{"id":390,"date":"2007-05-02T00:17:27","date_gmt":"2007-05-01T22:17:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/05\/04\/rocknroll-in-17-stichen_390"},"modified":"2007-05-02T00:17:27","modified_gmt":"2007-05-01T22:17:27","slug":"rocknroll-in-17-stichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/05\/02\/rocknroll-in-17-stichen_390","title":{"rendered":"Rock&#8217;n&#8217;Roll in 17 Stichen"},"content":{"rendered":"<div class=\"main\">\n<strong>Die Manic Street Preachers wollten eine einzige Platte aufnehmen und sich danach aufl\u00f6sen. &#8222;Send Away The Tigers&#8220; ist nun ihre achte.<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\"><img decoding=\"async\" alt=\"Manic Street Preachers Send Away The Tigers\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2007\/04\/manic-tigers200.jpg\" \/><\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <objec! classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=070427\/070427_1177676290-02&amp;var_mp3_artist=Manic Street Preachers&amp;var_mp3_title=Your Love Alone Is Not Enough\"\/><\/object>\n<\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <objec! classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=070427\/070427_1177676290-06&amp;var_mp3_artist=Manic Street Preachers&amp;var_mp3_title=Underdogs\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Ist das Kim Wilde? <em>&#8222;Your love alone is not enough, not enough, not enough. When times get tough, they get tough, they get tough, they get tough.&#8220;<\/em> Wenn die Zeiten hart, hart, hart sind, ist auch deine Liebe nicht genug, genug, genug, klar. Zeilen, die <em>dem<\/em> Popsternchen und M\u00e4nnertraum der Achtziger durchaus gut st\u00fcnden, stumpf gereimt und ein bisschen doof. Kim Wilde w\u00fcrde gut zu den hier musizierenden Manic Street Preachers passen. Schlie\u00dflich nahmen sie bereits das St\u00fcck <em>Little Baby Nothing<\/em> gemeinsam mit der wenig gesangsbegabten Pornodarstellerin <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Traci_Lords\">Traci Lords<\/a> auf.<\/p>\n<p>Es ist nicht Kim Wilde, es ist Nina Persson, S\u00e4ngerin der schwedischen Popgruppe The Cardigans. Ihr d\u00fcnnes Stimmchen verr\u00e4t sie in der ersten Minute von <em>Your Love Alone Is Not Enough<\/em>, der ersten Single des neuen Albums der Manic Street Preachers <em>Send Away The Tigers<\/em>. Ein schwaches Lied, inklusive <em>&#8222;La la la la la la la la&#8220;<\/em>-Ges\u00e4usel.<\/p>\n<p>Es ist ihr achtes Album, bei ihnen wird gerne argw\u00f6hnisch mitgez\u00e4hlt. Im Jahr 1992 ver\u00f6ffentlichten sie ihr Deb\u00fct, <em>Generation Terrorists<\/em>. In unz\u00e4hligen Interviews erl\u00e4uterten sie ihren Plan: ein einziges Album ver\u00f6ffentlichen, davon mehr Exemplare verkaufen, als Guns \u2019n\u2019 Roses von <em>Appetite For Destruction<\/em>, drei Abende hintereinander im ausverkauften Wembley-Stadion spielen und sich dann aufl\u00f6sen. Damals beliebte Bands hielten sie f\u00fcr <em>&#8222;worse than Hitler&#8220;,<\/em> im Video zu <em>You Love Us<\/em> trat der Bassist Nicky Wire als Marilyn Monroe auf, in Thailand erreichten sie ein Auftrittsverbot, nachdem sie der k\u00f6niglichen Familie dort den Tod gew\u00fcnscht hatten. In einem Interview mit dem BBC-Moderator Steve Lamacq ritzte sich der Gitarrist Richey James mit einer Rasierklinge <em>4 Real<\/em> in den Arm. Siebzehn Stiche machten ihn zur Ikone.<\/p>\n<p>Die vier Musiker aus Wales betonten nimmerm\u00fcde, wie ernst sie es meinten. Und ihr Plan erf\u00fcllte sich zu einem Hundertstel. Von <em>Generation Terrorists<\/em> wurden eine Viertelmillion Exemplare verkauft, von <em>Appetite For Destruction<\/em> indes 25 Millionen. In London spielten sie zweimal vor 900 Menschen im Marquee Club, in Wembley w\u00e4ren es 90.000 gewesen. In Deutschland traten sie auf im Vorprogramm der Toten Hosen. Aufl\u00f6sen konnten sie sich besser: Nachdem ihre ruppiges drittes Album <em>The Holy Bible<\/em> erschien, verschwand pl\u00f6tzlich Richey James. Sein Auto wurde an der Severn Bridge gefunden, der Grenzfluss zwischen Wales und England ist dort beinahe einen Kilometer breit. Vom Musiker fehlt bis heute jede Spur.