{"id":9754,"date":"2011-07-18T16:29:52","date_gmt":"2011-07-18T14:29:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/?p=9754"},"modified":"2011-07-18T16:34:19","modified_gmt":"2011-07-18T14:34:19","slug":"part-time-album","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/2011\/07\/18\/part-time-album_9754","title":{"rendered":"F\u00f6nwellenpop im Retrorausch"},"content":{"rendered":"<p><strong>Muss man die Achtziger tats\u00e4chlich wieder ernst nehmen? Musiker wie David Speck alias Part Time spielen mit den Erinnerungen an Miami Vice und Engtanz-Partys.<\/strong><\/p>\n<p><figure id=\"attachment_9800\" aria-describedby=\"caption-attachment-9800\" style=\"width: 540px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/07\/part-time-540x304.jpg\" alt=\"\" title=\"part-time-540x304\" width=\"540\" height=\"304\" class=\"size-full wp-image-9800\" srcset=\"https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/07\/part-time-540x304.jpg 540w, https:\/\/blog.zeit.de\/tontraeger\/files\/2011\/07\/part-time-540x304-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9800\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Cooperative Music <\/figcaption><\/figure><\/p>\n<p>Noch ist es nicht soweit, dass das <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=s0QMGNYD5rI&#038;feature=related\">Umh\u00e4ngekeyboard<\/a> tats\u00e4chlich wieder b\u00fchnentauglich w\u00e4re. Doch man muss damit rechnen<!--more-->. Mehr denn je steht zu bef\u00fcrchten, dass bald ein Musiker im Spot des Scheinwerfers an seiner <em>Keytar<\/em> gniedelt, als h\u00e4tte es den Synth-Pop-Sumpf der Achtziger nie gegeben. Und im Publikum werden Menschen mit Umh\u00e4ngestoffbeuteln stehen, die den Keytaristen bejubeln, weil sie das besonders <em>fancy<\/em> finden. <\/p>\n<div class=\"zol_video aud_narrow aud312080836706\"><\/div>\n<p>Bevor aber die Revivalisten im Popgesch\u00e4ft auch diese Schleife drehen, bleibt noch etwas Zeit, sich mit den knatschigen Sounds von Keyboards \u00fcberhaupt wieder anzufreunden: Der sogenannte <em>Chillwave<\/em> hat sich unl\u00e4ngst ins Zentrum der Aufmerksamkeit geschwemmt \u2013 eine Mischung aus Yacht- und Softrock, Space-Disco, Dream-Beat, Glo-Fi und Hypnagogic Pop. Klingt apokalyptisch? Ist es auch irgendwie.<\/p>\n<p>Menschen, die in den Achtzigern aufgewachsen sind, m\u00fcssen zumindest einen gesunden Abstand zu diesem Jahrzehnt entwickelt haben, um etwa das Deb\u00fctalbum von David Speck aka <a href=\"http:\/\/www.myspace.com\/parttime623\">Part Time<\/a> \u00fcberhaupt durchh\u00f6ren zu k\u00f6nnen. Schon im ersten St\u00fcck <em>Thunderbolts Of Love<\/em> werden nasskalte Beats von warmen Keyboardschlieren umsp\u00fclt, w\u00e4hrend eine verhallte Stimme die Monotonie der ersten Dark-Wave-Ges\u00e4nge zitiert. Zwar wirkt diese Mischung im ersten Moment wie ein seltsames Konglomerat des Schlechtesten und Besten, was die achtziger Jahre je zu bieten hatten \u2013 doch es hat durchaus seinen Charme. <\/p>\n<p>Schon beim zweiten St\u00fcck geht es allerdings ans Eingemachte: <em>I Wanna Take You Out<\/em> klingt so sehr nach F\u00f6nwellen-Band in perlmuttfarbenen Jacketts, dass aus den Tiefen der Erinnerung verdr\u00e4ngte Insignien der <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2011-04\/art-of-pop-video\">Popvideo-Geschichte<\/a> aufsteigen: Surfer, die im Tunnel einer Welle reiten. Einh\u00f6rner, die dunklen W\u00e4ldern entkommen. Und Sonnenunterg\u00e4nge, Sonnenunterg\u00e4nge, Sonnenunterg\u00e4nge. Kein Bild hat die mutwillige Verkitschung der Achtziger mehr gepr\u00e4gt als diese in allen m\u00f6glichen Farben gebatikten D\u00e4mmerstunden. Leere Romantik, verbildlichte Sinnlosigkeit \u2013 doch so einfach ist es mit der Musik des aus San Francisco stammenden David Speck nicht.