{"id":11295,"date":"2011-12-07T11:58:17","date_gmt":"2011-12-07T10:58:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=11295"},"modified":"2011-12-20T11:54:51","modified_gmt":"2011-12-20T10:54:51","slug":"the-roots-undun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2011\/12\/07\/the-roots-undun_11295","title":{"rendered":"Sozialkritik mit G\u00e4nsehauteffekt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit ihrem neuen Album &#8222;Undun&#8220; zeigen The Roots, dass sie in einer ganz anderen Liga spielen als die \u00fcbrigen Hip-Hopper. Auch auf die Occupy-Bewegung nehmen sie Bezug.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_11303\" aria-describedby=\"caption-attachment-11303\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/12\/the-roots-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"the-roots-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-11303\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/12\/the-roots-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/12\/the-roots-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-11303\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Def Jam<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2010-03\/pink-floyd-emi-pro\" target=\"_blank\">Albumformat hat es schwer heutzutage<\/a>. Leute, die ein musikalisches Werk komplett von Anfang bis Ende durchh\u00f6ren, scheinen einer aussterbenden Spezies anzugeh\u00f6ren.<!--more--> Die amerikanische Hip-Hop-Band <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/09\/27\/john-legend-the-roots_6484\" target=\"_blank\">The Roots<\/a> stemmt sich gegen diese Entwicklung \u2013 mit ihrem ersten Konzeptalbum. <\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud190410811319\"><\/div>\n<p>Es handelt vom fiktiven Leben eines kriminell gewordenen Afroamerikaners namens Redford Stephens. Und beginnt mit dessen Tod. Orientierungslos blickt der Mittzwanziger aus dem Jenseits auf sein Leben zur\u00fcck. Geisterhafte Stimmen, Babyweinen, Schreie. Psychedelische Synthiekl\u00e4nge und Tinnituspfeifen.<\/p>\n<p>In den folgenden knapp vierzig Minuten rollen Black Thought und eine Handvoll Gast-Rapper Redfords tragisches Leben von hinten auf. Jeder Track behandelt einen entscheidenden Moment im Leben des einst vielversprechenden Mannes, der sehenden Auges in sein Ungl\u00fcck rennt. &#8222;<em>Illegal activity controls \/ My black symphony \/ Orchestrated like it happened \/ Incidentally \/ Oh\u2026 there I go \/ From a man to a memory<\/em>&#8222;, rappt Trotter in <em>Sleep<\/em>. Schicksal versus freier Wille. <\/p>\n<p>The Roots, dieser achtk\u00f6pfigen Kombo, die n\u00e4chstes Jahr Silberhochzeit feiert, ist mit <em>Undun<\/em> ein gro\u00dfer Wurf gelungen. Benannt nach einem Song von Randy Bachman ist es vieles zugleich: sozialkritisch, poetisch, experimentell. Und es kommt in einem Sound daher, der keine W\u00fcnsche offen l\u00e4sst. In <em>Make My<\/em> tropft der Beat wie hei\u00dfes Quecksilber. &#8222;<em>My heart so heavy that the ropes that hold my casket break \/ Cause everything that wasn&#8217;t for me I had to chase \/ I had to take<\/em>&#8222;, erkennt Redford post mortem. Dann eine melancholische Hookline, die einem kalte Schauer \u00fcber den R\u00fccken schickt. \u00dcberhaupt sind die Refrains auf dem zehnten Studioalbum durchweg gro\u00dfartig. Nicht zuletzt dank der zwei tollen S\u00e4ngerinnen im Hintergrund. <\/p>\n<p>Die fast schon orchestrale Musik \u00e4hnelt mehr einem schwerm\u00fctigen Soundtrack als einer klassischen Hip-Hop-Platte. Hier ein einsames Cello, dort ein Streichquartett. Alles gut verschn\u00fcrt vom Mastermind ?uestlove, dem menschlichen Drumcomputer. Dazu mal eine Hendrix-Gitarre von Captain Kirk oder eine Keyboardmelodie, die an eine Spieluhr erinnert. Und mit Texten auf gewohnt hohem Niveau: Zeitkritisch reimt Phonte &#8222;<em>Wall Street<\/em>&#8220; auf &#8222;<em>y&#8217;all streets<\/em>&#8220; und fordert: &#8222;<em>Find another one to occupy<\/em>&#8222;. <\/p>\n<p>Mit <em>Undun<\/em> pr\u00e4sentiert die Crew, die seit 2009 auch als <a href=\"http:\/\/www.latenightwithjimmyfallon.com\/\" target=\"_blank\">Jimmy Fallons Showband<\/a> t\u00e4tig ist, ein vielschichtiges Werk, das dennoch klingt wie aus einem Guss. Egal, ob Greg Porn mit einer verzerrten Gitarre um die Wette br\u00fcllt oder Dice Raw in <em>Lighthouse<\/em> einen G\u00e4nsehaut-Refrain zum Besten gibt: Das Kollektiv aus Philadelphia spielt in einer ganz anderen Liga als der Rest der Hip-Hop-Welt.<\/p>\n<p>Diese Tatsache untermauern auch die letzten vier Titel, die zusammen die <em>Redford Suite<\/em> bilden. Zu Chorges\u00e4ngen spielt <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/10\/08\/sufjan-stevens_6554\" target=\"_blank\">Sufjan Stevens<\/a> auf dem Klavier wehm\u00fctige Akkordfolgen von seinem Album <em>Michigan<\/em>. Streicher leiten \u00fcber in Free Jazz und ein Schlagzeug-Solo mit einem ?uestlove au\u00dfer Rand und Band. Den Schlusspunkt setzt ein Klavierakkord, der noch lange nachhallt \u2013 wie das gesamte Album. Darum gilt: Finger weg von der Shuffle-Taste.<\/p>\n<p><em>&#8222;Undun&#8220; von <a href=\"http:\/\/theroots.com\" target=\"_blank\">The Roots<\/a> ist erschienen bei Def Jam.<\/em><\/p>\n<p><strong>Nachtrag vom 20. Dezember<\/strong><br \/>\nHier ist der offizielle Kurzfilm zum Album:<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/player.vimeo.com\/video\/32534820?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\" width=\"540\" height=\"330\" frameborder=\"0\" webkitAllowFullScreen mozallowfullscreen allowFullScreen><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/hilfe\/datenschutz\" target=\"_blank\">Mehr dazu in unserer Datenschutzerkl\u00e4rung.<\/a>\n<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit ihrem neuen Album &#8222;Undun&#8220; zeigen The Roots, dass sie in einer ganz anderen Liga spielen als die \u00fcbrigen Hip-Hopper. Auch auf die Occupy-Bewegung nehmen sie Bezug. Das Albumformat hat es schwer heutzutage. 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