{"id":7881,"date":"2012-01-16T15:16:51","date_gmt":"2012-01-16T14:16:51","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=7881"},"modified":"2012-03-10T11:28:13","modified_gmt":"2012-03-10T10:28:13","slug":"brauner-kosmos-in-schwarzer-einode","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2012\/01\/16\/brauner-kosmos-in-schwarzer-einode_7881","title":{"rendered":"Brauner Kosmos in schwarzer Ein\u00f6de"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_7913\" aria-describedby=\"caption-attachment-7913\" style=\"width: 539px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/01\/euskirchen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7913\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/01\/euskirchen.jpg\" alt=\"\" width=\"539\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/01\/euskirchen.jpg 539w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/01\/euskirchen-300x165.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-7913\" class=\"wp-caption-text\">Neonazis aus Euskirchen bei einem Aufmarsch 2011 in Stolberg  \u00a9 D. Clemens<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Im November wurden eine 16-J\u00e4hrige und ihre Familie in Euskirchen (Eifel) von Neonazis mit dem Tode bedroht. In der Lokalzeitung erkl\u00e4rte der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem daraufhin er habe sich bei der Polizei informiert und habe dort erfahren, dass es \u201ekeine organisierte rechte Szene gibt\u201c. Doch seit 2007 existiert mit den \u201eFreien Nationalisten Euskirchen\u201c (FNE) eine aktive und gut vernetzte neonazistische Kameradschaft in der nordrhein-westf\u00e4lischen Provinz, die auf langj\u00e4hrig gewachsene Strukturen und umfangreiche Infrastruktur zur\u00fcckgreifen kann. Eilig beschloss der Rat der Stadt im Angesicht der medialen Berichterstattung als auch anl\u00e4sslich der Zwickauer Nazi-Zelle eine Resolution gegen rechts. Geholfen ist der bedrohten Sch\u00fclerin damit nicht \u2013 und die Kameradschaft wird so auch nicht gestoppt. Ein Blick auf die organisierte rechte Szene in der Eifel.<!--more--><\/p>\n<p>Seine Aussage revidierte der Christdemokrat Voussem nach \u00f6ffentlicher Kritik. Dennoch ist der relativierende Umgang mit Neonazis in der Eifel keine Einzelfall. \u00d6ffentlich Wahrnehmbar sind die seit \u00fcber vier Jahren organisierten Neonazis der FNE sowohl durch massiven Vandalismus und Sachbesch\u00e4digungen als auch durch kulturelle und politische Veranstaltungen, sowie \u00f6ffentliche Auftritte. Verschiedenen R\u00e4umlichkeiten dienen ihnen dabei l\u00e4ngst als R\u00fcckzugs- und Rekrutierungsorte.<\/p>\n<p>Auf kaum einer Demonstration im westlichen Nordrhein-Westfalen und im n\u00f6rdlichem Rheinland-Pfalz fehlen die jungen Neonazis der Freien Nationalisten Euskirchen. Gut erkennbar versammeln sich meist junge, schwarz gekleidete M\u00e4nner hinter der eigenen Kameradschaftsflagge. Doch zu den Mitgliedern der Kameradschaft geh\u00f6ren bei weitem nicht nur junge Menschen, die den pseudorevolution\u00e4ren Chic der Autonomen Nationalisten adaptieren. Auch glatzk\u00f6pfige Skinheads, wie man sie in der Eifel oft zu Gesicht bekommt, geh\u00f6ren ihr an. Dass neben Markus Seidel aus Klein-B\u00fcllesheim mit der Euskirchener pharmazeutisch-technischen Assistentin Kerstin Kirschhausen auch eine Frau zur F\u00fchrungsebene der FNE geh\u00f6rt, d\u00fcrfte eine Besonderheit unter neonazistischen Kameradschaften sein. Entstanden ist die Kameradschaft 2007 im Nachgang einer ma\u00dfgeblich vom ehemaligem NPD-Funktion\u00e4r Eric Leu aus dem benachbarten Rhein-Erft-Kreis mitorganisierten Mahnwache am Euskirchener Bahnhof.