{"id":7755,"date":"2011-12-09T07:09:04","date_gmt":"2011-12-09T06:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=7755"},"modified":"2011-12-14T10:11:58","modified_gmt":"2011-12-14T09:11:58","slug":"schiestraining-fur-die-kameraden-das-militante-nazinetzwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2011\/12\/09\/schiestraining-fur-die-kameraden-das-militante-nazinetzwerk_7755","title":{"rendered":"Schie\u00dftraining f\u00fcr die &#8222;Kameraden&#8220; &#8211; das militante Nazinetzwerk"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7756\" aria-describedby=\"caption-attachment-7756\" style=\"width: 539px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/12\/bremen_waffen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7756\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/12\/bremen_waffen.jpg\" alt=\"\" width=\"539\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/12\/bremen_waffen.jpg 536w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2011\/12\/bremen_waffen-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7756\" class=\"wp-caption-text\">Vergangene Woche beschlagnahmte die Polizei in Bremen dutzende Waffen von NPD- und DVU-Mitgliedern \u00a9 Polizei Bremen<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Bei der Suche nach Unterst\u00fctzern und Helfern der Naziterrorgruppe &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8220; tauchen immer mehr Hinweise auf bewaffnete Neonazikreise auf. Eine Spur f\u00fchrt zu einer paramilit\u00e4rischen \u00dcbung 2009 nach Bulgarien. Auch\u00a0 deutsche Neonazis nahmen dort an einem Schie\u00dftraining teil &#8211; und posierten sp\u00e4ter mit Waffen in der Hand im Internet.<!--more--><br \/>\n<em>Ein Gastbeitrag von von <a title=\"Artikel von Berlin rechtsau\u00dfen\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/author\/blog-schattenbericht-de\/\" rel=\"author\">Berlin rechtsau\u00dfen<\/a><\/em><\/p>\n<p><strong>Spurensuche im Netzwerk paramilit\u00e4rischer deutscher Neonazis<\/strong><\/p>\n<p>Das Faible f\u00fcr Waffen und Wehrsport ist bei Neonazis systemimmanent. Der Zugang zu notwendigen Knowhow, Material und R\u00e4umen wird \u00fcber eine gewachsene internationale Vernetzung und \u00fcber die Verflechtung mit kriminellen Milieus gew\u00e4hrleistet. Neonazistische Gruppen und Gangs, die sich bewaffnet pr\u00e4sentieren, gibt es viele in Deutschland. Wer sich auf die Suche nach ihnen macht, st\u00f6\u00dft unweigerlich auf Netzwerke und Label, die sich seit vielen Jahren als \u201eUntergrund\u201c exponieren und hohe personelle Kontinuit\u00e4t aufweisen.<\/p>\n<p>Folgt man zum Beispiel den Spuren einer Reisegruppe von Neonazis aus dem Magdeburger Raum, die im Februar 2009 ein Schie\u00dftraining in Bulgarien durchf\u00fchrten, so lassen sich Konturen ihres Netzwerkes erkennen. Dass dabei Links und Querverweise auftauchen, die zu mutma\u00dflichen Unterst\u00fctzer_innen des Nationalsozialistischen Untergrunds (<a title=\"Posts tagged with NSU\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/nsu\/\" rel=\"tag\">NSU<\/a>) f\u00fchren, ist kaum ein Zufall.<\/p>\n<p><strong>Das Schie\u00dftraining in Bulgarien<\/strong><\/p>\n<p>Auf dem Programm von vier Neonazis aus dem Magdeburger Raum, die sich im Februar 2009 in Bulgarien aufhielten, stand ein Schie\u00dftraining. Mit Pumpguns, Revolvern und Pistolen ballerten die deutschen Besucher_innen auf Pappscheiben mit menschlichen Umrissen und pr\u00e4sentierten stolz das Ergebnis: Treffer ins Herz.