{"id":3199,"date":"2010-05-01T15:43:01","date_gmt":"2010-05-01T13:43:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=3134"},"modified":"2010-05-01T15:43:01","modified_gmt":"2010-05-01T13:43:01","slug":"ticker-naziaufmarsch-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2010\/05\/01\/ticker-naziaufmarsch-in-berlin_3199","title":{"rendered":"Berlin: Schnelles Ende eines Naziaufmarsches &#8211; Sitzblockaden f\u00fchrten zum Erfolg"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"Bahn frei f\u00fcr die Neonazis dpa\" src=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/propertyblob\/contentbean:1812050\/format10\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"240\" \/><\/p>\n<p>Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Prenzlauer Berg. Die Polizei r\u00e4umt den Rechten den Weg frei.\u00a0 Der Liveticker auf St\u00f6rungsmelder.org<!--more--><\/p>\n<p><em>Von den <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/erstermai\/proteste-gegen-neonazi-demo-in-prenzlauer-berg\/1812012.html\">Tagesspiegel<\/a>-Autoren J\u00f6rn Hasselmann, Frank Jansen, Sebastian Leber und Henning Onken<\/em><\/p>\n<p>17.30 Uhr: Die Demonstration der Neonazis ist offiziell beendet. Ein Angebot, noch eine Kundgebung auf dem Parkplatz vor der Bornholmer Br\u00fccke zu machen, lehnten die Veranstaltern ab. Nun werden die Teilnehmer wieder zu den Z\u00fcgen eskortiert. Alleine lassen will man die Neonazis aber nicht. Sie sollen nicht, wie auf der Hinfahrt am Ku&#8217;damm geschehen, gesammelt irgendwo anders in der Stadt aussteigen k\u00f6nnen. Der Anmelder der Demonstration, Sebastian Schmidtke, hat offensichtlich selbst angeboten, die Route wieder zur\u00fcckzugehen. Die Polizei hatte ihn auf die Gefahren hingewiesen, die bei einer Weiterf\u00fchrung der Demonstration auf der urspr\u00fcnglichen Route bestanden h\u00e4tten. Dies best\u00e4tigte ein Sprecher der Polizei. Die Gegendemonstranten reagierten schnell auf die Routen\u00e4nderung der Demonstration. Als die Neonazis wieder in Richtung der Bornholmer Br\u00fccke marschierten, passierten sie ein Plakat an einer Laterne mit der Aufschrift &#8222;Und Tsch\u00fcss!&#8220;<\/p>\n<p>16.40 Uhr: R\u00fcckzug. Die Demo der Rechtsextremen muss auf H\u00f6he der Seelower Stra\u00dfe umdrehen. Noch auf der Bornholmer Stra\u00dfe machen die Demonstranten kehrt, ohne die Sch\u00f6nhauser Allee erreicht zu haben. Die Sicherheit der Demonstration h\u00e4tte aufgrund der hohen Zahl an Gegendemonstranten nicht gew\u00e4hrt werden k\u00f6nnen, so der Einsatzleiter der Polizei, Michael Knape. Gegendemonstranten und Anwohner auf den Balkonen brechen in Jubel aus und rufen &#8222;Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen&#8220; wie im Fu\u00dfball-Stadion. Bisher scheint es, als w\u00fcrden die Neonazis resignieren und den Anweisungen der Polizei folgen. Doch die Beamten sind vorsichtig. Zu Recht. Einige Ordner der Rechtsextremen sto\u00dfen Journalisten zur Seite. Die Polizei greift aber ein. NPD-Politiker Thomas Wulf heizt die Stimmung mit Spr\u00fcchen \u00fcber die angeblich &#8222;politische Polizei&#8220; und die &#8222;linke Journaille&#8220; an.