{"id":217,"date":"2006-10-30T00:05:31","date_gmt":"2006-10-29T22:05:31","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/10\/30\/mit-einem-brot-am-zebrastreifen_217"},"modified":"2006-10-30T00:05:31","modified_gmt":"2006-10-29T22:05:31","slug":"mit-einem-brot-am-zebrastreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/10\/30\/mit-einem-brot-am-zebrastreifen_217","title":{"rendered":"Mit einem Brot am Zebrastreifen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/01\/uber-die-jahre_118\">\u00dcber die Jahre (16)<\/a>: Bis 1999 kannte beinahe niemand Funny van Dannen. Dann ver\u00f6ffentlichte er sein Album &#8222;Uruguay&#8220; und begeisterte Kritik wie Publikum. Die CD ist der bisherige H\u00f6hepunkt im Schaffen des lakonischen Liedermachers mit seinen intellektuell angehauchten Witzen und Spitzen<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><\/p>\n<div>\n<div style=\"float: left; margin-right: 6px\"><a class=\"textlink\" href=\"javascript:openme('http:\/\/apollo.zeit.de\/redirects\/cc.php?to=http:\/\/medien.zeit.de\/medialinks\/dannen-gedanken.mov',400,200,'middle','dannen-gedanken');\"><img decoding=\"async\" alt=\"Fanny van Dannen Uruguay\" style=\"border: 1px solid black\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2006\/10\/dannen-uruguay210.jpg\" \/><\/a><\/div>\n<p>Kann ein Mann mit einer Gitarre der Welt noch etwas Neues geben? \u201eInzwischen bin ich K\u00fcnstler und das ist wundersch\u00f6n \u2013 dabei wollte ich urspr\u00fcnglich nur nicht arbeiten gehen.\u201c Franz-Josef Hagmanns, so hei\u00dft Funny van Dannen b\u00fcrgerlich, ist kein Popstar geworden, das war nie seine Welt. 1999 ver\u00f6ffentlichte er <em>Uruguay<\/em> \u2013 die letzte Platte, bevor sich das deutsche Feuilleton dazu berufen f\u00fchlte, seine St\u00fccke wertzusch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Sein Lebenslauf ist nicht ungew\u00f6hnlich. Geboren wurde er nahe der Grenze zu den Niederlanden, Ende der Siebziger zog er nach Berlin. Er lebte als K\u00fcnstler, malte, musizierte, schrieb und setzte vier Kinder in die Welt. Kann so jemand Liedermacher werden? Jemand, der eigentlich gar nichts zu erz\u00e4hlen hat <span style=\"font-size: 11pt; font-family: Verdana\">\u2013<\/span> und das auch noch zugibt?<\/p>\n<p>Der Mann steht auf der B\u00fchne, allein mit seiner Gitarre <span style=\"font-size: 11pt; font-family: Verdana\">\u2013<\/span> passender w\u00e4re vermutlich die Bezeichnung Klampfe. \u201eWenn ich hier stehe, und Sie so sehe, bin ich der gl\u00fccklichste Mensch auf der Welt.\u201c Er spielt seine Lieder f\u00fcr und dann wieder mit dem Publikum. \u201eUnd wenn Sie mich fragen, warum ich das sage: Ich bin nicht mehr jung und ich brauche das Geld.\u201c<\/p>\n<p>Er ist ein Meister allt\u00e4glicher Melancholie, von Mollt\u00f6nen und feinen Wortspielen. Wie ein Bach pl\u00e4tschert seine Musik vor sich hin, der Geschichtenerz\u00e4hler und seine Gitarre erg\u00e4nzen sich perfekt. Wenn es ihm notwendig scheint, z\u00fcckt er auch mal die Mundharmonika. Die Musik l\u00e4dt zum Mitsummen ein, wer sich einlullen l\u00e4sst, verpasst die Spitzen in seinen Texten.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Wo kommen die Gedanken her,<br \/>\nwas wollen sie von mir,<br \/>\nwenn sie morgen wiederkommen,<br \/>\nbin ich nicht mehr hier&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Seine Texte stecken voller deprimierender Erfahrungen. Die gro\u00dfen und kleinen Dramen menschlichen Zusammenlebens und Missverstehens besingt er. Funny van Dannen ist ein aufmerksamer Beobachter, der \u00fcberspitzt formuliert und dem oft versch\u00e4mt lachenden Publikum den Spiegel vorh\u00e4lt. Wer muss nicht schmunzeln, wenn eine misslungene Liebesgeschichte auf ihre allt\u00e4gliche Substanz (\u201eIch stand mit einem Brot am Zebrastreifen, sie war wirklich fort, ich stand mit einem Brot am Zebrastreifen, ich stand noch lange dort\u201c) reduziert wird?