<\/p>\n<p>Grund ihrer Bulgarien-Reise war das Konzert der Band <a title=\"Posts tagged with Civil Disorder\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/civil-disorder\/\" rel=\"tag\">Civil Disorder<\/a> aus dem Raum Magdeburg am 7. Februar in Sofia. <a title=\"Posts tagged with Civil Disorder\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/civil-disorder\/\" rel=\"tag\">Civil Disorder<\/a> z\u00e4hlt zur musikalischen Str\u00f6mung des \u201eNational Socialist Hardcore\u201c und trat in den vergangenen Jahren unter anderem auf <a title=\"Posts tagged with Blood &amp; Honour\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/blood-honour\/\" rel=\"tag\">Blood &amp; Honour<\/a>-Konzerten in Belgien, Italien und D\u00e4nemark auf. Civil-Disorder-S\u00e4nger Steffen J. pr\u00e4sentiert sich auf den Fotos des Schie\u00dftrainings mit Pistole und in schussbereiter Pose. Carmen J., mit Steffen J. seit 2010 verheiratet, steht mit einer Pumpgun dahinter. Die J.\u2019s leben als Kleinfamilie mit Kindern in einer alten Molkerei in Angern im Landkreis B\u00f6rde. Das Anwesen ist seit Jahren als Neonazi-Treffpunkt bekannt, bei einer Razzia im Fr\u00fchjahr 2004 fand die Polizei dort vier Kilogramm Sprengstoff und eine Panzerfaust. Selbst im beruflichen Alltag l\u00e4sst Steffen J. keinen Zweifel aufkommen, wes Geistes Kind er ist. Seine Firma, mit der er Dienstleistungen im Bereich Messe-, Trocken- und Innenausbau anbietet, tr\u00e4gt den Namen Rent A Crew (dt.: Miete eine Mannschaft), abgek\u00fcrzt \u201eR.A.C.\u201c. Das K\u00fcrzel steht\u00a0 in der Neonazi-Musikszene f\u00fcr \u201eRock Against Communism\u201c (Rock gegen Kommunismus). Neben dem Schriftzug \u201eR.A.C.\u201c zeigt die Website einen sich mit einem Zimmermannshammer kreuzenden Schraubenschl\u00fcssel. Das Symbol ist unzweideutig an das Symbol der militanten neonazistischen <a title=\"Posts tagged with Hammerskins\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/hammerskins\/\" rel=\"tag\">Hammerskins<\/a> angelehnt, das zwei gekreuzte Zimmermannsh\u00e4mmer zeigt.<\/p>\n<p>Autokennzeichen im Kreis der Familie J. tragen die Wunschzahlen 2811 und 1811. Die 28 steht f\u00fcr die Buchstaben B und H, Blood and Honour. In dieser Logik steht 11 f\u00fcr AA, f\u00fcr Anti-Antifa, ein neonazistisches Label f\u00fcr den militanten Kampf gegen alle, die als Volksfeinde wahrgenommen werden. Die 18 (AH) steht f\u00fcr die Initialen Adolf Hitlers und ist gleichwohl namensgebend f\u00fcr <a title=\"Posts tagged with Combat 18\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/combat-18\/\" rel=\"tag\">Combat 18<\/a>, das in 1990er Jahren als bewaffneter Arm von Blood and Honour geschaffen wurde. \u201eHail the Terrormachine, Hail <a title=\"Posts tagged with Combat 18\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/combat-18\/\" rel=\"tag\">Combat 18<\/a>\u201c sang Hate Society, die f\u00fchrende deutsche Blood &amp; Honour-Band dieser Zeit.