<\/p>\n<p>15.40 Uhr: Wolfgang Thierse und G\u00fcnter Piening wurden von der Polizei sanft hochgezogen und an die Seite gef\u00fchrt. Nach einer Durchsage der Polizei h\u00e4tten sie das Feld freiwillig ger\u00e4umt, weswegen ihnen keine Strafverfolgung drohe. Thierse steht weiter am Rand der Demo. &#8222;Die Beamten erf\u00fcllen ihre polizeiliche und wir tun unsere staatsb\u00fcrgerliche Pflicht&#8220;, sagte er zu der Aktion. Die restliche Gruppe aus etwa zehn Politikern und 20 anderen Personen blieb zun\u00e4chst sitzen und wurden dann doch von der Polizei zum Aufstehen bewegt. Auch sie haben die Stra\u00dfe nun ger\u00e4umt.<\/p>\n<p>15.30 Uhr Neues von den Nazis am Ku\u2019Damm: Seit 14:30 Uhr ist die Polizei dabei, die Rechtsextremen einzeln in die Gefangenentransporter zu bringen. Nach Angaben eines Polizeisprechers waren die Gruppen zu der angemeldeten Demo unterwegs und stiegen unvermittelt aus. Die s\u00e4chsischen Polizisten, die den Rechtsextremen als Begleitung zugeteilt waren, versuchten sie aufzuhalten und wurden sofort mit Flaschen beworfen. Lob kam trotzdem von der Berliner Polizei: Die s\u00e4chsischen Kollegen h\u00e4tten gut reagiert und die kurzzeitige Randale sofort gefilmt. Entgegen erster Angaben stammte ein Gro\u00dfteil der Neonazis auf dem Ku\u2019Damm aus Berlin. Die Aktion war also wirklich geplant. Die Anwohner folgen den Festnahmen mit einer Mischung aus Entsetzen und Erleichterung.<\/p>\n<p>15.30 Uhr: Nachdem die Gruppe der vornweg laufenden Politiker aufgefordert wurde, sich von der Demonstrationsroute zu entfernen, haben sich die Personen kurzerhand auf die Stra\u00dfe gesetzt und blockieren nun die Demonstration. In scharfem Ton hat der Einsatzleiter der Polizei, Michael Knape, die Politiker namentlich ermahnt &#8222;im Interesse eines friedlichen Demonstrationsablaufes&#8220; die Blockade aufzul\u00f6sen. Ansonsten drohe ein Strafverfahren. Thierse &amp; Co bleiben trotzdem sitzen. Um sie hat sich eine Traube von Journalisten und Fotografen gesammelt. Wird die Polizei eingreifen?<\/p>\n<p>15.15 Uhr: Der Zug kommt ins Stocken, da sich immer wieder kleine Sitzblockade bilden, welche aber direkt von der Polizei aufgel\u00f6st werden. Auch befinden sich immer noch potentielle Gewaltt\u00e4ter auf den D\u00e4chern. Auf zahlreichen Balkonen entlang der Bornholmer Stra\u00dfe haben sich Anwohner versammelt und versuchen die Neonazis mit Kuhglocken, Geschirrgeklapper und lauter Musik zu \u00fcbert\u00f6nen.<\/p>\n<p>15:00 Uhr: Im Prenzlauer Berg setzt sich die rechte Demo in Bewegung. Die Einsatzleiter sind sich noch nicht sicher, ob sich die Nazis mit der verk\u00fcrzten Route zufrieden geben werden. Unterdessen l\u00e4uft vor dem Zug eine Gruppe von prominenten Politikern, darunter Wolfgang Thierse, der Berliner Integrationsbeauftragte G\u00fcnter Piening, der Pankower Bezirksb\u00fcrgermeister Matthias K\u00f6hne und Wolfgang Wieland von den Gr\u00fcnen. Sie tragen Plakate mit der Aufschrift &#8222;Berlin gegen Nazis&#8220; und stehlen den Rechtsextremen regelrecht die Show. Kurz vor Beginn des Marsches hatte es noch so ausgesehen, als k\u00f6nnte sich die Demo weiter verz\u00f6gern. Auf den D\u00e4chern entlang der Route sind Personen auf den D\u00e4chern gesichtet worden, die auch mit Steinen warfen.