<\/p>\n<p><strong>Antisemitischer Vandalismus<\/strong><\/p>\n<p>In der Euskirchener Nachbargemeinde Hellenthal ereigneten sich vor allem 2009 besonders viele Vorf\u00e4lle antisemitischen Vandalismus. Im Mai wurden der j\u00fcdische Friedhof mit Hakenkreuzen bespr\u00fcht und verw\u00fcstet und selben Monat auch ein Denkmal f\u00fcr die j\u00fcdischen Opfer des Nationalsozialismus zertr\u00fcmmert. Das wiederhergestellte Denkmal wurde nicht mal ein Jahr sp\u00e4ter erneut zerst\u00f6rt. Auch damals wurde das Problem versucht zu relativieren: verantwortlich f\u00fcr die Taten, so der damalige B\u00fcrgermeister Manfred Ernst (CDU) seien offensichtlich politisch rechts stehende Leute \u201eaus Euskirchen\u201c. Dass schon vorher Rechte in Hellenthaler Jugendr\u00e4umen vorgedrungen und sich mindestens einmal im Sch\u00fctzenhaus der Gemeinde Hellenthal treffen konnten bleibt unbeachtet. In bekannter Manier wird vom Stadtobersten die Verantwortung f\u00fcr gegebene Realit\u00e4ten auf angeblich ausw\u00e4rtige St\u00f6renfriede projiziert.<\/p>\n<p><strong>Zahlreiche neonazistische Veranstaltungen<\/strong><\/p>\n<p>Doch es sind nicht nur die notorischen NS-verherrlichenden Schmierereien, die gerade in der Stadt &#8211; aber auch im gesamten Kreis \u2013 Euskirchen die Existenz von Neonazis eindr\u00fccklich zeigen. Seit Gr\u00fcndung der Kameradschaft 2007 fanden auch mehrere neonazistische Veranstaltungen in der Eifel statt. Glaubt man den Ver\u00f6ffentlichungen der FNE gab es allein 2008 auf Grund des regen Mitgliederzuwachses der Kameradschaft mindestens zwei \u201eInteressententreffen\u201c, bei denen \u201etatkr\u00e4ftige Unterst\u00fctzer\u201c gefunden wurden. Auch dar\u00fcber hinaus richtete die Eifler Kameradschaft mehrere gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen aus. Unter anderem ihre \u201eEinjahresfeier\u201c, die im Herbst 2008 in einem Sch\u00fctzenheim im Kreis Euskirchen ungest\u00f6rt abgehalten werden konnte. An der nicht \u00f6ffentlich beworbenen Veranstaltung haben nach eigenen Angaben zirka 70 Neonazis teilgenommen. Bevor die beiden Rechtsrockbands &#8222;Exitus&#8220; und &#8222;Flak&#8220; auftraten, sollen Axel Reitz sowie ein \u201eSympathisant der FNE\u201c Reden gehalten haben. Eine weitere Saalveranstaltung folgte 2010 in Kooperation mit dem lokalem Verband der NPD. Beim \u201eAktivistentreffen und Interessentenveranstaltung\u201c in Euskirchen sollen ein parteiungebundener Euskirchener Neonazi, sowie Ren\u00e9 Rothhanns und Ingo Haller gesprochen haben. Im Juli 2010 folgt ein \u201eGrillen gegen LINKS\u201c auf einem \u201ePrivatgrundst\u00fcck in der Eifel\u201c. Den \u201erund 50-60 volkstreuen G\u00e4sten\u201c heizte im Schatten einer Reichskriegsfahne abermals die Band &#8222;Exitus&#8220; ein. Aber auch schon vor Gr\u00fcndung der FNE fanden bereits Veranstaltung in der Eifel statt. Die drei Rechtsrock Bands &#8222;Legion of Thor&#8220;, &#8222;Path of Resistance&#8220; und &#8222;Non plus Ultra&#8220; spielten beispielsweise am 30. Juli 2005 auf dem Gel\u00e4nde der Sommerrodelbahn in Mechernich-Kommern ein Konzert.