{"id":8527,"date":"2012-05-04T16:13:21","date_gmt":"2012-05-04T14:13:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=8527"},"modified":"2012-05-04T16:13:21","modified_gmt":"2012-05-04T14:13:21","slug":"kein-guter-tag-fur-neonazis-in-hof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2012\/05\/04\/kein-guter-tag-fur-neonazis-in-hof_8527","title":{"rendered":"Kein guter Tag f\u00fcr Neonazis in Hof"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_8531\" aria-describedby=\"caption-attachment-8531\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0007.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8531\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0007.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0007.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0007-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8531\" class=\"wp-caption-text\">Mehr als 4000 B\u00fcrger protestierten gegen die 420 Neonazis \u00a9 Johannes Hartl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Rund 420 Neonazis zogen am 1. Mai, unter dem Motto \u201eZeitarbeit abschaffen \u2013 Soziale Ausbeutung stoppen!\u201c durch die Stra\u00dfen Hofs. Derweilen setzten rund 4000 B\u00fcrger\/-innen mit bunten und friedlichen Gegenprotesten ein eindeutiges Zeichen gegen rechte Umtriebe in der oberfr\u00e4nkischen Stadt.<!--more--><\/p>\n<p>Am 1. Mai 2012 bestimmten in Hof Einsatzkr\u00e4fte der bayerischen Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei das Stadtbild: Einsatzfahrzeuge fuhren durch die Stra\u00dfen, Absperrgitter wurden aufgebaut, einzelne Bereiche regelrecht abgeriegelt, Polizeihubschrauber kreisten \u00fcber die Stadt. Grund f\u00fcr dieses massive Aufgebot war eine angemeldete Neonazi-Demonstration, die zuvor von der Stadt untersagt, sp\u00e4ter allerdings vom Verwaltungsgericht Bayreuth erlaubt wurde.<\/p>\n<p>Doch die Stadt stand den Neonazis letzten Endes keineswegs wehrlos gegen\u00fcber: Mit einem bunten Fest, einem Demonstrationszug, einer \u00f6kumenischen Andacht, St\u00e4nden von Schulen, einer Lesung und vielen anderen Veranstaltung setzte die Stadt am Dienstag ein eindeutiges Zeichen. Schon einige Zeit vor der Gerichtsentscheidungen wurde dieses Programm geplant, durchgef\u00fchrt worden w\u00e4re es so oder so, selbst wenn das Gericht dem Antrag der Rechtsextremisten nicht stattgegeben h\u00e4tte. An dem Aufruf zu den Veranstaltungen unter dem Motto \u201eHof ist Bunt und nicht braun\u201c, hatten sich alle m\u00f6glichen Parteien, Organisationen und Initiativen beteiligt \u2013getreu dem Motto \u201eGemeinsam gegen Nazis\u201c.<\/p>\n<p>Entsprechend gro\u00df war am Ende dann auch die Resonanz: Nahezu 4000 Menschen beteiligten sich an den Veranstaltungen und machten somit deutlich, dass rechte Ideologien in Hof nichts verloren haben. Darunter waren viele Personen aus Hof selbst, aber auch einige, die von au\u00dferhalb angereist waren. Und auch politische Prominenz war in die Stadt gekommen, um an den Gegenaktionen mitzuwirken. Neben dem Vorsitzenden der BayernSPD-Landtagsfraktion, Markus Rinderspacher, der als Ersatz f\u00fcr Sigmar Gabriel auftrat, der kurzfristig abgesagt hatte, und dem bayerischen DGB-Vorsitzenden Matthias Jena war sogar der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zu den Protestaktionen in seiner Heimatstadt gekommen. In einem Interview mit dem Regionalfernsehsender TVO, beschrieb Friedrich, der sich mit an die Spitze des Demonstrationszugs gestellt hatte, seine Motivation: \u201eIch bin das ja auch, kann man sagen, schon leidvoll gew\u00f6hnt. Seit vielen Jahren haben wir in Wunsiedel eine klare Demonstration aller Demokraten gegen Extremismus. Insofern ist das heute hier in Hof Ehrensache und Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass ich als Abgeordneter dabei bin\u201c. Nebenher hatte es sich auch der Hofer Oberb\u00fcrgermeister Harald Fichter (CSU), nicht nehmen lassen, ein Zeichen gegen Neonazis zu setzen und war zusammen mit vielen anderen Vertretern der Politik zur Gegendemo gekommen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_8532\" aria-describedby=\"caption-attachment-8532\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0119.