{"id":13846,"date":"2012-08-24T10:22:15","date_gmt":"2012-08-24T08:22:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=13846"},"modified":"2012-08-24T10:23:23","modified_gmt":"2012-08-24T08:23:23","slug":"bloc-party-four","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2012\/08\/24\/bloc-party-four_13846","title":{"rendered":"Jedes Album so gut wie das Deb\u00fct"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zum dritten Mal widerlegen Bloc Party den Mythos, dass es unm\u00f6glich ist, ein gro\u00dfartiges Erstlingswerk zu \u00fcberbieten. &#8222;Four&#8220; ist wieder ein richtig tolles Rockalbum.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_13856\" aria-describedby=\"caption-attachment-13856\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2012\/08\/bloc-party-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"bloc-party-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-13856\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2012\/08\/bloc-party-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2012\/08\/bloc-party-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13856\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Cooperative<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Deb\u00fctalben sind Mythen. Wer die Best-Of-Listen des enzyklop\u00e4dischen Musik(ge)wissens <em>New Musical Express<\/em> nach Perlen zeitgen\u00f6ssischer Popmusik durchforstet, st\u00f6\u00dft dort \u2013 und nicht nur dort \u2013 unentwegt auf Erstlingswerke.<!--more--> Gerade in der Renaissance ruppigerer Kl\u00e4nge zwischen Brit- und Garagenrock aus Amerika und Gro\u00dfbritannien, mal ohne, meist mit &#8222;The&#8220;, gilt der offizielle Start ins Gesch\u00e4ft gern als H\u00f6hepunkt, dessen Niveau bestenfalls gehalten werden kann. The Strokes, The Kills, The Libertines, Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, Franz Ferdinand \u2013 sie alle haben zum Auftakt eine Menge Pulver verschossen, was sp\u00e4tere Sch\u00fcsse weit dumpfer klingen lie\u00df. Das war auch von Bloc Party anzunehmen.<\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud364562804033\"><\/div>\n<p>Ihr Deb\u00fct <em>Silent Alarm<\/em> gilt schlie\u00dflich als eine Art Vers\u00f6hnung der d\u00fcsteren Seiten des alten New Wave mit den helleren moderner Rockmusik unter wohldosierter Beigabe von Britpop, Emocore und Grunge. Es war und ist ein H\u00f6hepunkt experimenteller Gitarrenmusik von der Insel. Umso erstaunlicher, dass sein Nachfolger <em>A Weekend In The City<\/em> die empfindlichen Feuilletons trotz strikt reduzierten Saiteneinsatzes \u00fcberzeugen konnte. Und dass im Anschluss das noch artifiziellere, fast elektronische <em>Intimacy<\/em> sogar sein Publikum nicht vergraulte, dem ja gemeinhin an Freundschaftsdienst und Wiedererkennbarkeit gelegen ist.<\/p>\n<p>Das d\u00fcrfte nun ernstlich auf die Probe gestellt werden. Denn das aktuelle, der Reihenfolge gem\u00e4\u00df mit <em>Four<\/em> betitelte Album geht mindestens einen Schritt zur\u00fcck, indem es seinen Sound gleich zu Beginn konsequent radikalisiert \u2013 Richtung neuer englischer H\u00e4rte, zur\u00fcck jedenfalls in den Rock. Statt elektronischer Spirenzchen liefert schon das Auftaktst\u00fcck <em>So He Begins To Lie<\/em> \u00fcberraschendes Gitarrengeschrammel, bis es sich in <em>3&#215;3<\/em> oder <em>Coliseum<\/em> zum Nu Metal aufschwingt, der mal mit Br\u00fcllgefl\u00fcster, mal mit Operngeschrei fast an die Deftones erinnert oder At The Drive In, dessen Produzent Alex Newport hier h\u00f6rbar mitwerkelt. Und fr\u00fch rauscht schon das erste kleine Angus-Young-Ged\u00e4chtnis-Solo durch <em>Octopus<\/em>.<\/p>\n<p>Das Besondere an Bloc Party bleibt dabei allerdings, dass es dabei nicht bleibt, dass es weder Zitat noch Gimmick oder blo\u00df Spielerei ist, wenn die Lautst\u00e4rke steigt, sondern Ausdruck einer Variabilit\u00e4t, die als Teil einer gr\u00f6\u00dferen Idee daherkommt. In <em>Day Four<\/em> etwa, dem fast geschmeidigen <em>V.A.L.I.S.<\/em> oder <em>Truth<\/em>, das an die traumwandlerische Ballade <em>Kreuzberg<\/em> erinnert, beruhigt sich dieses tosende Meer immer wieder zum sanften Oberfl\u00e4chengekr\u00e4usel und sorgt f\u00fcr etwas, das die vier Londoner seit jeher kennzeichnet: Eine Form von Alternative, Punkrock fast, den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2010-06\/kele-okereke-bloc-party\" target=\"_blank\">Kele Okerekes<\/a> mal gl\u00e4serne, mal dr\u00e4uende, oft erkennbar klassisch geschulte, immer kraftvolle und sonderbar fragile Stimme auf Wohnzimmerw\u00e4rme dimmt.<\/p>\n<p>Es ist nicht nur, aber mehr als alles andere der Gesang, der Bloc Party im Gleichgewicht h\u00e4lt zwischen Club und Stadion, Independent und Mainstream. Und zum Schluss gibt&#8217;s dann nochmals das volle Brett namens <em>The Healing<\/em>, damit sich blo\u00df niemand seiner H\u00f6rgewohnheiten sicher sein kann. Bloc Party stellt nicht nur sein Publikum, sondern auch sich selbst immer wieder auf die Probe. Jedes Album ein Deb\u00fct-Album. Mythen in Reihe.<\/p>\n<p><em>&#8222;Four&#8220; von <a href=\"http:\/\/blocparty.com\/\" target=\"_blank\">Bloc Party<\/a> ist erschienen bei Frenchkiss\/Cooperative Music.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum dritten Mal widerlegen Bloc Party den Mythos, dass es unm\u00f6glich ist, ein gro\u00dfartiges Erstlingswerk zu \u00fcberbieten. &#8222;Four&#8220; ist wieder ein richtig tolles Rockalbum. Deb\u00fctalben sind Mythen. 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