<\/p>\n<p>15.00 Uhr: Der Deutsche Gewerkschafts-Bund gibt die Teilnehmerzahlen seiner 1.-Mai-Demo durch Mitte bekannt &#8211; und zwar nach Verkehrsmitteln gestaffelt: \u00dcber 6000 Menschen haben sich beteiligt, darunter 100 Radler, \u00fcber 80 Motorradfahrer und einige Inline-Skater. Beim Maifest auf der Stra\u00dfe des 17. Juni waren demnach 12.000 Menschen. Das Motto der Kundgebungen: \u201eWir gehen vor! Gute Arbeit \u2013 Gerechte L\u00f6hne \u2013 Starker Sozialstaat\u201c Die Veranstalter zeigen sich zufrieden, vermuten allerdings auch, dass von Anfang an einige Gewerkschafter nach Prenzlauer Berg gefahren sind, um gegen die Neonazis zu demonstrieren. Nach der DGB-Demo haben sich dann aber auch noch einige mit spontan organisierten Bussen nach Prenzlauer Berg aufgemacht.<\/p>\n<p>14:50 Uhr Verwirrt in Berlin? Am Ku\u2019damm wurden inzwischen die drei rechtsextremen Gruppen festgenommen. Insgesamt handelt es sich um 240 Menschen, deutlich weniger als zuvor angenommen. Die Gruppen h\u00e4tten sich aus Ortsunkenntnis verfahren und einen Zug in die falsche Richtung erwischt, hei\u00dft es aus Polizeikreisen.<\/p>\n<p>14:40 Mit knapp drei Stunden Versp\u00e4tung formieren sich knapp 600 Rechtsextreme in der Bornholmer Stra\u00dfe zum Marsch. Angef\u00fchrt wird der Zug von Berliner Rechten, die ein breites Frontplakat mit der Aufschrift &#8222;Sto\u00dft auf das Tor zur Freiheit&#8220; tragen. Daneben sind die \u00fcblichen schwarz-wei\u00df-roten Flaggen und Transparenten der Jungen Nationaldemokraten zu sehen. Vermutlich werden die Rechtsextremen nur bis zum S-Bahnhof Sch\u00f6nhauser Allee laufen und dort in die S-Bahn steigen. Auf dieser Strecke stehen insgesamt etwa 100 Gegendemonstranten nur vereinzelt herum. Der Rest sammelt sich hinter den Absperrungen.<\/p>\n<p>14:20 Bei der Polizei im Prenzlauer Berg zeigen sich die ersten Sorgenfalten. Bis auf die von der Polizei freiger\u00e4umten St\u00fccke auf der Sch\u00f6nhauser Allee und Bornholmer Stra\u00dfe sammeln sich vermehrt Gegendemonstranten im Bezirk. Doch die anwesenden Neonazis wirken sehr aggressiv. Mit einer Kundgebung w\u00fcrden sie sich nicht zufrieden stellen lassen, sagt auch die Einsatzleitung der Polizei. &#8222;Die wollen laufen.&#8220; Wolfgang Thierse kritisiert das Verbot von Gegendemonstrationen im Ostteil der Stadt. Das heize die Stimmung an. Ob er sp\u00e4ter noch an einer Sitzblockade teilnehmen werde, wollte er nicht sagen.