{"id":9817,"date":"2012-09-10T22:16:30","date_gmt":"2012-09-10T20:16:30","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/?p=9817"},"modified":"2012-09-10T22:21:03","modified_gmt":"2012-09-10T20:21:03","slug":"schwarzach-ein-dorf-wehrt-sich-gegen-nazis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/2012\/09\/10\/schwarzach-ein-dorf-wehrt-sich-gegen-nazis_9817","title":{"rendered":"Schwarzach: Ein Dorf wehrt sich gegen Nazis"},"content":{"rendered":"<p><figure id=\"attachment_9806\" aria-describedby=\"caption-attachment-9806\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/ProtestgegenFrankentag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9806 \" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/ProtestgegenFrankentag.jpg\" alt=\"\" width=\"540\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/ProtestgegenFrankentag.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/ProtestgegenFrankentag-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9806\" class=\"wp-caption-text\">Protest gegen den &quot;Nationalen Frankentag&quot; des Freien Netzes S\u00fcd \u00a9 Johannes Hartl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Mit einem bunten Fest protestierten die B\u00fcrger*innen Schwarzachs zusammen mit den Anwohner*innen der umliegenden Gemeinden und St\u00e4dte am Samstag, den 8. September, gegen den \u201eNationalen Frankentag\u201c des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c. W\u00e4hrend ein ganzer Ort f\u00fcr Demokratie, Toleranz und Vielfalt auf die Stra\u00dfe ging, feierten etwa 150 Neonazis nicht weit entfernt auf einer von ihnen gemieteten Wiese ihren Hass. <!--more--><\/p>\n<p>Bereits um kurz vor 12 Uhr war in Schwarzach in Franken die Aktionsbereitschaft der B\u00fcrger*innen deutlich zu sp\u00fcren. \u201eWir haben die Nazis satt \u2013 und wollen etwas gegen sie unternehmen\u201c, war die einhellige Meinung, die vom ganzen Dorf vertreten wurde. Noch ehe das Fest begonnen hatte, standen viele Anwohner*innen Schwarzachs im Zentrum des Ortes beisammen, diskutierten, besprachen letzte Details und bereiten sich auf das Anti-Nazi-Festival vor, das mit einem breitgef\u00e4cherten Programm zu beeindrucken vermochte. Einige B\u00fcrger*innen besprachen, wie sie den Neonazisbegegnen k\u00f6nnen, um zu signalisieren, dass Rechtsextremist*innen in Schwarzach unerw\u00fcnscht sind. Sie kamen zu dem Entschluss, mit mehreren PKWs und einem Traktor zu einer Wiese zu fahren, an der die Nazis unmittelbar vorbei mussten, wenn sie zu ihrem Veranstaltungsgel\u00e4nde gelangen wollten. Auf dem Grundst\u00fcck, dass von einem couragierten B\u00fcrger f\u00fcr die Aktion zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, sollte dann ein Banner des B\u00fcndnisses \u201eKUnterBunT\u201c mit der Aufschrift \u201eNazis entgegentreten!\u201c entrollt werden.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Nazis entgegentreten!&#8220;<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9819\" aria-describedby=\"caption-attachment-9819\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9819\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0001-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0001-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0001-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9819\" class=\"wp-caption-text\">Nazis entgegentreten! \u00a9 alle: Johannes Hartl<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Gesagt, getan: Mit mehreren Fahrzeugen machten sich einige B\u00fcrger*innen auf den Weg, w\u00e4hrend die meisten Schwarzacher*innen im Ortszentrum blieben. Eine Trennung zwischen dem bunten Fest und der Protestaktion auf der Wegstrecke der Nazis sollte damit gew\u00e4hrleistet werden. Kurz nachdem die B\u00fcrger*innen an der Polizei vorbei war, wurden die Fahrzeuge auf der Wiese geparkt und das Banner an einem VW-Bus gut sichtbar f\u00fcr die