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8532\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0119.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0119.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/05\/DSC_0119-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8532\" class=\"wp-caption-text\">Die Polizei hielt sich zur\u00fcck, selbst als Neonazi-Fotografen weitab des Aufmarsches Portr\u00e4tfotos von Gegendemonstranten machten \u00a9 Johannes Hartl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Auftaktveranstaltung gerade begonnen hatte, sammelten sich am G\u00fcterbahnhof, dem Treffpunkt der Neonazis, bereits die ersten Rechtsextremisten. Neben vielen Mitgliedern des bayernweit agierenden neonazistischen Kameradschaftsverband \u201eFreies Netz S\u00fcd\u201c, dass zu dem Aufmarsch aufgerufen hatte, fanden sich vereinzelt ebenfalls Kader aus der rechtsextremen NPD wie etwa Uwe Meenen, der stellvertretende Vorsitzende der NPD-Berlin, zum Aufzug durch Hof ein. Auffallend war, dass einige der anwesenden Neonazis Stellen ihrer Haut \u00fcberklebt hatten, wohl um Tattoos vor den Augen der Beamten zu verbergen. Nach und nach trafen immer mehr Neonazis am G\u00fcterbahnhof ein, der Beginn des Aufmarsches schien sich allm\u00e4hlich abzuzeichnen.<\/p>\n<p>Nachdem die Neonazis die Auflagen verlesen hatten und die \u201eGru\u00dfworte\u201c von \u201eKameraden\u201c aus dem Ausland \u00fcberbracht worden sind, setzte sich der Aufmarsch schlie\u00dflich in Bewegung. Die Route f\u00fchrte sie dabei vom G\u00fcterbahnhof \u00fcber die Wunsiedler Stra\u00dfe hinein in die Ernst-Reuter-Stra\u00dfe. Zun\u00e4chst blieb soweit alles ruhig, doch allm\u00e4hlich spitze sich die Situation merklich zu.<\/p>\n<p>Auf dem Weg \u00fcber die Ernst-Reuter-Stra\u00dfe in Richtung der Kulmbacher-Stra\u00dfe kam es dann von Seiten der Rechtsextremisten zu mehreren Versuchen, die Pressearbeit zu behindern. Journalisten, die den Aufzug dokumentierten, wurden daran gest\u00f6rt, indem sich einzelne Neonazis vor die Fotoapparate stellten, sp\u00e4ter wurden die Fotografen sogar angerempelt. Sogenannte \u201eAnti-Antifa-Fotografen\u201c konnten zudem nahezu frei herumlaufen. Bisweilen hatten sie sich \u00fcber mehrere hundert Meter von dem Aufzug entfernt, fotografierten Journalisten und lichteten Gegendemonstranten ab, die in kleinen Gruppen an der Ecke Ernst-Reuter-Stra\u00dfe\/Kulmbacher-Stra\u00dfe warteten und ihren Unmut \u00fcber den Aufzug zum Ausdruck brachten.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend bog der rechte Aufmarsch in die Kulmbacher Stra\u00dfe ein, von wo aus die Teilnehmer zu dem Ort ihrer Zwischenkundgebung marschierten, die zwischen der Lessingstra\u00dfe und Marienstra\u00dfe abgehalten wurde. Als Rednerin trat hier zun\u00e4chst die aus Tschechien angereiste Neonazi-Aktivistin Lucie Slegrova auf, deren Part von Robin Siener (Vorsitzender der NPD-Regensburg, Aktivist im Freien Netz S\u00fcd) auf Deutsch \u00fcbersetzt wurde. Im Anschluss sprach J\u00fcrgen Schwab (\u201eSache des Volkes\u201c) zu den versammelten Neonazis. Eine kleinere Gruppe Gegendemonstranten, relativ weit abseits der rechten Kundgebung, protestierte vor Ort, abgeschirmt durch Absperrgitter und Polizeibeamte, gegen die Nazi-Veranstaltung.