf einem ohnehin \u00fcppig gef\u00fcllten Info-Buffet lediglich, wer sich an diesem vermeintlichen Leckerbissen g\u00fctlich tun w\u00fcrde. Es dauerte ganze drei Wochen, bis es so weit war: Wolf Schmidt berichtete f\u00fcr die \u201etaz&#8220; unter dem Titel \u201eMerkels rechte Hand&#8220; \u00fcber Vads Autorenschaft f\u00fcr die \u201eSezession&#8220; sowie seine Vortragst\u00e4tigkeit f\u00fcr das neurechte \u201eInstitut f\u00fcr Staatspolitik&#8220; (IfS).<\/p>\n<p>Vad, immerhin \u201eMerkels wichtigster Milit\u00e4rberater&#8220;, tut das heute alles furchtbar leid: Er habe die \u201eSezession&#8220; doch gar nicht gekannt, w\u00fcrde das \u201eaus heutiger Sicht&#8220; nicht mehr tun, beteuert er gegen\u00fcber der \u201etaz&#8220;. Und vor allem: \u201eIch bin kein Rechter.&#8220;<\/p>\n<p>Dann kam nat\u00fcrlich, was einfach kommen musste: Am 7. April 2010 zeigte sich Kubitschek \u00fcber Vad entt\u00e4uscht und teilte dies in einem eigens daf\u00fcr verfassten Beitrag der \u00d6ffentlichkeit mit. Er verstehe es \u201eweder die Angriffe auf sich selbst noch die auf Schmitt angemessen abzuschlagen&#8220;. Stattdessen fl\u00fcchte er sich in eine \u201eAusweichbewegung&#8220;: \u201eNun, so m\u00fcssen wir beide, er und ich, uns gr\u00fcndlich \u00fcber einander get\u00e4uscht haben auf jener Winterakademie Anno 2003 in Heiligenstadt, wo Vad \u00fcber Schmitt referierte (&#8230;)&#8220;<\/p>\n<p>Allerdings blieb dies keinesfalls unwidersprochen. Ein gewisser \u201eMartin&#8220; warf Kubitschek in einem Kommentar vielmehr vor, Vad f\u00fcr die eigenen Interessen instrumentalisiert zu haben: \u201eSie haben mit Ihrer Internetmeldung \u00fcber die Bef\u00f6rderung Vads unter ausdr\u00fccklicher Bezugnahme auf den Artikel in der Sezession den Ball ins Spielfeld geschossen, wohlwissend, dass die Sezessions- Internetseite mittlerweile Antifa-Tageslekt\u00fcre genauso wie pi-news etc. ist. (&#8230;) Also, keine Krokodilstr\u00e4nen: Der Verdacht liegt eindeutig auf der Hand, dass der Fall von Ihnen bewusst provoziert wurde &#8220; Kubitscheks Antwort fiel treuherzig offen aus: \u201eSie treffen etwas Richtiges, Martin. Aber Sie verk\u00fcrzen die Problematik und verstehen nicht, wie wichtig es f\u00fcr mich\/uns ist, Mechanismen offenzulegen.&#8220;<\/p>\n<p>Und in der Tat: Kubitschek hat sich bereits vor geraumer Zeit entschieden, dem Weg des \u201epolitischen Existenzialismus&#8220; zu folgen. Er steht am Rande der Bundesrepublik, weil er genau dort stehen <em>will<\/em> &#8211; nicht ohne Grund w\u00e4hlte er j\u00fcngst als Motto des Netztagebuchs der \u201eSezession&#8220; den Ausspruch \u201eAuch wenn alle (mitmachen), ich nicht&#8220; (etiam si omnes, ego non.). F\u00fcr ihn ist genau dies die einzige authentische Existenzform eines Rechten in der multikulturellen Bundesrepublik: Nicht mitmachen im gro\u00dfen Gesch\u00e4ft der pers\u00f6nlichen Karrieren, schon gar nicht, wenn es nur auf der Schleimspur der Anpassung und des Opportunismus zustande kommen kann.