{"id":6854,"date":"2010-11-05T08:44:49","date_gmt":"2010-11-05T07:44:49","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=6854"},"modified":"2010-11-19T11:55:39","modified_gmt":"2010-11-19T10:55:39","slug":"nina-kinert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2010\/11\/05\/nina-kinert_6854","title":{"rendered":"Melodien vom Lagerfeuercomputer"},"content":{"rendered":"<p><strong>Schon wieder eine singende Skandinavierin? Ja, aber Nina Kinert muss man zuh\u00f6ren. Ihr Popalbum &#8222;Red Leader Dream&#8220; r\u00fchrt nicht nur sie zu Tr\u00e4nen.<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_6857\" aria-describedby=\"caption-attachment-6857\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/11\/nina-kinert-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"nina-kinert-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-6857\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/11\/nina-kinert-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2010\/11\/nina-kinert-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-6857\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Ninkina Records<\/figcaption><\/figure><!--more--><\/p>\n<p>Sie hei\u00dfen Ane Brun, Lena Malmborg, Maria Solheim, Stina Nordenstam, Anna Ternheim, Hanne Hukkelberg, Agnes Obel oder Tina Dickow. Sie kommen aus Skandinavien, sie sind im weitesten Sinne Singer\/Songwriterinnen, alle ein bisschen spinnert wie Bj\u00f6rk, aber dann auch wieder nicht zu sehr, und alle sind sie ziemlich gro\u00dfartig. Irgendwas m\u00fcssen die da oben ins Trinkwasser geben. <\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud487684875227\"><\/div>\n<p>Nina Kinert jedenfalls hat, w\u00e4hrend sie in Stockholm aufwuchs, auch einen kr\u00e4ftigen Schluck genommen. Nachzuh\u00f6ren ist das auf ihrem neuen Album <em>Red Leader Dream<\/em>. Darauf singt die 27-J\u00e4hrige wie eine Elfe, allerdings wie eine dem Leben recht zugewandte. Vorstellen kann man sich das vielleicht so: W\u00e4re Dolly Parton, das Idol der jugendlichen Kinert, nicht auf einer Pferdekoppel aufgewachsen, sondern in einem moosigen Wald mit Trollen, dann w\u00fcrde sie vielleicht klingen wie Nina Kinert.<\/p>\n<p>Die wurde als Kind zum klassischen Gesangsunterricht geschickt und hat sp\u00e4ter ihr Abitur an einem auf Popmusik spezialisierten Gymnasium gemacht. Danach war sie so genervt von Musik, dass sie ein Jahr lang in einem Kindergarten arbeiten musste. Dort lernte sie wieder Ja zu sagen, offen zu sein, sagt sie, dort lernte sie Musik wieder zu m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Einen unverstellten, kindlichen Zugang kann man ihrer Musik ruhig unterstellen. Den hat sie auch nicht verloren, als vor zwei Jahren f\u00fcr das Album <em>Pets &#038; Friends<\/em> aus der Singer\/Songwriterin eine Pops\u00e4ngerin wurde. Der Folk und der Blues, die rauhe, eher unbehauene Umsetzung wichen ungemein eleganten elektronischen Arrangements. Seitdem gelingt der erkl\u00e4rten Katzenliebhaberin Kinert etwas Erstaunliches: Sie vers\u00f6hnt den Computer mit der Lagerfeuergitarre, sie hat Joan Baez das Chillen beigebracht und l\u00e4sst den Dancefloor ein Kinderlied summen.<\/p>\n<p>Diese musikalische Entwicklung f\u00fchrt Kinert mit <em>Red Leader Dream<\/em> fort, allerdings hat sich nun auch die Stimmung gewandelt. Das neue Album klingt l\u00e4ngst nicht so optimistisch wie sein Vorg\u00e4nger, sondern beginnt mit einer Reihe dunklerer Songs. Nina Kinert hat einmal gesagt, mitunter r\u00fchrten ihre eigenen Lieder sie bereits beim Schreiben zu Tr\u00e4nen. Die Seuche Melancholie, auf <em>Pets &#038; Friends<\/em> noch ein s\u00fc\u00dfer kleiner Virus, ist nun ernsthaft ausgebrochen, und wird erst in der zweiten Albumh\u00e4lfte wieder einged\u00e4mmt.<\/p>\n<p>Diese Zweiteilung ist allerdings kein Zufall, sondern Konzept. Wie in &#8222;Konzeptalbum&#8220;. Das feiert, wom\u00f6glich ja als letztes Zucken des Niedergangs der Popkultur, momentan ein nicht zu \u00fcbersehendes Comeback: Kaum ein Popmusikant mehr, der auf seinem Album nicht eine Geschichte erz\u00e4hlen m\u00fcsste. <\/p>\n<p>Diesem Trend folgt auch Kinert: <em>Red Leader Dream<\/em> ist aufgeteilt in zwei Akte und verfolgt die Wanderung einer namenlosen Frau, die den titelgebenden &#8222;<em>red leader of her heart<\/em>&#8220; sucht. Die Szenerie ist ein trockener W\u00fcstenplanet, die Stimmung romantisch und die Idee ausdr\u00fccklich, eine siebte Episode der <em>Star-Wars<\/em>-Saga zu schreiben.<\/p>\n<p>Man darf das getrost als intellektuell schm\u00fcckendes Beiwerk verstehen. In erster Linie bleibt festzustellen: <em>Red Leader Dream<\/em> ist ein Popalbum mit einigen wundervollen Songs, die imstande sind, nicht nur ihre Verfasserin zum Weinen zu bringen. Diese Traurigkeit, das ist das Unglaubliche, ist zwar durchaus ansteckend, aber hat jederzeit etwas Aufbauendes. Was ist das blo\u00df, was die da im Wasser haben?<\/p>\n<p><em>&#8222;Red Leader Dream&#8220; von Nina Kinert ist erschienen bei Ninkina\/Cargo.<\/em><br \/>\n<em>Nina Kinert auf Tour: 22. 11. K\u00f6ln, 23. 11. Hamburg, 24. 11. Berlin, 25. 11. M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon wieder eine singende Skandinavierin? Ja, aber Nina Kinert muss man zuh\u00f6ren. 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