<\/p>\n<p><strong>\u201eHeldengedenken\u201c zu Ehren des Nationalsozialismus<\/strong><\/p>\n<p>Mindestens f\u00fcnf Mal, und damit auff\u00e4llig oft, beteiligten sich die FNE an so genannten \u201eHeldengedenken\u201c. Der Begriff ist unver\u00e4ndert dem Nationalsozialismus entnommen. Eingef\u00fchrt von den Nationalsozialisten sollte das \u201eHeldengedenken\u201c an deutsche Opfer des Ersten Weltkrieges und an die in der Weimarer Republik ermordeten Nationalsozialisten erinnern. Sp\u00e4ter diente es vor allem dazu die Bev\u00f6lkerung auf den Angriffskrieg und auf Adolf Hitler einzuschw\u00f6ren. F\u00fcr Neonazis bietet sich mit den ritualisierten Kranzniederlegungen an Friedh\u00f6fen und Kriegerdenkm\u00e4lern und den damit verbundenen Propagandareden mitsamt dem Absingen von nationalsozialistischen Liedern der Kontext um unverhohlen dem historischen Nationalsozialismus zu fr\u00f6nen. Oft findet dieses Ritual am Wochenende vor dem 16. M\u00e4rz statt. An diesem Datum wurde 1935 die Wehrpflicht im deutschen Reich wiedereingef\u00fchrt und somit der Bruch des Versailler Vertrages, mit dem Ziel Krieg zu f\u00fchren, manifestiert. H\u00e4ufig finden derartige Veranstaltungen auch in zeitlicher N\u00e4he zum Volkstrauertag statt, der seit 1952 zwei Sonntage vor dem Ersten Advent begangen wird, und ein staatlich geschaffener stiller Feiertag ist.<\/p>\n<p>Neonazis beteiligten sich beispielsweise am 13. November 2011 an der offiziellen Veranstaltung zum \u201eVolkstrauertag\u201c in Vossenack (H\u00fcrtgenwald), bei der auch Landrat Wolfgang Spelthahn sprach. Die Schlacht vom H\u00fcrtgenwald z\u00e4hlt zu den schwersten K\u00e4mpfen im Zweiten Weltkrieg. Sicher deswegen entwickelt der Ort f\u00fcr Neonazis eine mystische Anziehungskraft.<\/p>\n<p>Ein beliebtes Ausflugsziel der Eifler Neonazis sind nicht nur Friedh\u00f6fe und Kriegerdenkm\u00e4ler, sondern auch die ehemalige NS-Ordensburg Vogelsang (bei Gem\u00fcnd). Die ehemalige Schulungsst\u00e4tte f\u00fcr NS-F\u00fchrungskader \u00fcbt als T\u00e4terort ebenfalls eine gro\u00dfe Faszination auf Neonazis aus. So posierten etwa im Juni 2011 ein Dutzend Neonazis f\u00fcr ein im Rahmen von Mobilisierungsaktionen f\u00fcr die j\u00e4hrlich stattfindende Nazidemonstration in Bad Nenndorf entstandenen Foto auf der Burg.<\/p>\n<p><strong>Tagung mit Holocaustleugnern<\/strong><\/p>\n<p>Neben FNE- bzw. NPD nutzen auch weitere Akteure der extremen Rechten die M\u00f6glichkeit in der Provinz Politik zu machen. So lud im Fr\u00fchling 2011 der extrem rechte Akademiekreis Forum um den bekannten Publizisten Werner Keweloh zur Tagung mit dem Titel \u201eDie europ\u00e4ischen V\u00f6lker und ihre abendl\u00e4ndische Kultur\u201c in die N\u00e4he von Euskirchen ein. Nach Intervention der Antifa Euskirchen\/Eifel beim Besitzer der Veranstaltungsr\u00e4ume mussten die Nazis ihr Treffen allerdings kurzfristig verlegen. Die Tagung konnte schlie\u00dflich, bewacht von Neonazis des Aktionsb\u00fcro Mittelrhein, in der 30 km entferntem Ortsgemeinde Rech stattfinden. Als Referenten k\u00fcndigte der in Rheinbach ans\u00e4ssige Akademiekreis Dr. Rigolf Hennig, Dr. Olaf Rose und Prof. Dr. Wjatscheslaw Daschitschew an. Letzterer konnte an der Veranstaltung jedoch nicht teilnehmen, da ihm kein Visum zur Einreise nach Deutschland erteilt worden sei. Als Ersatzredner wurde der Schweizer Bernhard Schaub als Vertreter der Gruppierung Europ\u00e4ische Aktion \u2013 die \u201eBewegung f\u00fcr ein freies Deutschland\u201c eingeladen. Gru\u00dfworte sprach Johann Thie\u00dfen von den \u201eRusslanddeutschen Konservativen\u201c. F\u00fcr Unterhaltung sorgte die russlanddeutsche S\u00e4ngerin Lydia Gottfried. Auf dem Abschlusspodium sprach auch Ursula Haverbeck-Wetzel, die bis zum Vereinsverbot 2008 das Collegium Humanum aus Vlotho leitete. Schaub und Rose waren ebenfalls bei Veranstaltungen des antisemitischen Vereins aktiv gewesen.