<\/p>\n<p><strong>Immer wieder im Fokus: Blood &amp; Honour<\/strong><\/p>\n<p>Blood &amp; Honour. Je mehr man \u00fcber die NSU und ihren mutma\u00dflichen Unterst\u00fctzer_innenkreis wei\u00df, desto h\u00e4ufiger f\u00e4llt der Name dieses internationalen Netzwerkes, dessen deutsche Sektion im Jahr 2000 vom Bundesinnenministerium verboten wurde. Der Anwalt eines Th\u00fcringer Neonazis, dessen Mandant der Unterst\u00fctzung des NSU verd\u00e4chtigt ist, deutet an, die NSU habe wohl von Blood &amp; Honour Waffen bezogen. Andere erinnern sich, dass die mutma\u00dflichen NSU-M\u00f6rder <a title=\"Posts tagged with Uwe Mundlos\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/uwe-mundlos\/\" rel=\"tag\">Uwe Mundlos<\/a> und <a title=\"Posts tagged with Uwe B\u00f6hnhardt\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/uwe-bohnhardt\/\" rel=\"tag\">Uwe B\u00f6hnhardt<\/a> schon in den 1990er Jahren an der Organisation von Blood &amp; Honour-Konzerten beteiligt waren. Auf einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die in Berufung auf Polizeiquellen von Aufenthalten und m\u00f6glichen Schie\u00dftrainings der Untergetauchten des NSU zwischen 2008 und 2010 in Ungarn und Bulgarien schreibt, folgen Hinweise, dass Netzwerke des harten Kerns \u2013 Blood &amp; Honour oder die Hammerskins \u2013 durchaus in der Lage seien, einen derartigen internationalen Austausch zu organisieren.<\/p>\n<p>Als Uwe Mundlos, <a title=\"Posts tagged with Beate Zsch\u00e4pe\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/beate-zschape\/\" rel=\"tag\">Beate Zsch\u00e4pe<\/a> und Uwe B\u00f6hnhardt 1998 in den Untergrund gingen, war das Konzept von Combat 18 impulsgebend f\u00fcr den Teil der Szene, der sich f\u00fcr den \u201eKrieg gegen das System\u201c aufr\u00fcstete. Die Neonazizeitschrift Hamburger Sturm interviewte 1999 vermummte Aktivisten National-Revolution\u00e4rer Zellen, die sich auf Combat 18 bezogen. Eine National-Revolution\u00e4re Zelle aus dem Kreis Berliner und Brandenburger Combat 18-Anh\u00e4nger wurde im Fr\u00fchjahr 2000 in beinahe letzter Minute von der Polizei daran gehindert, mit Schusswaffen gegen ein linkes Wohnprojekt in Berlin loszuziehen. Das Buch \u201eThe Way Forward\u201c des norwegischen Blood &amp; Honours-F\u00fchrers Erik B. lieferte ab dem Jahr 2000 dazu den Leitfaden. Bl\u00fccher beschreibt Combat 18 als die Armee und den bewaffneten Arm von Blood &amp; Honour. Deren K\u00e4mpfer_innen sollten nun ausziehen, um das \u201emultikulti, multikriminelle Inferno von ZOG (zu) zerst\u00f6ren.\u201c ZOG (Zionist Occupied Government) steht als Synonym f\u00fcr eine halluzinierte j\u00fcdische Weltherrschaft. Bl\u00fccher schreibt weiter: \u201eDas Konzept der Waffen-SS enth\u00e4lt alle Prinzipien sowie den wahren Geist unserer \u00dcberzeugung in seiner reinsten Form, von der wir unsere Inspiration zur Organisierung einer neuen Legion arischer Gladiatoren beziehen m\u00fcssen.\u201c Diese Strategieschrift war ein Aufruf zum bewaffneten Kampf, der in dieser Form und zu dieser Zeit einmalig war.<\/p>\n<p>Unumstritten war Combat 18 nie. Im deutschen Blood &amp; Honour der sp\u00e4ten 1990er Jahre f\u00fchrte es zu Richtungsstreits. Denen, die das Label Combat 18 nutzten, um eine Marktf\u00fchrerschaft im Rechtsrock-Business durchzusetzen und komfortabel davon zu leben, waren diejenigen zunehmend ein Dorn im Auge, die einforderten, dass Combat 18 kein blo\u00dfes Label bleiben d\u00fcrfe, mit dem man lediglich Untergrund suggeriere, um Eindruck in der Szene zu schinden. Als Blood &amp; Honour 2000 verboten wurde, war das Manchem ganz recht. Wer Business machen wollte, machte Business und wer Untergrund wollte, machte eben Untergrund. Doch in Nachfolgestrukturen von Blood &amp; Honour flammte der alte Streit wieder auf. In der Division 28, die sich vor allem in den s\u00fcdlichen und in den neuen Bundesl\u00e4ndern zur legitimen