{"id":18747,"date":"2014-10-06T18:15:11","date_gmt":"2014-10-06T16:15:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18747"},"modified":"2014-12-23T14:50:37","modified_gmt":"2014-12-23T13:50:37","slug":"chicks-on-speed","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/10\/06\/chicks-on-speed_18747","title":{"rendered":"Agitpop im Neubaugebiet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Chicks on Speed wollten immer elektroschrottigen Kunstpop machen. Auf ihrem siebten Album verlassen sie sich auf Julian Assange und Yoko Ono. Wirkungsvoller wird es dadurch nicht.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18749\" aria-describedby=\"caption-attachment-18749\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/cos332.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18749\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/cos332.jpg\" alt=\"\u00a9 Chicks On Speed Records\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/cos332.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/cos332-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18749\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Chicks On Speed Records<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Es geht wie immer um den Ofen, in diesem Fall um den umweltvertr\u00e4glich pelletbefeuerten im Wohnzimmer des Reihenhauses, in dem das Bauhaus-Sofa einen waschbaren Bezug hat und die Kunstdrucke an der Wand von Etsy kommen.<!--more--><\/p>\n<p>Hinter diesem Ofen m\u00fcssen Chicks On Speed 2014 ihre H\u00f6rer aufsp\u00fcren, hervorlocken und dann eigentlich auch noch agitieren. Aber langsam.<\/p>\n<p>Seit Alex Murray-Leslie und Melissa Logan ihr Projekt 1997 zwischen zwei Veranstaltungen an der M\u00fcnchner Akademie der K\u00fcnste ins Leben riefen, ging es ihnen immer darum, die Grenzen der Kunst m\u00f6glichst kunstvoll zu sprengen und das so laut und grell und meinungsstark, dass es hoffentlich auch ein paar Leute au\u00dferhalb mitbekommen. Die Musik war dabei immer nur Teil einer umfassenden Performance, die sie mit Hilfe von knallbuten Kost\u00fcmen und Aktionen voller selbst erfundener Requisiten in die Kunstst\u00e4tten von MoMA bis Centre Pompidou brachten. Und manchmal landeten Songs wie <em>We Don&#8217;t Play Guitars<\/em> sogar in den ganz normalen Clubs.<\/p>\n<p>Wohin Chicks On Speed mit ihrem siebten Album <em>Artstravaganza<\/em> nun wollen, ist nicht ganz klar. Digital und analog gleichzeitig soll es jedenfalls sein, was gut passt, weil die politisierten Clubber von einst heute eher mit dem iPad am Feuer sitzen. Sechs Apps gibt es zum Album, mit denen man an den Instrumenten der Songs herumspielen kann, wenn die Kinder im Bett sind und die n\u00e4chste <em>Game-Of-Thrones<\/em>-Folge noch l\u00e4dt. Das hat sich das Jahrtausendwende-Prekariat wohl auch anders vorgestellt, bevor es sich aufteilte in moderne Spie\u00dfer und sonstwie tot, aber da m\u00fcssen wir jetzt alle durch, zur Not mit dem gleichen clashig-trashigen Elektropop-Plastikhammer wie immer.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/qGLCahyRFBQ\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Mag sein, dass es irgendwo irgendwen tats\u00e4chlich ber\u00fchrt, wenn etwa der Song <em>God<\/em> knapp sieben Minuten lang Ausschnitte aus einem Interview mit dem Wikileaks-Verr\u00e4ter Julian Assange mit wabernder, knacksender Elektronik unterlegt; mit akuter Aufruhr hat das aber so wenig zu tun wie mit kreativem Einmischen. Und auch die anderen Gastauftritte \u2013 von Francesca von Habsburg bis Yoko Ono \u2013 d\u00fcrften niemanden aus den Birkenstocks hauen.<\/p>\n<p>Immerhin schaffen es Murray-Leslie und Logan mit Ausnahmesongs wie <em>Wir sind Daten<\/em> und <em>Love Bites<\/em> zwischendurch doch noch, smarte Zukunftsvisionen in tanzbare Popmusik mit ironisch s\u00fc\u00dfen Barbie-Refrains zu verpacken, die man zur Riot-Grrrl-Party so gut mitnehmen kann wie zum Sechs-Uhr-morgens-Joggen durchs Neubaugebiet. Solange die Nachbarn nicht gucken, kann man dazu sogar die Luft boxen.<\/p>\n<p><em>&#8222;Artstravaganza&#8220; von Chicks On Speed erscheint bei Chicks On Speed Records.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chicks on Speed wollten immer elektroschrottigen Kunstpop machen. Auf ihrem siebten Album verlassen sie sich auf Julian Assange und Yoko Ono. Wirkungsvoller wird es dadurch nicht. 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