{"id":18964,"date":"2014-11-26T11:54:10","date_gmt":"2014-11-26T10:54:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=18964"},"modified":"2014-12-23T14:57:28","modified_gmt":"2014-12-23T13:57:28","slug":"sound-of-yell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2014\/11\/26\/sound-of-yell_18964","title":{"rendered":"Drau\u00dfen, wo die M\u00f6wen singen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stevie Jones und sein Kammerorchester Sound of Yell entlocken dem Folkpop die Natur. Das Album &#8222;Brocken Spectre&#8220; ist wie gemacht f\u00fcr Optimierungsm\u00fcde mit Sehnsucht nach Urspr\u00fcnglichkeit.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_18967\" aria-describedby=\"caption-attachment-18967\" style=\"width: 580px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/soy789.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18967\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/soy789.jpg\" alt=\"\u00a9 Broken Spectre\" width=\"580\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/soy789.jpg 580w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2014\/11\/soy789-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-18967\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Chemikal Underground<\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Dass die Natur nicht nur \u00fcber einen \u00e4u\u00dferst eigent\u00fcmlichen Sound verf\u00fcgt, sondern auch ziemlich komplex vertont werden kann, hat schon so mancher klassische Komponist bewiesen. Bed\u0159ich Smetanas ber\u00fchmte <em>Moldau<\/em> zum Beispiel verwandelte dessen b\u00f6hmische Heimat 1882 in eine mal pl\u00e4tschernde, mal rei\u00dfende Sinfonie.<!--more--><\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tbarock formte Antonio Vivaldi aus den vier Jahreszeiten einen schwingenden Violinzyklus gleichen Titels. Und bei Felix Mendelssohn Bartholdys Ouvert\u00fcre <em>Die Hebriden<\/em> w\u00e4hnt man sich noch beinahe 200 Jahre sp\u00e4ter inmitten einer sturmumtosten Inselgruppe. Modernere Musik mit ihrer artifiziellen Instrumentierung neigt dagegen weit seltener zur Tonmalerei, wie es die gro\u00dfen Meister fr\u00fcherer Jahrhunderte noch taten.<\/p>\n<p>Umso weiter ins Gr\u00fcne f\u00fchlt man sich entf\u00fchrt, wenn Rafe Fitzpatricks Geige pl\u00f6tzlich klingt wie schreiende M\u00f6wen, wenn Alex Neilsons Percussion von Ferne ein Gewitter anzuk\u00fcndigen scheint und Peter Nicholsons Cello an einen surrenden Insektenschwarm erinnert. Kurzum: Wenn man das orchestrale Deb\u00fctalbum des schottischen Soundt\u00fcftlers Stevie Jones h\u00f6rt, eingespielt mit einem Dutzend Klangvirtuosen aus seinem Glasgower Dunstkreis.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"no\" height=\"150\" scrolling=\"no\" src=\"https:\/\/w.soundcloud.com\/player\/?url=https%3A\/\/api.soundcloud.com\/tracks\/136924058&amp;auto_play=false&amp;hide_related=false&amp;show_comments=true&amp;show_user=true&amp;show_reposts=false&amp;visual=true\" width=\"100%\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Doch ohne je das Liedhafte zu verlieren, ziehen Sound of Yell ihre H\u00f6rer wie Betrachter einer Landschaftsmalerei aus der Zivilisation hinaus in die Natur. <em>Brocken Spectre<\/em> ist die Vertonung einer Sehnsucht nach Nat\u00fcrlichkeit. Erm\u00fcdet von Selbstoptimierungszwang, Smartphone und dem Fegefeuer der Eindr\u00fccke darf man kurz mal im lautst\u00e4rkegedrosselten Hallraum des Urspr\u00fcnglichen entspannen. Und das ist definitiv nicht als Flucht gemeint.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" frameborder=\"0\" height=\"330\" src=\"\/\/player.vimeo.com\/video\/105505095?color=ff9933\" width=\"580\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Live im Wald oder bei <em>Brocken Spectre<\/em> aus der Box, einem exzentrischen Wunderwerk akustischer Musik.<\/p>\n<p><em>&#8222;Brocken Spectre&#8220; von Sound of Yell ist erschienen bei Chemikal Underground (Rough Trade).<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stevie Jones und sein Kammerorchester Sound of Yell entlocken dem Folkpop die Natur. Das Album &#8222;Brocken Spectre&#8220; ist wie gemacht f\u00fcr Optimierungsm\u00fcde mit Sehnsucht nach Urspr\u00fcnglichkeit. Dass die Natur nicht nur \u00fcber einen \u00e4u\u00dferst eigent\u00fcmlichen Sound verf\u00fcgt, sondern auch ziemlich komplex vertont werden kann, hat schon so mancher klassische Komponist bewiesen. 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