{"id":6011,"date":"2011-04-06T11:30:10","date_gmt":"2011-04-06T09:30:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=6011"},"modified":"2011-04-06T21:24:58","modified_gmt":"2011-04-06T19:24:58","slug":"buckeburg-%e2%80%93-eine-niedersachsische-kleinstadt-wird-zur-angstzone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2011\/04\/06\/buckeburg-%e2%80%93-eine-niedersachsische-kleinstadt-wird-zur-angstzone_6011","title":{"rendered":"B\u00fcckeburg \u2013 eine nieders\u00e4chsische Kleinstadt wird zur Angstzone"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_6012\" aria-describedby=\"caption-attachment-6012\" style=\"width: 437px\" class=\"wp-caption alignnone\"><\/p>\n<div class=\"mceTemp\">\n<dl id=\"attachment_6022\" class=\"wp-caption alignnone\" style=\"width: 447px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/AN-B\u00fcckeburg-neu1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-6022  \" title=\"AN B\u00fcckeburg neu\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/AN-B\u00fcckeburg-neu1.jpg\" alt=\"Screenshot der Homepage der Autonomen Nationalisten B\u00fcckeburg: \u201eUnsere Stadt hat Demokraten satt\u201c\" width=\"437\" height=\"112\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/AN-B\u00fcckeburg-neu1.jpg 780w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/AN-B\u00fcckeburg-neu1-300x76.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6012\" class=\"wp-caption-text\">Screenshot der Homepage der Autonomen Nationalisten B\u00fcckeburg: \u201eUnsere Stadt hat Demokraten satt\u201c<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<\/dt>\n<\/dl>\n<\/div>\n<p>B\u00fcckeburg, eine idyllische Kleinstadt im Schaumburger Land mit ber\u00fchmtem Schloss samt Schlossgarten, historischer Altstadt und ein Magnet f\u00fcr Tourist_innen. Doch leider k\u00f6nnen sich nicht alle Einwohner_innen an dieser Idylle freuen: linke und alternative Jugendliche f\u00fchlen sich schon l\u00e4ngst nicht mehr wohl in ihrer eigenen Stadt. Nachts sind sie lieber nur noch in Gruppen unterwegs, bestimmte Orte werden ganz gemieden und die Jugendlichen m\u00fcssen sich stets \u00fcberlegen, welcher der sicherste Weg nach Hause ist. Ein ungutes Gef\u00fchl im Bauch als stetiger Begleiter. So f\u00fchlt sie sich an, die Angstzone, die entstanden ist, seit eine Gruppe junger Neonazis aus B\u00fcckeburg und angrenzenden Orten (Stadthagen und Porta Westfalia) systematisch versucht politische Gegner_innen einzusch\u00fcchtern.<\/p>\n<p><em>von Monitorex<\/em><!--more--><\/p>\n<p><strong>Aktive Nazi-Szene<\/strong><\/p>\n<p>Viel ist passiert in der Kreisstadt: in den vergangenen Jahren wuchs eine Szene von jungen Neonazis heran, die sich selber als Autonome Nationalisten bezeichnen und optisch so gar nicht mehr in das Klischee des Stiefel tragenden Glatzkopfs passen wollen. Schwarze Windbreaker, l\u00e4ngere Haare oder jugendliche Trendfrisur, einige in Skatermode und mit Tunneln in den Ohrl\u00e4ppchen. Optisch fast &#8222;ganz normale Jugendliche&#8220;, die als Nazis kaum zu erkennen sind. Trotz des unauff\u00e4lligen \u00c4u\u00dferen sind die Spuren dieser Gruppe nicht zu \u00fcbersehen. An den W\u00e4nden und Stromk\u00e4sten sind Parolen zu lesen wie &#8222;NS jetzt!&#8220; oder &#8222;Anti-Antifa&#8220;.Die Parole &#8222;Nationaler Sozialismus jetzt!