{"id":1537,"date":"2009-01-23T10:03:50","date_gmt":"2009-01-23T08:03:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=1537"},"modified":"2009-10-07T20:55:21","modified_gmt":"2009-10-07T18:55:21","slug":"pop-hoch-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/01\/23\/pop-hoch-10_1537","title":{"rendered":"Pop hoch 10?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf ihrem neuen Album wirbeln Franz Ferdinand durch die Nacht. Doch unser Autor ist unschl\u00fcssig: Wiegen f\u00fcnf grandiose Lieder mehr als sieben enervierende?<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\">\n<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2009\/01\/franzferdinand-tonight200.jpg\" \/> <\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"always\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=090123\/090123_1232701493-02&amp;var_mp3_artist=Franz Ferdinand&amp;var_mp3_title=Ulysses&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Das kann doch kein Zufall sein: Im Jahr 1914 wurde der Gro\u00dfherzog Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet \u2013 kurz darauf erkl\u00e4rte die \u00f6sterreichisch-ungarische Monarchie, unterst\u00fctzt vom Deutschen Reich, Serbien den Krieg. Im selben Jahr begann der irische Schriftsteller James Joyce sein monumentales Werk <em>Ulysses<\/em>. Erste Ausz\u00fcge erschienen im Jahr 1918 in den USA, da endete der durch Herrn Ferdinands Tod ausgel\u00f6ste Weltkrieg.<\/p>\n<p><em>Ulysses<\/em> hei\u00dft nun auch die furiose neue Single der schottischen Band Franz Ferdinand. Und die \u00fcberlassen seit jeher nichts dem Zufall. Ihre Texte stecken voller Anspielungen, die \u00c4sthetik ihres Auftritts ist stimmig und ihre Plattenh\u00fcllen folgen h\u00fcbschen Konzepten. Vom abstrakten Farbenspiel der ersten beiden Alben sind sie nun bei der <em>Crime Scene Photography<\/em> gelandet. Vor den d\u00fcsteren Szenerien wirkt der orange-wei\u00dfe Schriftzug auf dem Album ganz besonders gut: <em>Tonight: Franz Ferdinand.<\/em><\/p>\n<p>James Joyce l\u00e4sst seinen Leopold Bloom einen Tag lang durch Dublin wandern, Franz Ferdinand besingen die Nacht. Es ist ein Leichtes, sich die zw\u00f6lf Lieder zu einer emotionalen Odyssee zwischen Mitternacht und Kater zurechtzulegen: Der sp\u00e4te Aufbruch \u2013 Komm&#8216;, Lexxo, lass uns etwas erleben \u2013, die Eine meldet sich nicht, die Andere l\u00e4sst sich k\u00fcssen. Lexxo klagt: <em>&#8222;You girls never know how you make a boy feel!&#8220;<\/em> Und sie: <em>&#8222;No, you dirty boys&#8217;ll never care how the girl feels.&#8220;<\/em> Um halb drei in der Fr\u00fch steht es Unentschieden.<\/p>\n<p>Er bettelt, sie m\u00f6ge doch ihren Lover nach Hause schicken und schreibt sich ihren Namen auf die Hand. Als er sp\u00e4ter in einer Ecke des Clubs erwacht steht der spiegelverkehrt auf seiner Wange. Um kurz nach f\u00fcnf sind sie schlie\u00dflich doch daheim bei Lexxo gelandet, es wird wild. Dem postkoitalen Hadern folgt ein lichter Traum: Istanbul, Addis, die Scheibenwelt Narnia, <em>&#8222;Uh, huh, yeah&#8220;<\/em>. Der Kater schl\u00e4gt brutal zu, sie ist gegangen und stolziert doch durch seinen Tagtraum. Katherine hie\u00df sie, soviel ist Lexxo schlie\u00dflich noch zu entlocken.