{"id":961,"date":"2008-10-31T09:00:28","date_gmt":"2008-10-31T07:00:28","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=961"},"modified":"2008-10-31T09:00:28","modified_gmt":"2008-10-31T07:00:28","slug":"zwischen-gestern-und-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/10\/31\/zwischen-gestern-und-morgen_961","title":{"rendered":"Zwischen gestern und morgen"},"content":{"rendered":"<div class=\"main\">\n<strong>Das Berliner Produzenten-Kollektiv Jazzanova huldigt alten Helden und schafft doch etwas Neues. Aus HipHop, Soul, Reggae und Jazz entsteht &#8222;Of All The Things&#8220;<\/strong><\/p>\n<div class=\"cover\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2008\/10\/jazzanova-things200.jpg\" \/> <\/a><\/div>\n<div class=\"audio_player_old\">\n  <object classid=\"clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000\" codebase=\"http:\/\/fpdownload.macromedia.com\/pub\/shockwave\/cabs\/flash\/swflash.cab#version=8,0,0,0\" width=\"200\" height=\"50\" id=\"audio_system\" align=\"middle\"><param name=\"allowScriptAccess\" value=\"always\"\/><param name=\"movie\" value=\"http:\/\/minos.zeit.de\/vid_comp\/audio_system.swf\" \/><param name=\"quality\" value=\"high\" \/><param name=\"bgcolor\" value=\"#ffffff\" \/><param name=\"flashvars\" value=\"&amp;var_mp3_file=081029\/081029_1225278424-03&amp;var_mp3_artist=Jazzanova&amp;var_mp3_title=Let Me Show Ya (feat. Paul Randolph)&amp;var_ivw_tag=a_Kultur\/Musik\"\/><\/object>\n<\/div>\n<p>Aktuelle Musik muss sich immer gegen die T\u00f6ne der Vergangenheit verteidigen. Wie kann man der Tradition huldigen, ohne ein Imitat zu produzieren? St\u00e4ndig erscheinen Platten, bei denen man sich fragt, weshalb man nicht einfach zum Original greift. Auch im Soul ist das so. Neben den Futuristen, die vor lauter Produktion die Lieder vergessen und den Erben des Schlafzimmersoul musizieren zahllose traditionsbewusste Soulm\u00e4nner und -Frauen, die einem Stevie Wonder und Marvin Gaye wieder n\u00e4her bringen.<\/p>\n<p>Das sechsk\u00f6pfige Kollektiv Jazzanova war bislang f\u00fcr die Verbindung von fortschrittlicher Produktion und Traditionsbewusstsein bekannt. Beim ersten H\u00f6ren ihrer neuen Platte <em>Of All The Things<\/em> beschleicht einen das Gef\u00fchl, sie h\u00e4tten sich nun ganz auf die Seite der Traditionalisten geschlagen. Waren ihre bisherigen Produktionen verschachtelte digitale Basteleien, haben sie nun zahlreiche echte Musiker in ihr neuerdings mit allerhand analoger Ger\u00e4tschaft ausgestattetes Studio eingeladen. So klingt der Soul auf <em>Of All The Things<\/em> wie in den Sechzigern und Siebzigern.<\/p>\n<p>Alles schon dagewesen also? Von wegen, Jazzanova gelingt es, etwas Neues zu schaffen, das den Geist des Originals atmet. Zum Einstieg gr\u00fc\u00dfen l\u00e4ssig gehauene Congas, eine verhuschte Orgel und eine pr\u00e4gnante Gitarre. Phonte, der S\u00e4nger auf <em>Look What You&#8217;re Doing To Me<\/em> klingt wie Justin Timberlake und ein Isley-Bruder in einem. Hier geben sich Tradition und Moderne noch die Hand. Auf <em>Let Me Show Ya<\/em> dann wirbeln die Streicher, jubilieren die Bl\u00e4ser und singt der Chor der Engel als seien die Tage des symphonischen Soul nicht l\u00e4ngst vergangen. Das Arrangement k\u00f6nnte von Curtis Mayfield sein, die Mischung aus ernsthafter Predigt und \u00fcberkandideltem Himmelsversprechen ebenso. <em>I Can See<\/em> wiederum hat etwas von Northern Soul.