{"id":3197,"date":"2009-08-05T15:08:38","date_gmt":"2009-08-05T13:08:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=3197"},"modified":"2009-08-05T15:08:38","modified_gmt":"2009-08-05T13:08:38","slug":"wild-wirr-famos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/08\/05\/wild-wirr-famos_3197","title":{"rendered":"Wild, wirr, famos"},"content":{"rendered":"<p><strong>Oneida sind zehn Bands in einer. Wie ihre Musik klingt? Kaum beschreiblich, zwischen nordamerikanischer W\u00fcste und rheinischem Krautrock<\/strong><!--more--><br \/>\n<\/p>\n<div class=\"audio_player\">\n<div id=\"inneraudio\">\n   <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/minos.zeit.de\/mp3_verwaltung\/covers\/list_20090727120321.jpg\" height=\"180\" alt=\"Cover\" \/><\/p>\n<div class=\"trenner\">&#160;<\/div>\n<div class=\"titel\">Oneida<\/div>\n<div class=\"trenner\">&#160;<\/div>\n<div class=\"teaser\">Von dem Album: Rated O <span class=\"copyright\">Jagjaguwar 2009<\/span><\/div>\n<ul>\n<li class=\"audio_item_aus\"><a href=\"javascript:startAudio('090727\/090727_1248688929-01','Kultur\/Musik\/','1');\" onClick=\"click_list('0');\">Oneida &#8211; Brownout In Lagos<\/a><\/li>\n<li class=\"audio_item_aus\"><a href=\"javascript:startAudio('090727\/090727_1248689136-01','Kultur\/Musik\/','1');\" onClick=\"click_list('1');\">Oneida &#8211; Ghost in the Room<\/a><\/li>\n<\/ul><\/div>\n<div id=\"audio_flashcontent\">\n  <strong>You need to upgrade your Flash Player<\/strong>\n <\/div>\n<p> <script type=\"text\/javascript\">\n  var so = new SWFObject(\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/zeit_audioplayer.swf\", \"audio_system\", \"210\", \"25\", \"8\", \"#FFFFFF\");\n  so.addParam(\"allowScriptAccess\", \"always\");\n  so.addVariable(\"var_mp3_file\", \"090727\/090727_1248688929-01\");\n  so.addVariable(\"var_ivw_tag\", \"Kultur\/Musik\/\");\n  so.write(\"audio_flashcontent\");\n <\/script>\n<\/div>\n<p>Alles auf die Drei: Das New Yorker Trio Oneida konzertriert sich derzeit auf das dreiteilige Werk <em>Thank Your Parents<\/em>. Im vergangenen Jahr erschien dessen erster Teil, das dreigeteilte und beinahe 40 Minuten lange St\u00fcck <em>Preteen Weaponry<\/em>. Der Mittelteil des Triptychons <em>Rated O<\/em> erscheint nun auf drei CDs oder Platten von jeweils rund 40 Minuten L\u00e4nge. Dass Konzeptalben oft zu den Tiefpunkten k\u00fcnstlerischer Karrieren geh\u00f6ren, wissen Oneida wohl, so erscheint das Spiel mit der Zahl auch als einziges verbindendes Element von <em>Thank Your Parents<\/em> und <em>Rated O.<\/em><\/p>\n<p><em>Rated O<\/em> ist wild, wirr, famos. Denn wie seit einer Dekade sind Oneida wieder mindestens zehn Bands in einer, die Kategorisierung ihrer Musik ist unm\u00f6glich. Die erste der drei Platten wirkt ersteinmal wie ein brachial \u00fcbersteuertes Elektrorock-Album \u2013 obwohl etwa <em>Brownout In Lagos<\/em> in nigerianischen Funk transzendiert. Eben w\u00e4hnt man sich noch bei Alec Empire im Proberaum, da schwenken Oneida nach einer Minute von <em>10:30 At The Oasis<\/em> unvermittelt auf W\u00fcstenrock um \u2013 und rasen dann f\u00fcnf Minuten lang auf einer Sandpiste geradeaus. Immer und immer und immer und immer wieder dieses eine blumige Gitarrenriff. Der zweite Teil des ewiglangen St\u00fccks klingt dann, als habe jemand Sand ins Keyboard gestreut.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt, Oneida wiederholen sich gern und oft. Auch das folgende <em>Story Of O<\/em> ist kaum mehr als die achtmin\u00fctige Variation desselben Musters, weniger nordamerikanische W\u00fcste als rheinischer Krautrock. Und das die erste CD beschlie\u00dfende <em>The Human Factor<\/em> passt in jede bislang aufgerissene Schublade, taumelt nur ein bisschen. Nimmt immer wieder Fahrt auf, stolpert, nervt, r\u00f6hrt, polizeisirent. Einer schreit Unverst\u00e4ndliches, nach zehn Minuten wird ausgeblendet. Puh. So geht es weiter. Man w\u00e4hnt sich im Jurassic Park: Monster ziehen vorbei, eins exotischer als das andere, gef\u00e4hrlicher, bestaunenswerter.