{"id":3444,"date":"2010-05-27T16:33:22","date_gmt":"2010-05-27T14:33:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=3444"},"modified":"2010-05-27T16:33:22","modified_gmt":"2010-05-27T14:33:22","slug":"brutaler-nazi-angriff-zweifelhafte-rolle-der-polizei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2010\/05\/27\/brutaler-nazi-angriff-zweifelhafte-rolle-der-polizei_3444","title":{"rendered":"Brutaler Nazi-Angriff &#8211; zweifelhafte Rolle der Polizei"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_3452\" aria-describedby=\"caption-attachment-3452\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3452\" title=\"4\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/4-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/4-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/4-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/4.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3452\" class=\"wp-caption-text\">c\/o recherche nord<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>&#8222;Gladiator Germania&#8220; &#8211; Teil gewaltt\u00e4tiger Nazi-Strukturen aus dem Raum Tostedt<\/em><\/p>\n<p>In der Gemeinde Wistedt (Niedersachsen) dringt vergangenen Sonntag in den fr\u00fchen Morgenstunden eine Horde vermummter Neonazis in eine WG ein, in der politische Gegner vermutet werden.\u00a0 Die Nazis schlagen mit brachialer Gewalt u.a. mittels Spaten auf K\u00f6pfe und K\u00f6rper ein &#8211; zwei der Angegriffenen m\u00fcssen schwerverletzt ins Krankenhaus.<\/p>\n<p>Was passiert? Die eintreffende Polizei st\u00fcrmt das Haus und\u00a0 nimmt die Personalien der <em>Bewohner<\/em> und der herbeigeilten antifaschistischen <em>Unterst\u00fctzer <\/em>auf. Und die Nazis? Die sind l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge, obwohl sie den brutalen Angriff vorher offen und lautstark ank\u00fcndigten.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Hinter den Angriffen stecken offensichtlich seit langem organisierte Nazi-Strukturen, wie aus Berichten antifaschistischer Recherche-Seiten hervorgeht. Dass dieser brutale Angriff so ungehindert hat stattfinden k\u00f6nnen, scheint auch eine Folge davon zu sein, dass in der \u00d6ffentlichkeit &#8211; seitens der Presse oder der Kommunen- keine Diskussion \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit der organisierten Nazi-Szene gef\u00fchrt wird &#8211; das Problem wird wie so oft verschwiegen. Hinzu kommt, dass insbesondere von polizeilicher Seite entpolitisiert wird. Organisierte Angriffe nationalsozialistischer Schl\u00e4gertrupps auf linke Jugendliche werden als\u00a0 &#8222;Auseinandersetzungen zwischen Jugendbanden&#8220; verharmlost. In solch einem Klima der Anonymit\u00e4t und des Wegsehens k\u00f6nnen sich die menschenverachtenden Nazi-Banden nat\u00fcrlich weitgehend sicher f\u00fchlen und ungehindert mittels Terror ihren &#8222;Kampf um die Stra\u00dfe&#8220; f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Antifa-Recherche Seite <a href=\"http:\/\/recherche-nord.com\/cms\/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=467&amp;Itemid=229\">&#8222;Recherche-Nord&#8220;<\/a> schreibt \u00fcber den brutalen Nazi-Anfgriff und den organisierten Hintergrund der Neonazis:<\/p>\n<p><em>\u201eDer ganze Flur war voller Blut\u201c &#8211; Neonaziattacke in Wistedt<\/em><\/p>\n<p><em>Geschrieben von Recherche Nord<\/em><\/p>\n<p><em>23.05.2010 \/ Wistedt: Der nieders\u00e4chsische Landkreis Harburg kommt nicht zur Ruhe. Seit Monaten hinterlassen organisierte Neonazis in der Region eine Spur der Gewalt. \u00dcbergriffe sind an der Tagesordnung. So auch am vergangenen Wochenende, als rund 15 militante Neonazis eine Wohngemeinschaft in der Gemeinde Wistedt attackierten. Angesichts der derzeitigen Explosion an Gewaltakten wirkt das Verhalten staatlicher Stellen zunehmend befremdlich. Die nationalsozialistische Ideologie der T\u00e4terInnen und der von ihnen propagierte \u201eKampf um die Stra\u00dfe\u201c werden von den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden konsequent in Abrede gestellt, geleugnet und verheimlicht. Geplante Gewalttaten von Neonazis werden zu \u201eAuseinandersetzungen zwischen verfeindeten Jugendgruppen\u201c herunter gespielt, Opfer zu T\u00e4ter_innen umgedeutet.