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen von Knoblauch \u2013 einer der drei DJs bei Jazzanova \u2013 erz\u00e4hlt, dass jedes St\u00fcck auf <em>Of All The Things<\/em> eine Vorlage habe, ein St\u00fcck, aus dem etwas \u00fcbernommen wurde, um daraus etwas Eigenes zu formen. Welches die Vorlagen sind, verr\u00e4t er nicht. Manchmal ist es jedoch leicht zu erraten: Die Streicher des funkelnden Poplieds <em>Lie<\/em> stammen eindeutig aus <em>Michelle<\/em> von den Beatles.<\/p>\n<p>Schwieriger ist etwa die Vorlage der elegischen Ballade <em>Little Bird<\/em> auszumachen. Dramatisch steigert sich das St\u00fcck bis zum Crescendo der Streicher. <em>Rockin&#8216; You Eternally<\/em> ist eine Coverversion \u2013 und der Komponist Leon Ware singt hier selbst. In den H\u00e4nden von Jazzanova wird aus <em>Rockin&#8216; You Eternally<\/em> genau der deliri\u00f6se Schlafzimmer-Soul, den Leon Ware in den Siebzigern f\u00fcr Marvin Gayes Meisterwerk <em>I Want You<\/em> produzierte.<\/p>\n<p>Und die Reise durch das Geschmacksuniversum Jazzanovas geht immer weiter: Hier ein butterweicher Abstecher in den HipHop, dann \u00fcber beschwingten Jazz zum brasilianischen Pop. Das pl\u00fcschige <em>Dial A Cliche<\/em> beschlie\u00dft diese wunderbare Platte. Da hat man das Raten l\u00e4ngst aufgegeben und genie\u00dft, wie Jazzanova den Vorbildern Tribut zollen und doch etwas Ebenb\u00fcrtiges geschaffen haben.<\/p>\n<p><em>&#8222;Of All The Things&#8220; von <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.myspace.com\/jazzanovask\">Jazzanova<\/a> ist auf CD und LP erschienen bei Verve\/Universal.<\/em><\/p>\n<p><strong>Mehr von Jazzanova ist zu h\u00f6ren <a href=\"http:\/\/www.byte.fm\/index.php?cont=sendungen_detail&#038;sendung=28&#038;termin=7794\" target=\"_blank\">am Donnerstag, dem 06.11., um 22 Uhr beim Netzradio ByteFM an<\/a>. Markus Schaper widmet der Band seine Sendung &#8222;60minutes&#8220;.<\/strong><br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p><strong>Weitere Beitr\u00e4ge aus der Kategorie SOUL<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/05\/14\/menschlicher-dampfkochtopf_734\">Jamie Lidell: &#8222;Jim&#8220;<\/a> (Warp Records\/Rough Trade 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/03\/19\/da-die-badu_689\">Erykah Badu: &#8222;New Amerykah Part One (4th World War)&#8220;<\/a> (Universal Motown 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/03\/05\/der-tiger-schnurrt-noch-immer_682\">Michael Jackson: &#8222;Thriller&#8220;<\/a> (Epic 1982)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2008\/02\/27\/elvis-lebt-in-addis-abeba_675\">&#8222;The Very Best Of \u00c9thiopiques&#8220;<\/a> (Union Square Music 2008)<br \/>\n<a href=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2007\/10\/17\/sex-im-gottesdienst_545\">Curtis Mayfield: &#8222;Back To The World&#8220;<\/a> (Curtom 1973)<\/p>\n<p>Alle Musikangebote von ZEIT online finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/musik\" target=\"_blank\">www.zeit.de\/musik<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Berliner Produzenten-Kollektiv Jazzanova huldigt alten Helden und schafft doch etwas Neues. 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