&#8220; wurde gleich serienweise mit Hilfe einer Schablone gespr\u00fcht. Auch der Name der Nazi-Gruppe &#8222;AG B\u00fcckeburg&#8220; (AG steht f\u00fcr Aktionsgruppe) prangt seit geraumer Zeit auf der Fassade der Realschule. Hinzu kommen zahlreiche Nazi-Aufkleber in der gesamten Stadt, die mit der Aufschrift &#8222;Westfalen-Nord&#8220; auf das regionale Nazi-Netzwerk verweisen, in das die B\u00fcckeburger autonomen Nationalisten\u00a0 organisatorisch eingebunden sind. Mit der der lokalen Antifa, die diese Nazi-Parolen und Aufkleber nicht unkommentiert lassen wollte, lieferte man sich an den Hausfassaden eine Auseinandersetzung mit der Spr\u00fchdose. Blutiger Ernst wurde aus dieser Auseinandersetzung, nachdem die heranwachsenden Neonazis als mittlerweile gefestigte Gruppe dazu \u00fcbergingen, politische Gegner_innen auch mit k\u00f6rperlicher Gewalt anzugehen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6014\" aria-describedby=\"caption-attachment-6014\" style=\"width: 180px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Naziparole1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6014 \" title=\"Naziparole\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Naziparole1-300x200.jpg\" alt=\"Naziparolen in B\u00fcckeburg (Foto: monitorex)\" width=\"180\" height=\"120\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Naziparole1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Naziparole1.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 180px) 100vw, 180px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6014\" class=\"wp-caption-text\">Naziparolen in B\u00fcckeburg (Foto: monitorex)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p><strong>Serie von brutalen Angriffen <\/strong><\/p>\n<p>Mit zunehmendem Grad der Politisierung und Organisierung stieg auch die Militanz der B\u00fcckeburger Autonomen Nationalisten. W\u00e4hrend sich die Aktivit\u00e4ten der Gruppe 2008 noch auf Propagandat\u00e4tigkeiten in Form von Aufklebern, Parolen und einer eigenen Internetseite beschr\u00e4nkte, ging man seit Sommer 2010 zum Angriff auf politische Gegner_innen \u00fcber.\u00a0 Ein als Nazigegner bekannter Mann wird im August letzten Jahres in B\u00fcckeburg von einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe Nazis angegriffen und massiv im Gesicht verletzt. Bei einem weiteren Angriff im Dezember wird ein Jugendlicher ebenfalls schwer im Gesicht verletzt und muss im Krankenhaus operiert werden. Bei dem Angriff werden Schlagwaffen verwendet und auch als der Verletzte auf dem Boden liegt, wird weiter von mehreren Neonazis auf ihn eingetreten. Am Silvesterabend greift eine Gruppe Unbekannter mit Bierflaschen die Wohnung eines migrantischen Jugendlichen an, dabei werden auch die Scheiben einer Nachbarwohnung besch\u00e4digt. Noch am selben Abend wird ein weiterer Jugendlicher in der B\u00fcckeburger Innenstadt angegriffen und mit Schlagst\u00f6cken und Schlagringen krankenhausreif gepr\u00fcgelt. Im Januar diesen Jahres zieht erneut eine vermummte Gruppe vor das Haus des migrantischen Jugendlichen um die Wohnung nochmals zu attackieren. Dieses mal werden mit Hilfe von Pflastersteinen und einer Zwille mit Stahlmuttern die Scheiben eingeschossen. Nur dem Zufall ist es zu verdanken, dass es bei diesem Attentat zu keinen weiteren Verletzten kommt.