{"id":614,"date":"2008-01-04T11:19:12","date_gmt":"2008-01-04T09:19:12","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/01\/04\/opulenz-zum-quadrat_614"},"modified":"2008-01-04T11:19:12","modified_gmt":"2008-01-04T09:19:12","slug":"opulenz-zum-quadrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/01\/04\/opulenz-zum-quadrat_614","title":{"rendered":"Opulenz zum Quadrat"},"content":{"rendered":"<div class=\"main\">\n<strong>Konstantin Gropper alias Get Well Soon hat in Mannheim Popmusikdesign studiert. Sein erstes Album ist trotzdem gut, bunt und schwelgerisch.<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\"><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2007\/12\/getwellsoon-rest200.jpg' alt='Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon' \/><\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=08012\/08012_1199264800-01&amp;var_mp3_artist=Get Well Soon&amp;var_mp3_title=If This Hat Is Missing I've Gone Hunting&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=071213\/071213_1197567314-01&amp;var_mp3_artist=Get Well Soon&amp;var_mp3_title=Christmas In Adventure Parks&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Einst hatte Mannheim Goethe, Schiller und Mozart. Heute sind Jule Neigel, Joy Flemming und Xavier Naidoo geblieben. Hier flie\u00dft der Neckar in den Rhein, von der Nachbarstadt Ludwigshafen aus stinkt die BASF her\u00fcber. Die Innenstadt ist quadratisch angelegt, man wohnt in H7, Q4 oder L9.<\/p>\n<p>In Mannheim kann man seit vier Jahren Musikbusiness und Popmusikdesign studieren. An der Popakademie Baden-W\u00fcrttemberg lehren Heinz Rudolf Kunze, der ehemalige Chef von Universal Music, Tim Renner, sowie Mitglieder der S\u00f6hne Mannheims und der Fantastischen Vier. Den gro\u00dfen Durchbruch hat noch keiner der Akademiker geschafft. Ist das so schlimm? Es gibt wahrlich genug Popmusik mit Design.<\/p>\n<p>Konstantin Gropper ist Mitte 20 und hat k\u00fcrzlich das Studium in Mannheim abgeschlossen. Ihm w\u00fcnscht man den gro\u00dfen Erfolg. Unter dem Namen Get Well Soon hat er sein Deb\u00fctalbum <em>Rest Now, Weary Head!<\/em> aufgenommen. Ein Musterstudent kann er nicht gewesen sein: Was hier zu h\u00f6ren ist, klingt wenig quadratisch, nicht glatt und schon gar nicht konstruiert. Die Pressemitteilung zur Platte sagt nichts \u00fcber einen Bachelor-Abschluss. Hingegen raunt sie von seiner oberschw\u00e4bischen Herkunft und seinem Umzug nach Berlin, von seiner fr\u00fchen Ausbildung an klassischer Gitarre und Cello.<\/p>\n<p>Groppers Album l\u00e4sst sich leicht ins aktuelle Popgeschehen einordnen. Die traurigen Trompeten <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/10\/05\/kehle-und-seele-sind-eins_539\" target=\"_blank\">Beiruts<\/a> ert\u00f6nen hier (<em>You\/Aurora\/You\/Seaside<\/em>), der schwere Folk von Bright Eyes dort (<em>Christmas In Adventure Parks<\/em>). Wie seine Kollegen nimmt Konstantin Gropper die Lieder meist allein auf und holt sich nur f\u00fcr Auftritte Hilfe. Auch er tr\u00e4gt den Scheitel streng. Er kleidet die getragenen Melodien in opulente Gew\u00e4nder aus britischem Pop. So mischt sich Leichtigkeit unter Schwermut, das \u00dcberkandidelte verschwimmt in Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p>Seine Kompositionen sind klar, doch nicht berechnend. Immer wieder schl\u00e4gt Gropper Haken, tauscht die Mittel des Pop gegen die der klassischen Musik. Das Album beginnt mit dem <em>Prelude<\/em> und endet 60 Minuten sp\u00e4ter mit der <em>Coda<\/em>.