{"id":616,"date":"2008-01-09T15:29:57","date_gmt":"2008-01-09T13:29:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/01\/09\/brull-drei-worte-zum-pogo_616"},"modified":"2008-01-09T15:29:57","modified_gmt":"2008-01-09T13:29:57","slug":"brull-drei-worte-zum-pogo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/01\/09\/brull-drei-worte-zum-pogo_616","title":{"rendered":"Br\u00fcll drei Worte zum Pogo"},"content":{"rendered":"<div class=\"main\">\n<strong><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2006\/08\/01\/uber-die-jahre_118\">\u00dcber die Jahre (30)<\/a>: Anfang der achtziger Jahre brachte die schottische Band The Exploited den Irokesenschnitt in den Punk. Ihr Album \u201eTroops Of Tomorrow\u201c vertonte die Wut einer Generation<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\"><img src='https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2008\/01\/exploited-troops200.jpg' alt='The Exploited Troops Of Tomorrow' \/><\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"sameDomain\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=08013\/08013_1199375840-01&amp;var_mp3_artist=The Exploited&amp;var_mp3_title=UK 82&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Wenn Wattie Buchan gerade keinen seiner Texte br\u00fcllt, k\u00fcmmert er sich um sein Piercing in der Unterlippe. Seine Zunge tastet und richtet, was er da tut, wei\u00df man nicht. Immer wieder spuckt er auf den Boden, sein Irokesenschnitt leuchtet rot. Seine Band The Exploited kn\u00fcppelt sich derweil durch die St\u00fccke. Die Aufpasser vor der B\u00fchne in Hannovers Scum-Club interessiert das alles nicht, sie starren b\u00f6se in die Menge. Da nur ein paar Millimeter Platz zwischen ihnen und dem Publikum sind, wippen die Besucher z\u00f6gerlich mit den F\u00fc\u00dfen, keiner wagt den Pogo. Erst als Wattie Buchan die Aufpasser an die Seite schickt, wird wild getanzt. Beim letzten St\u00fcck st\u00fcrmen ein paar Leute auf die B\u00fchne und schreien ins Mikrofon. Den Text von <em>Sex And Violence<\/em> k\u00f6nnen sie alle auswendig, er besteht nur aus drei W\u00f6rtern.<\/p>\n<p>The Exploited haben sich im Jahr 1980 in Edinburgh gegr\u00fcndet, sie geh\u00f6ren zur zweiten Generation des britischen Punk. Im folgenden Jahr ver\u00f6ffentlichen der S\u00e4nger Wattie Buchan, der Gitarrist John Duncan, der Bassist Gary McCormack und der Schlagzeuger Andrew Campbell ihr Deb\u00fctalbum <em>Punk&#8217;s Not Dead<\/em>. Es klingt hart, schnell und w\u00fctend. Anders als die Sex Pistols, The Clash und viele andere Bands der ersten Punk-Generation haben The Exploited nichts mit Mode und Kunsthochschulen zu tun &#8211;  sie kommen von der rauen Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Im Jahr 1982 erscheint das zweite Studio-Album, <em>Troops Of Tomorrow<\/em>. Es gilt als eine ihrer wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen. Professioneller produziert als das Deb\u00fct, ausgereifter und dennoch ungeschliffen, transportiert es die Wut junger Menschen aus der Arbeiterklasse. Es spiegelt die politische Situation im Gro\u00dfbritannien der Thatcher-\u00c4ra, thematisiert den Kalten Krieg und die hohe Arbeitslosigkeit. Eine Vertonung dieser Zeit, ein Wutausbruch eines Milieus, das daf\u00fcr keine kl\u00fcgeren Worte fand oder finden wollte.