vorbeifahrenden Neonazis angebracht. Doch es dauerte nicht lange, bis die anwesenden Beamt*innen auf die Protestaktion aufmerksam wurden. Zun\u00e4chst schien sich kein Problem zu ergeben, lediglich ein*e Versammlungsleiter*in sollte bestimmt werden. Obwohl diese schnell gefunden war, bahnte sich bald \u00c4rger an. Der Einsatzleiter der Polizei war der Meinung, dass es sich bei der Protestaktion nicht mehr nur um eine Ordnungswidrigkeit handle, sondern wom\u00f6glich schon eine Straftat in Betracht kommen k\u00f6nnte. Erst auf Wunsch der Versammlungsleiterin durften Zeugen dem Gespr\u00e4ch mit der Polizei beiwohnen. Nach l\u00e4ngerer Diskussion kamen B\u00fcrger*innen und Polizei schlie\u00dflich zu dem Entschluss, dass ein Gro\u00dfteil der Gruppe in den Ort zur\u00fcckfahren muss. In den Augen der Polizei waren es zu viele Protestierende, weil die Aktion nicht angemeldet war. Ein Teil durfte jedoch vor Ort bleiben und das Banner zwischen zwei Traktoren h\u00e4ngen, sodass die Rechtsextremist*innen immer noch daran vorbei mussten.<\/p>\n<p><strong>Und Nazis kontrollieren<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9812\" aria-describedby=\"caption-attachment-9812\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0044.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9812\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0044-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0044-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0044-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9812\" class=\"wp-caption-text\">Akribisch kontrolliert die Polizei die anreisenden Neonazis<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Zwischenzeitlich hatten die anderen Beamt*innen etwas weiter entfernt die ankommenden Neonazis in einer eingerichteten Kontrollstelle angehalten. Akribisch wurde einer nach dem anderen aus dem PKW gebeten und gr\u00fcndlich kontrolliert. Bei einer sp\u00e4teren Pressekonferenz gab der Polizeisprecher an, dass bei einem Nazi ein Messer entdeckt worden sei, das er aufgrund der L\u00e4nge der Klinge nicht h\u00e4tte besitzen d\u00fcrfen. Unmittelbare Konsequenzen hatte das f\u00fcr den betroffenen Rechtsextremisten aber nicht: Nach Abnahme des Messers durfte er ohne Weiteres an der Veranstaltung teilnehmen.<\/p>\n<p><strong>Die B\u00fcrger*innen feierten &#8211; mit politischer Botschaft<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9814\" aria-describedby=\"caption-attachment-9814\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0330.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9814\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0330-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0330-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0330-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9814\" class=\"wp-caption-text\">Friedlich gegen Nazis: Schwarzacher*innen<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Unterdessen war der Rest der Gruppe wieder zur\u00fcck ins Dorf gefahren, wo das bunte Fest unl\u00e4ngst begonnen hatte. Neben St\u00e4nden vom DGB \u00fcber die SPD bis hin zu Amnesty International sorgten im Ort Spielangebote f\u00fcr Kinder und ein sogenannter \u201eHuman soccer\u201c f\u00fcr die Unterhaltung der B\u00fcrger*innen, die Gesicht gegen die rechtsextremen Umtriebe zeigten. Vor einer \u00f6rtlichen Metzgerei, die zugleich als Gasthof diente, waren jede Menge B\u00e4nke und eine eigene B\u00fchne aufgebaut worden, auf der sp\u00e4ter S\u00e4nger*innen auftraten und ein interkonfessioneller Gottesdienst abgehalten wurde. Doch nicht nur die Informationsst\u00e4nde sorgten f\u00fcr einen politischen Charakter des Festes, sondern auch die ganzen Banner, die \u00fcberall im Ort angebracht wurden. \u201eSchwarzach ist bunt!\u201c, hie\u00df es da zum Beispiel oder \u201eNur wenn wir wegsehen, haben sie eine Chance \u2013 Deshalb demonstrieren wir gegen rechts!