<\/p>\n<p><strong>Anlaufstellen f\u00fcr Neonazis<\/strong><\/p>\n<p>Wahrnehmbar sind Neonazis aber nicht nur bei Veranstaltungen. Gleich mehrere Objekte dienen als Anlaufstelle f\u00fcr Neonazis und stellen somit einen Teil r\u00e4umlicher Infrastruktur f\u00fcr die extreme Rechte in der Region bereit.<\/p>\n<p>Lokalen Beobachtern zu Folge dient die in der Euskirchener Innenstadt ans\u00e4ssige Kneipe \u201eCerberus\u201c (bis 2011 \u201eTartarus\u201c) ebenfalls als Anlaufstelle f\u00fcr Neonazis. Auf Anfrage der Partei DIE LINKE r\u00e4umt B\u00fcrgermeister Dr. Uwe Friedl (CDU) vorsichtig ein: \u201eDas \u00f6ffentliche Erscheinungsbild des Vereins [Tatarus] legt zuweilen den Verdacht nahe, dass innerhalb des Vereins m\u00f6glicherweise national-konservatives Gedankengut gepflegt werden k\u00f6nnte\u201c.<\/p>\n<p><strong>NPD gegen \u201edeutschenfeindliche Politik\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Im \u201eKampf um die Stra\u00dfe\u201c ist die NPD vielerorts auf die Zusammenarbeit mit freien Kameradschaften angewiesen, um handlungsf\u00e4hig zu sein \u2013 so auch im Kreis Euskirchen. Schon bei der Ortsverbandsgr\u00fcndung im Januar 2008 betonte der damalige Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes D\u00fcren, Ingo Haller, dass sowohl die FNE als auch die benachbarte Kameradschaft Aachener Land (K.A.L.) \u201ean eine[r] einge[n] Zusammenarbeit [mit der NPD] interessiert\u201c seien. Vorsitzender des NPD Kreisverbandes wird Markus Franken, der zuvor Posten der D\u00fcrener NPD bekleidete und auch als Spitzel im Umfeld des D\u00fcrener B\u00fcndnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt aktiv gewesen war. Als Stellvertreter wurde \u201eM. Steidel\u201c benannt. Nicht gekl\u00e4rt werden konnte, ob es sich dabei um den FNE-Kader Markus Seidel handelt. Vor der Kommunalwahl 2009 l\u00f6st ihn Ren\u00e9 Rothhanns ab, der Jahre zuvor noch Mitglied der SPD war und sich sp\u00e4ter der D\u00fcrener NPD anschloss. Zur Kommunalwahl 2009 trat die NPD im Kreis Euskirchen nicht an. Wie sie selbst mitteilt mangele es ihnen an \u201egen\u00fcgend bereitwillige[n] und f\u00e4higen Mitb\u00fcrgern aus Euskirchen [\u2026] die auch eventuelle Wahl\u00e4mter \u00fcbernehmen k\u00f6nnen\u201c. Eine Wahlempfehlung spricht die NPD trotzdem aus: Die Stimme solle ung\u00fcltig gemacht werden, damit die \u201eetablierten Versager Spitzenparteien\u201c nicht in ihrer \u201edeutschfeindlichen Politik\u201c best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p>Wie sich die NPD-Euskirchen deutschenfreundliche Politik vorstellt l\u00e4sst sich ab November 2009 in einigen offen antisemitischen und rassistischen Artikel auf der \u201eWeltnetzseite\u201c des Euskirchener NPD-Verbandes erahnen. Der damals 18-j\u00e4hrige Kaller Jan Baden spricht etwa anl\u00e4sslich der Einrichtung einer virtuellen Gedenktafel f\u00fcr die Opfer der Reichspogromnacht auf der Website der Stadt Euskirchen von einem \u201eweiteren Tag der nationalen Dem\u00fctigung und Diffamierung unserer tapferen Landsleute\u201c. An anderer Stelle fordert er \u201e[e]in Zentralregister f\u00fcr alle Asylanten, Migranten und Passdeutschen\u201c, damit \u201ejeder dieser geduldeten Personen juristisch und nachrichtendienstlich \u00fcberwacht wird, um die Bildung von autarken Terrorzellen zu Verhindern und kriminelle Fremdk\u00f6rper sofort aus der deutschen Volkssubstanz zu entfernen und Schaden vom Volk abzuwenden\u201c.