<\/p>\n<p>Und so steht er da &#8211; auf freiem Felde, Zigarillo im Mundwinkel, gegen die Sonne blinzelnd und bedient l\u00e4ssig die Wurfmaschine, die die Tontauben in die L\u00fcfte hebt. Kubitschek selbst schie\u00dft nicht, sondern er testet dreierlei: 1. ob die \u201eAntifa&#8220; \u00fcber seine St\u00f6ckchen springt und schie\u00dft, 2. ob die Tontaube standhaft ist und 3. ob der Gegner wirklich trifft oder die Tontaube die feindlichen Linien \u00fcberschreitet. Der Gewinner bei diesem Spiel hei\u00dft immer Kubitschek: Zerbr\u00f6selt die Tontaube w\u00e4hrend des Fluges von selbst, war sie aus schlechtem Material. Wird sie vom Gegner zur Strecke gebracht, wurden wieder einmal \u201eMechanismen&#8220; offen gelegt. Und wenn die Tontaube widerst\u00e4ndig die feindlichen Linien erreicht, kann die Truppe die Klamotten packen und die Frontlinie Richtung politische Mitte verschieben &#8211; ein Vorgang, der im Milieu als Vorgang der \u201eNormalisierung&#8220; gilt. Von Sympathisanten, die selbst gefahrlos unter Pseudonym schreiben, wird er im \u201eFall Vad&#8220; hierbei durchaus unterst\u00fctzt: \u201eSollte der \u201aMann&#8216; tats\u00e4chlich stolpern und fallen, nun, dann wird es um ihn nicht schade gewesen sein.&#8220; (Quovadis) Kubitschek selbst ist bei diesem Spiel der einzige, der nichts mehr zu verlieren hat.<\/p>\n<p>Und die n\u00e4chste Tontaube ist schon im Anmarsch. Sie hei\u00dft Richard Wagner, ist Schriftsteller und schreibt u.a. f\u00fcr die \u201eAchse des Guten&#8220;. Kubitschek kam mit Wagner in Kontakt, weil dieser den \u201eAntaios-Verlag&#8220; in seinen B\u00fcchern in kritischer Absicht verarbeitet hatte. Gestern nun wies Kubitschek in einem Rundbrief darauf hin, dass die aktuelle Ausgabe der \u201eSezession&#8220; (Nummer 35) einen Briefwechsel zwischen Wagner und Kubitschek \u00fcber den \u201eMut zum widerst\u00e4ndigen Wort&#8220; beinhalte. Und er vergisst nicht zu betonen, dass Wagner immerhin der Ex-Mann der Nobelpreistr\u00e4gerin Herta M\u00fcller sei.<\/p>\n<p>Kubitschek wollte Wagner dazu bewegen, einen Beitrag f\u00fcr die \u201eSezession&#8220; \u00fcber die \u201eHygiene&#8220; des Schreibens zu verfassen, \u00fcber die Gefahr also, sich an einem bestimmten Ort und nicht \u00fcber eine bestimmte Sache zu \u00e4u\u00dfern. Doch Wagner lehnte ab, weil er &#8211; wie Kubitschek ein Gespr\u00e4ch wieder gibt &#8211; nicht w\u00fcsste, inwiefern ihm dies selbst und m\u00f6glichen weiteren \u201ePublikationsm\u00f6glichkeiten gutt\u00e4te&#8220;. Wagner hatte damit genau diejenigen Stichworte f\u00fcr dasjenige Ph\u00e4nomen geliefert, um das es dem politischen Existenzialisten aus Schnellroda geht: Authentizit\u00e4t. Paradoxerweise lehnte Wagner zwar als Autor ab, willigte aber dennoch ein, einen Teil des Briefwechsels mit Kubitschek, der noch immer andauern soll, in der aktuellen Ausgabe der \u201eSezession&#8220; zu ver\u00f6ffentlichen. Aus diesem Ausschnitt geht nichts anderes hervor als das, was Kubitschek sich von einem \u201eSezession&#8220;-Beitrag erhofft haben d\u00fcrfte: dass wir in einer konformistischen Gesellschaft der \u201einneren Zensur&#8220; lebten und die Freiheit im \u201eErgebnis der freiwilligen Selbstkontrolle&#8220; nicht mehr viel wert sei. Die n\u00e4chste Tontaube also fliegt. Wer wird schie\u00dfen?<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/er-logo.gif\" border=\"0\" alt=\"ER\" hspace=\"10\" vspace=\"5\" width=\"50\" align=\"left\" \/><\/a><br \/>\nweitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts.de\/\">http:\/\/www.endstation-rechts.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 8. M\u00e4rz 2010 rieben sich einige verwundert die Augen: Prompt als die Nachricht die Runde gemacht hatte, dass Erich Vad zum General bef\u00f6rdert werden soll, wies G\u00f6tz Kubitschek im Netztagebuch der \u201eSezession&#8220; auf die Tatsache hin, dass eben dieser zu den ersten Autoren der eigenen Zeitschrift geh\u00f6rte. 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