<\/p>\n\n<div class=\"embed-wrapper embed-wrapper--blocked js-embed-consent\" data-method=\"iframe\">\n<script class=\"raw__source\" type=\"text\/template\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/player.vimeo.com\/video\/25514359?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0\" width=\"540\" height=\"330\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/script>\n<div class=\"embed-wrapper__inner\">\n<div class=\"embed-wrapper__text\">\n<h3>Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/h3>\n<p data-replace=\"no\">An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel erg\u00e4nzt. 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Problemlos ernstzunehmen sind auch <em>She&#8217;s Got The Right<\/em> oder der Titelsong <em>What Would You Say?<\/em>, die einmal mehr eine dunkle Grundstimmung mit neonfarbenen Akkorden so vermengen, dass David Bowies oder <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/25\/Interview-Brian-Eno\">Brian Enos<\/a> erste elektronische Experimente Ende der Siebziger anklingen. <\/p>\n<p>Offensichtlich ist: Part Times musikalische Zitatsammlung spielt mit dem Erinnerungsverm\u00f6gen seiner H\u00f6rer. <em>Hey Karen<\/em> evoziert die pubert\u00e4r harmlose Aufgeregtheit der <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hs2-4aDd2xk\">ersten Engtanz-Partys<\/a>  und <em>Riots In The Streets<\/em> oder <em>19<\/em> k\u00f6nnten dem <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=M1JTj6rssW4&#038;feature=related)\"><em>Miami-Vice<\/em>-Soundtrack<\/a> entlehnt sein. Und tats\u00e4chlich gibt es heute ja auch eine Menge junger Leute, die aussehen wie die Strandbesucher-Darsteller in dem Video zu <em>Crocketts Theme<\/em> vom <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=VfEAIakpf5E&#038;feature=related\">Super-Keytaristen Jan Hammer<\/a>. <\/p>\n<p>Reiner Retrorausch also? Sowohl Part Time, als auch ihm musikalisch nahestehende Chillwaver wie <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pqP2-w6AWS4\">Washed Out<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qlJ27Dcv4fc\">Neon Indian<\/a> oder der Gralsh\u00fcter des Chillwave, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oG-wO1Tbrjg\">Ariel Pink<\/a>, bem\u00fchen sich \u2013 und das ist das Spannende an dieser Musik \u2013 die verunglimpften Sounds ernsthaft zu rehabilitieren: mal, indem sie die M\u00f6glichkeiten des Keyboards und alter Synthesizer neu ausloten; mal, indem sie psychedelische Schlieren der Siebziger mit New-Wave-Pop der Achtziger vermengen; und mal indem sie den Sound und die Zitate so verfremden, dass eigentlich nur noch das Ger\u00fcst \u00fcbrig bleibt und beinahe etwas Neues daraus entsteht.  <\/p>\n<p>Bei Part Times <em>What Would You Say?<\/em> ist das nicht so. David Speck bleibt sehr nah am Gegenstand des Zitierten. Sein Deb\u00fctalbum, ver\u00f6ffentlicht auf dem Brooklyner Label Mexican Summer, ist auf Hochglanz produziert, weit entfernt vom musikalischen Diskurs. Aber um durch Retro-Sonnenbrillen in ein paar Sonnenunterg\u00e4ngen zu starren taugt es allemal. <\/p>\n<p><em>&#8222;What Would You Say?&#8220; von Part Time ist erschienen bei Cooperative Music\/Universal.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Muss man die Achtziger tats\u00e4chlich wieder ernst nehmen? Musiker wie David Speck alias Part Time spielen mit den Erinnerungen an Miami Vice und Engtanz-Partys. Noch ist es nicht soweit, dass das Umh\u00e4ngekeyboard tats\u00e4chlich wieder b\u00fchnentauglich w\u00e4re. 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