<\/p>\n<p><strong>NPD-Wahlk\u00e4mpfe zwischen Gewalt und Vandalismus<\/strong><\/p>\n<p>\u201eOberstes Ziel\u201c, erkl\u00e4rt die NPD-Euskirchen im Juni 2008, also ein halbes Jahr nach ihrer Gr\u00fcndung, sei das \u201e[A]ntreten [der NPD] bei den Kommunalwahlen 2009 im Kreisgebiet Euskirchen\u201c. Obwohl der Wahlkampf an mangelndem qualifizierten Personal und willigen Kandidaten scheiterte spricht Jan Baden im Jahresr\u00fcckblick der NPD von \u201eR\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung\u201c und einer \u201estarken Basis\u201c. Aktiven Wahlkampf bestritt die NPD zur Bundestagswahl 2009 und zur NRW-Landtagswahl 2010.<\/p>\n<p>Doch trotz angeblich \u201estarker Basis\u201c beschr\u00e4nkt sich der Bundestagswahlkampf auf das Anbringen von Plakaten und das Verteilen von NPD-Propaganda. Dabei gingen die FNE der NPD helfend zur Hand. \u201e[M]ehrere tausende Zeitungen\u201c und Flugbl\u00e4tter sollen Verteilt worden sein. \u201eAn Schulen \u2013 Kinos \u2013 Sportpl\u00e4tzen \u2013 oder einfach Treffpunkten, wo besonders Jugendliche sich aufhalten, konnten [\u2026] hunderte Schulhof CD`s [\u2026] verteilt werden\u201c, verk\u00fcndete die NPD Euskirchen. Gezielt versuchte die NPD so Erstw\u00e4hler anzusprechen und f\u00fcr ihre Politik zu gewinnen. \u00d6ffentliche Auftritte wie etwa die Durchf\u00fchrung von Infost\u00e4nden wurden nicht bekannt. Die Partei DIE LINKE beklagte allerdings das Abrei\u00dfen eigener Plakate, die zudem durch NPD-Plakate ersetzt worden seien. Au\u00dferdem seien \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude und Bushaltestellen mit rechten Parolen beschmiert worden. Die Polizei ermittelte kurz vor der Bundestagswahl gegen einen 42-j\u00e4hrigen Vettwei\u00dfer, da dieser vier junge Leute festgehalten und bedroht haben soll. Die vier Personen sollen ein NPD-Plakat in der Euskirchener Innenstadt mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht haben. Der Vettwei\u00dfer soll daraufhin gedroht haben \u201eseine Leute anzurufen, dann geht es zur Sache\u201c, teilte die Polizei gegen\u00fcber \u201eKlarmanns Welt\u201c mit. Der NPD-Bundestagswahlkandidat Ren\u00e9 Rothhanns holte am Wahlabend 1,34 % der Erststimmen, die NPD vereinigte 1,05 % der Zweitstimmen im Kreisgebiet auf sich &#8211; und damit 0,15 % mehr als im Landesdurchschnitt.<\/p>\n<p>Nachdem eine \u201estarke Basis\u201c zur Bundestagswahl nicht erkennbar war erkl\u00e4rt Rothhanns zum Landtagswahlkampfauftakt es sei der NPD in den letzten Monaten gelungen \u201eeinen festen Stamm zu gr\u00fcnden der lernf\u00e4hig ist und dies auch durch rege Teilnahme an Schulungen zeigt\u201c. Neben dem Verteilen von Wahlpropaganda und dem Anbringen von Wahlkampfplakaten wird aber nur eine gr\u00f6\u00dfere Wahlkampfaktion bekannt. Im April tourte das \u201eNPD-Flaggschiff\u201c, ein dem \u201eGuidomobil\u201c nachempfundener Wohnwagen, durch Euskirchen und anschlie\u00dfend durch St\u00e4dte im angrenzenden Rhein-Erft-Kreis. Unterst\u00fctzt von der FNE sollen au\u00dferdem Wahlkampfflugbl\u00e4tter der NPD in der Euskirchener Innenstadt verteilt und NPD-Wahlkampfplakate aufgehangen worden sein. Am Wahltag konnte die NPD-Euskirchen 1,61 % der Erststimmen bzw. 1,11 % der Zweitstimmen auf sich vereinigen und damit 0,4% mehr Zweitstimmen als die Partei im Landesdurchschnitt erhielt.