{"id":8860,"date":"2012-06-15T06:57:31","date_gmt":"2012-06-15T04:57:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=8860"},"modified":"2012-06-15T11:03:46","modified_gmt":"2012-06-15T09:03:46","slug":"engagierte-burger-im-visier-des-neonazi-netzwerks-freies-netz-sud","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2012\/06\/15\/engagierte-burger-im-visier-des-neonazi-netzwerks-freies-netz-sud_8860","title":{"rendered":"Engagierte B\u00fcrger im Visier des Neonazi-Netzwerks &#8222;Freies Netz S\u00fcd&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_8877\" aria-describedby=\"caption-attachment-8877\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/06\/DSC_8837.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8877\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/06\/DSC_8837.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/06\/DSC_8837.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/06\/DSC_8837-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-8877\" class=\"wp-caption-text\">Tina Krause beim Protest gegen den NPD-Bayerntag 2011 \u00a9 R\u00fcdiger L\u00f6ster<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Mit einem <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts-bayern.de\/2012\/06\/oberprex-geht-uns-alle-an\/\">Kommentar auf &#8222;Endstation Rechts. Bayern&#8220;<\/a>\u00a0wollte Tina Krause auf die Situation in Oberprex aufmerksam machen und die B\u00fcrger zu mehr Zivilcourage gegen Neonazis ermutigen. Kurz darauf fand sie ihr Foto mitsamt eines diffamierenden Textes auf der Homepage des neonazistischen &#8222;Freien Netz S\u00fcds&#8220; wieder. Doch einsch\u00fcchtern lassen wird Krause sich davon nicht, ihr Engagement geht weiter.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Im Fokus des &#8222;Freien Netz S\u00fcds&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Tina Krause aus Bayreuth ist in Oberfranken vielf\u00e4ltig gegen Neonazis engagiert. Neben ihrem Amt als stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bayreuth wirkt sie n\u00e4mlich auch im &#8222;B\u00fcndnis KUnterBunT \u2013 Bayreuth\/Kulmbach&#8220; als Sprecherin mit und schreibt f\u00fcr &#8222;Endstation Rechts. Bayern&#8220;, einen Informationsdienst der Bayern-SPD zur Neonazi-Szene im Freistaat. Krause leistet Zivilcourage, sieht nicht weg, beleuchtet die Machenschaften der Neonazis und versucht, auf die Problematik aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Vor kurzem schrieb sie deshalb einen Kommentar f\u00fcr &#8222;Endstation Rechts. Bayern&#8220; zur Situation in Oberprex; einem kleinen Ort, der zur Gemeinde Regnitzlosau und zum Landkreis Hof geh\u00f6rt. Dort haben Neonazis bereits vor einiger Zeit den ehemaligen Gasthof &#8222;Zum Egerl\u00e4nder&#8220; erworben und nutzen ihn seither nahezu ungest\u00f6rt f\u00fcr ihre Zwecke. Erst k\u00fcrzlich feierten sie in dem kleinen Ort beispielsweise das <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2012\/06\/12\/oberprex-bleibt-fest-in-rechter-hand_8793\">Neonazi-Festival &#8222;Tag der Freundschaft&#8220; mit Beteiligung aus Tschechien und Deutschland<\/a>. Eine besondere Problematik, die sich in dem Ort ergibt, ist, dass die Neonazis in Oberprex bisweilen auf keinerlei Widerstand sto\u00dfen und teilweise sogar als nette Nachbarn gesehen werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Krause ist das nicht hinnehmbar, weswegen sie in ihrem Kommentar sehr eindeutig forderte: &#8222;Oberprex geht uns alle an!