{"id":18325,"date":"2014-07-07T14:38:03","date_gmt":"2014-07-07T12:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18325"},"modified":"2014-12-23T14:55:16","modified_gmt":"2014-12-23T13:55:16","slug":"sia-1000-forms-of-fear","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/07\/07\/sia-1000-forms-of-fear_18325","title":{"rendered":"Hits aus der T\u00fcte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sia Furler schreibt Songs f\u00fcr Beyonc\u00e9 oder David Guetta. Ihr f\u00fcnftes eigenes Album klingt nun nach demselben Spektakelpop, aber die S\u00e4ngerin beh\u00e4lt die ironische Distanz.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18330\" aria-describedby=\"caption-attachment-18330\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/07\/sia723819.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18330\" alt=\"\u00a9 RCA Records\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/07\/sia723819.jpg\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/07\/sia723819.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/07\/sia723819-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18330\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 RCA Records<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Wenn Musiker in amerikanischen Late Night Shows auftreten, dann ist das meist die Antithese zu allem, was fr\u00fcher mal bei <em>Wetten dass&#8230;?<\/em> passiert ist. Keine metaphorisch aufgeladenen Tonnenfeuer im B\u00fchnenbild<!--more-->, keine \u00fcberdimensionierten Uhren, keine Leuchtbuchstaben und Glitzerjacketts. Sondern alles roh und klein und echt und gerade perfekt genug abgemischt, um am n\u00e4chsten Tag ordentlich Internet-Credits f\u00fcr Jimmy, Jimmy, Ellen, Conan und Co. zu generieren. Deshalb war das, was sich Sia Furler Anfang Juni bei <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Sj757ishXnQ\" target=\"_blank\"><em>Late Night With Seth Meyers<\/em><\/a> geleistet hat, umso merkw\u00fcrdiger:<\/p>\n<p>B\u00e4uchlings liegt die Musikerin auf einem Hochbett, den Kopf in ein Kissen vergraben, unter dem ein Mikrofonst\u00e4nder steht, w\u00e4hrend <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2014-04\/girls-dritte-staffel-lena-dunham\" target=\"_blank\">Lena Dunham<\/a> die ganze Arbeit macht. Die Schauspielerin, Regisseurin und Erfinderin von <em>Girls<\/em> bringt in wei\u00dfem Anzug und mit Sia-Per\u00fccke eine Art Ausdruckstanz auf die B\u00fchne, nicht sch\u00f6n, aber besonders, und so tapfer ungelenk, wie ihn au\u00dfer Dunhams Serienfigur Hannah wohl nur Sia selbst hinbekommen h\u00e4tte. Dass die nicht muss, zeigt, wie weit die Australierin gekommen ist. Interessanter ist, warum sie nicht will.<\/p>\n<p>Sia braucht die Verkleidungen, weil sie nicht aus ihrer Haut kann. Dabei wei\u00df sie als Songschreiberin f\u00fcr alle \u00dcberstars eigentlich nur zu gut, wie das Popgesch\u00e4ft funktioniert: Man muss sich zur Kunstfigur mit Knacks an der richtigen Stelle stilisieren, um Plastik zu Gold zu machen. Dem <em>Glee<\/em>-Star Lea Michele hat sie geholfen, den Abschiedssong <em>If You Say So<\/em> an ihren toten Freund Cory Monteith zu formulieren. Beyonc\u00e9 hat sie das Album-Er\u00f6ffnungsst\u00fcck <em>Pretty Hurts<\/em> auf den perfekten Leib geschrieben. Und in David Guettas Unverwundbarkeitshymne <em>Titanium<\/em> singt sie sogar selbst.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"no\" height=\"150\" scrolling=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/155983517&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true\" width=\"100%\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Auf dem Albumcover strahlt ikonisch der geometrisch platinblonde Bob, auf Pressefotos tr\u00e4gt sie eine Papiert\u00fcte \u00fcber dem Kopf, auf der B\u00fchne l\u00e4sst sie sich gern von T\u00e4nzern vertreten. Soll doch niemand denken, sie n\u00e4hme das Theater wirklich ernst.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/94744558\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Aber nicht nur die feierlichen Refrains hat sie diesmal f\u00fcr sich behalten, sondern auch das puckernde Herzklopfen, die kunstvolle Instrumentierung mit Streichern und Klavieren und die eigenwilligen Melodieb\u00f6gen.<\/p>\n<p>Sogar ihre Formel f\u00fcr erfolgreiche Songtexte wendet sie diesmal f\u00fcr sich selbst an: Man nehme ein leicht zu merkendes Wort und stricke darum lauter generische Phrasen \u00fcber Liebe und Schmerz. <em>Chandelier<\/em> eben, der Kronleuchter, an dem sie schwingt, als g\u00e4be es kein morgen und keinen Sarkasmus, mit dem man sich selbst zu Fall bringen k\u00f6nnte. Ehrlicher als alles, was Sia f\u00fcr andere schreibt, ist ihr f\u00fcnftes eigenes Album nicht. Im Laufe der zw\u00f6lf Songs wechselt die Songschreiberin, die auch eine hervorragende S\u00e4ngerin ist, geschickt von einer Popstimme zur n\u00e4chsten. Was war zuerst da? Ihr Talent oder die h\u00fcbschen Gesichter der anderen? Das Echte oder die Papiert\u00fcte?<\/p>\n<p><em>&#8222;1000 Forms Of Fear&#8220; von Sia ist erschienen bei Sony.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sia Furler schreibt Songs f\u00fcr Beyonc\u00e9 oder David Guetta. Ihr f\u00fcnftes eigenes Album klingt nun nach demselben Spektakelpop, aber die S\u00e4ngerin beh\u00e4lt die ironische Distanz. Wenn Musiker in amerikanischen Late Night Shows auftreten, dann ist das meist die Antithese zu allem, was fr\u00fcher mal bei Wetten dass&#8230;? passiert ist. 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