{"id":10224,"date":"2011-08-31T13:25:29","date_gmt":"2011-08-31T11:25:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=10224"},"modified":"2011-08-31T13:26:40","modified_gmt":"2011-08-31T11:26:40","slug":"beirut-rip-tide","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2011\/08\/31\/beirut-rip-tide_10224","title":{"rendered":"Das Wunderkind ist erwachsen geworden"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zach Condon ist erst 25 und hat schon den ersten Teil seiner Popkarriere hinter sich. Als Beirut legt er nun sein wunderbares, konzentriertes drittes Album &#8222;The Rip Tide&#8220; vor.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_10233\" aria-describedby=\"caption-attachment-10233\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/08\/beirut-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"beirut-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-10233\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/08\/beirut-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/08\/beirut-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10233\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Indigo<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Man kann, hat sich Zach Condon wahrscheinlich gesagt, gar nicht fr\u00fch genug anfangen, sich in Bescheidenheit zu \u00fcben. Wenn man gerade mal 25 Jahre alt geworden ist, aber schon eine ungemein erfolgreiche Karriere als Musiker hingelegt hat, macht sich ein wenig Demut sogar noch besser. <!--more--><\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud723567671714\"><\/div>\n<p>Also hat Herr Condon der <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2011\/07\/24\/arts\/music\/zach-condon-of-beirut-and-new-album-the-rip-tide.html\"><em>New York Times<\/em><\/a> gestanden, dass er sich all die Jahre, in denen sein Projekt Beirut allseits in den Himmel gelobt worden war, doch nur wie ein Dilettant benommen habe. Er, der vermeintliche Allesk\u00f6nner, habe sich jeden Monat einem neuen Instrument gewidmet, anstatt eines wirklich beherrschen zu lernen. Deswegen habe er beschlossen, sich f\u00fcr sein neues Album <em>The Rip Tide<\/em> allein auf &#8222;Klavier, Ukulele und Trompete zu konzentrieren&#8220;.<\/p>\n<p>Man mag diese Entscheidung kokett finden, weil sie all jenen Kritikern und Fans, die Condons bisheriges Schaffen so ausnehmend sch\u00e4tzen, unterstellt, sie w\u00fcrden Dilettantismus nicht erkennen, wenn sie ihn h\u00f6rten. Man kann sich aber auch einfach freuen, weil die Folge dieser Entscheidung ist, dass <em>The Rip Tide<\/em> zu einer Art von Essenz von Beirut gef\u00fchrt hat. <\/p>\n<p>Es ist noch alles zu h\u00f6ren: die balkanische Folklore und der Blues des wei\u00dfen Mannes, die amerikanische Pr\u00e4rie und die ungarische Puszta, eine fr\u00f6hliche mexikanische Beerdigung und eine melancholische franz\u00f6sische Hochzeit. Aber im Gegensatz zum gefeierten Deb\u00fct <em>Gulag Orkestar<\/em>, bei dessen Erscheinen Condon erst 19 Jahre alt war, und dem \u00fcppigen Zweitling <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/10\/05\/kehle-und-seele-sind-eins_539\"><em>The Flying Club Cup<\/em><\/a> gibt er sich nun weniger verspielt, reduziert das Klangbild aufs Allern\u00f6tigste und beschr\u00e4nkt sich neben den angesprochenen Klavier, Ukulele und Trompete auf sorgsam dosierte Zus\u00e4tze von Streichern und Orgel. Auch die zwischenzeitlichen Experimente mit elektronischen Kl\u00e4ngen wie auf der vor zwei Jahren erschienenen Mini-LP <em>March of the Zapotec\/Holland<\/em>, werden nicht fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Trotzdem klingt <em>The Rip Tide<\/em> reich und opulent, ja nachgerade luxuri\u00f6s. Nur ist aus dem orchestralen Einmannprojekt nun ein eink\u00f6pfiges Kammermusikensemble geworden. Die Reduktion geht f\u00fcr Condon einher mit einer R\u00fcckbesinnung auf die Wurzeln. Nach zwei Platten voller Songs, die nach fernen Orten und Pl\u00e4tzen in der ganzen Welt benannt sind, besingt er jetzt <em>East Harlem<\/em> und auch seine Heimatstadt <em>Santa Fe<\/em>. <\/p>\n<p>Das kleine St\u00e4dtchen in New Mexico hatte Condon als Teenager nach mehreren abgebrochenen Schulausbildungen nahezu fluchtartig verlassen, um einen Sommer in Paris zu verbringen. Dort tat er, was Amerikaner in der Fremde so tun, also vornehmlich sich \u00fcber die vergleichsweise niedrigen Alkoholpreise freuen. Dort lernte er aber auch die Musik des Boban Markovic Orchesters kennen und fand damit den Ansto\u00df zum Projekt Beirut.<\/p>\n<p>Die Beschr\u00e4nkung auf das Wesentliche, die <em>The Rip Tide<\/em> nun markiert, mag eine Konsequenz der neu entdeckten Demut sein. Vielleicht ist sie auch nur eine schn\u00f6de Folge des Alters. Das ist auf jeden Fall Condons Stimme anzuh\u00f6ren. Nie klang sein Bariton fester und zugleich sanfter. In dieser Stimme, die zwar schon fr\u00fcher vor der Zeit gealtert schien, schwingt aber erst jetzt eine unheimliche Weisheit mit. Das Wunderkind ist erwachsen geworden.<\/p>\n<p><em>&#8222;The Rip Tide&#8220; von <a href=\"http:\/\/beirutband.com\/\">Beirut<\/a> ist erschienen bei Pompeii\/Indigo. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zach Condon ist erst 25 und hat schon den ersten Teil seiner Popkarriere hinter sich. Als Beirut legt er nun sein wunderbares, konzentriertes drittes Album &#8222;The Rip Tide&#8220; vor. Man kann, hat sich Zach Condon wahrscheinlich gesagt, gar nicht fr\u00fch genug anfangen, sich in Bescheidenheit zu \u00fcben. 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