{"id":1102,"date":"2015-05-03T22:56:39","date_gmt":"2015-05-03T20:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/?p=1102"},"modified":"2015-05-05T12:40:50","modified_gmt":"2015-05-05T10:40:50","slug":"briefe-an-einen-10-jaehrigen-autisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/2015\/05\/03\/briefe-an-einen-10-jaehrigen-autisten\/","title":{"rendered":"Briefe an einen zehnj\u00e4hrigen Autisten"},"content":{"rendered":"<p>Ein zehnj\u00e4hriger Junge findet seinen Autismus peinlich und sieht sich selbst als defekt an. &#8222;Wie kann man dem Jungen nur helfen?&#8220;, fragte jemand auf Twitter. Zwei Frauen, die selbst Autistinnen sind, sahen die Frage und hatten spontan eine Idee: Sie wollten dem Jungen Briefe schreiben und erz\u00e4hlen, wie sie selbst mit Autismus umgehen und damit zu leben gelernt haben. Sie rufen andere Autisten dazu auf, dem Jungen einen Brief zu schreiben, <a href=\"http:\/\/briefeaneinenautisten.tumblr.com\/\">den sie auf Tumblr ver\u00f6ffentlichen. <\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sie wollen nicht nur diesem Jungen helfen, sondern vielen anderen Kindern, die in einer \u00e4hnlichen Situation sind und sich fragen, wie sie mit ihrer Behinderung umgehen sollen. Die Idee dahinter: Alle Autisten waren mal zehn Jahre alt und das Aufwachsen war f\u00fcr die meisten alles andere als leicht.\u00a0 Sie k\u00f6nnten den Kindern vielleicht helfen, Autismus als Teil von sich anzunehmen und herauszufinden, wie gro\u00dfartig es auch sein kann, anders zu sein.<\/p>\n<h3>Fast 40 Briefe<\/h3>\n<p>Die Resonanz ist enorm. Viele Erwachsene folgten dem Aufruf, dem Jungen einen Brief zu schreiben. Unterdessen sind fast 40 Briefe eingegangen. Die Briefeschreiber kommen aus verschiedenen Zusammenh\u00e4ngen, einige sind selber noch recht jung. Andere schauen auf Jahrzehnte eines Lebens mit Autismus zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Viele Briefeschreiber waren im Alter des Jungen noch gar nicht diagnostiziert. Sie wussten nicht, dass es Autismus gibt und dass sie davon betroffen sind. Viele galten einfach als eigensinnig oder einfach komisch.<\/p>\n<p><em>&#8222;Als ich in deinem Alter war, fand ich alles doof, zumal ich damals auch noch nichts wusste von meiner Diagnose und \u00fcberhaupt nicht verstehen konnte, warum alles so ist wie es ist. H\u00f6rt sich jetzt sicher etwas kompliziert an, aber damals glaubte ich, an mir sei einfach alles verkehrt und ich war st\u00e4ndig auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich probierte so viel aus und scheiterte genau so oft.&#8220;<\/em>, hei\u00dft es in einem der Briefe. Viele Briefeschreiber berichten von \u00e4hnlichen Erfahrungen, manche waren Mobbing ausgesetzt und galten als Au\u00dfenseiter.<\/p>\n<h3>Es ist okay, anders zu sein<\/h3>\n<p>Dennoch haben die meisten Briefe eine sehr positive Grundstimmung. Sie erz\u00e4hlen davon, dass es ist okay ist, anders zu sein und Autismus ist gar nicht so doof, wie der Junge derzeit glauben mag. So schreibt jemand:<\/p>\n<p><em>&#8222;Als Kind weinte ich sehr viel und w\u00fcnschte mir, ich w\u00fcrde einfach von dieser Welt verschwinden. Doch es ist gut so, dass das nicht passiert ist und dass ich erwachsen geworden bin. Denn ich habe nun ein sehr sch\u00f6nes Leben. Ich habe einen Beruf, den ich sehr mag und tolle Freunde, die meine &#8218;autistischen Superkr\u00e4fte&#8216; gut finden. Wir Autisten k\u00f6nnen n\u00e4mlich manches viel besser als normale Menschen. Ich zum Beispiel wei\u00df sehr viel \u00fcber Literatur und \u00fcber Filme. Und ich kann gut Texte und B\u00fccher schreiben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und dass sich die Gesellschaft insgesamt ver\u00e4ndert, was den Umgang mit Autismus angeht, auch das kann man aus den Briefen lesen:<\/p>\n<p><em>&#8222;Immer mehr Menschen interessieren sich f\u00fcr uns Autisten und f\u00fcr die Talente und Superkr\u00e4fte, die wir haben. Sie finden uns spannend und wollen wissen, wie wir das alles machen und schaffen.&#8220; <\/em><\/p>\n<p>Noch hat der Junge die Briefe nicht gelesen. Er will sich damit Zeit lassen. Fast 40 Briefe von wildfremden Menschen zu erhalten, ist als Kind vielleicht zun\u00e4chst irritierend. Trotzdem ist die Botschaft der Briefe jetzt schon klar: Du bist nicht alleine. Wenn man als Kind eine Behinderung hat, hat man oft das Gef\u00fchl, man sei der einzige Mensch mit dieser Behinderung und alle anderen seien &#8222;normal&#8220;. Es kann sehr erhebend sein festzustellen, dass dem nicht so ist und dass andere gelernt haben, mit der gleichen Behinderung gut zu leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein zehnj\u00e4hriger Junge findet seinen Autismus peinlich und sieht sich selbst als defekt an. &#8222;Wie kann man dem Jungen nur helfen?&#8220;, fragte jemand auf Twitter. 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