{"id":276,"date":"2007-01-10T00:36:59","date_gmt":"2007-01-09T22:36:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/01\/10\/verschwommenes-knistern_276"},"modified":"2007-01-10T00:36:59","modified_gmt":"2007-01-09T22:36:59","slug":"verschwommenes-knistern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/01\/10\/verschwommenes-knistern_276","title":{"rendered":"Verschwommenes Knistern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit weit ge\u00f6ffneten Augen schlafwandelt die Berlinerin Milenasong durch eigentlich altbekannte Klanglandschaften. Die Musik auf ihrem Album &#8222;Seven Sisters&#8220; ist schrullig, sie scheint in keine Zeit und an keinen Ort der Welt so recht zu passen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><\/p>\n<div>\n<div style=\"float: left; margin-right: 6px\"><a href=\"javascript:openme('http:\/\/apollo.zeit.de\/redirects\/cc.php?to=http:\/\/medien.zeit.de\/medialinks\/milena-figs.mov',400,200,'middle','milena-figs');\"><img decoding=\"async\" style=\"border: 1px solid black\" alt=\"The Cure Festival 2005\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2007\/01\/milena-seven210.jpg\" \/><\/a><\/div>\n<p>Das Album <em>Seven Sisters<\/em> von Milenasong ist Tinte in die F\u00fcller der Musikschreiber. Was werden wir wohl dar\u00fcber lesen: Ist es \u00bbeine wunderbare Platte, um einem verregneten Herbsttag am Fenster zu sitzen\u00ab? Als feingliedrig und \u2014 im schlimmsten Fall \u2014 elfenhaft will man uns melancholische Musik von Frauen allzu oft verkaufen. Von da ist es nicht weit zu kleinen H\u00e4nden und ganz gro\u00dfen Augen, die einen Besch\u00fctzer suchen. Aber ist es wirklich so? Seit Jahren arbeitet die Berlinerin Sabrina Milena in Eigenregie und ist st\u00e4ndig auf Tournee, daf\u00fcr muss man z\u00e4h sein. Und ist die Musik, die sie nun unter dem Namen Milenasong ver\u00f6ffentlicht, noch so traurig, das Klischee von der fragilen K\u00fcnstlerin passt auf sie nicht.<\/p>\n<p>Es m\u00fcssen schnell neue Bilder her, und <em>Seven Sisters<\/em> erzeugt sie sie sofort. Die Realit\u00e4t r\u00fcckt schon mit den ersten Akkorden in die Ferne, als gleite man mit einem Schiff durch nebliges Gew\u00e4sser. Oder ist es doch eine klare W\u00fcstennacht? Die Bilder verschwimmen, im Traum entstehen absurde Verkn\u00fcpfungen. Eine morbide Atmosph\u00e4re macht sich breit.<\/p>\n<p>Sabrina Milenas Musik ist schrullig, denn sie scheint in keine Zeit und an keinen Ort der Welt so recht zu passen. Mal klingt sie nach d\u00fcsteren norwegischen W\u00e4ldern, mal nach der amerikanischen W\u00fcste. Wie aus einem Grammofon knistert sie warm, das \u00e4ndert auch die neben der Akustikgitarre eingesetzte Elektronik nicht. Ein wiederkehrendes Motiv des Albums ist die Klang\u00e4sthetik von Kassetten. Kassetten schleifen in Schwaden, vorw\u00e4rts und r\u00fcckw\u00e4rts, entr\u00fccken, verz\u00fccken und wissen im richtigen Moment auch zu st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Hinter dem minimalistischen Gewand liegen aufw\u00e4ndige Arrangements. Die Detailverliebtheit dieser subtilen Produktion ermutigt zum wiederholten H\u00f6ren von <em>Seven Sisters<\/em>. Und Sabrina Milenas Talent, innerhalb eines St\u00fccks verschiedene Richtungen einzuschlagen. Ihre Einfl\u00fcsse reichen vom Folk bis zu Country und Blues. besonders beeindruckend zeigt dies das St\u00fcck <em>Figs Tree<\/em>.<\/p>\n<p>An einigen Stellen h\u00e4lt ihre Stimme dem Anspruch der Arrangements nicht stand, gerade in den tieferen Lagen klingt sie gedrungen. Dennoch ber\u00fchrt sie den H\u00f6rer auf Anhieb, ihre Ch\u00f6re erzeugen G\u00e4nsehaut.<\/p>\n<p>Mit weit ge\u00f6ffneten Augen schlafwandelt das ausgezeichnete Deb\u00fctalbum von Milenasong durch eigentlich altbekannte Klanglandschaften. Sie hat ihre ganz eigene Formel gefunden.<\/p>\n<p><em><em>\u201eSeven Sisters\u201c von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.milenasong.de\/\">Milenasong<\/a> ist als CD und LP erschienen bei Monika<\/em><\/em><\/p>\n<p><em>H\u00f6ren Sie hier <img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/elemente\/tonicon_sw1_16x16.gif\" \/> <a class=\"textlink\" href=\"javascript:openme('http:\/\/apollo.zeit.de\/redirects\/cc.php?to=http:\/\/medien.zeit.de\/medialinks\/milena-figs.mov',400,200,'middle','milena-figs');\"><em>\u201eFigs Tree\u201c<\/em><\/a> <\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie POP<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/01\/05\/holt-die-3d-brillen-raus_271\">The Cure: \u201eFestival 2005\u201c<\/a> (Geffen\/Universal 2006)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/12\/15\/be-la-la-la-langlose-kostumschau_258\">Gwen Stefani: \u201eThe Sweet Escape\u201c<\/a> (Universal 2006)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/12\/13\/ein-neuer-kopf-muss-her_259\">Sodastream: \u201eReservations\u201c<\/a> (Hausmusik 2006)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/12\/08\/sockenbrand-am-24_254\">Sufjan Stevens: \u201eSongs For Christmas Singalong\u201c<\/a> (Asthmatic Kitty\/Cargo 2006)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/12\/06\/musik-ist-kein-obst_253\">Foetus: \u201eLove\u201c<\/a> (Birdman Records\/Rough Trade 2006)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit weit ge\u00f6ffneten Augen schlafwandelt die Berlinerin Milenasong durch eigentlich altbekannte Klanglandschaften. 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