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Leser fragen: Äpfelsaft?

 
© JockScott / photocase.com

Warum heißt es Karotten- oder Orangensaft und Eiersalat (also: Plural), nicht aber Äpfelsaft und Kartoffelnsalat? Die werden doch auch nicht aus nur einem Apfel oder einer -Kartoffel gemacht!

Nicola Hebler, Hannover

15 Kommentare

  1.   Regine B

    Dabei handelt es sich nicht um Pluralendungen (auch wenn sie oft übereinstimmen), sondern um sogenannte „Fugenmorpheme“, die aus Prosodiegründen eingefügt werden, also um die Aussprache zu erleichtern. Es gibt z.B. auch das Fugen ’s‘, welches oft irrtümlich für einen Genitiv gehalten wird (z.B. in „Freundeskreis“), aber oft bei Wörtern vorkommt, die eine solche Genitivform gar nicht haben, z.B. „Liebesbrief“ oder „Ansichtskarte“.

  2.   Hans Zisch

    Warum? Weils vergoren klingen würde.
    Obst und Gemüse, das auf nen Konsonanten endet, wie „Apfel“ und „Kartoffel“, klingen auch als Saft und Salat schön: „Apfelsaft“ und „Kartoffelsalat“.
    Zutaten mit finalem Vokal hingegen, schmecken nur im konsonantendenden Plural „Eiersalat“ statt „Eisalat“ oder „Karottensaft“ statt „Möhresaft“.
    Manchmal siegt eben die Phonetik über kulinarische Vorzüge.
    Guten Appetit, Ihr Hans Uwe Zisch

  3.   Kometa

    Regine B.s Beitrag mit der Erklärung der Fugenmorpheme ist schon eine
    akzeptable Best-Antwort.

    Bei den Suffixen (Wortbestandteilen), die als Einfügung zwischen Grund- und Bestimmungswort variabel dienen, aber wie Vokale oder Konsonanten im Genitiv aussehen und die Wortkomposita fix aussprechen lassen und dem sprachökonomischen Grund der flexiblen und Verständnis sichernden Aussprache dienen, berühren aber in diesen Beispielen auch das (logisch meist unwichtige) Phänomen des Plurale- oder Singularetantum (möglich ist auch der Genitiv „-tatums“).

    In Normalfall haben wir die Beispiele parat: Regen, Ferien, Unkosten u.ä., wo die Grammatik nicht auf die Pluralvorstellung reagiert, die für Nicht-Spezialisten deutlich und undifferenziert ist, also ein Sprachballast ist, wenn es nicht um sachlich-technische Notwendigkeiten geht (wie es z.B. beim Plural zu „Staub“, der als „Stäube“ möglich wird).

    Ein „Obstsalat“ (als simpler Singular) ist völlig ausreichend als sprachliche Verständigung, wenn man nicht die Obstsorten für das genaue Rezept ode die kulinarische Beurteilung mitliefern will.

    Wer also den Sprachgegenstand logisch spezieller und differenzierter vermitteln will, muss ohnehin Sorten und andere Spezifika mitliefern; da reicht nicht eine bequeme Laut-Fügung.

    Fachsprache kann nach Bedürfnis oder Notwendigkeit diffuse Sammelbegriffe aufgliedern und differenzieren; in der Umgangssprache sind solche Spezialitäten „überflüsziglich“ (so noch möglich nach DWb der Grimmschen), pardon: überflüssig.


  4. Liebe Regine B, haben Sie auch sicher auf die Frage von Nicola Hebler geantwortet ?

    Bei »Kartoffelnsalat«, was ja falsch ist, und somit »Kartoffelsalat« richtig, wird doch nichts eingefügt ?
    Auch das angesprochene, aber falsche »Ä« beim »Apfelsaft« sieht irgendwie gar nicht nach etwas mit „Fuge“ aus, finden Sie nicht ?

