{"id":17794,"date":"2014-04-04T13:19:28","date_gmt":"2014-04-04T11:19:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=17794"},"modified":"2014-12-23T14:56:51","modified_gmt":"2014-12-23T13:56:51","slug":"kevin-drew-darlings","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/04\/04\/kevin-drew-darlings_17794","title":{"rendered":"Sexualforscher am Synthesizer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kevin Drew hat die Welt und ihre Betten gesehen. Mit dem luftgepolsterten Pop seines zweiten Soloalbums sucht der S\u00e4nger von Broken Social Scene nach Intimit\u00e4t in Zeiten der sexuellen Reiz\u00fcberflutung.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_17854\" aria-describedby=\"caption-attachment-17854\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/04\/kevin-drew.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-17854\" alt=\"\u00a9 City Slang\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/04\/kevin-drew.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/04\/kevin-drew.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/04\/kevin-drew-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-17854\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 City Slang<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Broken Social Scene waren immer schon halb Rockband, halb soziologisches Experiment. Mehr als 30 mehr oder minder feste Mitglieder geh\u00f6rten zwischenzeitlich zur Gruppe aus Toronto. Man nannte sie den Kennedy-Clan der kanadischen Gitarrenmusik und sprach Kevin Drew die Rolle des JFK zu. <!--more-->Drew war S\u00e4nger und Gitarrist, Alleinentscheider und erster Vermittler. Sein Ego, hei\u00dft es, wird nur noch von seiner F\u00fcrsorglichkeit \u00fcbertroffen.<\/p>\n<p>Aus dem Tonstudio sind k\u00fcnstlerische Grabenkampfdramen von Broken Social Scene \u00fcberliefert, aus dem Tourbus auch pers\u00f6nliche. Heute gibt es nur noch eine sechsk\u00f6pfige Kerngruppen-Version der Band. Von einem gescheiterten Experiment kann jedoch keine Rede sein: Broken Social Scene pr\u00e4gten mit scheinbar paradoxem Stadion-Art-Rock die Vorstellung vieler Menschen davon, wie eine Band klingen, aussehen und aufgestellt sein kann. Kevin Drew f\u00fchrte au\u00dferdem eine Sprache in die Rockmusik ein, mit der vor ihm noch niemand \u00fcber Sex gesungen hatte.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/85851998\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Sie riecht nach Tequila und Limette.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"no\" height=\"166\" scrolling=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/138883963&amp;color=ff5500&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_artwork=true\" width=\"100%\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Die Theorie der Monogamie leuchtet ihm ein, die Praxis bleibt ein R\u00e4tsel.<\/p>\n<p>Konsequenter als bei Broken Social Scene, wo selten weniger als drei E-Gitarren gleichzeitig spielen, \u00fcbersetzt Drew dieses Z\u00e4rtliche nun in seine Musik. <em>Darlings<\/em> ist ein Album der Tasteninstrumente, viele davon sind alt und bestimmen mit ihren Schrullen den Sound der Platte. Das f\u00fchrt zu Synth-Pop-Songs, die jedoch w\u00e4rmer und weicher klingen, als man das Genre bei <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2013-03\/depeche-mode-delta-machine\">Depeche Mode<\/a> oder den <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2010\/52\/Traum-Annie-Lennox\">Eurythmics<\/a> kennengelernt hat. Mehr Watte, weniger Plastik. Das passt ja auch zu Drews Lieblingsthema.<\/p>\n<p>Wie zerbrechlich das daraus entstehende Albumgebilde ist, zeigt der einzige Ausrei\u00dfer. <em>Bullshit Ballad<\/em> hat eine offensive E-Gitarre und auch sonst viel Testosteron. Drew rechnet darin mit den Lieferanten des Rockradios ab, das ihn und seine Band nie ins Herz schlie\u00dfen wollte. Motivation und Adressaten des Songs bleiben aber unklar. Der zynische Tonfall bringt das sonst so betuliche <em>Darlings<\/em> f\u00fcr vier Minuten aus dem Gleichgewicht, der beleidigte Ankl\u00e4ger ist Drews schlechteste Rolle. Als Sexualforscher am Synthesizer macht er eine bessere Figur.<\/p>\n<p><em>\u201cDarlings\u201d ist erschienen bei City Slang\/Universal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kevin Drew hat die Welt und ihre Betten gesehen. Mit dem luftgepolsterten Pop seines zweiten Soloalbums sucht der S\u00e4nger von Broken Social Scene nach Intimit\u00e4t in Zeiten der sexuellen Reiz\u00fcberflutung. Broken Social Scene waren immer schon halb Rockband, halb soziologisches Experiment. Mehr als 30 mehr oder minder feste Mitglieder geh\u00f6rten zwischenzeitlich zur Gruppe aus Toronto. 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