<\/p>\n<p>Zu diesen Angriffen kommen ferner zahlreiche Bedrohungen und Beleidigungen sowie telefonische Drohanrufe gegen Jugendliche, die von den Rechten als politische Gegner_innen ausgemacht werden. Makaberer H\u00f6hepunkt der Drohungen sind hierbei Trauerschleifen samt der Werbung f\u00fcr ein Bestattungsunternehmen in Briefk\u00e4sten von Antifaschist_innen. Im M\u00e4rz diesen Jahres werden zudem mehrfach alternative Jugendliche von den autonomen Nationalisten bedroht und regelrecht durch die Stra\u00dfen gejagt. Dass die jungen Neonazis ihren Aktionsradius nicht nur in B\u00fcckeburg haben wird deutlich, als im nahe gelegenen Barsinghausen am Bahnhof drei alternative Jugendliche von<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6015\" aria-describedby=\"caption-attachment-6015\" style=\"width: 119px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/259619_0_org_270_008_4434972_bu_neonazisf6_1201.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6015 \" title=\"259619_0_org_270_008_4434972_bu_neonazisf6_1201\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/259619_0_org_270_008_4434972_bu_neonazisf6_1201-199x300.jpg\" alt=\"Zerst\u00f6rte Scheiben in einem Wohnhaus, das mehrfach angegriffen wurde (Foto: www.landes-zeitung.de ) \" width=\"119\" height=\"180\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/259619_0_org_270_008_4434972_bu_neonazisf6_1201-199x300.jpg 199w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/259619_0_org_270_008_4434972_bu_neonazisf6_1201.jpg 266w\" sizes=\"auto, (max-width: 119px) 100vw, 119px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6015\" class=\"wp-caption-text\">Zerst\u00f6rte Scheiben in einem Wohnhaus, das mehrfach angegriffen wurde (Foto: www.landes-zeitung.de ) <\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe Nazis bedroht werden. Unter den\u00a0 Rechten werden einschl\u00e4gig bekannte B\u00fcckeburger Nazis identifiziert, die scheinbar mit mehren vollbesetzten PKWs in Barsinghausen unterwegs waren.<\/p>\n<p><strong>Regionale Nazistrukturen<\/strong><\/p>\n<p>In Berichten der lokalen Presse charakterisiert die Polizei die B\u00fcckeburger Naziszene als lediglich &#8222;anpolitisiert&#8220; und &#8222;ohne Organisationsstruktur&#8220;. Dass dieses eine fahrl\u00e4ssige Untersch\u00e4tzung ist, zeigen die Verflechtungen der B\u00fcckeburger Autonomen Nationalisten in das regionale Netzwerk von Neonazi-Kameradschaften. Es bestehen enge personelle Verbindungen sowohl zu Kameradschaftsstrukturen in der Region Hannover als auch ins nahe Ostwestfalen. Diese engen Kontakte sind nachweisbar zu Aktivisten der j\u00fcngst aufgel\u00f6sten \u201eFreien Kr\u00e4ften Hannover Umland\u201c und zu der Struktur &#8222;Westfalen Nord&#8220;, in die man organisatorisch eingebunden ist. Bei \u201eWestfalen Nord\u201c handelt es sich um ein regionales Netzwerk von lokalen Nazikameradschaften, das Bundesland \u00fcbergreifend in den Regionen Schaumburg und Ostwestfalen-Lippe aktiv ist. Aktivisten der Autonomen Nationalisten B\u00fcckeburg sind auf Aufm\u00e4rschen hinter dem Transparent von &#8222;Westfalen Nord&#8220; anzutreffen und der Anf\u00fchrer der B\u00fcckeburger Szene steht in engem Kontakt zu Nazi-Kader Marcus Winter.