{"id":16839,"date":"2013-10-07T11:26:56","date_gmt":"2013-10-07T09:26:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=16839"},"modified":"2013-10-08T17:41:38","modified_gmt":"2013-10-08T15:41:38","slug":"glasser-interiors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2013\/10\/07\/glasser-interiors_16839","title":{"rendered":"Raus aus der Synthieburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im allt\u00e4glichen Leben st\u00f6\u00dft Cameron Mesirow immer wieder an Grenzen. Auf &#8222;Interiors&#8220;, dem neuen Album ihres Elektropop-Projekts Glasser, l\u00e4sst sie keine mehr gelten.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_16847\" aria-describedby=\"caption-attachment-16847\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-16847\" alt=\"\u00a9 Jonathan Turner\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/10\/glasser.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/10\/glasser.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2013\/10\/glasser-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-16847\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Jonathan Turner<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Cameron Mesirow leidet an einer leichten Form der Agoraphobie. Sie f\u00fchlt sich unwohl auf gro\u00dfen Pl\u00e4tzen und f\u00fcrchtet den Kontrollverlust.<!--more--> Nicht zuletzt deshalb ist sie nach der Fertigstellung von <em>Ring<\/em>, ihrem Deb\u00fctalbum unter dem Namen Glasser, vor drei Jahren aus dem flachen, weitl\u00e4ufigen Los Angeles ins Herz von Manhattan gezogen. Die H\u00e4user dort sind hoch und die Stra\u00dfenz\u00fcge eng, manche Menschen entwickeln inmitten dieser Architektur eine Klaustrophobie. Die zweite Platte von Glasser hei\u00dft nun <em>Interiors<\/em> und wurde in einem kleinen, fensterlosen Studio aufgenommen.<\/p>\n<p>Mesirow aber verkriecht sich nicht in einer Synthieburg oder hinter dem Bildschirm des gr\u00f6\u00dften Computers. <em>Interiors<\/em> strebt nach drau\u00dfen, will aus der r\u00e4umlichen und gedanklichen Enge ausbrechen, gegebene Formen aufl\u00f6sen. Das gilt musikalisch wie thematisch: In den zw\u00f6lf Songs des Albums, die auf kaum absehbaren Wegen zerflie\u00dfen, singt Mesirow \u00fcber die Grenzen einer k\u00fcnstlerischen und romantischen Beziehung \u2013 ihrer Beziehung zu Van Rivers, dem Koproduzenten von <em>Interiors<\/em>.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" id=\"dooloopEmbed4006535\" style=\"width: 580px; height: 330px;\" frameborder=\"0\" height=\"240\" marginheight=\"0\" marginwidth=\"0\" name=\"Dooloop Embedded Video\" scrolling=\"no\" src=\"http:\/\/www.dooloop.tv\/iframe\/embed\/?vid=4006535&amp;as=0\" width=\"320\"><\/iframe><\/p>\n<div id=\"4006535_blc\" style=\"text-align: center; width: 580px;\"><a id=\"4006535_blv\" title=\"Design von Glasser\" href=\"http:\/\/www.dooloop.tv\/video\/4006535\/glasser-design\/\" target=\"_blank\">Design von Glasser<\/a> | <a id=\"4006535_blh\" title=\"dooloop.tv - the social music tv\" href=\"http:\/\/www.dooloop.tv\" target=\"_blank\">dooloop.tv<\/a><\/div>\n<p><script type=\"text\/javascript\" src=\"http:\/\/www.dooloop.tv\/js\/app\/player\/dooloopEmbed.js\"><\/script><br \/>\n<script type=\"text\/javascript\">\/\/ <![CDATA[\n\nvar player4006535 = new DLPlayer(4006535,0);\n\/\/ ]]><\/script><\/p>\n<p>Rivers war vor vier Jahren an den Aufnahmen von <em>Fever Ray<\/em> beteiligt, dem bisher einzigen Album des gleichnamigen <a href=\"http:\/\/feverray.com\/\" target=\"_blank\">Projekts von Karin Dreijer Andersson<\/a>. Dass er aus dieser Kollaboration mit Ideen zur\u00fcckkam, die auf <em>Interiors<\/em> weiterverfolgt werden, ist eine naheliegende Vermutung: \u00c4hnlich wie Fever Ray und Anderssons Hauptband <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2013-04\/the-knife-album\" target=\"_blank\">The Knife<\/a> bauen Mesirow und Rivers ihre Tracks aus den bekannten Einzelteilen elektronischer Popmusik. Aber sie sortieren Beats, Loops, Synthies und Gesang zu Songs, die sich das Recht auf Abbruch, Neubeginn und abermaligen Abbruch bewahren. Allein das zentrale, mit perkussivem Vorw\u00e4rtsdrang versehene <em>Keam Theme<\/em> geht zweimal zu Ende, bevor es seinen tats\u00e4chlichen Schluss erreicht.<\/p>\n<p>An diesem Vor und Zur\u00fcck l\u00e4sst sich ablesen, wie es Mesirow und Rivers w\u00e4hrend der Arbeit an <em>Interiors<\/em> zwischen den W\u00e4nden ihres Studios hin- und hergeschleudert haben muss. So wie die Songs des Albums in ihrer Form variieren, ver\u00e4ndert sich auch das Verh\u00e4ltnis der Songwriterin zu ihrem Koproduzenten von St\u00fcck zu St\u00fcck. Mal ist es letzter R\u00fcckhalt vor dem drohenden Wahnsinn, mal Machtkampf, einmal sogar traute Zweisamkeit, wenn auch &#8222;<em>on a trash pile<\/em>&#8222;, wie Mesirow traumwandelnd singt. Die Belastung durch die Zusammenarbeit muss dabei immer bedacht werden: <em>Interiors<\/em> fragt auch, ob es sich lohnt, das pers\u00f6nliche Gl\u00fcck f\u00fcr die Kunst aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p>Das Album gibt darauf keine explizite Antwort, zumindest der H\u00f6rer aber ist dankbar f\u00fcr das Opfer der beiden. Glasser gelingt eine seltene Gratwanderung zwischen Theorie und Praxis. Die Gedanken zum Ausbruch aus \u00f6ffentlichen und privaten, realen und gedanklichen R\u00e4umen, die hinter <em>Interiors<\/em> stecken, bereichern die Platte, ohne ihre Zug\u00e4nglichkeit zu mindern. Den Aufl\u00f6sungserscheinungen des k\u00f6rperlosen, sterilen Sounds steht die Geschichte von Mesirow und Rivers als schwitzendes, k\u00e4mpfendes K\u00fcnstlerpaar gegen\u00fcber. Mit etwas \u00dcbung kann man zu dieser Architektur sogar tanzen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Interiors&#8220; von Glasser ist erschienen bei True Panther\/Matador\/Beggars.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im allt\u00e4glichen Leben st\u00f6\u00dft Cameron Mesirow immer wieder an Grenzen. Auf &#8222;Interiors&#8220;, dem neuen Album ihres Elektropop-Projekts Glasser, l\u00e4sst sie keine mehr gelten. Cameron Mesirow leidet an einer leichten Form der Agoraphobie. 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