&#8220; und die B\u00fcrgerInnen dazu anh\u00e4lt, Widerstand gegen die Nazis zu leisten. Doch es dauerte nicht besonders lange, bis insbesondere die Neonazi-Szene auf den couragierten Text aufmerksam wurde. Vier Tage nachdem Krauses Text erschienen ist, schlug das &#8222;Freie Netz S\u00fcd&#8220; zur\u00fcck. In dem Text sprachen die Nazis dann von einer &#8222;Wirren SPD-Hetzschrift gegen die Oberprexer Bev\u00f6lkerung&#8220;, unterstellten Krause ein &#8222;psychotisches Schreiben&#8220; vorgelegt zu haben und illustrieren den Artikel mit einem Foto von ihr, dass sie bei der Gegenveranstaltung zu einem Neonazi-Aufmarsch in Bayreuth zeigt. Einen Tag sp\u00e4ter ging es weiter, der n\u00e4chste Nazi-Text erschien: Die &#8222;Aktionsgruppe Bayreuth&#8220;, die wohl dem &#8222;Freien Netz S\u00fcd&#8220; zugeh\u00f6rig sein d\u00fcrfte, publizierte einen Text unter der \u00dcberschrift \u00bbKrause ganz freiheitlich\u00ab, indem sie unter anderem von einem &#8222;meinungsfeindliches Schriftwerk&#8220; und &#8222;meinungsunterdr\u00fcckenden Aktionen von Krause und Konsorten&#8220; schreiben. Ein Foto ver\u00f6ffentlichte die &#8222;Aktionsgruppe Bayreuth&#8220; indes nicht.<\/p>\n<p>Abermals wiederholte sich das ganze, als Krause <a href=\"http:\/\/www.endstation-rechts-bayern.de\/2012\/06\/oberprex-\u2013-national-befreite-zone\/\">f\u00fcr &#8222;Endstation Rechts. Bayern&#8220; \u00fcber den neonazistischen &#8222;3. Tag der Freundschaft&#8220; in Oberprex berichtete<\/a>. Aufgrund dessen tauchte ihr Name wieder auf einer Nazi-Homepage auf. Zur Illustration des Textes wurde diesmal aber nur ein Foto verwendet, auf dem mehrere Personen abgebildet sind. In dem Artikel wird sie unter anderem als &#8222;sattsam bekannte Tina Krause&#8220; bezeichnet und von ihr als &#8222;\u00fcberdr\u00fcssige linke Anti-Rechts-Aktivistin&#8220; gesprochen.<\/p>\n<p><strong>Einsch\u00fcchterungstaktik hat keinen Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>Tina Krause selbst, die ihren Namen bereits mehrfach auf Nazi-Homepages fand, spricht zwar von einem &#8222;massiven Angriff&#8220; seitens der Neonazis, zeigt sich davon allerdings sichtlich unbeeindruckt: &#8222;Meine erste Reaktion war dieses Mal eher am\u00fcsiert, weil der Text der Nazis wirklich eine unfreiwillige Komik enthielt und schlecht recherchiert und geschrieben war.&#8220; Die sehr heftige Reaktion des &#8222;Freien Netz S\u00fcds&#8220; deutet Krause hingegen als Zeichen der &#8222;Angst&#8220;, da sich die Nazis in Oberprex zwecks des &#8222;fehlenden Widerstands&#8220; bislang &#8222;ziemlich sicher f\u00fchlen&#8220; k\u00f6nnen. &#8222;Ihre gr\u00f6\u00dfte Angst scheint zu sein, dass sich an dem momentanen Zustand etwas \u00e4ndert&#8220;, erkl\u00e4rt Krause.