<\/p>\n<p>Die zweite CD ist weniger experimentell, im ersten Drittel ein psychedelisches Rockalbum, dann immer krautiger, wirrer. Da dr\u00f6hnen die Siebziger ganz geh\u00f6rig mit, breitwandige Gitarren, angehauen und ausgeschwungen. Ab und an wird gesungen. Sp\u00e4testens mit <em>Luxury Travel<\/em> haben sich Oneida ins Nirvana gespielt. Von dort aus dudelt es sich leicht verr\u00fcckt. Die Einfl\u00fcsse werden noch weiter, das Prinzip endloser Wiederholung noch konsequenter verfolgt, das Zusammenspiel der Elemente noch erstaunlicher.<\/p>\n<p>Die dritte CD gleicht mehr als alles zuvor einem drogenbefeuerten Ausritt durch die globale Musikgeschichte. So rechtfertigt die innere Struktur des Albums schlie\u00dflich bei aller Vielfalt die verschwenderische Geste, zwei Stunden Musik auf drei Tontr\u00e4ger zu verteilen.<\/p>\n<p><em>Rated O<\/em> ist aus jeder Form gefallen. Da ist dieser tiefe Widerspruch in allem. Der scheinbaren Willk\u00fcr der Form steht die Repetition als musikalische Grundidee entgegen. Das sich \u00fcber mehrere Jahre erstreckende Konzept <em>Thank Your Parents<\/em> scheint dieser absoluten Unberechenbarkeit zu widersprechen. Und tut es doch nicht. Da sind diese unz\u00e4hligen Einfl\u00fcsse. Jeder Spur folgen die Musiker \u2013 mal ein paar Takte weit, mal mehrere Minuten, selten bis zu einem Ende. Das Gewirr der Wege spiegelt sich im uneindeutigen \u00c4u\u00dferen der Lieder: Mal kommen Oneida in drei Minuten auf den Punkt, mal auch nach 20 noch nicht. Hier ist nichts festgelegt, nichts festgefahren.<\/p>\n<p>Welch paradiesischer Zustand im auf Wiederholung ausgelegten Musikgesch\u00e4ft: Oneida machen immer das Gleiche, n\u00e4mlich immer etwas Neues. <em>Rated O<\/em> ist wahrlich hybrid. Aus tausend Einzelteilen bauen Oneida ein Tausenderstes, das sich nicht wieder in seine Einzelteile zerlegen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>&#8222;Rated O&#8220; von Oneida ist auf Dreifach-CD und -LP bei Jagjaguwar\/Cargo Records erschienen.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie POP<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/06\/29\/so-gut-so-illegal_2987\">DJ Dangermouse &#038; Sparklehorse: &#8222;Dark Night Of The Soul&#8220;<\/a> (2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/06\/26\/immer-derselbe-stiefel_2964\">La Roux: &#8222;La Roux&#8220;<\/a> (Universal 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/06\/26\/immer-derselbe-stiefel_2964\">Little Boots: &#8222;Hands&#8220;<\/a> (Warner Music 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/05\/25\/die-welt-in-dreieinhalb-minuten_2767\">Phoenix: &#8222;Wolfgang Amadeus Phoenix&#8220;<\/a> (V2\/Cooperative Music 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/04\/08\/du-liebst-liebst-liebst_2167\">Coloma: &#8222;Love&#8217;s Recurring Dream&#8220;<\/a> (Italic Recordings\/Rough Trade 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/04\/06\/seelenmull-zu-diamanten_2407\">Phillip Boa &#038; The Voodooclub: &#8222;Diamonds Fall&#8220;<\/a> (Constrictor\/Rough Trade 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/03\/16\/deine-rede-sei-ja-ja_2134\">Pet Shop Boys: &#8222;Yes&#8220;<\/a> (Parlophone\/EMI 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/02\/27\/auf-die-ehrliche-tour_2002\">The Whitest Boy Alive: &#8222;Rules&#8220;<\/a> (Bubbles 2009)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2009\/02\/18\/schwermut-im-leeren-zimmer_1913\">Baby Panda: &#8222;Avalanche Kiss&#8220;<\/a> (Unspeakable Records 2008)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT ONLINE finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg03.met.vgwort.de\/na\/1af0d26e2f3e4a5e80b738283abd1394\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Oneida sind zehn Bands in einer. 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