<\/p>\n<p><em>Uruguay<\/em> war seine vierte CD. Warum sie so hie\u00df? \u201eWahrscheinlich ist es nur das <em>Wocht<\/em>, dem ich verfallen bin.\u201c So viel sprachlicher Lokalkolorit durfte auch nach 20 Jahren Berlin noch sein. Nach dem Erscheinen von <em>Uruguay<\/em> wurde Funny van Dannen einem breiteren Publikum bekannt, die Kritik erkl\u00e4rte ihn zu Deutschlands oberstem Liedermacherantipopstar. H\u00f6rt man die CD heute, hat man das Gef\u00fchl, dass sie der H\u00f6hepunkt des lakonischen Liedermachers mit seinem oft intellektuell angehauchten Witz war.<\/p>\n<p><em>\u201eUruguay\u201c von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.funny-van-dannen.de\/\">Funny van Dannen<\/a> ist als LP und CD erschienen bei <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.trikont.de\/\">Trikont<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>H\u00f6ren Sie hier <img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/elemente\/tonicon_sw1_16x16.gif\" \/> <a class=\"textlink\" href=\"javascript:openme('http:\/\/apollo.zeit.de\/redirects\/cc.php?to=http:\/\/medien.zeit.de\/medialinks\/dannen-gedanken.mov',400,200,'middle','dannen-gedanken');\">\u201eWo kommen die Gedanken her?\u201c<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Serie \u00dcBER DIE JAHRE<br \/>\n<\/strong>(15) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/10\/09\/die-tranen-weggeschmunzelt_193\">The Cure: \u201eThe Head On The Door\u201c<\/a> (1985)<br \/>\n(14) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/09\/22\/zuge-rumpeln-durchs-zimmer_190\">Can: \u201eTago Mago\u201c<\/a> (1971)<br \/>\n(13) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/30\/tu-die-traume-in-die-flasche_149\">Nico: \u201eChelsea Girl\u201c<\/a> (1968)<br \/>\n(12) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/28\/pilgervater-im-glitteranzug_148\">Byrds: \u201eSweetheart Of The Rodeo\u201c<\/a> (1968)<br \/>\n(11) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/25\/einfach-ideal_146\">Sender Freie Rakete: \u201eKeine gute Frau\u201c<\/a> (2005)<br \/>\n(10) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/23\/ein-raumschiff-fliegt-vorbei_147\">Herbie Hancock: \u201eSextant\u201c<\/a> (1973)<br \/>\n(9) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/18\/lass-mich-in-deiner-welt-leben-dave_144\">Depeche Mode: \u201eViolator\u201c <\/a>(1990)<br \/>\n(8) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/18\/zottelmonster-du-mein-augapfel_143\">Stevie Wonder: \u201eMusic Of My Mind\u201c<\/a> (1972)<br \/>\n(7) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/16\/der-mann-vor-dem-fliederbusch_140\">Tim Hardin: \u201e1\u201c<\/a> (1966)<br \/>\n(6) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/14\/unentspannte-musik-fur-unentspannte-typen_139\">Cpt. Kirk &#038;.: \u201eReformh\u00f6lle\u201c<\/a> (1992)<br \/>\n(5) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/11\/der-traurigste-samba-der-musikgeschichte_138\">Chico Buarque: \u201eConstru\u00e7\u00e3o\u201c<\/a> (1971)<br \/>\n(4) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/09\/gemuse-zum-mitschnippen_142\">The Mothers of Invention: \u201eAbsolutely Free\u201c<\/a> (1967)<br \/>\n(3) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/07\/warme-tone-und-elegantes-geplapper_136\">Soweto Kinch: \u201eConversations With The Unseen\u201c<\/a> (2003)<br \/>\n(2) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/04\/aus-der-welt-gefallen_135\">Syd Barrett: \u201eThe Madcap Laughs\u201c<\/a> (1970)<br \/>\n(1) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/02\/schon-verloren_29\">Fehlfarben: \u201eMonarchie und Alltag\u201c<\/a> (1980)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Jahre (16): Bis 1999 kannte beinahe niemand Funny van Dannen. 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