<\/p>\n<p>Eine Delegation Neonazis besuchte am Abend der Landtagswahl den Euskirchener Kreistag. Neben Rothhanns, waren mit Henning Quas, Alexander Oster, Patrick Sitt und Hendrik Decker bekannte Neonazis von der benachbarten Kameradschaft Aachener Land (KAL) und der FNE anwesend. Mit\u00a0 dem Vorsitzenden der Nederlandse Volks-Unie, Ivo Pastoor auch ein internationaler Beobachter der extremen Rechten zu gegen.<\/p>\n<p>Mit Verh\u00e4ngung des \u201eorganisatorischen Notstandes\u201c der NPD-NRW \u00fcber die NPD D\u00fcren im September 2010 endeten auch die NPD-Aktivit\u00e4ten im dem D\u00fcrener NPD unterstellten Kreisverband Euskirchen. Nach Aufhebung des verh\u00e4ngten Notstandes im Sommer 2011 wurden ebenfalls keine weiteren Aktivit\u00e4ten der NPD im Kreis Euskirchen bekannt.<\/p>\n<p><strong>Anti-Antifa f\u00fchrt \u201eschwarze Listen\u201c trotz \u201eWinterpause\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Doch die Neonazis sind nach wie vor aktiv. Im November 2011 fing der \u201eKameradschaftsf\u00fchrer\u201c der Freien Nationalisten Euskirchen Markus Seidel und zwei weitere bekannte Neonazis eine Sch\u00fclerin auf dem Nachhauseweg ab und Seidel drohte ihr er \u201emache sie alle platt\u201c, wenn die Betroffene nicht daf\u00fcr sorge, dass Inhalte \u00fcber die Neonazigruppierung aus dem Internet verschw\u00e4nden. Sollte dies nicht innerhalb von 72 Stunden geschehen wolle er das Haus der Familie abbrennen. Seine Drohung unterstrich er indem er ihr eine \u201eRedlist\u201c zeigte, die pers\u00f6nliche Daten von angeblichen NazigegnerInnen auflistet. Solch eine Liste, so Seidel weiter, habe angeblich jeder Rechte im Kreis Euskirchen. Zuvor erkl\u00e4rte die FNE via \u201eWeltnetzseite\u201c, dass \u201edie F\u00fchrung der FNE aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden zur\u00fcckgetreten ist\u201c. \u201e[A]b sofort\u201c gehe man daher \u201eoffiziell in die Winterpause\u201c. Nur wenige Tage sp\u00e4ter zeigte sich mit der Morddrohung, dass die FNE weiterhin aktiv ist.<\/p>\n<p><strong>Pro NRW scheitert am Widerstand von Neonazis<\/strong><\/p>\n<p>Wie selbstsicher und dominant die Neonazis hier auftreten zeigte sich auch im Dezember 2009. Damals wollte die rechtspopulistische und rassistische Partei pro NRW in der Euskirchener Gastst\u00e4tte \u201eAlte Dorfsch\u00e4nke\u201c Direktkandidaten f\u00fcr die Landtagswahl nominieren und die Gr\u00fcndung des Kreisverbandes beschlie\u00dfen \u2013 doch es tauchten auch Neonazis der FNE und NPD auf. \u201eUrpl\u00f6tzlich\u201c, so pro NRW h\u00e4tte \u201eeine Gruppe latent gewaltbereiter Neonazis\u201c die Gastst\u00e4tte \u201egekapert\u201c. \u201e[Die Neonazis] w\u00e4ren gekommen um \u00c4rger zu machen. Euskirchen sei ihr Gebiet und die pro-&#8218;Demokr\u00f6ten und Zionisten&#8216; h\u00e4tten &#8218;Euskirchenverbot&#8217;\u201c, so pro NRW weiter. Die NPD wiederum schreibt es habe \u201enie gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen seitens der NPD oder der FNE\u201c gegeben, einzig die \u201eTonlage\u201c sei \u201eetwas rauer und lauter\u201c geworden. Zuvor, so die NPD-Euskirchen habe pro NRW die Neonazis gefragt, ob sie \u201enicht 24 Stunden Mitglieder sein wollten, um eine Gr\u00fcndung und Wahl des Landtagskandidaten zu