<\/p>\n<p>14.00 Uhr: Die Polizei hat mit einem Gro\u00dfaufgebot auf die Provokation der Neonazis am Ku&#8217;damm reagiert. Drei Gruppen der Rechtsextremen wurden inzwischen eingekesselt. Offenbar sind aber noch weitere Gr\u00fcppchen in Charlottenburg unterwegs. Der Ku&#8217;damm ist ab Leibnizstra\u00dfe stadtausw\u00e4rts gesperrt. Urspr\u00fcnglich seien 400 Rechtsextreme am S-Bahnhof Halensee ausgestiegen, sagte Innensenator Ehrhart K\u00f6rting dem Tagesspiegel. K\u00f6rting sprach von einer geplanten Aktion, denn als die Berliner Polizei auftauchte, h\u00e4tte ein Gro\u00dfteil der Rechtsextremen theatralisch die H\u00e4nde gehoben. Eine der eingekesselten Gruppen habe sich jedoch der Polizei widersetzt und werde jetzt vermutlich vollst\u00e4ndig in Gewahrsam genommen. Die Polizei habe die Situation jedoch schnell in den Griff bekommen. Die Rechtsextremen kommen nach Angaben von K\u00f6rting aus Magdeburg und Brandenburg. Die Gruppen k\u00f6nnten sich in der Regional- oder S-Bahn zu dieser Aktion verabredet haben, vermutete der Innensenator.<\/p>\n<p>13.45 Uhr: Die Kundgebung der Neonazis in Prenzlauer Berg hat begonnen. 300 Rechtsextreme haben sich inzwischen versammelt. Ein Redner spricht weitschweifig \u00fcber die Reconquista, die R\u00fcckeroberung Spaniens von den muslimischen Besatzern im Mittelalter. Das Ganze wird \u00fcbert\u00f6nt durch Reggae-Musik und Kochtopfklappern von umliegenden Balkonen.<\/p>\n<p>13.40 Uhr: Auf dem NPD-Blog, der die rechtsextreme Szene beobachtet, wird schon gejubelt, dass in Naziforen schon von einem &#8222;Totalausfall&#8220; in Bezug auf Berlin gesprochen wird.<\/p>\n<p>13.30 Uhr: Die Blockade an der Wichertstra\u00dfe weitet sich aus. Autonome sto\u00dfen hinzu und vermischen sich mit den eher b\u00fcrgerlichen Demonstranten. Mehrere tausend Menschen sind hier inzwischen zusammengestr\u00f6mt.<\/p>\n<p>13.15 Uhr: Am Kurf\u00fcrstendamm werden 300 Neonazis gesichtet, die in der N\u00e4he des Adenauerplatzes den Verkehr behindern. Die Einsatzleitung der Polizei best\u00e4tigt diese Information, die zun\u00e4chst einige Twitterer verbreitet haben. NPD-Vize und Demo-Anmelder Sebastian Schmidtke beteuert in Prenzlauer Berg gegen\u00fcber der Polizei, er wisse nicht, wer diese Demonstranten seien. Die Polizei hatte von Schmidtke verlangt, er solle auf die Neonazis am Ku&#8217;damm einwirken. Doch Schmidtke muss angeblich selbst nachfragen, wer die Ku&#8217;damm-St\u00f6rer seien. Die Polizei ist wenig erfreut.<\/p>\n<p>13.00 Uhr: Entlang der geplanten Marschroute der Neonazis gibt es weitere Sitzblockaden, zum Beispiel an der Greifenhagener- Ecke Wichertstra\u00dfe. Hier hat sich ein buntes Publikum von Gr\u00fcnen bis gem\u00e4\u00dfigte Antifa niedergelassen. Die Polizei schaut dem Ganzen zun\u00e4chst tatenlos zu. In den Nebenstra\u00dfen gibt es viele \u00e4hnliche Blockaden. Die Gegendemonstranten sorgen sich, dass die Neonazis auf einer alternativen Marschroute wom\u00f6glich doch durchkommen. Ein anderes Szenario k\u00f6nnte sein: Die Polizei l\u00e4sst die Neonazis bis zum S-Bahnhof Sch\u00f6nhauser Allee marschieren und bricht dort ab. Das w\u00e4re eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr, dass die Blockade in der Wichertstra\u00dfe derzeit nicht aufgel\u00f6st wird. Von der Bornholmer Br\u00fccke bis zum S-Bahnhof Sch\u00f6nhauser Allee ist die geplante Route derzeit ansonsten frei.