\u201c, aber auch \u201eDie Welt ist bunt \u2013 Gott sei Dank\u201c und \u201eSchwarzach Nazi-Frei \u2013 Wir stellen uns quer! \u2013 Alle Leute informieren \u2013 dann Nazis blockieren!\u201c war darauf zu lesen.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9824\" aria-describedby=\"caption-attachment-9824\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0244.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9824\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0244-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0244-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0244-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9824\" class=\"wp-caption-text\">Das ganze Dorf wehrt sich gegen Nazis<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>War es zur Mittagszeit noch relativ ruhig in dem Ort, str\u00f6mten die Teilnehmer*innen nach und nach in immer gr\u00f6\u00dferer Vielzahl in das Dorf. Nicht nur B\u00fcrger*innen aus Schwarzach waren gekommen, sondern auch viele Leute aus den umliegenden Gemeinden und St\u00e4dten, die zeigen wollten, dass Neonazis hier unerw\u00fcnscht sind. Im Laufe des Tages schlenderten die Leute dann durch den Ort, a\u00dfen etwas, lauschten den Musiker*innen und besuchten die Infost\u00e4nde. Dabei stie\u00dfen fast ausnahmslos alle auf gro\u00dfes Interesse \u2013 lediglich die \u201eBayerische Informationsstelle gegen Extremismus\u201c (BIGE) stand zumeist einsam und verlassen in der Gegend herum. Denn w\u00e4hrend sich ganz Schwarzach eindeutig gegen Neonazis positionierte, zog es die BIGE vor, einen Infostand mit der Aufschrift \u201eBayern gegen Extremismus\u201c aufzubauen, wodurch wieder einmal \u2013 getreu der Politik der Bayerischen Staatsregierung \u2013 Links- und Rechtsextremismus gleichgesetzt wurden. Wozu diese Gleichsetzung, die nicht mehr als eine gef\u00e4hrliche Verharmlosung des Rechtsextremismus darstellt, \u00fcber Jahre gef\u00fchrt hat, m\u00fcsste mittlerweile hinl\u00e4nglich bekannt sein. Zumindest die Schwarzacher*innen wussten das aber offenbar \u2013 und reagierten auf den Infostand mit Missachtung.<\/p>\n<p><strong>Die Nazi-Anreise war \u00fcberraschend schwierig&#8230;<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9826\" aria-describedby=\"caption-attachment-9826\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0077.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9826\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0077-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0077-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0077-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9826\" class=\"wp-caption-text\">Ausgebremst: Nazis auf dem Weg zu ihrem Gel\u00e4nde<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Bei den Nazis war es dagegen noch weitestgehend ruhig. Ein Teil der Rechtsextremist*innen hatte sich in dem abgez\u00e4unten und mit Sichtschutz abgedeckten Gel\u00e4nde verschanzt, andere Nazis kamen hingegen gerade erst mit den PKWs an. Im Rahmen der Anreise kam es dann spontan zu einer ungew\u00f6hnlichen, aber kreativen Protestaktion. Die beiden Traktoren, die bis vor kurzem noch mit dem Banner am Zufahrtsweg der Nazis standen, hatten sich n\u00e4mlich auf den Weg gemacht \u2013 und dabei einen anreisenden Nazi-PKW abgebremst und gezwungen, einen \u00fcber 2 Kilometer langen Weg im Schritttempo entlangzufahren. Vorneweg fuhren die beiden Traktoren, direkt dahinter der Nazi-Wagen, der wiederum von einigen Polizeiwagen eskortiert wurde. An einer Abzweigung hofften die sichtlich frustrierten Nazis dann schlie\u00dflich auf Erl\u00f6sung, doch weit gefehlt: Der Traktor bog auch in diesen Weg ein, was die Rechtsextremist*innen zwischenzeitlich veranlasste, eine andere Strecke zu nehmen, in der Hoffnung, dem Traktor entgehen zu k\u00f6nnen. Aber auch daraus wurde nichts, denn der von den Nazis