{"id":1819,"date":"2015-12-15T09:00:01","date_gmt":"2015-12-15T08:00:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/?p=1819"},"modified":"2015-12-15T09:45:47","modified_gmt":"2015-12-15T08:45:47","slug":"polizeieinsatz-wegen-inklusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/2015\/12\/15\/polizeieinsatz-wegen-inklusion\/","title":{"rendered":"Polizeieinsatz wegen Inklusion"},"content":{"rendered":"<p>Wurden Rollstuhlfahrer in den 1990er Jahren noch angegafft, wenn sie durch eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone fuhren, hat sich die Gesellschaft unterdessen daran gew\u00f6hnt, dass nicht alle Menschen laufend durch die Innenst\u00e4dte flanieren. Das hat sicherlich damit zu tun, dass immer mehr Rollstuhlfahrer \u00fcberall pr\u00e4sent sind. Es gibt mehr elektrische Rollst\u00fchle, die auch Menschen mit wenig Armkraft Mobilit\u00e4t geben. Manuelle Rollst\u00fchle sind so leicht geworden, dass es Spa\u00df macht, sie zu nutzen und rauszugehen. Und nat\u00fcrlich tr\u00e4gt auch die zunehmende Barrierefreiheit dazu bei, dass sich mehr Rollstuhlfahrer alleine drau\u00dfen bewegen k\u00f6nnen.<!--more--><\/p>\n<h3>Polizei statt Selbstst\u00e4ndigkeit<\/h3>\n<p>Dass diese Normalit\u00e4t nicht alle behinderten Menschen so erleben, bemerkte ich, als mir die Mutter eines 19-J\u00e4hrigen halb schmunzelnd, halb genervt erz\u00e4hlte, ihr Sohn habe schon wieder einen Polizeieinsatz ausgel\u00f6st. Er war zum Einkaufszentrum gefahren. Ihr Sohn kann alle vier Gliedma\u00dfe aufgrund von einer Zerebralparese nur eingeschr\u00e4nkt steuern. Au\u00dferdem hat er eine starke Sprachbehinderung und eine leichte geistige Behinderung. Trotzdem wollen die Eltern ihm soweit wie m\u00f6glich alles tun lassen, was andere in seinem Alter auch machen: Bus fahren, auf der Stra\u00dfe sitzen, ins n\u00e4chste Einkaufszentrum fahren &#8211; und zwar alleine. Das Problem ist aber: Die Gesellschaft ist es nicht gewohnt, dass auch Menschen mit sogenannter geistiger Behinderung selbstst\u00e4ndig sind. Sie glauben oft, er habe sich verlaufen oder sogar, dass die Eltern ihn ausgesetzt haben und rufen die Polizei.<\/p>\n<p>Dabei kommt er mit seinem E-Rollstuhl gut klar, findet ohne Probleme wieder nach Hause und kann auch alleine Bus fahren. Aber das entspricht nicht dem Bild, was viele von Menschen mit geistiger Behinderung haben. Einige Menschen mit Lernschwierigkeiten sind aber durchaus in der Lage, alleine durch eine Stadt zu navigieren, zumindest wenn sie die Gegend kennen oder einkaufen gehen. Im Zweifelsfall fragen sie jemanden, wenn sie Hilfe brauchen. Doch das sind die Leute (noch) nicht gewohnt. Und rufen in ihrer Hilflosigkeit die Polizei.<\/p>\n<h3>Nicht einmal angesprochen<\/h3>\n<p>Oft fragen die Eltern die Polizisten und die Passanten, die die Polizei gerufen haben, ob sie denn \u00fcberhaupt mal versucht haben, mit ihm zu sprechen und ihn zu fragen, ob er Hilfe braucht. Die Antwort lautet meist &#8222;Nein&#8220;. Selbst vor dem Wohnhaus der Eltern riefen Passanten schon mal die Polizei, weil sie davon ausgegangen waren, man habe ihn ausgesetzt. Dabei sitzt er nur einfach gerne mit seinem E-Rollstuhl an der Stra\u00dfe. Und jedes Mal m\u00fcssen sich die Eltern anh\u00f6ren, wie verantwortungslos es sei, einen &#8222;so schwer Behinderten&#8220; alleine vor die T\u00fcr zu lassen. Dabei ist das, was die Eltern machen, gelebte Inklusion. Sie lassen ihn all das machen, was er kann.<\/p>\n<p>Das Problem sind nur die Menschen, die damit nicht umgehen k\u00f6nnen. Weil geistig behinderte Menschen in Einrichtungen, Werkst\u00e4tten, Heimen untergebracht sind und sie den direkten Umgang mit ihnen einfach nicht gewohnt sind. So wie eben fr\u00fcher allein das Fortbewegungsmittel Rollstuhl bei vielen Irritationen ausl\u00f6ste. Wenn es normal w\u00fcrde, dass behinderte Menschen all das, was sie auch alleine k\u00f6nnen, alleine machen, und nicht nur innerhalb der Einrichtungen, dann tritt vielleicht auch im Umgang mit geistig behinderten Menschen die Gelassenheit ein, die mit Rollstuhlfahrern ohne Sprachbehinderung oder geistiger Behinderung schon relativ verbreitet ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wurden Rollstuhlfahrer in den 1990er Jahren noch angegafft, wenn sie durch eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone fuhren, hat sich die Gesellschaft unterdessen daran gew\u00f6hnt, dass nicht alle Menschen laufend durch die Innenst\u00e4dte flanieren. 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