erm\u00f6glichen, da diese[r] hier keine Unterst\u00fctzer [habe]\u201c. Schlie\u00dflich habe \u201eman anderswo auch so fingiert\u201c. Schlussendlich habe der Versammlungsleiter \u2013 laut NPD \u2013 Ronald Micklich die Versammlung, wegen der Bedrohung beendet. Bei einem sp\u00e4teren Treffen in D\u00fcren benannte pro NRW Alexander Weigandt als Landtagswahlkandidaten f\u00fcr den Landtagswahlkreis 12 (D\u00fcren II\/Euskirchen II) sowie Angelika Raue f\u00fcr den Landtagswahlkreis 11 (D\u00fcren I). \u00c4hnlich wie in Euskirchen hatten auch in D\u00fcren Neonazis eine fr\u00fchere Versammlung von pro NRW gest\u00f6rt. Die rechtsradikale Partei tauschte Weigandt kurzfristig vor der Wahl gegen Renate Ewert aus Leichlingen aus. Pro NRW erhielt im Kreis Euskirchen bei der Landtagswahl 1,09 % der Zweitstimmen. Weitere Aktivit\u00e4ten von pro NRW-Anh\u00e4ngern aus der Eifel wurden nicht bekannt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Von den zahlenm\u00e4\u00dfig \u00fcberschaubaren Neonazis der Freien Nationalisten Euskirchen geht eine nicht zu untersch\u00e4tzende Bedrohung gegen\u00fcber Migranten, Demokraten und Antifaschisten aus. Mit eigenen Veranstaltungen, Propagandadelikten und der Teilnahme an Demonstrationen gelingt es eine attraktive extrem rechte Erlebniswelt anzubieten. In die Kameradschaftsstruktur lassen sich so auch vermehrt j\u00fcngere Leute einbinden. Treffpunkte, wie sie unter anderem das\u00a0 \u201eCerberus\u201c bereit stellt, unterst\u00fctzen eine pers\u00f6nliche Vernetzung der Szene, schaffen f\u00fcr sie R\u00fcckzugsorte und bieten dar\u00fcber hinaus f\u00fcr szenefremde Menschen die M\u00f6glichkeit mit der extremen Rechten in Kontakt zu kommen. Obwohl der Staatsschutz Bonn mehrmals im Umfeld der FNE ermittelte und es sogar vereinzelte Hausdurchsuchungen wegen des Verbreitens von \u201eMein Kampf\u201c gab, bleiben die FNE aktionsorientiert. Besondere Brisanz erh\u00e4lt die Eifel als geografisches Bindeglied zwischen Neonazis aus K\u00f6ln, Bonn, Trier, dem Kreis Ahrweiler, der Region Aachen und aus den Niederlanden. Auff\u00e4llig ist, dass die Neonazis scheinbar leicht Veranstaltungsorte anmieten k\u00f6nnen. Mehrmals gerieten so Sch\u00fctzenheime in den Fokus der Betrachtung. F\u00fcr Antifaschisten bedeutet das einerseits in der politisch tiefschwarzen Eifel ein Problembewusstsein f\u00fcr Neonazismus zu entwickeln zu m\u00fcssen und andererseits langj\u00e4hrig gewachsenen Nazistrukturen den Raum zu nehmen. Auch die Stadt und der Kreis Euskirchen m\u00fcssen sich endlich ihrer Verantwortung bewusst werden und wirksame Ma\u00dfnahmen gegen die Neonazis entwickeln. Gefragt sind auch die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden die bisher augenscheinlich verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig unt\u00e4tig sind und die Neonazis\u00a0 gew\u00e4hren lassen. Kaum eine Rolle d\u00fcrften k\u00fcnftig die Rechtspopulisten von pro NRW spielen. Die Zukunft der NPD und der FNE sind hingegen ungewiss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im November wurden eine 16-J\u00e4hrige und ihre Familie in Euskirchen (Eifel) von Neonazis mit dem Tode bedroht. In der Lokalzeitung erkl\u00e4rte der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Voussem daraufhin er habe sich bei der Polizei informiert und habe dort erfahren, dass es \u201ekeine organisierte rechte Szene gibt\u201c. 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