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6016\" aria-describedby=\"caption-attachment-6016\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/B\u00fcckeburger-Nazis-erster-Mai-Berlin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6016 \" title=\"B\u00fcckeburger Nazis erster Mai Berlin\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/B\u00fcckeburger-Nazis-erster-Mai-Berlin-300x200.jpg\" alt=\"Autonome Nationalisten (Bildmitte und mit Fahne) aus B\u00fcckeburg am 1. Mai 2010 in Berlin \" width=\"210\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/B\u00fcckeburger-Nazis-erster-Mai-Berlin-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/B\u00fcckeburger-Nazis-erster-Mai-Berlin.jpg 540w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6016\" class=\"wp-caption-text\">Autonome Nationalisten (Bildmitte und mit Fahne) aus B\u00fcckeburg am 1. Mai 2010 in Berlin <\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Der im nahe gelegenen Minden wohnende Marcus Winter ist der Hauptinitiator der j\u00e4hrlichen &#8222;Trauerm\u00e4rsche&#8220; in nahen Bad Nenndorf. Seit seiner Haftentlassung im Fr\u00fchjahr 2010 organisiert Winter zudem noch regelm\u00e4\u00dfig Rechtsrockkonzerte. Bei einem dieser Konzerte am ersten Weihnachtstag letzten Jahres im nieders\u00e4chsischen Vallstedt waren Personen der B\u00fcckeburger Szene mit in die Organisation eingebunden. Sie fuhren Konzertbesucher vom Bahnhof zum Veranstaltungsort.\u00a0 Die Verbindungen in die Region Hannover werden deutlich anhand der gegenseitigen Besuche der autonomen Nationalisten B\u00fcckeburg und der ehemaligen &#8222;Freien Kr\u00e4fte Hannover Umland&#8220;: bei einer Polizeikontrolle im Januar diesen Jahres wurde in B\u00fcckeburg Gruppe von ca. 25 Neonazis festgestellt, darunter auch polizeibekannte Aktivisten aus Wunstorf und Hannover. Beim Versuch eine Demonstration von linksalternativen Jugendlichen in Wunstorf im M\u00e4rz diesen Jahres zu st\u00f6ren, wurden im Gegenzug Neonazis aus B\u00fcckeburg gesichtet. Nachdem der St\u00f6rversuch von der Polizei unterbunden wurde, formierten sich die \u00fcber 20 Nazis zu einer Spontandemonstration und sangen das Horst-Wessel-Lied.<\/p>\n<p><strong>Bagatellisierung und Extremismustheorie<\/strong><\/p>\n<p>Der B\u00fcckeburger B\u00fcrgermeister Reiner Brombach und die Polizei hingegen nehmen das Problem Medienberichten zu folge deutlich anders war, als die von den Nazi-Angriffen betroffenen Jugendlichen. So ist in der Schaumburger Zeitung die Rede von \u201eAusschreitungen zwischen linken und rechten Jugendlichen\u201c. In mehren Ver\u00f6ffentlichungen wird betont, dass die Rechten h\u00f6chstens anpolitsiert seien und eine gefestigte Szene nicht existiere. Organisierte Neonazis k\u00e4men indes nur von au\u00dfen (aus den Region Hannover und Ostwestfalen) nach B\u00fcckeburg, gewisserma\u00dfen angelockt von den linken Aktivist_innen. Auch betont die Polizei, dass nicht alle von den Betroffenen der rechten Gewalt genannten Angriffe nachgewiesen seien, die Polizei geht von der M\u00f6glichkeit einer &#8222;bewussten Legendenbildung aus&#8220;. Mit solchen Argumentationen werden aus Opfern zwar nicht direkt T\u00e4ter aber doch Mitschuldige gemacht. Dass es gerade bei rechter Gewalt, die \u00fcberwiegend marginalisierte Gruppen mit geringem gesellschaftlichen Status trifft, eine extrem hohe Dunkelziffer gibt, ist unter Kriminolog_innen unbestritten. Expert_innen von spezialisierten Beratungsstellen f\u00fcr Opfer rechter Gewalt berichten immer wieder, dass viele rechtsmotivierte Angriffe aus Angst vor negativen Folgen von den Betroffenen nicht angezeigt werden.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6017\" aria-describedby=\"caption-attachment-6017\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Screenshot-Schaumburger-Nachrichten.