Erbfolge des verbotenen Blood &amp; Honour erkl\u00e4rte, gerieten um 2006 die \u201eGem\u00e4\u00dfigten\u201c und die \u201eRadikalen\u201c aneinander. Division 28-Personen aus dem \u00f6sterreichischen Vorarlberg, aus Franken und Th\u00fcringen forderten, das \u201eneue\u201c Blood &amp; Honour m\u00fcsse nunmehr dem \u201egewaltt\u00e4tigen Kurs des Combat 18\u201c folgen. Anf\u00fchrer dieses Fl\u00fcgels war Ronny L. aus Weimar, der im Verlauf des Streits als \u201eRegionschef Mitteldeutschland\u201c der Division 28\u00a0 abgesetzt wurde. Dies alles kam in einem Prozess 2011 in Karlsruhe zur Sprache, in dem f\u00fchrende Personen der s\u00fcddeutschen Division 28 verurteilt wurden. Von Prozessen gegen die Scharfmacher ist nichts bekannt.<\/p>\n<p><strong>Legaler Wehrsport in Niedersachsen<\/strong><\/p>\n<p>Die Blood &amp; Honour-Gruppe im nieders\u00e4chsischen Hildesheim galt Ende der 1990er Jahre als Verfechterin eines Kurses, Blood &amp; Honour zu einer \u201epolitischen Kampfgemeinschaft\u201c mit 25-Punkte-Programm zu formieren. 1999 veranstaltete Blood &amp; Honour Hildesheim einen Liederabend, in dem das Duo Eichenlaub aus Jena auftrat, das kurz zuvor ein Solidarit\u00e4tslied f\u00fcr die untergetauchten B\u00f6hnhardt, Zsch\u00e4pe und Mundlos ver\u00f6ffentlicht hatte. Die ZDF-Sendung Frontal 21 machte unter den Zuh\u00f6rer_innen dieses Konzertes den heute inhaftierten mutma\u00dflichen NSU-Unterst\u00fctzer Holger Gerlach aus.<\/p>\n<p>Exponenten\u00a0 von Blood &amp; Honour in Hildesheim waren zu dieser Zeit Johannes K. und Hannes F. Die beiden blieben \u00fcber das Verbot im Jahr 2000 hinaus f\u00fcr Blood &amp; Honour aktiv. Sie organisierten im Jahr 2001 einen Liederabend, der 2008 in einem Prozess in Halle an der Saale als Weiterf\u00fchrung von Blood &amp; Honour bewertet wurden und zu einer Verurteilung der beiden f\u00fchrten. Mit auf der Anklagebank sa\u00df \u2013 wegen anderer Delikte \u2013 die F\u00fchrungsriege von Blood &amp; Honour Sachsen-Anhalt.<\/p>\n<p>F. und K. er\u00f6ffneten T\u00e4towierstudios in Munster bei L\u00fcneburg\u00a0 und Hildesheim\u00a0 sowie ein Ladengesch\u00e4ft in Munster, das sich auf \u201espezielle Ausr\u00fcstung\u201c f\u00fcr Soldaten und Paramilit\u00e4rs spezialisiert hat. Bereits 1998 hatte K. eine Warrior Combat and Survival School gegr\u00fcndet, die paramilit\u00e4rische Trainings wie Scharfsch\u00fctzenausbildung anbietet. In den Folgejahren fielen immer wieder Kameraden aus dem \u201ealten\u201c Kreis von Blood &amp; Honour sowie Angeh\u00f6rige der neonazistischen Kameradschaftsszene (insbesondere aus dem Raum Magdeburg) als Teilnehmer der \u201eTrainings\u201c der Warrior Combat and Survival School auf. Diese Verbindungen wurden K. (fast) zum Verh\u00e4ngnis. 2007 ver\u00f6ffentlichten antifaschistische Gruppen umfangreiche Recherchen zur \u201elegalen\u201c Hildesheimer Wehrsportgruppe. Nicht nur in Munster avancierte dies zu einem Top-Thema, sondern auch in der Schweiz, wo auf einem Wehrsportlager (\u201eSommercamp\u201c) der Warrior Combat and Survival School ein Schweizer Milit\u00e4rfahrzeug festgestellt worden war. Johannes K. erwirkte eine Gegendarstellung in einer Schweizer Zeitung, in der er bestritt, Neonazi zu sein. K. widersprach der Behauptung, er habe seine Wehrsportschule \u201cmit Trainern aus der deutschen <a title=\"Posts tagged with NPD\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/npd\/\" rel=\"tag\">NPD<\/a> und mit Kameraden aus \u2039Blood and Honour\u203a\u201c gegr\u00fcndet und stellte richtig: \u201eIch besch\u00e4ftige keine Trainer aus der deutschen <a title=\"Posts tagged with NPD\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/npd\/\" rel=\"tag\">NPD<\/a> und habe solche zu keinem Zeitpunkt besch\u00e4ftigt.