{"id":16644,"date":"2013-09-11T08:00:16","date_gmt":"2013-09-11T06:00:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=16644"},"modified":"2013-09-23T15:50:40","modified_gmt":"2013-09-23T13:50:40","slug":"mgmt-album","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2013\/09\/11\/mgmt-album_16644","title":{"rendered":"Spa\u00df an popkultureller Sammelwut"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die amerikanische Band MGMT bedient sich fr\u00f6hlich bei den ganz Gro\u00dfen: Beatles, Beach Boys, Depeche Mode und jede Menge Eigenheiten kommen auf ihrem dritten Album zusammen.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16646\" aria-describedby=\"caption-attachment-16646\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16646\" alt=\"\u00a9 Danny Clinch\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/09\/mgmt.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/09\/mgmt.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/09\/mgmt-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16646\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Danny Clinch<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Wer dieser Tage Popmusik f\u00fcr ein gro\u00dfes Publikum macht, muss den Einfluss der Beatles nicht verleugnen. Es gibt Schlimmeres, als die Fab Four in neuen Anz\u00fcgen zu sehen.<!--more--> <em>Alien Days<\/em>, das erste St\u00fcck auf dem neuen Album von MGMT, klingt, als h\u00e4tten die Smashing Pumpkins <em>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club<\/em> gecovert, und es klingt wirklich gut.<\/p>\n<p>Wer dieser Tage Popmusik f\u00fcr ein gro\u00dfes Publikum macht, kann sich allerdings \u2013 seltener zwar, aber immerhin \u2013 auch einer leichten Brise der Beachboys oft nicht erwehren. Weshalb das irisierende <em>Introspection<\/em> einige Lieder sp\u00e4ter daherkommt, als h\u00e4tten die Strandjungs eine Jam-Session mit Lou Reed veranstaltet, und es kommt wirklich schillernd daher.<\/p>\n<p>Wer heute Popmusik f\u00fcr ein gro\u00dfes Publikum macht, kann ebenfalls \u2013 und erst recht \u2013 nur in den seltensten F\u00e4llen einen gewissen Einfluss von Depeche Mode dementieren, was bald darauf <em>A Good Sadness<\/em> wie eine Art Kollaboration der Synthiepopper mit den <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/02\/05\/yeasayer-odd-blood_4642\" target=\"_blank\">Yeasayer<\/a> wirken l\u00e4sst, und es wirkt gut.<\/p>\n<p>So ist es schlie\u00dflich seit jeher im Werk der f\u00fcnf New Yorker namens MGMT. So ist es auch auf ihrem dritten, komischerweise selbstbetitelten Album: Alles daran klingt seltsam bekannt, irgendwie abgekupfert, merkw\u00fcrdig fremdreferenziell. MGMT allerdings schaffen es wie schon auf dem (von der Kritik gefeierten) Studio-Deb\u00fct <em>Oracular Spectacular<\/em> von 2007 und dem (gar beim Publikum erfolgreichen) Nachfolger <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/15\/D-MGMT\" target=\"_blank\"><em>Congratulations<\/em><\/a> drei Jahre sp\u00e4ter dennoch, gebrauchten Pop nicht nur frisch verpackt, sondern frisch gefangen erscheinen zu lassen.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"no\" height=\"450\" scrolling=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=http%3A%2F%2Fapi.soundcloud.com%2Fplaylists%2F9972935%3Fsecret_token%3Ds-vY7MV&amp;show_artwork=true&amp;secret_url=true\" width=\"100%\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Ein wesentlicher ist, dass die beiden Gr\u00fcndungsmitglieder Ben Goldwasser und Andrew VanWyngarden akustisch, visuell, dramaturgisch so fr\u00f6hlich die Funken spr\u00fchen lassen, bis auch die tristesten Tonfolgen, etwa im betulich ruhigen <em>Astro-Mancy<\/em>, wild zu flattern beginnen, als spiele sie ein Schwarm Schmetterlinge auf Acid. Der wichtigste Grund aber scheint, dass &#8222;Amerikas spektakul\u00e4rste Blumenkinder&#8220;, wie MGMT mal umschrieben wurden, keine Effekthascherei betreiben.<\/p>\n<p>Ihr glamour\u00f6ser Gestus zwischen dadaistischen B\u00fchnenoutfits, absurden Texten und kaum versiegender Flut digitaler Spielereien kommt nie als Popevent daher; er ist mehr eine kreative Selbstbehauptung im \u00fcbervollen Meer elektronischen Indiepops mit analogem Grundger\u00fcst. Nicht umsonst ist MGMT die Kurzform des urspr\u00fcnglichen Bandnamens The Management: die eigenen Verwalter eines produzierenden Gewerbes, das sich aus dem Warenlager musikalischer Versatzst\u00fccke alles herausgreift, was in ihr eigenes Werk passt.<\/p>\n<p><em>MGMT<\/em> ist dadurch im Vergleich zu seinen Vorg\u00e4ngern ein etwas weniger gewagter Ausdruck popkultureller Sammelwut. Aber doch ein quirliges Konzentrat dessen, was ein paar Computerskills aus Gitarre, Bass und Schlagzeug erzeugen k\u00f6nnen, wenn man der Spielfreude freien Lauf l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Man nennt das gemeinhin Spa\u00df. MGMT haben davon mehr als genug. Und wir gleich mit.<\/p>\n<p><em>&#8222;MGMT&#8220; von MGMT erscheint am 13. September bei Sony.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die amerikanische Band MGMT bedient sich fr\u00f6hlich bei den ganz Gro\u00dfen: Beatles, Beach Boys, Depeche Mode und jede Menge Eigenheiten kommen auf ihrem dritten Album zusammen. 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