<\/p>\n<p>Und wie beim klassischen Orchester klingen auf der Platte derart viele Instrumente und Stimmen, dass es acht Leute braucht, solch ein Dr\u00f6hnen auf die B\u00fchne zu bringen. Glockenspiel, Banjo, Akkordeon, Trompete, Geige, Klavier, Gitarre, Bass und Schlagzeug \u2013 aus den Lautsprechern quillt eine wahre Lust am past\u00f6sen Farbspiel. Manchmal kippt die Opulenz in den Kitsch, <em>Help To Prevent Forest-Fires<\/em> ist weniger elegisch als schmierig, <em>Witches! Witches! Rest Now In The Fire<\/em> geht unter in s\u00fc\u00dflichen Ch\u00f6ren und jubilierenden Streichern. Der hineingeschaukelte Walzer ist eine Strapaze.<\/p>\n<p>Den Erstsemesterkurs \u201eTexten in deutscher Sprache\u201c bei Herrn Naidoo hat Gropper offenbar geschw\u00e4nzt, er singt Englisch, ein gutes dazu. Er erz\u00e4hlt davon, dass man in Alaska keine K\u00fchlschr\u00e4nke brauche und davon, dass das Leben sowieso keine Zukunft habe. Alles ohne erzwungene Reime. Aus Titeln wie <em> I Sold My Hands For Food So Please Feed Me<\/em> und <em> Ticktack! Goes My Automatic Heart<\/em> spr\u00fcht ein feiner Humor.<\/p>\n<p>Gerade dieses <em>Ticktack! Goes My Automatic Heart<\/em> f\u00e4llt durch seine Kargheit auf. Gropper singt zur Gitarre, begleitet von seinem eigenen <em>\u201eOohh-oohh-oohh-oohh\u201c<\/em> und elektronischem Zirpen. Ebenso <em>Born Slippy Nuxx<\/em>, die Coverversion des Techno-Hits von Underworld aus dem Jahr 1996. Der verschleppte Rhythmus und das sanft gestrichene Cello m\u00fcssen keine Tanzfl\u00e4che f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Konstantin Gropper mag Stanley Kubricks Werke, das kann man auf seiner Internetseite nachlesen. Ein bisschen so wie dessen Filmkunst ist auch <em>Rest Now, Weary Head!<\/em>. Bunt und schwelgerisch, ein Genuss, den man am besten fassen kann, wenn man den Kopf abschaltet und sich berauschen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><em>\u201eRest Now, Weary Head!\u201c von <a href=\"http:\/\/www.youwillgetwellsoon.com\/news\/news.htm\" target=\"_blank\">Get Well Soon<\/a> ist als LP und CD bei <a href=\"http:\/\/www.cityslang.com\/\" target=\"_blank\">City Slang<\/a> erschienen. <\/em><\/p>\n<p><em>\u201ePapa was a Musiklehrer\u201c \u2013 <a href=\"http:\/\/zuender.zeit.de\/2008\/04\/musikgeschmack-eltern-get-well-soon\">hier geht&#8217;s zu Konstantin Groppers Portr\u00e4t beim ZEIT ZUENDER \u00bb<\/a><\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie POP<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/24\/weihnachten-in-bienenwachs_608\">Low: \u201eChristmas\u201c<\/a> (Chairkicker\u2019s Music\/Rough Trade 1999)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/14\/40-pfund-fur-anderthalb-kilo_605\">Radiohead: \u201eIn Rainbows\u201c<\/a> (XL Recordings\/Beggars Banquet 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/10\/so-will-ich-auch-sein_601\">Nena: \u201eNena\u201c<\/a> (CBS 1983)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/07\/pause-nach-nummer-7_597\">The Innits: \u201eEverything Is True\u201c<\/a> (Sunday Service 2007)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/05\/im-hals-die-kindertrote_595\">Eveline: \u201eHappy Birthday, Eveline!!!\u201c<\/a> (Sopot Records 2007)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konstantin Gropper alias Get Well Soon hat in Mannheim Popmusikdesign studiert. 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