{"id":2013,"date":"2016-02-15T13:25:44","date_gmt":"2016-02-15T12:25:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/?p=2013"},"modified":"2016-02-15T14:25:40","modified_gmt":"2016-02-15T13:25:40","slug":"wegen-legasthenie-diskriminiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/stufenlos\/2016\/02\/15\/wegen-legasthenie-diskriminiert\/","title":{"rendered":"Wegen Legasthenie diskriminiert"},"content":{"rendered":"<p>Meseret Kumulchew ist Mitarbeiterin in einer Starbucks-Filiale in London und lernbehindert. Weil sie K\u00fchlschranktemperaturen nicht richtig abgelesen hatte, unterstellte ihr die Kaffeekette, sie wolle betr\u00fcgen. Sie war daf\u00fcr verantwortlich, zu einer bestimmten Uhrzeit Temperaturen der K\u00fchlschr\u00e4nke und des Wassers zu notieren und in eine Tabelle einzutragen.<\/p>\n<h3>Arbeitgeber wusste Bescheid<\/h3>\n<p>Doch Kumulchew lie\u00df sich das nicht gefallen und zog vor Gericht: Sie habe nicht wissentlich falsche Temperaturen in die Tabelle eingetragen. Sie habe <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Legasthenie\">Legasthenie<\/a>. Das habe ihr Arbeitgeber auch von Anfang an gewusst. Trotzdem sei niemand auf ihre Lernbehinderung eingegangen.<\/p>\n<p>In einem <a href=\"http:\/\/www.bbc.co.uk\/news\/uk-35521061\">Interview mit der BBC<\/a> sagte Kumulchew, sie sei eine visuelle Lernerin. Es gen\u00fcge nicht, ihr etwas in kleiner Schrift aufzuschreiben, sondern sie m\u00fcsse die Arbeitsschritte praktisch gezeigt bekommen. Legastheniker k\u00f6nnten sich\u00a0Arbeitsanweisungen oft auch nicht merken, wenn sie sie nur verbal \u00fcbermittelt bek\u00e4men. Ihr h\u00e4tte es geholfen, jemanden an ihrer Seite zu haben, der ihre Eintragungen kontrolliert, bis sie sicherer geworden w\u00e4re, sagte sie.<\/p>\n<h3>Keine Betr\u00fcgerin<\/h3>\n<p>Das Gericht gab der Starbucks-Mitarbeiterin recht. Diese hatte angegeben, der Umgang mit ihr und ihrer Behinderung h\u00e4tte sie fast in den Selbstmord getrieben. &#8222;Ich bin keine Betr\u00fcgerin&#8220;, sagte sie. Nur der Gedanke an ihre Kinder habe sie davon abgehalten, sich das Leben zu nehmen, nachdem ihr unterstellt wurde, die Eintragungen gef\u00e4lscht zu haben. Dabei habe sie einfach Probleme mit kleiner Schrift, mit Zahlen und mit Uhrzeiten.<\/p>\n<p>Starbucks wurde nun wegen Diskriminierung verurteilt. Wie die BBC berichtet, sah es das Gericht als erwiesen an, dass Starbucks vers\u00e4umt habe, angemessene Vorkehrungen zu treffen, um der Behinderung der Mitarbeiterin gerecht zu werden. Denn die sind nach dem\u00a0 britischem Antidiskriminierungsrecht, dem Equality Act 2010, vorgeschrieben.<\/p>\n<p>Zudem sei die Mitarbeiterin von ihrem Arbeitgeber ungerecht behandelt worden, da dieser offensichtlich wenig bis gar nichts \u00fcber Gleichstellung wusste, urteilte das Gericht. Das ist umso \u00fcberraschender, als es sich bei Starbucks um ein US-amerikanisches Unternehmen handelt. In den USA sind die meisten Firmen sehr sensibel, wenn es um Diskriminierungen am Arbeitsplatz geht. Denn dort drohen noch empfindlichere Schadenersatzzahlungen als in Gro\u00dfbritannien. \u00dcber die H\u00f6he des Schadenersatzes f\u00fcr Meseret Kumulchew wird das Gericht zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt entscheiden.<\/p>\n<p>Behindertenorganisationen begr\u00fc\u00dften das Urteil. Es mache klar, dass Arbeitgeber verpflichtet seien, auf die Behinderung ihrer Mitarbeiter angemessen einzugehen und Vorkehrungen zu treffen, damit diese arbeiten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ob das Urteil in Deutschland \u00e4hnlich ausgefallen w\u00e4re? Wohl eher nicht. &#8222;Angemessene Vorkehrungen&#8220; kommen zwar in der UN-Behindertenrechtskonvention vor, aber noch nicht in deutschen Gesetzen, die sich mit Gleichstellung und Antidiskriminierung von Menschen mit Behinderungen befassen. Aber genau das w\u00fcrde Inklusion im Arbeitsleben bedeuten: den rechtlichen Anspruch darauf, dass ein Mensch seiner Arbeit trotz Behinderung nachgehen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meseret Kumulchew ist Mitarbeiterin in einer Starbucks-Filiale in London und lernbehindert. Weil sie K\u00fchlschranktemperaturen nicht richtig abgelesen hatte, unterstellte ihr die Kaffeekette, sie wolle betr\u00fcgen. 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