<\/p>\n<p>12.30 Uhr: Die Polizei kesselt die auf der Fahrbahn verstreuten Gegendemonstranten an der Bornholmer Ecke Malm\u00f6er Stra\u00dfe ein. Es entwickelt sich eine spontane Sitzblockade &#8211; eher eine symbolische Aktion eines eher b\u00fcrgerlichen Publikums. Die Blockierer rufen: &#8222;Wir sind friedlich, was seid ihr?&#8220; Die Polizei zerrt und tr\u00e4gt daraufhin die Demonstranten von der Fahrbahn. Dabei geht es wenig sanft zu. Ein Pressefotograf stellt eine Anzeige gegen einen Beamten wegen K\u00f6rperverletzung und legt der Polizei eines seiner Fotos als Beweismaterial vor.<\/p>\n<p>12.15 Uhr: Schlafen Neonazis l\u00e4nger als Autonome? Gerade einmal rund 30 Rechtsextreme haben sich bislang f\u00fcr ihren Marsch, der eigentlich um 12 Uhr starten sollte, gesammelt. Polizei-Einsatzleiter Michael Knape hat daf\u00fcr eine plausible Erk\u00e4rung: Die Neonazis wollen warten, bis potenzielle Blockierer ihren ersten Elan verloren haben, und erst sp\u00e4ter losziehen. Dar\u00fcber verhandelt Sebastian Schmidtke, Landesvize der Berliner NPD und einer der Anmelder des Marsches, mit der Polizei. Eine Schlappe wie unl\u00e4ngst in Dresden wollen die Rechtsextremen diesmal verhindern. Dort sahen sich die Neonazis von einer \u00dcbermacht der Gegendemonstranten blockiert. Der Marsch fiel aus. Hier kann es nun also dauern.<\/p>\n<p>12.00 Uhr: Die Kreuzung Bornholmer Stra\u00dfe\/Sch\u00f6nhauser Allee ist mit Polizeiwagen zugestellt, wie auch die Nebenstra\u00dfen. Ein massives Polizeiaufgebot soll Krawalle verhindern. 7000 Polizisten sind im Einsatz. Im Prinzip ist Prenzlauer Berg abgesperrt. Auch normale B\u00fcrger k\u00f6nnen sich hier nicht mehr frei bewegen.<\/p>\n<p>11.30 Uhr: Die Polizei l\u00e4sst Wolfgang Thierse durch die Absperrungen. Zwischen Bundestagsvize und Innensenator (beide SPD) entspinnt sich folgender Dialog: K\u00f6rting: &#8222;Wehe du setzt dich auf die Stra\u00dfe, dann geht&#8217;s aber rund.&#8220; Thierse: &#8222;Wie ist denn die Lage?&#8220; K\u00f6rting: &#8222;Die Rechtslage ist klar.&#8220; Thierse: &#8222;Aber die Gegendemonstranten kommen ja noch nicht einmal in die N\u00e4he.&#8220; Dann fasst K\u00f6rting seinen Parteifreund kurz an den Arm und geht weg. Die Zahl der Gegendemonstranten auf der Stra\u00dfe schwillt derweil auf 200 an. Unter ihnen sind keine schwarz gekleideten Autonomen. Direkt an der Neonazi-Marschroute halten Jugendliche eine nicht angemeldete Gegenkundgebung. Die Polizei fordert sie mehrfach auf, sich zur\u00fcckzuziehen. Dann dr\u00e4ngt sie die Jugendlichen zur\u00fcck &#8211; ohne Widerstand.<\/p>\n<p>11.15 Uhr: Die ersten Rechtsextremen treffen ein. Sie laufen \u00fcber die Kreideparolen auf dem Gehweg der Br\u00fccke: &#8222;Bildung f\u00fcr Nazis&#8220; steht dort. Auf angeklebten Zetteln lesen sie: &#8222;Folgt Eurem F\u00fchrer, gebt Euch die Kugel.