gew\u00e4hlte Weg erwies sich als falsch, weswegen sie zum umkehren gezwungen waren. Die B\u00fcrger*innen in dem Traktor, die dar\u00fcber informiert wurden, hatten in der Zwischenzeit die Polizeifahrzeuge vorbeigelassen und am Stra\u00dfenrand Stellung bezogen. Kurz bevor die Nazis am Traktor vorbei waren, bog dieser aber wieder auf die Stra\u00dfe ein \u2013 und bremste die Nazis somit abermals aus. Den Rechtsextremist*innen blieb also nichts anders \u00fcbrig, als weiterhin im Schritttempo zu ihrem Veranstaltungsort zu fahren. Dass dies sichtlich f\u00fcr Frust gesorgt hatte, war aus weiter Ferne f\u00fcr alle gut erkennbar gewesen.<\/p>\n<p><strong>Presse &#8211; nicht erw\u00fcnscht<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9809\" aria-describedby=\"caption-attachment-9809\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0131.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9809\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0131-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0131-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0131-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9809\" class=\"wp-caption-text\">Der Veranstaltungsort der Neonazis<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz war die Dokumentation des neonazistischen \u201eNationalen Frankentags\u201c wie auch schon in den Vorjahren f\u00fcr anwesende Journalist*innen schwierig gewesen. Nur in Begleitung des Polizeipressesprechers war es \u00fcberhaupt m\u00f6glich, einigerma\u00dfen gefahrlos an das Gel\u00e4nde heranzukommen, ansonsten w\u00e4re das Risiko deutlich zu hoch gewesen. Dabei w\u00e4re eine l\u00fcckenlose Dokumentation wichtig, kam es doch erst beim letzten \u201eFrankentag\u201c zu einer strafbaren Rede, f\u00fcr die Martin Wiese sp\u00e4ter vor Gericht verurteilt wurde. Auch Matthias Fischer (einer der F\u00fchrungskader des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c) soll bereits wegen einer Rede auf einem \u201eFrankentag\u201c verurteilt worden sein, wie ein Fachjournalist erz\u00e4hlte. Dokumentiert wurde die strafbare Rede von Martin Wiese im letzten Jahr n\u00e4mlich nicht von der Polizei, sondern von einem Journalisten. Ohnehin ist fraglich, inwieweit die Beamt*innen die Nazi-Veranstaltungen dokumentiert haben, hielten sie sich doch etwas weiter vom Gel\u00e4nde entfernt auf.<\/p>\n<p>Rund um das Gel\u00e4nde hatten die Rechtsextremist*innen Stellung bezogen, einige fotografierten zudem Pressevertreter*innen ab. Auch als die Journalist*innen mit Pressesprecher an das Gel\u00e4nde herangetreten waren, herrschte gro\u00dfe Aufregung: sofort schafften die Nazis ein Banner herbei, um ihren Eingang zu verdecken, andere reihten sich auf und versuchten mit ihren K\u00f6rpern die Sicht zu versperren \u2013 und die bekannten Anti-Antifa-Fotografen wollten durch Fotografieren einzusch\u00fcchtern. Einem Team des Bayerischen Rundfunks wurde der Zugang ferner verwehrt, obwohl es eigentlich eine \u201eVeranstaltung unter freiem Himmel\u201c war. Von der Polizei darauf aufmerksam gemacht, soll der Veranstaltungsleiter nur geantwortet haben, dass ihm dies \u201eegal\u201c sei. Rings um das Gel\u00e4nde wurden bekannte Banner des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c, beziehungsweise den untergeordneten Kameradschaften befestigt, Gaufeldabzeichen der Hitlerjugend und Fahne des \u201eDeutschen Reichs\u201c wehte au\u00dferdem im Wind.<\/p>\n<p>Zur Verf\u00fcgung gestellt wurde die Wiese dem neonazistischen \u201eBund Frankenland\u201c unter Vorsitz von Uwe Meenen von einem ortsans\u00e4ssigen B\u00fcrger, der bereits der NPD seinen Grund zweimal vermietet hatte. Obwohl dies im Dorf viel Unmut erregt, ist mit dem Besitzer nicht zu reden. Eher im Gegenteil. Als er zum Gel\u00e4nde der Nazis fuhr und von einem Team des Bayerischen Rundfunks bei einer Polizeikontrolle gefilmt wurde, vermittelte er einen Eindruck von seiner Einstellung. So br\u00fcllte er lauthals, dass eigentlich die Medien an allem Schuld seien, die dies \u201enur aufbauschen\u201c w\u00fcrden. Ohnehin wolle er \u00fcberhaupt nicht gefilmt werden, was er mehrfach lautstark zum Ausdruck brachte. Der passende Kommentar eines Polizeibeamten lautete hierzu: \u201eH\u00e4tten sie ihre Wiese nicht zur Verf\u00fcgung gestellt, h\u00e4tten sie dieses Problem jetzt nicht!