{"id":18178,"date":"2014-06-18T08:00:19","date_gmt":"2014-06-18T06:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18178"},"modified":"2014-12-23T14:55:20","modified_gmt":"2014-12-23T13:55:20","slug":"the-antlers-familiars","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/06\/18\/the-antlers-familiars_18178","title":{"rendered":"Der Himmel \u00fcber Brooklyn"},"content":{"rendered":"<p><strong>New York kann auch ruhig und besinnlich sein: In gem\u00e4\u00dfigtem Tempo breiten The Antlers ihre epischen Songs aus. Ihr Album &#8222;Familiars&#8220; h\u00e4lt eine verbl\u00fcffende Erkenntnis bereit.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18191\" aria-describedby=\"caption-attachment-18191\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/06\/antlers38290.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18191\" alt=\"\u00a9 Cooperative\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/06\/antlers38290.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/06\/antlers38290.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/06\/antlers38290-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18191\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Cooperative<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Ist ja zu verstehen: Man kann ja nicht immerzu \u00fcbers Sterben singen. Dieses Gejammer die ganze Zeit. Das dr\u00fcckt auf Dauer ja ziemlich auf die Stimmung. Macht man sich auch keine Freunde mit. Deswegen singen The Antlers zur Abwechslung \u00fcber etwas v\u00f6llig anderes. Zum Beispiel \u00fcbers Totsein.<!--more--><\/p>\n<p>Bevor die Band aus Brooklyn ins Studio ging, um ihr neues Album <em>Familars<\/em> aufzunehmen, hatte sich ihr Frontmann Peter Silberman vertieft ins Bardo Th\u00f6dr\u00f6l. Der buddhistische Text stammt aus dem 8. Jahrhundert und ist eine Art Reisef\u00fchrer, der Verstorbenen helfen soll, den Weg vom Tod bis zur Wiedergeburt zu finden. Dieser Lonely Planet f\u00fcrs Schattenreich wurde Silberman zur pr\u00e4genden Inspiration, als er die Songs f\u00fcr <em>Familiars<\/em> schrieb.<\/p>\n<p>Nicht, dass er allzu viel Einf\u00fchrung ins Thema gebraucht h\u00e4tte. Der Gitarrist und S\u00e4nger kann getrost als musikalische Fachkraft f\u00fcrs letzte Geleit bezeichnet werden. Bereits auf <em>Hospice<\/em>, der Platte, mit der The Antlers 2009 der Durchbruch gelang, stand das Ableben im Zentrum. <em>Hospice<\/em> war ein ungew\u00f6hnliches, ja sogar mutiges Konzeptalbum, weil es sich gegen die in der Rockmusik sonst vorherrschende, verkl\u00e4rende Sicht auf den Tod stellte. In zehn so wundervollen wie schmerzenden Songs erz\u00e4hlte Silberman nicht etwa von einem heroischen Rock-&#8217;n&#8216;-Roll-Tod, sondern die Geschichte einer Liebe, die der Krebs trennt. Eine Geschichte, die im titelgebenden Hospiz endet, ausgebreitet ohne falsches Pathos und mit allen emotionalen Untiefen, von der Verzweiflung \u00fcber die Trauer bis zum Hass der \u00dcberlebenden auf die Sterbenden, neben deren Leid kein Platz mehr bleibt f\u00fcr die eigenen Empfindungen.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/93126457\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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In anderen Songs versucht er zu ergr\u00fcnden, wie es ist, hinter seinem eigenen Spiegelbild gefangen zu sein oder das alte Ich zu verlassen, ohne es jemals endg\u00fcltig loszuwerden.<\/p>\n<p>Aber es kann einem eigentlich herzlich egal sein, wovon Silberman singt, wenn er nur so singt, wie er singt, und dazu zusammen mit Multiinstrumentalist Darby Cicci und Schlagzeuger Michael Lerner diese wundervolle Musik macht. Nach dem nicht ganz so gegl\u00fcckten <em>Burst Apart<\/em> von 2011 ist <em>Familiars<\/em> eine R\u00fcckkehr zu alter Gr\u00f6\u00dfe. Sich langsam erhebende, dann aber umso gewaltiger sich erweiternde Songs, die sich schon lange von dem Postrock-Muster entfernt haben, das die Fr\u00fchzeit der Band pr\u00e4gte. Stattdessen St\u00fccke von epischen Ausma\u00dfen, die ihre weihevolle Dramatik bis zum Letzten auskosten, ohne jemals im Kitsch zu versinken. Das Tempo stets gem\u00e4\u00dfigt, doch niemals verschlafen. Die Stimmung inbr\u00fcnstig, aber niemals pastoral, selbst wenn die immer wiederkehrenden Bl\u00e4ser nicht selten an einen evangelischen Posaunenchor gemahnen.<\/p>\n<p>Eine sehr sch\u00f6ne, niemals aber zu sch\u00f6ne Platte, und die tr\u00f6stliche Erkenntnis: Der Tod klingt gut.<\/p>\n<p><em>&#8222;Familiars&#8220; von The Antlers ist erschienen bei Transgressive\/PIAS\/Cooperative.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>New York kann auch ruhig und besinnlich sein: In gem\u00e4\u00dfigtem Tempo breiten The Antlers ihre epischen Songs aus. Ihr Album &#8222;Familiars&#8220; h\u00e4lt eine verbl\u00fcffende Erkenntnis bereit. Ist ja zu verstehen: Man kann ja nicht immerzu \u00fcbers Sterben singen. Dieses Gejammer die ganze Zeit. Das dr\u00fcckt auf Dauer ja ziemlich auf die Stimmung. 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