&#8220;<\/p>\n<p>11.00 Uhr: Durch Nebenstra\u00dfen, Hauseing\u00e4nge und Hinterh\u00f6fe dringen Gegendemonstranten auf die Bornholmer Stra\u00dfe vor. Sie wirken nicht wie Autonome. Ihr Ziel scheint zu sein, die Neonazi-Demonstration friedlich zu blockieren. Die Polizei komplimentiert viele der Protestler zur\u00fcck hinter die Absperrgitter. Rund 150 verbleiben aber verstreut auf der sehr breiten Fahrbahn. Eine Blockade formiert sich zun\u00e4chst nicht. An vielen Balkonen und Fenstern h\u00e4ngen Anti-Nazi-Transparente: &#8222;Berlin bleibt bunt&#8220;, hei\u00dft es zum Beispiel. Viele durchgestrichene Hakenkreuze sind zu sehen. Auf der Stra\u00dfe mit Kreide geschriebene, verschiedenfarbige Spr\u00fcche: &#8222;Hinsehen gegen Nazis&#8220;, oder auch: &#8222;Braune Schei\u00dfe, ihr kotzt mich so an.&#8220;<\/p>\n<p>10.30 Uhr: Die Polizei r\u00e4umt die Fahrbahn vor der Bornholmer Br\u00fccke. Die Blockierer werden abgef\u00fchrt oder weggetragen. Es gibt kaum Widerstand. Drei Wasserwerfer fahren mit aufgeblendeten Scheinwerfern vor, bleiben aber ungenutzt. Die Stra\u00dfe ist wieder frei.<\/p>\n<p>10.15 Uhr: Ehrhart K\u00f6rting ist auch schon da. Der Innensenator hat die Blockade erwartet, sagt er. Die Linie der Polizei sei klar: Das Demonstrationsrecht der Rechten wenigstens zum Teil zu wahren. Alle Gegendemonstrationen im Ostteil seien verboten worden, betont K\u00f6rting. Das sei durch die Verwaltungsgerichte best\u00e4tigt worden. &#8222;Wer trotzdem herkommt, begibt sich ins Unrecht.&#8220; Das k\u00f6nne er zwar alles verstehen, aber es sei eben doch bewusster Rechtsbruch, sagt der Senator.<\/p>\n<p>10.00 Uhr: \u00dcberraschte Polizisten an der Bornholmer Br\u00fccke: Rund 150 Autonome sind schon da und blockieren die Zufahrt von Osten her. Eigentlich war mit ihren Protesten erst im direkten Vorfeld des Neonazimarsches ab 12 Uhr gerechnet worden. Doch jetzt fliegen schon zum Fr\u00fchst\u00fcck die ersten Flaschen, wenn auch meistens aus Plastik. Die Polizei h\u00e4lt sich zun\u00e4chst zur\u00fcck, konzentriert sich aufs Abriegeln, um weitere fr\u00fch aufgestandene Autonome am Zustrom zu hindern. Achtung eine Durchsage: Stra\u00dfe verlassen, sonst wird aufgel\u00f6st. Das bleibt zun\u00e4chst folgenlos. Auf der Westseite stehen die friedlichen Demonstranten, Gr\u00fcne und mehr. Im Umfeld \u00dcberraschendes: Die FDJ hat plakatiert und dankt den Siegerm\u00e4chten f\u00fcr die Befreiung Berlins von den Nazis. Die Neonazis sind derweil noch auf der Anreise.<\/p>\n<p>Am Morgen hatte die Polizei auf eine &#8222;wider Erwarten sehr ruhige Nacht&#8220; zur\u00fcckgeblickt, wie es ein Polizeisprecher formulierte. Am Boxhagener Platz in Friedrichshain hatte es vereinzelte Flaschenw\u00fcrfe und daraufhin 34 vor\u00fcbergehende Festnahmen gegeben. Zw\u00f6lf Polizisten wurden leicht verletzt, &#8222;konnten aber alle im Dienst bleiben&#8220;, so der Polizeisprecher.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proteste gegen Neonazi-Aufmarsch in Prenzlauer Berg. 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