<\/em><\/p>\n<p><em>Die j\u00fcngste Attacke am vergangenen Sonntag im nieders\u00e4chsischen Wistedt offenbarte abermals den derzeitigen Grad der Eskalation. In den fr\u00fchen Morgenstunden verschafften sich bewaffnete Neonazis gewaltsam Zugang zu einem Wohnhaus. Ihr Ziel: politische Gegner_innen. Mit brachialer Gewalt schlugen die Angreifer auf K\u00f6rper und K\u00f6pfe der Betroffenen ein. Die Bilanz des \u00dcberfalls: zwei Schwerverletzte, die im Krankenhaus notversorgt werden mussten. Zuvor hatten die Angreifer ihre Opfer mit Spaten traktiert. \u201eDer ganze Flur war voller Blut\u201c berichteten Zeug_innen des Angriffs im Nachhinein.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Tat ereignete sich indes nicht ohne Vorank\u00fcndigung. Das Geb\u00e4ude war bereits in der Vergangenheit Ziel von Angriffen. Mehrfach wurden vor dem Anwesen neonazistische Hetzparolen und Drohungen gegr\u00f6hlt, Scheiben wurden zertr\u00fcmmert. Und auch der j\u00fcngste Vorfall kam nicht \u00fcberraschend. Bereits am Vorabend der Tat versammelte sich in Wistedt eine Gruppe Neonazis, schmierte Parolen und k\u00fcndigte die geplante Attacke lauthals an. Auch am darauf folgenden Tag neigte man nicht zu verborgenem Vorgehen. Wenige Stunden vor dem Angriff versammelten sich die beteiligten Neonazis, weithin sichtbar, vor dem Jugendzentrum in Tostedt und zogen von dort aus ins benachbarte Wistedt. <\/em><\/p>\n<p><em>Nur wenige Wochen zuvor ereignete sich eine \u00e4hnliche Tat im nahe gelegenen Hollenstedt, als vermummte Neonazis ins Innere einer Wohnung eindrangen. Die bewaffneten Angreifer agierten ebenso gewaltbereit wie kompromisslos, schlugen und traten gezielt auf die K\u00f6pfe der am Boden liegenden Personen ein und verletzten diese zum Teil schwer. Auch hier galt die Attacke politischen Gegner_innen. Politische Motive, die sich in einem anschlie\u00dfend ver\u00f6ffentlichten Polizeibericht nicht wiederfinden. Dass die namentlich bekannten Angreifer den neonazistischen Gruppen \u201eNationaler Widerstand Tostedt\u201c sowie \u201eGladiator Germania\u201c zuzurechnen sind &#8211; ein eindeutiges Indiz f\u00fcr eine politische Motivation &#8211; wurde schlicht ausgeklammert. Die Pressestelle der Polizeidirektion Tostedt degradierte den Vorfall stattdessen zu einem pers\u00f6nlichem Streit, der seit \u201egeraumer Zeit\u201c existiere.<\/em><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_3455\" aria-describedby=\"caption-attachment-3455\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><em><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3455\" title=\"2\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/2-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/2-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/2-1024x680.jpg 1024w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2010\/05\/2.jpg 2000w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/em><figcaption id=\"caption-attachment-3455\" class=\"wp-caption-text\">c \/ o recherche nord<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Nazis vom &#8222;Nationalen Widerstand Tostedt&#8220;, rechts Stefan Silar (Betreiber\u00a0 des Naziladens &#8222;Streetwear Tostedt&#8220;)<\/em><\/p>\n<p><em>Die beiden Gruppierungen geh\u00f6ren zum militanten Netzwerk der \u201eNationalen Sozialisten Niedersachsen\u201c (NASO-N), einem organisatorischen Dachverband nieders\u00e4chsischer Neonazis, welches der Koordinierung politischer Aktivit\u00e4ten dient &#8211; und scheinbar auch der Planung von Gewalttaten, wie die j\u00fcngsten Vorf\u00e4lle vor Augen f\u00fchren. Neben den, im Landkreis Harburg operierenden, Neonazigruppen geh\u00f6ren Kameradschaftsgruppen aus Schneverdingen, Celle, Hannover, L\u00fcneburg, Uelzen, Hildesheim und Schaumburg zur Organisationsstruktur.