\u201c Dem Vorwurf, er habe Kameraden aus Blood &amp; Honour besch\u00e4ftigt, widersprach er nicht. K. beteuert, sich nicht mehr in der neonazistischen Szene zu bewegen. Unzweifelhaft ist jedoch: Die Szene bewegt sich um ihn.<\/p>\n<p>So im August 2008, als die kanadische White Power-Liedermacherin Tara Lynn D. (\u201eTara\u201c) Deutschland besuchte. D. gab ein Konzert in Ostfriesland f\u00fcr das neonazistische Magazin JVA-Report, reiste dann weiter und besuchte K. und F. im Ladengesch\u00e4ft Dezentral.<\/p>\n<p>Ein Jahr zuvor, im September 2007, war Hannes F. zum ISD-Memorial nach England gereist. Das zweit\u00e4gige Konzert erinnert an den 1993 t\u00f6dlich verungl\u00fcckten Blood &amp; Honour-Begr\u00fcnder Ian Stuart Donaldson und gilt als das allj\u00e4hrliche internationale Treffen von Blood &amp; Honour und Freund_innen. Ein Erinnerungsfoto des Events zeigt Hannes F. im vertrauten Miteinander mit Carmen J. aus Angern.<\/p>\n<p><strong>Selbsternannte Elitekrieger: Die Hammerskins<\/strong><\/p>\n<p>Carmen J. ist umtriebig und reisefreudig. F\u00fcr das neonazistische Medienprojekt Media Pro Patria aus Th\u00fcringen trat sie 2007 als Darstellerin eines Werbevideos f\u00fcr ein drogenfreies Leben auf. Ein undatiertes Bild zeigt sie posierend mit vier Kameraden und einer Kameradin unter dem geschmiedeten Schriftzug \u201eArbeit macht frei\u201c am Eingang des Stammlagers in Auschwitz. Neben ihr steht Maik Scheffler, eine zentrale Figur der nords\u00e4chsischen Neonaziszene, seit 2011 stellvertretender Landesvorsitzender der NPD in Sachsen und seit 2009 NPD-Stadtrat in Delitzsch. Als vor wenigen Wochen das Freie Netz, ein internes Forum von Kadern der \u201emitteldeutschen\u201c Neonaziszene, aufflog, wurden Maik Scheffler und <a title=\"Posts tagged with Thomas Gerlach\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/thomas-gerlach\/\" rel=\"tag\">Thomas G.<\/a> aus Meuselwitz bei Altenburg (Th\u00fcringen) als tonangebende Personen des Netzes enttarnt. Die Diskussionen im Forum dienten Medien als eindr\u00fccklicher Beleg der Zusammenarbeit von NPD und militanten Neonazis. In einem Thread zu einem Aufmarsch im Februar 2009 in Dresden regte Gerlach an: \u201eWir haben uns \u00fcberlegt die Polizeiwache anzugreifen und abzufackeln\u201c worauf Scheffler antwortete: \u201eohne einen abzustechen? Ist ja langweilig.\u201c (vgl. <a href=\"http:\/\/gamma.noblogs.org\/fn-leaks\/fn-leaks-ii\">ghttp:\/\/gamma.noblogs.org\/fn-leaks\/fn-leaks-ii<\/a>)<\/p>\n<p>Thomas G. und Maik Scheffler geh\u00f6ren den Hammerskins an, einem internationalen, 1986 in den USA gegr\u00fcndeten, Netzwerk, das sich als Elite einer weltweiten Naziskinhead-Bewegung versteht. Das Verh\u00e4ltnis von Blood &amp; Honour und Hammerskins ist bisweilen von Konkurrenz gepr\u00e4gt, basierend auf dem elit\u00e4ren F\u00fchrungsanspruch beider Gruppierungen. Tats\u00e4chlich jedoch ist unter den militanten Truppen und Combat 18-Anh\u00e4nger_innen l\u00e4ngst ein Miteinander von Blood &amp; Honour und Hammerskins feststellbar. Bereits im August 1999 gab es, initiiert von Blood &amp; Honour in Niedersachsen, ein \u201eUnited\u201c-Treffen mit Hammerskins, auf dem man Gemeinsamkeiten beschwor und eine engere Zusammenarbeit vereinbarte. Merkmal der Hammerskin-Propaganda ist die beinahe mystische Verehrung der US-amerikanischen Terrororganisation <a title=\"Posts tagged with The Order\" href=\"http:\/\/www.blog.schattenbericht.de\/tag\/the-order\/\" rel=\"tag\">The Order<\/a> (Br\u00fcder Schweigen), die nach dem Prinzip bewaffneter Zellen und des \u201ef\u00fchrerlosen Widerstandes\u201c in den Jahren 1983 und 1984 in den USA schwere Verbrechen beging, unter anderem einen j\u00fcdischen Radiomoderator ermordete, bevor sie, infiltriert vom FBI, zerschlagen wurde.<\/p>\n<p>Insbesondere Hammerskin Thomas G. (\u201eAce\u201c) steht heute im Verdacht, Kontakt zum NSU gehabt zu haben. Mit dem mutma\u00dflichen NSU-Unterst\u00fctzer Holger G. war er 1999 zur Geburtstagsparty eines Neonazis nach Niedersachsen gereist. Als im Jahr 2005 das neonazistische Hatecore-Forum gehackt wurde, wurde sichtbar, mit welchem Passwort sich Thomas Gerlach dort eingeloggt hatte: struck-mandy. Mit der Identit\u00e4t und den Papieren von Mandy S., einer Friseurin aus dem s\u00e4chsischen Johanngeorgenstadt, war Beate Zsch\u00e4pe unterwegs gewesen.<\/p>\n<p>Aus ganz Europa trafen sich Hammerskins im November 2007 auf dem \u201eEuropean Hammerfest\u201c in Mailand. Die \u201eHammerskins Westsachsen\u201c waren angereist, mit ihnen Maik Scheffler, Thomas G. sowie seine Ehefrau \u2013 und neben ihr steht auf Fotos dieses internationalen Hammerskintreffens Carmen J. aus Angern.<\/p>\n<p>Das \u201eEuropean Hammerfest 2008\u201c wurde in Ungarn ausgerichtet. Neben Konzert und Abendessen standen noch andere Events auf dem Programm. Im Erinnerungsalbum \u201eHammerfest Budapest 18.10.08\u201c eines bekannten saarl\u00e4ndischen Hammerskins findet sich das Foto eines Waffenlagers. Darauf posiert vor gestapelten Metallkisten ein Kamerad mit zwei Panzerf\u00e4usten.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Trotz \u2013 oder gerade wegen \u2013 zahlreicher Querverweise und Bilder, die quer durch Europa f\u00fchren, ist die Eingrenzung dieses Kreises schwierig. Sofern man \u00fcberhaupt von einem Kreis ausgehen kann und nicht etwa von mehreren. Wenn Mann oder Frau \u00fcber Jahre im harten Kern der Szene unterwegs ist, entstehen viele Freundschaften und Bekanntschaften und oft ist nicht ersichtlich, welche Substanz diese haben.<\/p>\n<p>Struktur und Logistik f\u00fcr den Untergrundkampf sind reichlich vorhanden, die Szene macht daraus keinen Hehl, sie f\u00fchlt sich sicher. Dass die eine oder andere Neonazigruppe, die sich in der Pose von Combat 18, Hammerskins oder irgendeiner namenlosen bewaffneten Gang gef\u00e4llt, irgendwann daf\u00fcr entscheidet, nun tats\u00e4chlich \u201eernst zu machen\u201c, kann nicht \u00fcberraschen. Eine verbindliche Aussage dar\u00fcber, wer \u201eernst machen\u201c wird, ist unm\u00f6glich. Oder: Wer hat schon \u201eernst gemacht\u201c?<\/p>\n<p><em>Autoren: Thomas Sandberg (Sachsen-Anhalt), Alex Hartinger (Niedersachsen), Michael Weiss (apabiz, Berlin)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei der Suche nach Unterst\u00fctzern und Helfern der Naziterrorgruppe &#8222;Nationalsozialistischer Untergrund&#8220; tauchen immer mehr Hinweise auf bewaffnete Neonazikreise auf. Eine Spur f\u00fchrt zu einer paramilit\u00e4rischen \u00dcbung 2009 nach Bulgarien. 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