{"id":5415,"date":"2010-05-12T17:33:26","date_gmt":"2010-05-12T15:33:26","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=5415"},"modified":"2010-05-17T18:26:10","modified_gmt":"2010-05-17T16:26:10","slug":"rusconi-sonic-youth","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/05\/12\/rusconi-sonic-youth_5415","title":{"rendered":"Auch ohne Kim Gordon gut"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sonic Youth im Jazzgewand &#8211; kann das funktionieren? Das Schweizer Pianotrio Rusconi tritt mit seinem Tribute-Album &#8222;It&#8217;s A Sonic Life&#8220; den Beweis an.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_5428\" aria-describedby=\"caption-attachment-5428\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/05\/rusconi540.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/05\/rusconi540.jpg\" alt=\"\" title=\"rusconi540\" width=\"500\" height=\"281\" class=\"size-full wp-image-5428\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/05\/rusconi540.jpg 500w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/05\/rusconi540-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5428\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sony Music<\/figcaption><\/figure><!--more--><\/p>\n<p>Verdammt, sieht Kim Gordon immer noch gut aus. Ja, klar, hier geht\u2019s um Musik, nicht um k\u00f6rperliche Vorz\u00fcge, Moment, kommt gleich, aber guckt doch nur mal kurz, <em>einmal<\/em> bildgoogeln, bitte. Ich meine, hallo? <a href=\"http:\/\/dossierjournal.com\/current_issue\/issue3\/gordon.html\">Die Frau geht auf die 60 zu!<\/a> Da bleibt nur ein Schluss: Noiserock h\u00e4lt jung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die, die echt noch (zu) jung sind, eine kurze Einf\u00fchrung: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2009\/08\/Traum-Gordon\">Kim Gordon<\/a> ist Bassistin und S\u00e4ngerin der amerikanischen Rockband Sonic Youth, die sie 1981 zusammen mit Thurston Moore und Lee Ranaldo gr\u00fcndete. Au\u00dferdem ist sie bildende K\u00fcnstlerin, Designerin und Filmemacherin. Und sie sieht immer noch verdammt gut aus. Aber das hatten wir ja.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb kultureller Nischen \u2013 in denen die unverbesserlichen Postpunks und No-Wave-Nostalgiker hausen \u2013 sind Sonic Youth nicht mehr so ganz pr\u00e4sent, obwohl sie 2009 <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/online\/2009\/23\/sonic-youth\">mal wieder ein Album vorgelegt haben<\/a>. Man kennt eher andere Gruppen, die von der Band inspiriert waren und sind, aber n\u00e4her am Mainstream in dessen alternativen Wirbeln schwimmen: Nirvana, Pavement, Smashing Pumpkins.<\/p>\n<p>Stattdessen haben gerade Leute ein Ohr f\u00fcr die Band, die man mit brachialen Ger\u00e4uschgewittern so gar nicht in Verbindung bringt: die Jazzer. Immerhin keimten Sonic Youth Anfang der Achtziger in derselben Manhattaner Szene wie John Luries Lounge Lizards. Kim Gordon und ihre Mitmusiker spielten einzeln oder als Kollektiv mit Jazzern wie dem New York Art Quartet, Derek Bailey, Mats Gustafsson und William Hooker. Und auch unter eigenem Namen tobten Sonic Youth sich in z\u00fcnftigen Improvisationen aus \u2013 nur eben unter Einbeziehung von Verst\u00e4rker-Fiepen und verzerrtem Donner.<\/p>\n<p>Sonic Youth steckten also irgendwie schon immer im Jazz. Jetzt zeigt die Band Rusconi, wieviel Jazz in Sonic Youth steckt. Das Trio des Schweizer Pianisten Stefan Rusconi erliegt auf seinem Tribute-Album <em>It&#8217;s A Sonic Life<\/em> nicht der Versuchung, die beiden l\u00e4rmigen Gitarren w\u00f6rtlich in krachige Kl\u00e4nge zu \u00fcbersetzen. Das gr\u00f6\u00dfte Zugest\u00e4ndnis an den Sonic-Sound: Im Song <em>The Destroyed Room<\/em>kreischt eine Kette auf den Klaviersaiten, ein wenig Knete d\u00e4mpft das Geh\u00e4use. Pr\u00e4pariertes Piano ist aber keine Revolution mehr, das gab\u2019s schon einst bei <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2006\/07\/D-Aufmacher_Musik\">John Cage<\/a>.