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6017 \" title=\"Screenshot Schaumburger Nachrichten\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Screenshot-Schaumburger-Nachrichten-300x248.jpg\" alt=\"Aufforderung in der Schaumburger Zeitung Antifa-Aufkleber m\u00f6glichst schnell wieder zu entfernen (Screenshot: Schaumburger-Zeitung vom 29.01.2011)\" width=\"210\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Screenshot-Schaumburger-Nachrichten-300x248.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Screenshot-Schaumburger-Nachrichten.jpg 478w\" sizes=\"auto, (max-width: 210px) 100vw, 210px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6017\" class=\"wp-caption-text\">Aufforderung in der Schaumburger Zeitung Antifa-Aufkleber m\u00f6glichst schnell wieder zu entfernen (Screenshot: Schaumburger-Zeitung vom 29.01.2011)<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ein Umstand, der jedoch in B\u00fcckeburg scheinbar nicht in Erw\u00e4gung gezogen wird. Statt einer Analyse der rechten Szene zur Eind\u00e4mmung des Ph\u00e4nomens wird von vielen Verantwortlichen in B\u00fcckeburg verk\u00fcrzend von politischem Extremismus gesprochen. Nach dieser Grundannahme werden radikale linke und extreme rechte Positionen gewisserma\u00dfen gleichgesetzt und als au\u00dferhalb der demokratischen Mitte stehend markiert. Extremisten\u00a0 unterschiedlicher Couleur st\u00fcnden sich demnach zwar feindlich gegen\u00fcber, w\u00e4ren aber inhaltlich vereint in dem Ziel die Demokratie abzuschaffen zu wollen. Dieser analytische Kurzschluss \u00fcbersieht jedoch, dass antifaschistische Aufkleber oder linke Spr\u00fchparolen qualitativ eben nicht mit NS-Verherrlichung oder rassistisch motivierten Angriffen zu vergleichen sind.<\/p>\n<p>Ebenfalls wird bei solcherlei Grundannahmen das Problem von weit verbreiteten menschenfeindlichen Einstellungspotentialen in allen Teilen der Bev\u00f6lkerung \u00fcbersehen. Rassismus oder Antisemitismus existieren eben nicht nur an einem &#8222;extremistischen&#8220; Rand der Gesellschaft. Der Bielefelder Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer kommt 2009 in einer Studie \u00fcber das nahegelegene Bad Nenndorf\u00a0 zu dem Schluss, dass jede\/r sechste hier &#8222;fremdenfeindlich&#8220; eingestellt ist.<\/p>\n<p>Zwar hat sich nach den Vorf\u00e4llen in B\u00fcckeburg eine st\u00e4dtische Arbeitsgruppe formiert, die sich mit der eskalierenden Gewalt auseinandersetzt und zu einem Runden Tisch mit breiter zivilgesellschaftlicher Beteiligung aufruft. Aber auch hier ist der lokalen Berichterstattung im Vorfeld zu entnehmen, dass von solch fragw\u00fcrdigen extremismustheoretischen Grundannahmen nicht wirklich abger\u00fcckt wird. Ob dieses Engagement im Kampf gegen die erstarkenden Naziszene so jedoch Erfolge zeigen wird, bleibt abzuwarten. Statt der \u00dcbernahme der beh\u00f6rdlichen Deutungsmuster w\u00e4ren hier ein Ernstnehmen der betroffenen Jugendlichen und die Solidarisierung mit den Opfern rechter Gewalt als klares Signal gegen diskriminierende Ideologien wohl zielf\u00fchrender.<\/p>\n<p><strong>Polizeipannen<\/strong><\/p>\n<p>Eindeutig wenig Erfolg zeigt hingegen bislang die Ermittlungsarbeit der Polizei. Tatverd\u00e4chtige rechte Angreifer konnten nach Angaben der Betroffenen bislang noch nicht ermittelt werden. Zwar wurden nach dem Bekanntwerden der massiven Angriffe in der \u00d6ffentlichkeit an den Wochenenden die Polizeipr\u00e4senz in B\u00fcckeburg verst\u00e4rkt, die Nazi-Szene agiert aber weiter nahezu ungest\u00f6rt. Auch die Bedrohungen setzen sich nach Angaben\u00a0 der Antifaschist_innen weiter fort. Insbesondere bei drei Vorf\u00e4llen wird der Polizei Versagen vorgeworfen:<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6018\" aria-describedby=\"caption-attachment-6018\" style=\"width: 181px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Wurfgeschosse.