<\/p>\n<p>Als Trio machten sie weiter und nahmen mitrei\u00dfende Alben auf, <em>Everything Must Go<\/em> erschien im Sommer 1996 und <em>This Is My Truth Tell Me Yours<\/em> zwei Jahre darauf, beide wurden mit dem Brit Award f\u00fcr das beste Album belohnt. Danach ging\u2019s musikalisch bergab. Ihr letztes Album, <em>Lifeblood<\/em>, klang gepflegt nach Langeweile. Die Ironie der fr\u00fcheren Jahre, der Glam und der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\/genreuebersichten\/punk\">Punk<\/a> waren verschwunden. Ihre Gesten gerieten immer gr\u00f6\u00dfer, der glatte Bombast ihrer St\u00fccke begann zu nerven. Gar die H\u00fclle der letzten Platte gl\u00e4nzte aufdringlich. Derweil gaben sich die Musiker als gro\u00dfe Sozialisten, besuchten Fidel Castro und sangen ein Lied f\u00fcr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eli%C3%A1n_Gonz%C3%A1lez\">Eli\u00e1n Gonz\u00e1les<\/a>, ein Kind, das zum Politikum zwischen Kuba und den USA geworden war.<\/p>\n<p><em>Send Away The Tigers<\/em> ist ein kleiner Schritt nach vorne, immerhin. Es ist weniger geschliffen, die St\u00fccke sind wieder besser. Vieles klingt typisch: die getragenen, hallenden Gitarren, das einfache Bum-Tschak des Schlagzeugers Sean Moore, die hymnischen Refrains und die zitatreiche Lyrik. Besonders gelungen ist das rockige <em>Underdogs<\/em>, es verspr\u00fcht diese renitente Attit\u00fcde der fr\u00fchen Jahre, verpackt Sozialromantik in punkige Akkorde. Der <em>Autumnsong<\/em> baut auf einem ergreifenden Gitarrenmuster auf, im Mittelteil wird leider ein bisschen zu viel geklatscht. <em>The Second Great Depression<\/em> besticht durch ein d\u00fcster gestrichenes Cello und eine sch\u00f6ne Melodie. Mit gepresster Stimme beklagt James Dean Bradfield in <em>Rendition<\/em> die Folterpraktiken der CIA, <em>&#8222;Never knew the sky was a prison&#8220;<\/em>. So was h\u00f6rt man gerne von ihm, auch wenn das Lied sonst lahm daherkommt.<\/p>\n<p>Vieles vom Rest klingt verfettet und satt. Hier ein Schunkelrhythmus <em>(Indian Summer)<\/em> und ein \u00fcbertriebenes Gitarrensolo  <em>(Imperial Bodybags)<\/em>, dort eine Reminiszenz an den peinlichen deutschen Metal der Achtziger <em>(Rendition)<\/em> und ein zu billiger <em>\u201eNanana\u201c<\/em>-Refrain <em>(Winterlovers)<\/em>. Un\u00fcbertroffen schlecht ist die Single <em>Your Love Alone Is Not Enough<\/em>.<\/p>\n<p>Zehn St\u00fccke sind es insgesamt, die Bilanz w\u00e4re wohl ausgeglichen, f\u00fcnf zu f\u00fcnf. Wenn es nicht ganz am Ende, einige Minuten nach dem eigentlich abschlie\u00dfenden St\u00fcck <em>Winterlovers,<\/em> pl\u00f6tzlich weiter t\u00f6nen w\u00fcrde: <em>&#8222;As soon as you&#8217;re born they make you feel small, by giving you no time instead of it all. Till the pain is so big you feel nothing at all&#8220;,<\/em> kr\u00e4chzt James Dean Bradfield sich durch eine unertr\u00e4glich dick aufgetragene, bluesrockige Version von John Lennons <em>Working Class Hero<\/em> aus dem Jahr 1970. <em>&#8222;If You Wanna Be A Hero, Just Follow Me&#8220;.<\/em> Bei Lennon klang das noch ironisch.<\/p>\n<p>Knapp verloren. Schade.<\/p>\n<p><em>\u201eSend Away The Tigers\u201c von den <\/em><em><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.manicstreetpreachers.com\">Manic Street Preachers<\/a> ist als CD und LP erschienen bei <a href=\"http:\/\/www.redinkmusic.de\/\">Red Ink.<\/a><\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie POP<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/16\/test_377\">Wolke: \u201eIch will mich befreien\u201c<\/a> (Tapete Records 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/11\/wenn-die-zahnfee-kommt_362\">Peter von Poehl: \u201eGoing To Where The Tea Trees Are\u201c<\/a> (Herzog Records 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/04\/06\/laptop-und-flokati_359\">The Go Find: \u201eStars On The Wall\u201c<\/a> (Morr Music 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/03\/26\/der-luxus-leider_349\">Brett Anderson: \u201eBrett Anderson\u201c<\/a> (V2 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/03\/23\/luftlos_344\">Air: \u201ePocket Symphony\u201c<\/a> (Astralwerks\/Virgin 2007)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Manic Street Preachers wollten eine einzige Platte aufnehmen und sich danach aufl\u00f6sen. &#8222;Send Away The Tigers&#8220; ist nun ihre achte. 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