<\/p>\n<p><object width=\"540\" height=\"304\"><param name=\"allowfullscreen\" value=\"true\" \/><param name=\"allowscriptaccess\" value=\"always\" \/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/vimeo.com\/moogaloop.swf?clip_id=10928338&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=&amp;fullscreen=1\" \/><\/object><\/p>\n<p>Kein Krawalljazz also, kein punkifiziertes Pianotrio. Aber Stefan Rusconi, der Bassist Fabian Gisler und der Trommler Claudio Str\u00fcby treiben sehr wohl einen druckvollen Groove voran, mit knackigen Klavierakkorden zu bullerndem Bass und einem Schlagzeug, dass mit Garage mehr zu tun hat als mit irgendeiner Lounge. <\/p>\n<p>Das Er\u00f6ffnungsst\u00fcck <em>Sunday<\/em> f\u00fchrt mit Verve in eine spannungsreiche, stilvolle und handwerklich hervorragende Platte, die mit den Alben von Sonic Youth vor allem eins gemeinsam hat: die betr\u00e4chtliche Energie. Selbst wenn sich warme Harmonien filigran weiterspinnen, liegt eine amphetaminhaltige Unruhe darunter, etwa im gruselfilmsoundtrackigen <em>Hits Of Sunshine (For Allen Ginsberg)<\/em> oder in Sonic-Klassikern wie <em>Schizophrenia<\/em>, <em>Theresa&#8217;s Sound World<\/em> und <em>Hoarfrost<\/em>.<\/p>\n<p>&#8222;Die Musik von Sonic Youth hat sich \u00fcber viele Jahre wie ein Gef\u00fchl in mir aufgebaut&#8220;, sagt Stefan Rusconi. Er h\u00f6rte Kim Gordon und ihre Kollegen, seit er 13 war, und mit 16 auch live. &#8222;Wie diese Musiker da standen und einfach ihr Ding machten, egal, was die Leute dachten, das fand ich unglaublich stark&#8220;, erinnert sich der Bandleader. Das Konzert in der Roten Fabrik in Z\u00fcrich sei ihm &#8222;total eingefahren&#8220;.<\/p>\n<p>Die anderen beiden Musiker &#8222;kennen zwar die Band, sind aber nicht wirklich mit den St\u00fccken vertraut&#8220;, sagt der Chef des Trios, das sich 2001 zusammenfand, als die drei noch an den Musikhochschulen in Z\u00fcrich, Luzern und Bern studierten. &#8222;Ich habe mir ungef\u00e4hr 30 Songs ausgesucht, zu denen ich einen starken emotionalen Bezug hatte, brannte eine CD, die ich den beiden geben konnte, schrieb aber gleichzeitig skizzenartig Harmonien, Grooves, Basslinien oder dergleichen auf. Die brachte ich dann mit in die Proben.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rdGek6WA9yk\">Da bastelten sie an den Songs<\/a>, dekonstruierten, rekonstruierten und hobelten, dass die Sp\u00e4ne flogen. Von manchen Songs sind nur Zitate geblieben, und von dreien nur einzelne Textzeilen, um die Stefan Rusconi eigene Songs komponierte, aus <em>A Cat in Gold<\/em> wurde etwa <em>A Cat Goes Along<\/em>. &#8222;W\u00e4ren nur Leute wie ich im Trio gewesen, die Sonic Youth seit 15 Jahren intensiv h\u00f6ren&#8220;, sagt der Pianist, &#8222;w\u00e4re unser Umgang mit dem Material l\u00e4ngst nicht so kreativ gewesen. Im Probenprozess konzentrierten wir uns aber ganz auf uns selbst und hatten bald das Gef\u00fchl, St\u00fccke zu spielen, die ich eigens f\u00fcr die Band geschrieben h\u00e4tte.&#8220;<\/p>\n<p>Rusconi gingen ans Limit: &#8222;Einmal mussten die Studiotechniker eine Aufnahme abbrechen, weil s\u00e4mtliche drei\u00dfig Mikrofone total \u00fcbersteuert waren&#8220;, sagt Rusconi \u2013 &#8222;wir machen eben Rock, aber aus der Sicht von Jazzmusikern.&#8220; In dieser Perspektive eigneten sich nicht alle Songs als Rohmaterial. Gerade bei den langsamen, sagt Stefan Rusconi, h\u00e4tten sie einfach nicht den Druck der Rockband aufbauen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Besonders schwierig waren von der Stimme dominierte St\u00fccke \u2013 besonders die, in denen Kim Gordon singt. Stefan Rusconi: &#8222;Vielleicht liegt es daran, dass ihre Nummern viel punkiger und st\u00e4rker auf den Text konzentriert sind.&#8220; Macht ja nix. Auch ohne Kim-Songs gilt f\u00fcr Rusconis Jazz: Noiserock h\u00e4lt jung.<\/p>\n<p><em>&#8222;It&#8217;s A Sonic Life&#8220; von <a href=\"http:\/\/www.rusconi-music.com\">Rusconi<\/a> ist erschienen bei Sony Classical. <\/em><\/p>\n<p><em>Tourdaten: 21. 5. Neunkirchen, 22. 5. L\u00fcdinghausen, 26. 5. Dessau, 27.5. Gera, 28. 5. Hamburg, 29. 5. Z\u00fcrich, 5. 6. Bad Muskau<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonic Youth im Jazzgewand &#8211; kann das funktionieren? 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