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Briefe über Deutschland

 

Lieber Julian,

erinnerst Du Dich noch an meinen gelben Pullover? Mommy hatte ihn zu heiß gewaschen, da passte er plötzlich Dir. Dieser Pullover erinnerte mich immer an Genscher, unseren damaligen Außenminister. Er wurde verehrt wie ein Halbgott, und doch kann ich von ihm keinen markanten Satz wiedergeben, außer dem in der Prager Botschaft, den niemand so richtig verstand, weil er im Jubel der Ausreisewilligen unterging.

Aber dieser Außenminister vertrat uns bestens im Ausland, und das genügte. Und der jetzige? Nimmt man außerhalb unserer Grenzen überhaupt Notiz von ihm? Dieser Westerwelle hat schon mancherlei ungute Eindrücke hinterlassen. Und nun dieses innenpolitische Desaster: Hartz-IV-Debatte und der völ-lig missratene Start der Koalition. Zudem die Klientelpolitik seiner Partei, der FDP. Und zuletzt die Vorwürfe von Vettern- und Freundeswirtschaft. Ist so etwas in Kanada auch an der Tagesordnung? Und wie geht man dort eigentlich mit homosexuellen Politikern um?

Komisch: Wenn ich an Westerwelle denke, dann trägt er vor meinem inneren Auge keinen gelben Pullover sondern eine rote, runde Nase – wie ein Clown!

Darüber schmunzelt dann
Dein Rich

Im wöchentlichen Wechsel schreiben sich hier Friedrich Engelke, 68, Physiker aus Villingen, und sein Stiefsohn Julian, 30, Umweltberater aus Montreal

 

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