<\/p>\n<p>Ist <em>Tonight: Franz Ferdinand<\/em> also ein Konzeptalbum? Musikalisch sicher, schon die beiden <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2005\/40\/D-Aufmacher\" target=\"_blank\">fr\u00fcheren Alben der Band<\/a> trugen ja ein jeweils ma\u00dfgeschneidertes Klangkost\u00fcm. Ein bisschen lauter und verspielter als zuvor lassen sie hier nun mittels ihrer Instrumente dieses wohlbekannte Getier aus Funk und Dub, Rock und Disco erwachsen. Und der S\u00e4nger <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/12\/Der_Besseresser\">Alex Kapranos<\/a> l\u00e4sst sein Stimmchen h\u00fcpfen und kieksen, fl\u00fcstert auch mal versch\u00e4mt und f\u00fcllt die L\u00fccken mit viel <em>&#8222;Lalalala, Uhoohoo, Iiihiiihiii&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Und Franz Ferdinand scheinen in Eile zu sein. Das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck ihres ersten Albums, <em>Jacqueline,<\/em> nahm sich ganze 40 besinnliche Sekunden, bevor sich der seitdem nicht mehr verstummte Wuchtbass meldete. <em>Ulysses<\/em> hingegen fackelt nicht lange. Und auch das ist neu: Jedem der zw\u00f6lf St\u00fccke verpasst die Band eine andere Verzierung. <em>Turn It On<\/em> massiert ein bratzelnder Funk, <em>No You Girls<\/em> zerrt den H\u00f6rer in eine New Yorker Disko der Achtziger. <em>Send Him Away<\/em> ist ein Ausflug in den Hi-Life, <em>Twilight Omens<\/em> klingt nach dem Ska-Pop der <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/03\/02\/stimmungskekse_324\" target=\"_blank\">Kaiser Chiefs<\/a>.<\/p>\n<p>Soweit, so grandios. Von da an nimmt die Nacht einen berechenbaren Fortgang: Um kurz nach f\u00fcnf, auf H\u00f6he von <em>Bite Hard<\/em>, schimmert ein Schema allzu deutlich durch: FF + x = Pop hoch 10. So grandios die erste Viertelstunde von <em>Tonight: Franz Ferdinand<\/em> klingt, so enervierend klingt der Rest. Mal ist die Gitarre drollig verzerrt, dann bluesig, sp\u00e4ter akustisch. Mal wuselt im Hintergrund der Gameboy, dann Abba und DJ Bobo. Und an <em>Lucid Dreams<\/em> ist einzig au\u00dfergew\u00f6hnlich, dass es sich \u00fcber acht uninspirierte Minuten schleppt. Am Ende, beim akustischen <em>Katherine Kiss Me<\/em> mag man gar nicht mehr richtig hinh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Was also tun? Ist <em>Tonight: Franz Ferdinand<\/em> nun zu empfehlen? Wiegen die f\u00fcnf tollen Lieder die sieben weniger tollen auf? Der Autor kapituliert: H\u00f6ren und entscheiden Sie selbst.<\/p>\n<p><em>&#8222;Tonight&#8220; von <a href=\"http:\/\/www.franzferdinand.co.uk\/\" target=\"_blank\">Franz Ferdinand<\/a> ist als CD, Doppel-CD und Doppel-LP bei Domino Records\/Indigo erschienen. <\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr von Franz Ferdinand h\u00f6ren: Am 30. Januar dreht sich die Sendung <em>Almost Famous<\/em> auf ByteFM um das neue Album. <a href=\"http:\/\/byte.fm\/index.php?cont=sendungen_detail&#038;sendung=80&#038;termin=9375\">Hier geht&#8217;s zum Programm \u00bb<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie ROCK<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/01\/14\/brodeln-im-matsch_1504\">The Shaky Hands: &#8222;Lunglight&#8220;<\/a> (Cooperative\/Universal 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/11\/28\/schillernde-hulle_1193\">The Killers: &#8222;Day &#038; Age&#8220;<\/a> (Island\/Universal 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/11\/26\/ergebnisloses-gewurschtel_1167\">Guns N&#8216; Roses: &#8222;Chinese Democracy&#8220;<\/a> (Geffen\/Universal 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/10\/27\/trsnthsnd98-hat-herzschmerz_937\">Bloc Party: &#8222;Intimacy&#8220;<\/a> (Cooperative\/Universal)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/10\/10\/neues-feuer_879\">Oasis: &#8222;Dig Out Your Soul&#8220;<\/a> (Big Brother\/Indigo 2008)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\" target=\"_blank\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg04.met.vgwort.de\/na\/af257fe77b144b46a8f104174bdf66c5\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf ihrem neuen Album wirbeln Franz Ferdinand durch die Nacht. 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