<\/em><\/p>\n<p><em>Angesichts der Vorf\u00e4lle werfen nicht nur die, in den polizeilichen Pressemitteilungen verbreiteten, Einsch\u00e4tzungen Fragen auf. Zweifelhaft ist auch der von den Beh\u00f6rden praktizierte Umgang mit den Betroffenen. Opferschutz scheint hier ein Fremdwort. Wie auch am vergangenen Wochenende in Wistedt. Einsatzkr\u00e4fte der Polizei, welche den Ort des Geschehens erreichten, versuchten stattdessen ihrerseits das Geb\u00e4ude zu st\u00fcrmen. In dem Wohnhaus hatte sich zu diesem Zeitpunkt eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe Antifaschist_innen versammelt, welche den Betroffenen zu Hilfe geeilt war. Eine Begr\u00fcndung f\u00fcr das gew\u00e4hlte Vorgehen lieferten die eingesetzten Beamten hingegen nicht. Ein karges \u201eWir d\u00fcrfen das!\u201c ersetzte den Durchsuchungsbeschluss und rechtfertigte die anschlie\u00dfende Umstellung des Hauses. \u201eEs ging um die Feststellung der Personalien\u201c, so ein Anwohner. Von den Angreifern fehlte zu diesem Zeitpunkt bereits jede Spur.<\/em><\/p>\n<p><em>Zumindest bis zum n\u00e4chsten Tag. Als Reaktion auf die Ereignisse des Vortages formierte sich am gestrigen Montag eine Spontandemonstration in Tostedt. In Sprechch\u00f6ren wurde auf die gewaltsamen Aktivit\u00e4ten der Neonaziszene aufmerksam gemacht. Deren Anh\u00e4ngerInnen hatten sich zu diesem Zeitpunkt vor dem Ladengesch\u00e4ft \u201eStreetwear-Tostedt\u201c, einem neonazistischen \u201eSzeneladen\u201c im benachbarten Todtgl\u00fcsing versammelt. Unter ihnen auch Mitglieder der sogenannten \u201eSnevern Jungs\u201c, einer als gewaltbereit geltenden Neonazigruppierung aus Schneverdingen. Als sich der antifaschistische Demonstrationszug dem Geb\u00e4ude n\u00e4herte, griff die Polizei ein und umstellte die Demonstration. Die angereisten Neonazis versuchten daraufhin die nun Eingeschlossenen zu attackieren. Es kam zu Festnahmen. Mehrere Mitglieder der \u201eGladiator Germania\u201c fanden sich anschlie\u00dfend in vorr\u00fcbergehendem Polizeigewahrsam wieder. Unter ihnen auch Stefan Silar, seines Zeichens Betreiber des \u201eStreetwear Tostedt\u201c.<\/em><\/p>\n<p><em>Die Verdr\u00e4ngung der Neonaziproblematik verschafft sich indes weiter Raum. Den Betroffenen in Wistedt wurde aufgrund der Attacke der Mietvertrag inzwischen fristlos gek\u00fcndigt.<\/em><\/p>\n<p>Nicht nur angesichts dieser enthemmten Gewalttaten von Seiten der Extremen Rechten erscheint es mir als eine Farce, dass sich die Innenminister bei ihrer Konferenz\u00a0 nun schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der angeblich gestiegenen Zahl &#8222;linksextremistischer Gewalttaten&#8220; besch\u00e4ftigen. Den Nazi-Schl\u00e4gern bundesweit spielen solche Signale in jedem Falle deutlich in die Karten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Gladiator Germania&#8220; &#8211; Teil gewaltt\u00e4tiger Nazi-Strukturen aus dem Raum Tostedt In der Gemeinde Wistedt (Niedersachsen) dringt vergangenen Sonntag in den fr\u00fchen Morgenstunden eine Horde vermummter Neonazis in eine WG ein, in der politische Gegner vermutet werden.\u00a0 Die Nazis schlagen mit brachialer Gewalt u.a. mittels Spaten auf K\u00f6pfe und K\u00f6rper ein &#8211; zwei der Angegriffenen m\u00fcssen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":222,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,1454],"tags":[1711,1755],"class_list":["post-3444","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-niedersachsen","tag-neonazis","tag-rechte-gewalt"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v21.0 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Brutaler Nazi-Angriff - zweifelhafte Rolle der Polizei - St\u00f6rungsmelder<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2010\/05\/27\/brutaler-nazi-angriff-zweifelhafte-rolle-der-polizei_3444\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Brutaler Nazi-Angriff - zweifelhafte Rolle der Polizei - St\u00f6rungsmelder\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"&#8222;Gladiator Germania&#8220; 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