<\/p>\n<p>Ge\u00e4rgert h\u00e4tte sich sich jedoch dar\u00fcber, dass ein Bild von ihr ver\u00f6ffentlicht wurde: &#8222;Die Vorstellung, dass man dann von vielen Nazis angeschaut wird, die sich mein Foto einpr\u00e4gen, ist nat\u00fcrlich alles andere als sch\u00f6n. Vor allem wenn man wei\u00df, was anderen AntifaschistInnen schon im Nachhinein passiert ist. Dieses Gef\u00fchl ist nicht unbedingt angenehm&#8220;, f\u00fchrt Krause aus. Einsch\u00fcchtern lassen wird sie sich davon aber dennoch nicht, zumal sie gewisserma\u00dfen schon Erfahrung damit hat. Denn bereits zuvor wurde sie zweimal auf Nazi-Websites thematisiert, einmal sogar mit Foto. Allerdings verschwand das Bild damals sehr schnell wieder, da die Rechte bei einem Redakteur der Lokalzeitung lagen. Als das erste Mal ein Foto von ihr erschienen ist, w\u00e4re Krause &#8222;sehr verunsichert&#8220; gewesen, heute aber nicht mehr: &#8222;Ich wei\u00df mittlerweile um die perfiden Methoden der Nazis, das Internet als Drohplattform f\u00fcr AntifaschistInnen zu verwenden und habe gelernt, damit verantwortungsbewusst umzugehen&#8220;, sagt sie.<\/p>\n<p>Ihre Freunde und Bekannten h\u00e4tten Krause sehr unterst\u00fctzt, wie sie erz\u00e4hlt. So habe sie viel &#8222;positives und aufbauendes Feedback&#8220; bekommen, einige h\u00e4tten sie gefragt, wie es ihr gehe oder ob man ihr helfen k\u00f6nne. Andererseits wurden innerhalb des &#8222;engen Familien- und Freundeskreises&#8220; nat\u00fcrlich auch &#8222;Sorgen und Bedenken&#8220; zur Sprache gebracht. Krause spielt das nicht herunter; im Gegenteil, sie nimmt sich dessen an, spricht dar\u00fcber und will &#8222;\u00d6ffentlichkeit erzeugen&#8220;, denn das diene als Schutz. Besonders wichtig ist es auch, damit nicht &#8222;alleine dazustehen&#8220; und andere dar\u00fcber in Kenntnis zu setzen. &#8222;Ein Netzwerk ist f\u00fcr antifaschistische Arbeit von hoher Bedeutung!&#8220;, legt Krause dar.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Anti-Antifa-Arbeit&#8220; ist ein gro\u00dfes Problem<\/strong><\/p>\n<p>Doch alleine ist Tina Krause mit ihrem Problem keineswegs. Das, was die Szene &#8222;Anti-Antifa-Arbeit&#8220; nennt, ist f\u00fcr viele Nazi-Gegner n\u00e4mlich eine sehr ernstzunehmende Problematik. Unz\u00e4hlige couragierte B\u00fcrger k\u00f6nnen \u00e4hnliche Geschichten erz\u00e4hlen, viele fanden ihr Gesicht und\/oder ihren Namen bereits ebenfalls auf Nazi-Homepages. Oftmals reicht es aus, sich schlicht gegen Neonazis zu engagieren, um in den Fokus selbiger zu geraten. Die Szene professionalisiert ihre Arbeit, baut diese aus und will ihr Gegner systematisch einsch\u00fcchtern.<\/p>\n<p>Nicht selten mit Erfolg. Tina Krause aber warnt und r\u00e4t, sich davon nicht einsch\u00fcchtern zu lassen: &#8222;Und ich rate jeder und jedem, der Angst hat, mutig zu sein und sich einmal daran zu erinnern, was jedeR Einzelne von uns unserer Demokratie zu verdanken hat. Und wie unglaublich wichtig es ist, sich daf\u00fcr einzusetzen, dass das so bleibt. Und dazu brauchen wir jedeN, und wir brauchen keine Angst zu haben vor Neonazis, wenn wir nur genug sind, die sich engagieren. \u00d6ffentlichkeit und Masse, das sch\u00fctzt auch vor Angst. Und wir alle wissen dann, dass wir nicht alleine k\u00e4mpfen!