{"id":524,"date":"2007-09-14T11:50:17","date_gmt":"2007-09-14T09:50:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/09\/14\/klangraume-fur-virtuosen_524"},"modified":"2007-09-14T11:50:17","modified_gmt":"2007-09-14T09:50:17","slug":"klangraume-fur-virtuosen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/09\/14\/klangraume-fur-virtuosen_524","title":{"rendered":"Klangr\u00e4ume f\u00fcr Virtuosen"},"content":{"rendered":"<div class=\"main\">\n<strong>Erst sollte die Band Porcupine Tree nur ein Witz sein, dann rettete sie den Progressive Rock. Ihr neuntes Album \u201eFear Of A Blank Planet\u201c klingt ausufernd \u2013 wie es sich f\u00fcr das Genre geh\u00f6rt.<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\"><img decoding=\"async\" alt=\"Porcupine Tree Blank Planet\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2007\/09\/porcupine-blank200.jpg\" \/> <\/a><\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <objec! classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=070912\/070912_1189587962-01&amp;var_mp3_artist=Porcupine Tree&amp;var_mp3_title=Sleep Together&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Im Jahr 1987 beschloss der Brite Steve Wilson, mit seinem Freund Malcolm Stocks eine fiktive Rockband namens Porcupine Tree zu gr\u00fcnden, fiktive CDs zu produzieren und mit einer erfundenen Bandgeschichte auch an Wettbewerben teilzunehmen. Er konnte nicht ahnen, das aus diesem Witz eines Tages tats\u00e4chlich eine Band werden w\u00fcrde, die dem etwas in Verruf geratenen Genre Progressive Rock auf die Beine helfen sollte. Vier Jahre nach der Gr\u00fcndung erschien die erste richtige CD, mit Alben wie <em>Signify<\/em> (1996), <em>Stupid Dream<\/em> (1999) und <em>Lightbulb Sun<\/em> (2000) gewannen sie in der Folge ein immer gr\u00f6\u00dferes Publikum. K\u00fcrzlich erschien <em>Fear Of A Blank Planet<\/em>, ihr neuntes Studioalbum.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzt wird Steve Wilson seit Jahren von hervorragenden Musikern \u2013 unter ihnen der Spezialist f\u00fcr unerh\u00f6rte elektronische Kl\u00e4nge, Richard Barbieri, der fr\u00fcher bei der Band Japan spielte. Steve Wilson schreibt die meisten St\u00fccke, er ist ein guter Komponist, ein guter Gitarrist und ein passabler S\u00e4nger. Vor allem aber ist er ein hervorragender Produzent, in dieser Rolle sieht er sich selbst am liebsten. In seinen Kompositionen verarbeitet er Einfl\u00fcsse aus altem Progressive Rock, Jazz, Minimal Music, Pop, Heavy Metal und Klassik.<\/p>\n<p>Schon der Titel des neuen Albums <em>Fear Of A Blank Planet<\/em> verweist auf die Atmosph\u00e4re, die beinahe alle Kompositionen Steve Wilsons durchzieht. Eine sp\u00f6ttisch resignative, oft ironische und mitunter auch sarkastische Sicht auf die Dinge. Eingebettet sind diese Endzeit-Texte in Songs, die sich h\u00e4ufig aus winzigen Motiven zu ausgedehnten Klangprozessen entwickeln. Es gelingt Steve Wilson dabei stets, seine Band gleichberechtigt einzubinden, Porcupine Tree sind keine One-Man-Show mit Begleitmusikern. Selbst Gastmusiker wie Alex Lifeson von Rush oder Robert Fripp k\u00f6nnen sich nahtlos in das Klanggef\u00fcge der Band einpassen.<\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/video.google.com\/videoplay?docid=7365463060059607614&#038;\" target=\"_blank\">Anesthetize<\/a><\/em> ist mit fast 18 Minuten das l\u00e4ngste St\u00fcck der Platte. Solche Kompositionen bieten Virtuosen genug Raum und den H\u00f6rern manche \u00dcberraschung. So brechen aus den m\u00e4andernden Synthesizer-Kl\u00e4ngen mitunter brachiale Double-Bass-Gewitter und scheppernde Gitarrenblitze hervor, die wenig sp\u00e4ter wieder von elegischen Elektronikkl\u00e4ngen abgel\u00f6st werden. Das alles funktioniert dank gewisser Anleihen bei der klassischen Musik, hier und da tauchen Leitmotive und Reprisen auf.<\/p>\n<p>Auch die Streicher fehlen nicht: In <em>My Ashes<\/em> haben sie die Aufgabe, einen sanften Hintergrund zu liefern. Bei <em>Sleep Together<\/em> ist das Streicherarrangement gespickt mit an Beatles-Songs wie <em>Strawberry Fields Forever<\/em> oder <em>I Am The Walrus<\/em> erinnernden Streicherglissandi, stellenweise spielen sie sich weit in den Vordergrund. <em>Sleep Together<\/em> ist ohnehin ein gutes Beispiel f\u00fcr die Produktionstechnik Wilsons. Aus heterogenem Material schmiedet er eine unverwechselbare Mischung: Beatles-Streicher, Heavy-Drums, ein Ostinato des Synthesizers, das den gesamten Song \u00fcber vor sich hin murmelt, versonnene Keyboard-Motive, ein psychedelisches Gitarrenriff.<\/p>\n<p>Diese Musik stellt Anspr\u00fcche an den H\u00f6rer, ganz sicher kann man sie nicht nebenbei h\u00f6ren. Wer von Rockmusik mehr erwartet als das \u00fcbliche Drei-Minuten-Geschrammel auf elektrischen Gitarren, der ist bei Porcupine Tree bestens aufgehoben.<\/p>\n<p><em>\u201eFear Of A Blank Planet\u201c von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.porcupinetree.com\/\">Porcupine Tree<\/a> ist als CD und Doppel-LP erschienen bei Roadrunner\/Warner Music<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie ROCK<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/07\/16\/1-stuck-22-minuten_446\">Von Spar: \u201eXaxapoya\/Dead Voices In The Temple Of Error\u201c<\/a> (Tomlab 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/07\/06\/verlieren-ist-nicht-sexy_460\">Tocotronic: \u201eKapitulation\u201c<\/a> (Universal 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/07\/04\/kein-trara_441\">Shellac: \u201eExcellent Italian Greyhound\u201c<\/a> (Touch &#038; Go\/Soulfood Music 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/06\/25\/das-haupt-wie-senkblei_438\">Editors: \u201eAn End Has A Start\u201c<\/a> (PIAS\/Rough Trade 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/06\/22\/im-zeichen-der-wurfaxt_436\">Tomahawk: \u201eAnonymous\u201c<\/a> (Ipecac 2007)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erst sollte die Band Porcupine Tree nur ein Witz sein, dann rettete sie den Progressive Rock. 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