{"id":18864,"date":"2014-10-29T08:00:38","date_gmt":"2014-10-29T07:00:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18864"},"modified":"2014-12-23T14:50:33","modified_gmt":"2014-12-23T13:50:33","slug":"arca-xen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/10\/29\/arca-xen_18864","title":{"rendered":"Mann \u00fcber Motherboard"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wo h\u00f6rt der Mensch auf, wo beginnt die Maschine? Der junge venezolanische Produzent Arca macht nervenaufreibende Laptop-Musik. Und entfernt sich selbst aus ihr.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18881\" aria-describedby=\"caption-attachment-18881\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/arca67483.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18881\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/arca67483.jpg\" alt=\"\u00a9 Daniel Sannwald\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/arca67483.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/10\/arca67483-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18881\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Daniel Sannwald<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Je weiter sich Alejandro Ghersi vom Mainstream entfernt, desto entschlossener scheinen ihm dessen aufmerksamste Vertreter hinterherzulaufen. Als sich das Management von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/leben\/2014-07\/kanye-west-interview-gq\" target=\"_blank\">Kanye West<\/a> an den venezolanischen Produzenten wandte und um die Einsendung einiger Arbeitsproben bat, schickte Ghersi die verr\u00fcckteste Musik zur\u00fcck, die er bis zu diesem Zeitpunkt unter seinem K\u00fcnstlernamen Arca komponiert hatte.<!--more--> Kurz darauf geh\u00f6rte er zu den 26 Produzenten, die mehr oder weniger ma\u00dfgeblich an der Fertigstellung von Wests j\u00fcngstem Album <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2013-06\/kanye-west-yeezus\" target=\"_blank\"><em>Yeezus<\/em><\/a> beteiligt waren.<\/p>\n<p>Auch <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/31\/arca-fka-twigs-rnb\" target=\"_blank\">FKA Twigs<\/a> hat etwas erkannt in den fremdartigen Tracks von Arca und gemeinsam mit ihm den umgekrempelten R &#8217;n&#8216; B ihres diesj\u00e4hrigen Deb\u00fctalbums entworfen. Verglichen mit Arcas&#8216; eigenem Deb\u00fct klingt dieses allerdings wie die gew\u00f6hnlichste Musik der Welt. Auf <em>Xen<\/em> verschmilzt Ghersi so vollst\u00e4ndig mit seinen Maschinen, dass sich kaum noch sagen l\u00e4sst, wo der Mensch aufh\u00f6rt und die Technik beginnt. Dabei entsteht Unerh\u00f6rtes im besten Sinn \u2013 Ger\u00e4usche, wie sie die Welt noch nicht geh\u00f6rt hat.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es Vorl\u00e4ufer f\u00fcr den Arca-Sound: die detailfreudig konstruierten und texturierten Tracks von <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2014-09\/aphex-twin-syro\" target=\"_blank\">Aphex Twin<\/a> und vieles, was dessen Weggef\u00e4hrten bei Warp Records um die Jahrtausendwende verdrahtet haben. Arca greift die sogenannte Intelligent Dance Music auf und verkehrt sie in ihr Gegenteil: Tanzen kann man nicht mehr zu einem St\u00fcck wie <em>Thievery<\/em>, das mit Breakbeat, unkenntlich gemachtem Stimmgewirr und blechernen Synthie-Fanfaren gegen sich selbst in die Schlacht zieht. Aber Zucken, Schlottern, Zittern sind ja auch sch\u00f6ne Bewegungen.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/107025932\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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In sprung- und bruchst\u00fcckhaften Tracks, die es selten \u00fcber die Drei-Minuten-Marke schaffen, reihen sich verbogene Sounds und angedeutete Beats aneinander. Ein verstimmtes Klavier spielt kurz dazwischen, Streicher steigen \u00fcber <em>Wound<\/em> auf wie ein Stechm\u00fcckenschwarm. All das ist zweifelsohne faszinierend anzuh\u00f6ren, aber nur schwer zu greifen. Meistens fallen Arcas St\u00fccke auseinander, bevor man sich einen Reim auf sie machen kann.<\/p>\n<p>Wer hinter die Geheimnisse seiner menschenabweisenden Musik kommen will, muss sich mit der Biografie von Alejandro Ghersi vertraut machen. Der 24-j\u00e4hrige ist in einer Gated Community in der venezolanischen Hauptstadt Caracas aufgewachsen. Als schwuler Teenager, f\u00fcr den ein Coming-out lange Zeit undenkbar war, f\u00fchlte er sich dort tats\u00e4chlich eher eingesperrt als beh\u00fctet. Ghersi durchlebte Phasen, in denen er beinahe jeden Kontakt mit anderen Menschen vermied.<\/p>\n<p>Auf <em>Xen<\/em>, dessen Tracks evokative Titel wie <em>Lonely Thug<\/em> oder <em>Sad Bitch<\/em> tragen, sind heute noch Echos aus dieser Zeit zu h\u00f6ren. Arca hat ein R\u00fcckzugsalbum gemacht, das keine Texte braucht, um seine Botschaft der Widerborstigkeit zu vermitteln. Trotzdem scheint das halbe Pop-Establishment einen Ruf zu den Waffen in Arcas Musik zu h\u00f6ren: Fast alle rei\u00dfen sich derzeit um den schm\u00e4chtigen Produzenten. Es ist also gut, dass er inzwischen gar nicht mehr so menschenscheu sein soll. Selbst eine Session mit <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-10\/bjoerk-biophilia\" target=\"_blank\">Bj\u00f6rk<\/a> hat Arca vor Kurzem erfolgreich \u00fcber die B\u00fchne gebracht.<\/p>\n<p><em>&#8222;Xen&#8220; von Arca ist erschienen bei Mute Artists\/GoodToGo.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wo h\u00f6rt der Mensch auf, wo beginnt die Maschine? Der junge venezolanische Produzent Arca macht nervenaufreibende Laptop-Musik. Und entfernt sich selbst aus ihr. Je weiter sich Alejandro Ghersi vom Mainstream entfernt, desto entschlossener scheinen ihm dessen aufmerksamste Vertreter hinterherzulaufen. 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