&#8220;<\/p>\n<p>Problematisch ist in Bayern vor allem, wie viel Freiraum die Anti-Antifa-Fotografen der Neonazis bekommen. Zumeist k\u00f6nnen sie ungest\u00f6rt, oftmals weit au\u00dferhalb der Polizeikette herumlaufen und GegendemonstrantInnen und JournalistenInnen ablichten. Beispiele hierf\u00fcr geben ein Neonazi-Aufmarsch am 31.03 in Schwandorf oder der gro\u00dfangelegte Aufmarsch zum 1. Mai 2012 in Hof, wo die Neonazis teilweise hunderte Meter au\u00dferhalb ihres Zuges laufen und \u2013 stellenweise unbeobachtet von der Polizei \u2013 GegendemonstrantInnen und JournalistInnen ablichten konnten. Und auch Tina Krause hat damit schon ihre Erfahrungen gemacht. &#8222;Das Foto von mir entstand am 31.3.2012 in Bayreuth, als Nazis des &#8218;Freien Netz S\u00fcd&#8216; bei uns eine Kundgebung durchf\u00fchrten. Die Polizei lie\u00df den namentlich bekannten Neonazi bis auf knapp einen Meter an uns heran und so konnten wir nicht verhindern, dass der vorbestrafte Anti-Antifa-Fotograf uns exzessiv ablichtete&#8220;, schildert sie die Entstehung des Fotos, mit dem man sp\u00e4ter den Artikel \u00fcber sie illustrierte.<\/p>\n<p>Das Ziel, das sich hinter der &#8222;Anti-Antifa-Arbeit&#8220; der Szene verbirgt, ist f\u00fcr Krause hingegen eindeutig. &#8222;Die Strategie, unliebsame AntifaschistInnen im Internet an den Pranger zu stellen, mit Namen und zum Teil sogar Adressen, ist ein Versuch, unseren Widerstand gegen Nazis zu schw\u00e4chen und Angst zu erzeugen.&#8220; Die Gefahren sind ihr allerdings durchaus auch bewusst, insbesondere die Nutzung von Anti-Antifa-Daten f\u00fcr die Planung von Straftaten sei &#8222;gef\u00e4hrlich&#8220;, warnt sie. &#8222;Deswegen ist es wichtig, dass man, wo immer m\u00f6glich, mit Anzeigen gegen diese Art der Bedrohung und Einsch\u00fcchterung vorgeht.&#8220; Deshalb war auch Krause bei der Polizei und hat den Vorgang gemeldet, da sie aber eine Person des \u00f6ffentlichen Lebens ist, hat sie wohl keine gro\u00dfen Chancen, dagegen vorzugehen. Darum gehe es vorrangig aber gar nicht, eher ein anderer Effekt ist ihr hierbei besonders wichtig: Die Dokumentation der Vorf\u00e4lle, um f\u00fcr den Fall der F\u00e4lle &#8222;abgesichert&#8220; zu sein. &#8222;Dann kann hinterher auch niemand sagen, dass man die Bedrohungssituation nicht gewusst habe.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Wie geht es f\u00fcr Tina Krause weiter?<\/strong><\/p>\n<p>Einen Einschnitt stellt diese Anprangerung f\u00fcr Krause nicht da, es wird so weiter gehen, wie zuvor \u2013 vermutlich sogar noch intensiver. &#8222;Ich mache da weiter und versuche die Menschen in meinem Umfeld aufzukl\u00e4ren und zu sensibilisieren. Ich m\u00f6chte auch, dass die Menschen genau hinschauen, mit welchen Methoden Nazis versuchen, uns einzusch\u00fcchtern und uns Angst zu machen. Das mobilisiert Menschen, uns zu unterst\u00fctzen und sich zu engagieren.&#8220; Die Angst, mit der die Neonazi-Szene auf ihren Kommentar reagiert hat, best\u00e4rkt sie dabei. Das mache deutlich, wie viel Angst die Nazis haben, so Krause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Kommentar auf &#8222;Endstation Rechts. Bayern&#8220;\u00a0wollte Tina Krause auf die Situation in Oberprex aufmerksam machen und die B\u00fcrger zu mehr Zivilcourage gegen Neonazis ermutigen. Kurz darauf fand sie ihr Foto mitsamt eines diffamierenden Textes auf der Homepage des neonazistischen &#8222;Freien Netz S\u00fcds&#8220; wieder. 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