{"id":1107,"date":"2012-10-17T12:20:14","date_gmt":"2012-10-17T10:20:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.zeit.de\/us-wahl\/?p=1107"},"modified":"2012-10-17T16:59:10","modified_gmt":"2012-10-17T14:59:10","slug":"romney-verscherzt-es-sich-mit-den-frauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.zeit.de\/us-wahl\/2012\/10\/17\/romney-verscherzt-es-sich-mit-den-frauen\/","title":{"rendered":"Romney verscherzt es sich mit den Frauen"},"content":{"rendered":"<p>Sprechen wir mal \u00fcber Frauen und nicht immer nur \u00fcber die Wirtschaft. Selten genug ist das in diesem US-Wahlkampf bislang an prominenter Stelle geschehen: In der ersten TV-Debatte der beiden Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Mitt Romney und Barack Obama und auch beim einzigen Schlagabtausch ihrer Vizekandidaten hat man im Grunde wenig \u00fcber Themen geh\u00f6rt, die Frauen besonders betreffen. Ja, im Duell zwischen Paul Ryan und Joe Biden ging es auch <a href=\"http:\/\/www.washingtonpost.com\/politics\/decision2012\/2012-vice-presidential-debate-vice-president-biden-and-rep-paul-ryans-remarks-in-danville-ky-on-oct11-running-transcript\/2012\/10\/11\/a5167f1e-13cd-11e2-ba83-a7a396e6b2a7_story_4.html\" target=\"_blank\">einige S\u00e4tze lang um Abtreibung<\/a>. Doch Moderatorin Martha Raddatz fragte die M\u00e4nner \u2013 beide Katholiken \u2013 nach ihrer pers\u00f6nlichen Haltung und ihrer religi\u00f6sen Verortung. Was die beiden Vizekandidaten zu sagen hatten, blieb daher zwingend an diesem Blickwinkel orientiert.<\/p>\n<p>Romney, der doch am liebsten immerzu \u00fcber die Wirtschaft reden m\u00f6chte, wird das ganz recht gewesen sein. Im parteiinternen Vorwahlkampf hatte er sich beim Thema Abtreibung m\u00f6glichst auf der harten Linie des extrem konservativen Fl\u00fcgels der Republikaner gehalten. Zuletzt war er <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/newsticker\/news1\/article109752393\/Romney-schlaegt-moderate-Toene-beim-Thema-Abtreibung-an.html\" target=\"_blank\">auf eine moderatere Position eingeschwenkt<\/a> \u2013 wissend, dass er bei den W\u00e4hlerinnen keinen besonders guten Stand hat. Seine bisherige Strategie also: lieber gar nicht und wenn, dann vorsichtig \u00fcber solche <em>social issues<\/em> sprechen, bei denen er sich zwischen der rechten Basis und der wahlentscheidenden Mitte positionieren muss.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr ein Thema, das <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2012-10\/obama-romney-tv-duell-hempstead\">in der zweiten Fernsehdebatte<\/a> Romneys gro\u00dfe Schw\u00e4che war \u2013 und Obama gl\u00e4nzen lie\u00df: die faire Bezahlung von Frauen. Dass bei diesem Format mit Fragen ausgew\u00e4hlter, noch unentschlossener W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler aus dem Publikum mindestens ein spezifisches Frauenthema zur Sprache kommen w\u00fcrde, war abzusehen. Dass es ausgerechnet die Ungleichbehandlung der Geschlechter in der Arbeitswelt sein w\u00fcrde, war eine kleine \u00dcberraschung. Wie also, so lautete die Frage einer W\u00e4hlerin, wollen Romney oder Obama eine gleiche Bezahlung beider Geschlechter verwirklichen, wenn beide dieselbe Arbeit leisten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8222;K\u00f6nnen wir nicht ein paar Frauen finden, die qualifiziert sind?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ein &#8222;wichtiges Thema&#8220;, gestand Romney ein, das ihn sehr besch\u00e4ftigt habe, als er zu Beginn seiner Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts sein Kabinett zusammenstellte. Er habe sich nicht damit zufrieden geben wollen, dass offenbar nur M\u00e4nner in die zu vergebenen Positionen dr\u00e4ngten oder vorgeschlagen wurden. &#8222;Meine G\u00fcte, k\u00f6nnen wir nicht \u2013 k\u00f6nnen wir nicht ein paar \u2013 ein paar Frauen finden, die genauso qualifiziert sind?&#8220;, will er seine Berater gefragt haben. Man habe sich dann viel Arbeit gemacht bei der Suche und verschiedene Frauenorganisationen um Hilfe gebeten \u2013 &#8222;und sie brachten uns ganze Ordner voll mit Frauen&#8220;. F\u00fcr diese vielleicht unfreiwillig sexistische Formulierung fing sich Romney noch w\u00e4hrend der Debatte <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/romneybindersfullofwomen\" target=\"_blank\">herbe Kritik<\/a> und <a href=\"http:\/\/bindersfullofwomen.tumblr.com\/\" target=\"_blank\">bei\u00dfenden Spott<\/a> ein (siehe auch die Storify-Zusammenstellung am Ende dieses Textes).