{"id":18941,"date":"2014-11-21T11:26:29","date_gmt":"2014-11-21T10:26:29","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18941"},"modified":"2014-12-23T14:57:29","modified_gmt":"2014-12-23T13:57:29","slug":"get-well-soon-konstantin-gropper","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/11\/21\/get-well-soon-konstantin-gropper_18941","title":{"rendered":"Abseits der Leinwand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Konstantin Gropper ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmmusiker. Als Get Well Soon zeigt er jetzt auf drei EPs, wie Pop und Opulenz zusammenfinden.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18945\" aria-describedby=\"caption-attachment-18945\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/gropper678.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18945\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/gropper678.jpg\" alt=\"\u00a9 Jens Oellermann \" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/gropper678.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/gropper678-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18945\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Jens Oellermann<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Auch der beste Filmmusikschreiber kann nicht immer nur Filmmusik schreiben, kann nicht immer nur David Kross durch Kambodscha (<em>Same Same But Different<\/em>), Tom Schilling durch Berlin (<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/film\/2012-10\/filme-berlin-oh-boy\" target=\"_blank\"><em>Oh Boy<\/em><\/a>) oder eine franz\u00f6sische Pornoproduktionsfirma durch menschliche Abgr\u00fcnde (<em>Xanadu<\/em>) begleiten.<!--more--> Auf dem letzten eigenen Album von Konstantin Gropper alias Get Well Soon, das <em>The Scarlet Beast O&#8216; Seven Heads<\/em> hie\u00df und im Sp\u00e4tsommer 2012 erschien, brauchte es nicht mal mehr einen Auftrag von au\u00dfen f\u00fcr \u00fcberbordende Arrangements voller Anspielungen an die ganz gro\u00dfen Helden. <em>Roland, I Feel You<\/em> huldigte Katastrophen-Regisseur Emmerich mit einem monumentalen Musikvideo und italowestrigen Kl\u00e4ngen wie von Ennio Morricone pers\u00f6nlich, und Konstantin Gropper hatte sich endg\u00fcltig als bester deutscher Scorer empfohlen. Keine schlechte Position, aber eine beengte.<\/p>\n<p>Jetzt erweitert er die Perspektiven und ver\u00f6ffentlicht gleich drei EPs. Gemeinsam haben sie nur ihren Ver\u00f6ffentlichungsmonat November \u2013 und dass die Leinwand dunkel bleibt. Auf <em>The Lufthansa Heist EP<\/em> sch\u00fcttelt Gropper sich deshalb erst mal wieder aus. Keine zig Instrumente am Bein, sondern nur m\u00f6glichst viele Gitarren in der Hand, und dazu Vorbilder wie Dinosaur Jr., Pavement, die Smashing Pumpkins und die Lemonheads im Kopf. W\u00e4re da nicht seine ewigtiefe Vampirstimme, man k\u00f6nnte die f\u00fcnf Songs der ersten EP fast f\u00fcr sorglos ironischen Polohemdenpop halten, so schwungvoll und unkompliziert joggen etwa <em>The Pope Washed My Feet In Prison<\/em> und <em>Staying Home<\/em> durch verzerrte Gitarrenw\u00e4nde und lockerleichte Rhythmen. Erst die cheesy Sitcom-Titelmusik im Bonustrack, den Gropper epochengerecht ein paar stille Sekunden hinter dem letzten Song versteckt hat, erinnert doch wieder an seinen liebsten Brotjob.<\/p>\n<p>Keinem ganzen Genre, sondern einem einzigen Idol ist die <em>Henry EP<\/em> gewidmet. Statt Bilder zu vertonen, setzt Gropper hier seine Bewunderung f\u00fcr den Schrifsteller Arnold Stadler in f\u00fcnf Songs um, f\u00fcr die er wieder all die Xylophone und klickenden Beats hervorholt, die sein Deb\u00fctalbum <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/01\/04\/opulenz-zum-quadrat_614\" target=\"_blank\"><em> Rest Now, Weary Head! You Will Get Well Soon<\/em><\/a> einst aus dem Kinderzimmer in die gro\u00dfe Welt schossen und die er seitdem nach und nach durch immer gr\u00f6\u00dfere Instrumente ersetzte.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/106960179\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Auf dem <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/01\/20\/get-well-soon_4467\" target=\"_blank\">zweiten Album <em>Vexations<\/em><\/a> war es der Stoizismus, zu jeder Gelegenheit zieht er neue eigenwillige Vorbilder als Inspiration heran. Seneca, Werner Herzog, jetzt eben Arnold Stadler. Manchmal nimmt er auch den ganz direkten Weg und covert einfach Songs, die er mag. Auf der <em>Greatest Hits EP<\/em> sind das Popklassiker wie <em>Careless Whisper<\/em> oder <em>Rocket Man<\/em>, aber auch Spezialit\u00e4ten wie <em>Oh My Love<\/em>, das der Filmmusikkomponist Riz Ortolani einst von Katyna Ranieri einsingen lie\u00df und zu dem Ryan Gosling viel sp\u00e4ter in <em>Drive<\/em> durch die Gegend fuhr. Bei Get Well Soon wird aus dem triumphalen Geschmetter einer Diva die eher vorsichtige Hoffnung von einem, der vor lauter Rauschen und Klimpern das Licht kaum noch sieht. \u00c4hnlich ergeht es <em>Till I Die<\/em> von den Beach Boys, das Gropper zum Schluss in ganz neue psychedelische Abgr\u00fcnde f\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Wenn er nach so viel \u00fcppig instrumentierten Ausfl\u00fcgen immer noch nicht bereit ist f\u00fcr ein neues Album, dann doch vielleicht f\u00fcr die n\u00e4chste Weihnachtsplatte?<\/p>\n<p><em>&#8222;The Lufthansa Heist EP&#8220;, &#8222;Henry EP&#8220; und &#8222;Greatest Hits EP&#8220; sind erschienen bei City Slang.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konstantin Gropper ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmmusiker. Als Get Well Soon zeigt er jetzt auf drei EPs, wie Pop und Opulenz zusammenfinden. 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