{"id":11119,"date":"2011-11-23T15:39:18","date_gmt":"2011-11-23T14:39:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=11119"},"modified":"2011-11-23T15:39:40","modified_gmt":"2011-11-23T14:39:40","slug":"puppini-sisters-hollywood","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2011\/11\/23\/puppini-sisters-hollywood_11119","title":{"rendered":"Drei Ladies von Manufactum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die swingenden Puppini Sisters aus London k\u00f6nnen sich nicht sattsehen im R\u00fcckspiegel. Sie sind der beste Beweis f\u00fcr Simon Reynolds&#8216; These der grassierenden Retromanie im Pop.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11128\" aria-describedby=\"caption-attachment-11128\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/11\/puppini-sisters-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"puppini-sisters-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-11128\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/11\/puppini-sisters-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/11\/puppini-sisters-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11128\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Universal Music<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Die gute alte Zeit. Da waren die Z\u00fcge noch p\u00fcnktlich und die Renten sicher. Ja, fr\u00fcher war alles besser. Da hatte es noch seine Ordnung und die Jugend noch Respekt vor dem Alter.<!--more--> Das Benzin war bezahlbar und, das ist dann doch neu, die Popmusik versuchte zumindest den Anschein zu erwecken, sie habe etwas zur Moderne beizutragen. Blickt man aber auf die aktuellen Erzeugnisse der Musikwirtschaft, m\u00f6chte man in den Oma-Chor einfallen, denn dort herrscht vor allem eins: Nostalgie.<\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud472615682889\"><\/div>\n<p>Aber niemand ist so nostalgisch wie die Puppini Sisters. Drei Frauen aus London, die in Roben stecken, f\u00fcr die die Showtreppe erfunden wurde, und die am liebsten gut abgehangene Songs aus alten Hollywood-Filmen noch einmal singen. Ihre gro\u00dfen Vorbilder sind die Andrew Sisters, und auf ihrem neuen Album <em>Hollywood<\/em> finden sich nur Lieder, die mindestens ein halbes Jahrhundert alt sind. Einzige Ausnahme ist das frisch komponierte Titelst\u00fcck und <em>Parle plus bas<\/em> von Nino Rota, das immerhin aus den siebziger Jahren stammt. Ansonsten aber l\u00e4ngst ausgelutschte, tausendfach gesungene Klassiker wie <em>Moon River<\/em> oder <em>I Feel Pretty<\/em> aus der <em>West Side Story<\/em>, Cole Porters <em>True Love<\/em> oder der Gershwin-Gassenhauer <em>I Got Rhythm<\/em>.<\/p>\n<p>Die italienische Vors\u00e4ngerin Marcella Puppini und ihre beiden englischen Mitstreiterinnen Stephanie O&#8217;Brien und Kate Mullins bleiben bei diesem romantischen Blick in den R\u00fcckspiegel beileibe nicht allein. Die Konzerte der \u00e4hnlich retrospektiv gesinnten <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-11\/rekorder-kitty-daisy-lewis\" target=\"_blank\">Kitty, Daisy &#038; Lewis<\/a> werden von den urbanen Hipstern gest\u00fcrmt, <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/41\/M-Lana-del-Rey\" target=\"_blank\">Lana Del Rey<\/a> hat es mit einer Handvoll netter Songs und einem Produktdesign als trashige Filmdiva zur Internet-Sensation gebracht. Diese Erfolge sind nur die aktuell sichtbarsten Symptome einer Entwicklung, die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-10\/retromania-simon-reynolds\" target=\"_blank\">Simon Reynolds in seinem viel diskutierten Buch <em>Retromania<\/em><\/a> beklagt.<\/p>\n<p>Reynolds bef\u00fcrchtet, dass sich die Kraft des Pop nun endg\u00fcltig in immer wiederkehrenden Revivals ersch\u00f6pft hat. Bis es aber soweit ist, werden in einer der letzten Retrowellen nun auch die bereits seit 2004 existierenden Puppini Sisters ganz nach oben gesp\u00fclt. Das ist der letzte Beweis, dass man die Bef\u00fcrchtungen von Reynolds teilen muss: Denn im Gegensatz zu Kitty, Daisy &#038; Lewis oder Lana Del Rey versuchen sie noch nicht einmal, den alten Songs und damit dem Blick zur\u00fcck eine wenigstens halbwegs zeitgem\u00e4\u00dfe Dimension abzuringen. Stattdessen inszenieren sie die Klassiker ohne jeden Bruch als reine Reminiszenz an gro\u00dfe, vergangene Zeiten.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/player.vimeo.com\/video\/29608025?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\" width=\"540\" height=\"330\" frameborder=\"0\" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Das bereits mehr als achtzig Jahre alte <em>Get Happy<\/em>, das einst Judy Garland ber\u00fchmt machte, leistet sich doch tats\u00e4chlich ein Amok laufendes Banjo. Auch dieser Version h\u00f6rt man nicht eben an, dass das 21. Jahrhundert bereits begonnen hat, aber mit ihrer leicht anarchischen Ruppigkeit sorgt sie immerhin daf\u00fcr, dass die Puppini Sisters nicht mehr nur wehm\u00fctig und verkl\u00e4rend in die Vergangenheit blicken k\u00f6nnen. Es ist der einzige Moment, in dem die Oma ins Stottern ger\u00e4t. Fr\u00fcher waren eben doch nicht unbedingt alle Dinge besser, aber, stimmt schon, immerhin die Renten sicher.<br \/>\n<em><br \/>\n&#8222;Hollywood&#8220; von <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/puppinisisters\" target=\"_blank\">The Puppini Sisters<\/a> ist erschienen auf Verve\/Universal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die swingenden Puppini Sisters aus London k\u00f6nnen sich nicht sattsehen im R\u00fcckspiegel. 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