{"id":379,"date":"2007-04-23T00:07:11","date_gmt":"2007-04-22T22:07:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/25\/krach-wie-fuher_379"},"modified":"2007-04-23T00:07:11","modified_gmt":"2007-04-22T22:07:11","slug":"krach-wie-fuher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/23\/krach-wie-fuher_379","title":{"rendered":"Krach wie fr\u00fcher"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Indie-Rocker Dinosaur Jr. sind zur\u00fcck, in der Original-Besetzung des Jahres 1987. \u201eBeyond\u201c klingt, als w\u00e4re es von damals: scheppernd, sumpfig, dreckig.<\/strong><br \/>\n<\/p>\n<div>\n<div style=\"float: left; margin-right: 6px\"><a class=\"textlink\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Eh-1SzSeBQ0\"><img decoding=\"async\" style=\"border: 1px solid black\" alt=\"Arctic Monkeys Favourite Worst Nightmare\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2007\/04\/dinosaur-beyond210.jpg\" \/> <\/a><\/div>\n<p><em>Melody and Noise<\/em>, Melodie und Ger\u00e4usch, das war die Devise der Stunde im alternativen Rockgeschehen vor zwanzig Jahren. Die drei Platten, die das am besten umsetzten, waren <em>Isn\u2019t Anything<\/em> von My Bloody Valentine, <em>Candy Apple Grey<\/em> von H\u00fcsker D\u00fc und <em>You\u2019re Living All Over Me<\/em> von Dinosaur Jr. Verglichen mit diesen Bands erscheint ein Gro\u00dfteil des heutigen Indie-Rock handzahm und lahm.<\/p>\n<p><em>You\u2019re Living All Over Me<\/em> war das zweite Album von Dinosaur Jr., sie schufen darauf ihre eigene Mischung aus Punk und Metal. Ergreifende Melodien bahnten sich ihren Weg durch meterdicken L\u00e4rmschlamm, es klang, als h\u00e4tte Neil Young unter dem Einfluss aufputschender Drogen mitgewirkt.<\/p>\n<p>In der Urbesetzung aus J. Mascis, Lou Barlow und Murph legte Dinosaur Jr. kurze Zeit darauf mit <em>Bug<\/em> ein weiteres Meisterwerk vor. Danach verlie\u00df der Bassist Lou Barlow die Band, um sich seinem eigenen Projekt Sebadoh zu widmen. Der Gitarrist und S\u00e4nger J. Mascis nahm in den folgenden zehn Jahren \u2013 anfangs unterst\u00fctzt vom treuen Schlagzeuger Murph \u2013 vier weitere Alben auf. Die waren voller sch\u00f6ner Melodien und bezaubernden Arrangements, weniger krachig. Auf der B\u00fchne fehlte der Gegenpol zu Mascis\u2019 ausladenden Gitarrensoli. Nicht selten artete das in hemmungsloses Gegniedel aus \u2013 ein typisches Verfallssymptom alternder Rocker. Es wurde noch schlimmer, als Mascis Dinosaur Jr. im Jahr 1998 aufl\u00f6ste und zwei Platten unter seinem eigenen Namen ver\u00f6ffentlichte.<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr tourten Dinosaur Jr. erstmals seit 18 Jahren wieder in der Originalbesetzung und gaben ohrenbet\u00e4ubende Konzerte, die viele Fans ratlos zur\u00fccklie\u00dfen. War das jetzt wirklich gro\u00dfartig oder nur ein nostalgischer Reflex?<\/p>\n<p>Jetzt gibt es mit <em>Beyond<\/em> eine neue Platte. Sie beginnt mit einem Gitarrensolo von J. Mascis, unterlegt mit einem infernalischen L\u00e4rmteppich. Lou Barlow ist wieder da und mit ihm dieser verzerrte Bass-Klang, der weniger Rhythmus denn Textur ist \u2013 pures Ger\u00e4usch. Er ist das Gegengewicht, das Mascis quecksilberartige Soloerg\u00fcsse brauchen. Murph poltert dazu wie eh und je und treibt so die Musik voran. Die St\u00fccke sind fantastisch, J. Mascis ist immer noch ein hervorragender Schreiber. Zwei St\u00fccke stammen von Lou Barlow, sie verhalten sich zu Mascis&#8216; St\u00fccken wie Mitte der Siebziger die St\u00fccke von Stephen Stills auf Neil Youngs Alben: Sie sind die Ruhepole mit Harmoniegesang inmitten der rastlosen Eigenwilligkeit.<\/p>\n<p>Das Erstaunlichste an dieser Platte ist, dass sie sich den derzeit \u00fcblichen Klangidealen komplett verweigert. Hier gibt es nicht die im Studio zu Tode komprimierten Klangbl\u00f6cke, die heutzutage als H\u00e4rte gelten. <em>Beyond<\/em> klingt scheppernd, sumpfig und dreckig, als sei es im Jahr 1987 entstanden.<\/p>\n<p>Mit Nostalgie hat das nichts zu tun.<\/p>\n<p><em>Sehen Sie hier das Video zu<img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/zeus.zeit.de\/bilder\/elemente\/filmicon_sw1_16x16.gif\" \/> <a class=\"textlink\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Eh-1SzSeBQ0\">\u201eBeen There All The Time\u201c<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>\u201eBeyond\u201c von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.dinosaurjr.com\/\">Dinosaur Jr.<\/a> ist erschienen bei PIAS<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><em>&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie ROCK<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/13\/verschwende-deinen-mythos_371\">Fehlfarben: \u201eHandbuch f\u00fcr die Welt\u201c<\/a> (Domino\/Rough Trade 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/04\/ol-in-die-melone_351\">Maximo Park: \u201eOur Earthly Pleasures\u201c<\/a> (Warp 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/03\/30\/sexy-wummern_353\">!!!: \u201eMyth Takes\u201c<\/a> (Warp\/Rough Trade 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/03\/12\/wurstchen-und-kartoffelbrei_339\">The Fall: \u201eReformation! Post-TLC\u201c<\/a> (Slogan\/Sanctuary 2007)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Indie-Rocker Dinosaur Jr. sind zur\u00fcck, in der Original-Besetzung des Jahres 1987. \u201eBeyond\u201c klingt, als w\u00e4re es von damals: scheppernd, sumpfig, dreckig. Melody and Noise, Melodie und Ger\u00e4usch, das war die Devise der Stunde im alternativen Rockgeschehen vor zwanzig Jahren. 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