\u201c<\/p>\n<p><strong>Bei den Nazis: Teilnehmer*innen-Schwund<\/strong><\/p>\n<p>Bei den Neonazis des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c zeichnete sich aber in diesem Jahr ein deutlicher Schwund an Teilnehmer*innen ab. Waren es in den Jahren zuvor zwischen 400 \u2013 500 Besucher*innen, fanden dieses Jahr nur noch 150 Nazis ihren Weg zum \u201eNationalen Frankentag\u201c. Angemeldet waren laut Polizeiangaben in diesem Jahr 200 Personen. Daf\u00fcr kamen die Nazis sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland. Neben Rechtsextremist*innen aus Bayern, Sachsen und vielen anderen Bundesl\u00e4ndern waren auch welche aus der Schweiz und aus Tschechien angereist. Dar\u00fcber hinaus pr\u00e4sentierte das \u201eFreie Netz S\u00fcd\u201c seinen Anh\u00e4nger*inneen neben zwei rechten Bands aus Deutschland eine Band aus Ungarn. Als Redner angek\u00fcndigt waren unter anderem einschl\u00e4gig bekannte Rechtsextremisten wie Dieter Riefling, Sebastian Schmaus (Stadtrat der rassistischen \u201eB\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\u201c, die eine Tarnorganisation der NPD ist) und der f\u00fchrende FNS-Kader Matthias Fischer sowie ein \u201efreier Nationalist aus Dortmund\u201c.<\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9810\" aria-describedby=\"caption-attachment-9810\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0394.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-9810\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0394-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0394-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.zeit.de\/stoerungsmelder\/files\/2012\/09\/DSC_0394-1024x680.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-9810\" class=\"wp-caption-text\">Menschenkette gegen Neonazis<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>W\u00e4hrend es bei den Nazis weiter ruhig war (die ersten Bands sollten laut Polizei um 18 Uhr spielen), herrschte im Dorf bereits ausgelassene Stimmung. S\u00e4nger*innen traten auf, spielten Lieder und betonten immer wieder, warum sie hier sind, Leute sa\u00dfen gesellig beisammen und die Kinder besch\u00e4ftigten sich mit dem bunten Programm, das f\u00fcr jede Menge Unterhaltung sorgte. Insgesamt waren \u00fcber 600 Personen gekommen, um ein Zeichen zu setzen. Anschlie\u00dfend fand ein interkonfessioneller Gottesdienst mit Vertretern der katholischen und evangelischen Kirche und eines islamischen Geistlichen statt, der mit einem eindrucksvollen Zeichen endete. Alle B\u00fcrger*innen standen auf, fassten sich an die H\u00e4nde, bildeten einen Kreis und sangen gemeinsam. Darauf folgte schlie\u00dflich noch eine Kundgebung, ehe sich weiter dem Festprogramm gewidmet wurde. Die Botschaft, die an diesem Tag ausgesendet wurde, war eindeutig: \u201eNazis haben hier nichts verloren \u2013 und wir setzen uns zur Wehr, wenn sie kommen!\u201c<\/p>\n<p><em>Erstver\u00f6ffentlichung bei <a href=\"http:\/\/www.netz-gegen-nazis.de\/artikel\/schwarzach-mit-kreativen-traktoren-gegen-den-frankentag-7979\">Netz gegen Nazis<\/a>\u00a0am 10. September.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem bunten Fest protestierten die B\u00fcrger*innen Schwarzachs zusammen mit den Anwohner*innen der umliegenden Gemeinden und St\u00e4dte am Samstag, den 8. September, gegen den \u201eNationalen Frankentag\u201c des \u201eFreien Netzes S\u00fcd\u201c. 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