<\/p>\n<p>So also sieht der Republikaner die L\u00f6sung f\u00fcr eine gleichberechtigte Bezahlung von Frauen: als Akt der Gro\u00dfz\u00fcgigkeit des Arbeitgebers, der sich einfach die M\u00fche macht \u2013 &#8222;es muss doch auch ein paar geeignete Frauen geben&#8220;. Und das Einzige, was Romney zu tun gedenkt, um deren Position zu st\u00e4rken, nat\u00fcrlich: Er bringt die Wirtschaft wieder in Fahrt, dann werden alle Unternehmen derart auf der Suche nach guten Mitarbeitern sein, dass auch Frauen davon profitieren. Wir kennen das, der freie Markt soll es richten. Ohne jetzt einmal mehr alle Argumente f\u00fcr und wider ein Frauenquote zu w\u00e4lzen, muss man schlicht festhalten: Was eine faire Bezahlung f\u00fcr gleiche Arbeit angeht, hat er das bislang eben nicht leisten k\u00f6nnen. Selbst in Zeiten, als es der Wirtschaft blendend ging.<\/p>\n<p>Man muss Romney zugute halten, dass er zumindest ein anderes Problem berufst\u00e4tiger Frauen verstanden hat, ein wenig zumindest: Er habe erkannt, wie wichtig flexible Arbeitszeiten seien. Die \u00fcbliche Floskel an dieser Stelle w\u00e4re &#8222;&#8230; um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen&#8220;. Doch in Romneys Weltbild geht es offenbar vor allem darum, p\u00fcnktlich zu Hause zu sein, um das Abendessen zuzubereiten.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Dies ist nicht nur ein Frauenproblem&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich der Republikaner <a href=\"http:\/\/www.slate.com\/blogs\/xx_factor\/2012\/04\/11\/mitt_romney_and_lilly_ledbetter_equal_pay_act_we_ll_have_to_get_back_to_you_on_that_.html\" target=\"_blank\">immer noch nicht durchringen<\/a> kann, eine Gesetzgebung f\u00fcr eine gleiche Bezahlung zu unterst\u00fctzen, konnte Obama an dieser Stelle mit Sicherheit bei vielen Frauen punkten: Das erste Gesetz, das er bei seinem Amtsantritt unterzeichnete, war der <em><a href=\"http:\/\/www.govtrack.us\/congress\/bills\/111\/hr11\" target=\"_blank\">Lilly Ledbetter Fair Pay Act<\/a><\/em>, nach dem Frauen rechtlich gest\u00e4rkt werden, die f\u00fcr denselben Job schlechter bezahlt werden als ein Mann. Mehr noch, Obama stellte auf viel treffendere Weise den Zusammenhang zum alles \u00fcberstrahlenden Thema Wirtschaft her.<\/p>\n<p>Frauen seien in zunehmendem Ma\u00dfe die Ern\u00e4hrerinnen von Familien. Angefangen von Obamas Initiative zur Ausweitung von Studienkrediten, \u00fcber Steuererleichterungen f\u00fcr die Betreuung von Kindern oder die \u00dcbernahme der Kosten von Verh\u00fctungsmitteln im Rahmen seiner Gesundheitsreform bis hin zu Romneys Ablehnung staatlicher F\u00f6rderung f\u00fcr die Organisation <em>Planned Parenthood<\/em>, weil sie mit ihren Gesundheitsangeboten f\u00fcr gering verdienende Frauen auch Abtreibungen unterst\u00fctzt \u2013 der Pr\u00e4sident brachte alle Argumente unter, die ihm schon bislang einen Vorsprung bei den W\u00e4hlerinnen gesichert haben. Und er schaffte es, die vermeintlich weichen <em>social issues<\/em> als harte <em>economic issues<\/em> zu verkaufen, die auch die M\u00e4nner betr\u00e4fen: &#8222;Dies ist nicht nur ein Frauenproblem, dies ist ein Familienproblem, dies ist ein Problem der Mittelklasse, und deshalb m\u00fcssen wir daf\u00fcr k\u00e4mpfen.&#8220;<\/p>\n<p>Auch das ist Wahlkampf, aber man gewinnt den Eindruck, dass Obama zumindest erkennt, mit welchen Hindernissen und Diskriminierungen Frauen in der Arbeitswelt weiterhin leben m\u00fcssen. Dass der Staat gefragt ist, um dagegen etwas zu tun, wenn die Unternehmen nicht dazu in der Lage sind. Und dass man die W\u00e4hlerinnen nicht \u00fcberzeugt, wenn man sie als Objekte betrachtet, die sich in Aktenordnern sammeln lassen.<\/p>\n<p><script src=\"http:\/\/storify.com\/zeitonline\/mitt-romney-und-die-hefter-voller-frauen.js\"><\/script><noscript>[<a href=\"http:\/\/storify.com\/zeitonline\/mitt-romney-und-die-hefter-voller-frauen\" target=\"_blank\">View the story &#8222;Mitt Romney und der \\&#8220;Ordner voller Frauen\\&#8220;&#8220; on Storify<\/a>]<\/noscript><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sprechen wir mal \u00fcber Frauen und nicht immer nur \u00fcber die Wirtschaft. Selten genug ist das in diesem US-Wahlkampf bislang an prominenter Stelle geschehen: In der ersten TV-Debatte der beiden Pr\u00e4sidentschaftskandidaten Mitt Romney und Barack Obama und auch beim einzigen Schlagabtausch ihrer Vizekandidaten hat man im Grunde wenig \u00fcber Themen geh\u00f6rt, die Frauen besonders betreffen. 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