<\/p>\n<p>So aggressiv die Musik und der Gesang sind, so simpel sind viele der Texte, nicht nur auf diesem Album. Die gebr\u00fcllten Worte sind kaum verstehen, die Botschaften kommen meist trotzdem an. Mit seinem harten schottischen Akzent schreit Wattie Buchan gegen den Kapitalismus und die Obrigkeitsh\u00f6rigen, gegen die Armee und den Falkland-Krieg. Die damalige Premierministerin Margaret Thatcher nennt er eine &#8222;fucking cunt&#8220;, er schimpft auf die Polizei und die USA. Im Lied <em>Alternative<\/em> befindet er, die Armee sei keine Alternative zur Arbeitslosigkeit &#8211; als ehemaliger Berufssoldat spricht er aus Erfahrung. Das Titelst\u00fcck ist eine Coverversion der britischen Punk-Band The Vibrators. Andrew Campbell verl\u00e4sst The Exploited vor den Aufnahmen, auch seine Nachfolger Danny Heatley und Steve Roberts trommeln nur f\u00fcr kurze Zeit. Auf dem folgenden Album ist von der urspr\u00fcnglichen Besetzung nur noch Wattie Buchan \u00fcbrig: Er wurde zum Kern der Band. \u00dcber die Jahre kommen und gehen viele Musiker, der raue Klang bleibt.<\/p>\n<p>Die Nietenlederjacken und das Logo der Band &#8211; ein br\u00fcllender Totensch\u00e4del mit Irokesenschnitt &#8211; pr\u00e4gen die Szene. Es hei\u00dft, The Exploited brachten eine neue Frisur in den Punk. Dennoch sind sie in den meisten Abhandlungen \u00fcber das Genre nur eine Randnotiz. Sie sind umstritten, zu stumpf das Auftreten, die Musik zu nah an Oi! und dem Arbeiterklassen-Mob. Vielen Punks klingen ihre Alben zu sehr nach Metal.<\/p>\n<p>Wattie Buchan sagt stets, man solle f\u00fcr sich einstehen und f\u00fcr das, woran man glaubt. In seinem Fall sind das Punk, Anarchie und Chaos. Noch heute ist er ein R\u00fcpel mit einer Vorliebe f\u00fcr Schimpfw\u00f6rter und ohne Sinn f\u00fcrs politische Korrekte. Man muss das nicht m\u00f6gen. Aber Exploited sind eben Exploited: Ihre Lieder sind eing\u00e4ngig, stumpf &#8211; und manchmal richtig gut.<\/p>\n<p><em>\u201eTroops Of Tomorrow\u201c von <a href=\"http:\/\/www.the-exploited.net\" target=\"_blank\">The Exploited<\/a> ist im Jahr 1982 erschienen und \u00fcber <a href=\"http:\/\/www.captainoi.com\" target=\"_blank\">Captain Oi!<\/a> erh\u00e4ltlich.<\/em><\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Serie \u00dcBER DIE JAHRE<\/strong><br \/>\n(29) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/24\/weihnachten-in-bienenwachs_608\">Low: \u201eChristmas\u201c<\/a> (1999)<br \/>\n(28) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/12\/10\/so-will-ich-auch-sein_601\">Nena: \u201eNena\u201c<\/a> (1983)<br \/>\n(27) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/10\/17\/sex-im-gottesdienst_545\">Curtis Mayfield: \u201eBack To The World\u201c<\/a> (1973)<br \/>\n(26) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/09\/24\/freudlos-glucklich_531\">Codeine: \u201eThe White Birch\u201c<\/a> (1994)<br \/>\n(25) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/08\/17\/unter-dem-doppeldeckerbus_496\">The Smiths: \u201eThe Queen Is Dead\u201c<\/a> (1986)<br \/>\n(24) <a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/07\/13\/du-singst-wie-an-der-bushaltestelle_448\">Young Marble Giants: \u201eColossal Youth\u201c<\/a> (1980)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/category\/1\">Hier finden Sie eine Liste aller in der Serie erschienenen Beitr\u00e4ge<\/a>.<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Jahre (30): Anfang der achtziger Jahre brachte die schottische Band The Exploited den Irokesenschnitt in den Punk. 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