  5.   Regine B

    Lieber Parasympatikus,
    ganz richtig, bei Kartoffelsalat brauchen wir eben kein Fugenmorphem (Kartoffelnsalat wäre ja auch schwerer auszusprechen als Kartoffelsalat oder?), genausowenig bei Apfelsaft vs. Apfelnsaft (das Ä ist wie gesagt keine Option, weil es sich bei Fugenmorphemen nicht um Pluralformen handelt). Anders dagegen bei OrangeNsaft- ohne das Fugenmorphem wäre Orangesaft schwieriger auszusprechen: Die Fuge wird also nur eingefügt, wenn sie für die Aussprache gebraucht wird, ist aber kein Plural, deshalb auch kein Äpfelsaft und kein Kartoffelnsalat. So habe ich es oben beschrieben, mit ein paar zusätzlichen anderen Beispielen


  6. Also Liebe Regine B,
    das sich »Orangesaft« tatsächlich nicht so leicht aussprechen lässt wie »Orangensaft«, halte ich mal für eine sehr gewagte Erklärung.
    Was nun doch genau das Gegenteil zum Kartoffel Beispiel ist. Aus welchem Grund soll den ein »n« als Fugenmorphem nach Kartoffel keine Erleichterung sein, wenn es das Orange ist ?

    Auch kann ich nicht ganz nachvollziehen, was die Aussprache „erleichtert“, wenn es statt »Eisalat« »Ei|er|salat« zu heißen hat.
    Sind das 2 Fugenmorpheme, die die Aussprache erleichtern ?


  7. Pardon,
    Berichtigung:
    „Aus welchem Grund soll den ein »n« als Fugenmorphem nach Kartoffel keine Erleichterung sein, wenn es das Orange »n« ist ?“

    (Kartoffelnsalat wäre ja auch schwerer auszusprechen als Kartoffelsalat oder?)
    (Nein)

    Außerdem glaube ich, Sie haben da was zu »freiem-« und »gebundenem Morphem« dazu morphemt ? 😉

  8.   Regine B

    Orange endet auf einen Vokal, Kartoffel nicht (siehe auch Kommentar von Herrn Zisch). Fugenmorphem ist ein linguistischer Fachbegriff und nicht von mir „dazumorphemt“.
    Dennoch ist diese Frage sicherlich so komplex, dass auch andere (z.B. diachrone, semantische) Aspekte eine Rolle spielen. Ich möchte dennoch dabei bleiben, dass es keine reine Frage nach Plural oder nicht Plural ist und belasse es dabei.

    Vielleicht haben Sie ja sogar eine bessere Lösung: Ich schlage vor, Sie beantworten die interessante Frage von Frau Hebler weiter.


  9. Liebe Regine B
    Ich habe nicht gründlich genug gesucht um mich zu informieren.
    Das Fugenmorphem ist ein Kompositum, oder auch nicht, wenn Sie mich fragen, da die beiden wohl ganz offensichtlich verschiedene Definitionen haben, aber, ganz Neusprech, evtl. „verschränkt“ sind ?

    Ich würde die Frage von Frau Hebler mit „Gewohnheit“ beantworten.
    Einen echten logischen Sinn, mit der Exaktheit, wie aus der Mathematik bekannt, bieten Sprachen nicht.

    Das ist wiederum nicht von mir, sondern schon länger bekannt.
    Ohne sich da mit Gödel und Wittgenstein u.a. gleich in Details zu stürzen, lässt sich das an dem einfachen Sachverhalt demonstrieren, nämlich daß die Mathematik universell ist, und sich trotzdem nicht nur in einer Sprache beschreiben lässt. Auf Kosten der Präzision der Angaben allerdings. Wobei nicht „die Mathematik“ als Ganzes, gemeint ist, sondern nur die symbolisierte Darstellung von Regeln. So wie es nicht mit exakter Logik erklärbar ist, wieso
    »Baum« „richtiger“ sein soll wie »Tree« oder spanisch »árbol«, auch wenn jeder das Selbe sieht. So ist es umgekehrt ebensowenig durch Augenschein zu „verstehen“, das »er« in Eiersalat, nicht der Plural sein soll, wie es schon beim einfachen rechnen etwas schwierig wäre, einer Zahl verschiedene Werte zuzuschreiben.

    Also, ich bleibe einfach bei »Gewohnheit« als Erklärung.

    Es ist nämlich gar nicht erklärbar, daß der Saft mehrerer Orangen, ganz konkret logisch beschrieben, nicht »Orangensaft« geschrieben werden soll, wenn es keine andere Möglichkeit gibt das Beschriebene auszudrücken, wie mit »Wald« »Bäume« ausgedrückt werden kann.
    Das eine Vielzahl von Bäumen nicht exakt das Selbe ist wie ein Wald, lässt sich dabei erst verstehen, wenn es dazu noch detailiertere Beschreibungen gibt. Als Beispiel reicht es aber hoffentlich.

  10.   CaNu

    Gut erläutert …und doch beschäftigt mich auf jeder Fahrt nach Norden die Frage:
    Warum heißt es Vogelpark Walsrode?

 

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