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-6018    \" title=\"Wurfgeschosse\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Wurfgeschosse-300x200.jpg\" alt=\"Von der Polizei nicht sichergestellte Wurfgeschosse (Flaschen und Steine) auf dem Balkon drei Monate nach der Attacke auf die Fensterscheiben der Wohnung eines jungen Migranten \" width=\"181\" height=\"121\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Wurfgeschosse-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/04\/Wurfgeschosse.jpg 900w\" sizes=\"auto, (max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6018\" class=\"wp-caption-text\">Von der Polizei nicht sichergestellte Wurfgeschosse (Flaschen und Steine) auf dem Balkon drei Monate nach der Attacke auf die Fensterscheiben der Wohnung eines jungen Migranten <\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Bei den genannten beiden Angriffen auf die Wohnung eines migrantischen Jugendlichen werden die Scheiben zerst\u00f6rt. Die alarmierte Polizei stellt die auf dem vorgelagerten Balkon liegenden Flaschen und faustgro\u00dfen Steine, die als Wurfgeschosse dienten, jedoch nicht als Beweismittel sicher. Bei einem weiteren Vorfall wird ein junger Mann, der von den Nazis der linken Szene zugerechnet wird, nach dem Aussteigen aus seinem Auto von einer Gruppe Rechten entdeckt und gejagt. Nach Schilderung des jungen Mannes weigert sich die von einer Passantin alarmierte Polizei nach dem PKW in der N\u00e4he zu schauen, obwohl der Gejagte sich aus nachvollziehbaren Gr\u00fcnden um sein Auto sorgt. Kurze Zeit sp\u00e4ter stellt sich heraus, dass die Bef\u00fcrchtungen nicht grundlos waren, der Wagen ist stark demoliert. Die Beamten k\u00f6nnen hier jedoch keinen Zusammenhang zum vorangegangen Geschehen erkennen und gehen nach Aussage des Betroffenen von zuf\u00e4lligem Vandalismus aus. Auch die Reaktion der Polizei bei einem weiteren Vorfall im M\u00e4rz diesen Jahres wird kritisiert.\u00a0 Hier versammeln sich nach Angaben einer jungen Frau, die in den Wochen zuvor bereits mehrfach telefonisch wegen ihrer politischen Einstellung bedroht wurde, etwa 20 Vermummte vor ihrem Haus. Zur selben Zeit wird sie angerufen und erneut bedroht. Die alarmierte Polizei trifft erst eine Stunde nach dem Notruf bei der ver\u00e4ngstigen Frau ein.<\/p>\n<p>Die betroffenen alternativen Jugendlichen und die Antifa wollen sich aufgrund der gemachten Erfahrungen nicht mehr allein auf die Polizei und die lokalen Verantwortlichen verlassen, sie planen eine Demonstration, um auf die Situation in B\u00fcckeburg mit der massiven Pr\u00e4senz der Neonazis und den entstandenen Angstr\u00e4umen aufmerksam zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fcckeburg, eine idyllische Kleinstadt im Schaumburger Land mit ber\u00fchmtem Schloss samt Schlossgarten, historischer Altstadt und ein Magnet f\u00fcr Tourist_innen. Doch leider k\u00f6nnen sich nicht alle Einwohner_innen an dieser Idylle freuen: linke und alternative Jugendliche f\u00fchlen sich schon l\u00e4ngst nicht mehr wohl in ihrer eigenen Stadt. 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