<\/p>\n<p>Auf dem Weg durch die Marienstra\u00dfe, die die Rechtsextremisten im Anschluss an ihre Kundgebung beschritten, sahen sich die Neonazis dann mit einer ganz besonderen Art des Protests konfrontiert. Das in der Marienstra\u00dfe befindliche SPD-B\u00fcro in Hof hatte an den Fenstern mehrere Bilder angebracht, die Szenen aus KZ-Lagern zeigten, sowie ein Plakat der Aussteigerhilfe Bayern und der Aussteigerorganisation Exit, auf dem geschrieben stand: \u201eDu findest keine Freiheit in den Ketten einer Ideologie, die Dich und Deine Pers\u00f6nlichkeit einschr\u00e4nkt!\u201c. Erfolg hatte die Aktion offensichtlich, denn die vorbeiziehenden Neonazis waren wohl sichtlich irritiert: Immer wieder sahen sie n\u00e4mlich nach Oben, begutachten die Fotos und sahen sich das Plakat ganz genau an.<\/p>\n<p>Zu einer abschlie\u00dfenden Kundgebung bewegten sie sich \u00fcber die Hans-B\u00f6ckler-Stra\u00dfe wieder zur\u00fcck auf die Ernst-Reuter-Stra\u00dfe, wo sie in unmittelbarer N\u00e4he des B\u00fcrogeb\u00e4udes der \u201eBundesagentur f\u00fcr Arbeit\u201c ihre Abschuss-Kundgebung durchf\u00fchrten. Redner waren hier Matthias Fischer, der zu den F\u00fchrungskadern des \u201eFreien Netz S\u00fcds\u201c gez\u00e4hlt wird, und Uwe Meenen, der stellvertretende Vorsitzende der Berliner NPD, der zudem im \u201eBund Frankenland\u201c aktiv ist.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend begaben sich die Neonazis zur\u00fcck zu dem Ausgangspunkt ihres Aufzugs, dem G\u00fcterbahnhof, und traten langsam aber sicher wieder die Heimreise an. Am Ende des Tages zog die Polizei ein gemischtes Fazit: Zwar verliefen die Gegenveranstaltungen an sich friedlich, dennoch kam es zu 39 Festnahmen. \u201e33 Personen aus dem linken Spektrum\u201c seien in Gewahrsam genommen worden, au\u00dferdem seien sechs Neonazis angezeigt worden, unter anderem wegen \u201eTragens von verfassungswidrigen Kennzeichen.<\/p>\n<p>Weiterhin berichtete die Polizei davon, dass sie am G\u00fcterbahnhof zum Ende hin rund 120 Personen \u201eaus dem linken Spektrum\u201c daran hindern h\u00e4tten m\u00fcssen, sich mit Pflastersteinen zu bewaffnen. Allerdings gibt es hiervon auch deutlich andere Darstellungen: Anwesende berichten etwa davon, dass es sich bei diesen Personen lediglich um Jugendliche, ein paar Punks und einige B\u00fcrger gehandelt habe.<\/p>\n<p>Insgesamt gilt es jedoch, Kritik am Verhalten der Polizei zu \u00fcben. So wurden Gegenproteste in H\u00f6r- und Sichtweite der Neonazi-Demonstration nahezu vollst\u00e4ndig verhindert, nur vereinzelt war es m\u00f6glich, direkt an der Strecke der Nazis zu protestieren, wovon allerdings auch nur sehr wenige B\u00fcrger gebrauch machen konnten. Im Vorfeld war das Aufmarschgebiet der Neonazis n\u00e4mlich regelrecht abgeriegelt worden, ein Durchkommen war in vielen F\u00e4llen \u00fcberhaupt nicht m\u00f6glich. Ebenso die Tatsache, dass die \u201eAnti-Antifa-Fotografen\u201c der Neonazis ungest\u00f6rt durch die Gegend laufen konnten und sich weit von ihrem Aufzug entfernen konnten, ist kritikw\u00fcrdig. Auf Nachfrage von Netz gegen Nazis wartete ein Polizeisprecher zu diesem Sachverhalt mit einer schwachen Erkl\u00e4rung auf: \u201eGanz verhindern lassen wird sich so etwas nie\u201c, erkl\u00e4rte er. Weiterhin muss kritisch angemerkt werden, dass die Polizei manchmal gar nicht einschritten, als Journalisten bei ihrer Arbeit behindert wurden.<\/p>\n<p>Das Fazit, dass die Hofer B\u00fcrger\/-innen am Ende ziehen k\u00f6nnen, d\u00fcrfte jedoch positiv ausfallen. Wenngleich es den Hofern nur selten m\u00f6glich war, direkt in H\u00f6r-und Sichtweite zu demonstrieren, so konnten sie mit ihrem riesigen, gemeinsamen Rahmenprogramm den Neonazis dennoch klar die Rote Karte zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rund 420 Neonazis zogen am 1. Mai, unter dem Motto \u201eZeitarbeit abschaffen \u2013 Soziale Ausbeutung stoppen!\u201c durch die Stra\u00dfen Hofs. 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